Sicario


Sicario (USA, 2015)

Blu-ray, Studiocanal
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 122 Minuten

Extras:
- In die Finsternis eintreten: Das visuelle Design (16:44 Min.)
- Blunt, Brolin & Benicio: Die Darstellung der Charaktere (14:33 Min.)
- Kampfzone: Der Hintergrund von Sicario (13:39 Min.)
- Takte aus der Wüste: Die Filmmusik (6:17 Min.)

Regie:
Denis Villeneuve

Hauptdarsteller:
Emily Blunt (Kate Macer)
Josh Brolin (Matt Graver)
Benicio del Toro (Alejandro Gillick)
Daniel Kaluuya (Reggie Wayne)




Story

Der Drogenkrieg im nordamerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet hat beängstigende Ausmaße angenommen. Die mexikanische Polizei hat die Lage in der Grenzstadt Juarez längst nicht mehr unter Kontrolle. Täglich werden Menschen entführt, gefoltert und ermordet. Banden liefern sich offene Kämpfe in den Straßen. Viele Polizisten stehen auf der Lohnliste der Drogenkartelle. Die US-Regierung befürchtet eine Eskalation der Gewalt auf ihrer Seite der Grenze und entschließt sich zu drastischen Gegenmaßnahmen. Eine neu gegründete Spezialeinheit, die hauptsächlich aus CIA-Agenten und Elitesoldaten besteht, soll die Verbrecherorganisation zerschlagen. Matt Graver aus dem Verteidigungsministerim leitet die Einheit. Zusätzlich wird eine Verbindungsperson zur staatlichen Sicherheitsbehörde der USA benötigt, denn ohne deren Beteiligung dürfte das Team nicht im Inland tätig werden. Hier kommt die erfahrene FBI-Agentin Kate Macer ins Spiel. Sie reibt sich seit Jahren im endlosen Kampf gegen die Drogenkriminalität auf. Ihr Geiselrettungsteam hat gerade erst ein vom Sonora-Kartell genutztes Haus gestürmt, in dem Dutzende Leichen versteckt waren. Bei der Explosion einer Sprengfalle sind zwei Kollegen ums Leben gekommen. Als man Kate zusichert, Gravers Spezialeinheit werde gegen die wahren Hintermänner vorgehen, meldet sie sich freiwillig.

Kate erhält nur rudimentäre Informationen. Man sagt ihr nicht, dass sie für das Team im Grunde nicht gebraucht wird und sie erfährt nicht, welche konkreten Einsatzziele Graver eigentlich verfolgt. Zudem bleibt die Identität des Teammitglieds Alejandro Gillick für sie ein Geheimnis. Der undurchsichtige Mann scheint eine wichtige Rolle in Gravers Plänen zu spielen. Kate stellt schon bald fest, dass Graver weit jenseits der Legalität operiert, und zwar mit Billigung der höchsten Stellen. Die erste gemeinsame Mission besteht in der Überführung des sich im Gewahrsam der Polizei von Juarez befindlichen Bruders des Sonora-Kartellchefs in die USA. Bei der Rückfahrt gerät der Konvoi an der Grenze in einen Verkehrsstau. Killer der Kartells nähern sich. Gravers Leute schalten die Angreifer rasch aus, nehmen dabei aber zivile Opfer in Kauf (zu denen es glücklicherweise nicht kommt). Kate selbst ist gezwungen, einen Killer zu erschießen. Allmählich begreift sie, worauf sie sich eingelassen hat. Sie ist nicht zugegen, als Gillick den Gefangenen foltert und so von der Existenz eines vom Kartell für den Drogenschmuggel genutzten Tunnels an der Grenze erfährt. Durch die Befragung illegaler Einwanderer kann der Ort, an dem sich der Tunneleinstieg befindet, genauer eingegrenzt werden.

Schließlich erfährt Kate doch noch, wohin das alles führen soll. Manuel Diaz, der Bruder des Gefangenen, ist ein hohes Tier in der US-Drogenmafia, doch um ihn geht es gar nicht. Über allem thront der mexikanische Drogenbaron Fausto Alarcon. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen, aber sein Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Graver soll Diaz' Geschäfte nachhaltig stören und dabei so viel Staub aufwirbeln, dass Diaz zu Alarcon gerufen wird. Man könnte Diaz dann zu Alarcon folgen und einen entscheidenden Enthauptungsschlag gegen das Kartell führen. Gravers Team vereitelt eine Geldwäscheaktion und friert Diaz' Konten ein. Kate betritt die Bank, um Beweise sicherzustellen, die in einem Gerichtsverfahren gegen Diaz verwendet werden können. Ihre Vorgesetzten machen ihr unmisservständlich klar, dass eine "normale" Strafverfolgung nicht Sinn der Sache ist. Kates Aktion war sinnlos, aber jetzt kennen die Gangster ihr Gesicht. Ein korrupter amerikanischer Polizist wird auf sie angesetzt. Er macht sich in einer Bar an sie heran, flirtet heftig und wird von Kate mit nach Hause genommen. Als sie durch einen Zufall erkennt, welche Absichten der Mann wirklich verfolgt, versucht er sie zu erwürgen. Gillick kommt hinzu, nimmt den Mann fest und prügelt die Namen weiterer für das Kartell arbeitender Polizisten aus ihm heraus.

In der darauf folgenden Nacht wird der Tunnel gestürmt, denn es konnte festgestellt werden, dass sich Diaz auf den Weg zu Alarcon gemacht hat. Auf der anderen Seite des Tunnels muss Kate hilflos mit ansehen, wie Gillick einen Gangster erschießt, einen Drogenkurier (einen mexikanischen Polizisten) als Geisel nimmt und mit dessen Auto davonfährt. Graver erzählt ihr, dass Gillicks Frau und Tochter im Auftrag Alarcons grausam ermordet worden sind. Er ist zum Auftragskiller des kolumbianischen Medellin-Kartells geworden, um sich an Alarcon rächen zu können. Das Medellin-Kartell hat früher die Drogengeschäfte in Mexiko kontrolliert und will den früheren Status quo wiederherstellen. Die CIA unterstützt Gillick, denn man glaubt, die Situation werde sich nach der Machtübernahme des Medellin-Kartells stabilisieren. Mit der unfreiwilligen Hilfe des Drogenkuriers (der dabei auf der Strecke bleibt) bringt Gillick Diaz in seine Gewalt. So gelingt es ihm, in Alarcons Anwesen einzudringen. Er tötet Diaz sowie mehrere Wachen und setzt sich an den Tisch, an dem Alarcon mit seiner Familie zu Abend isst. Alarcon bittet Gillick, ihn nicht vor den Augen seiner Söhne umzubringen. Gillick tötet Alarcons Frau und Kinder, bevor er die Rache vollendet.

Wenig später sucht Gillick Kate auf. Sie hatte Graver damit gedroht, die illegalen Aktionen der Gruppe öffentlich bekannt zu machen. Mit vorgehaltener Waffe zwingt er Kate, ein Papier zu unterzeichnen, mit dem bestätigt wird, dass alles streng nach Vorschrift gelaufen ist. Danach hätte Käte die Möglichkeit, Gillick zu erschießen, doch sie lässt ihn gehen.


Kringels Meinung

"Sicario" ist ein Thriller, der diesen Namen wirklich verdient. Der Film hat mich von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt, hier stimmt einfach alles. Schon die Auftaktsequenz, in der Kates Team das Leichenversteck stürmt - unterlegt mit einem pulsierenden Titel des Soundtracks, der in ähnlichen Szenen immer wieder verwendet wird und irgendwie an die bekannte Melodie aus "Der weiße Hai" erinnert - ist absolut packend inszeniert und kann als tonangebend für den ganzen Film bezeichnet werden. Die Spannung wird ganz allmählich aufgebaut (hier: Kates Anfahrt im Mannschaftstransporter usw.), die Gefahr ist aber von Anfang an da und mündet in einen heftigen Gewaltausbruch. Ähnlich verläuft auch die Mission in Juarez, die Sache mit Kates missglücktem One-Night-Stand, der Angriff auf den Tunnel und die Ermordung Alarcons. Da man alles mit Ausnahme von Gillicks Alleingang aus Kates Perspektive miterlebt und somit ebenso wenig wie sie weiß, was Graver und Gillick überhaupt vorhaben, entsteht ein Gefühl der Unsicherheit, durch das die Spannung auch außerhalb der Actionszenen auf einem hohen Level gehalten wird.

Die Hauptdarsteller Emily Blunt, Benicio del Toro und Josh Brolin sind die perfekten Besetzungen für ihre jeweiligen Rollen. Kate mag eine toughe FBI-Agentin sein, sie ist aber auch verletzlich und eignet sich somit bestens als Identifikationsfigur. Man nimmt Emily Blunt jederzeit ab, dass die von ihr verkörperte Person ein SWAT-Team anführen kann und man versteht, was in ihr vorgeht, wenn ihr angesichts der Schießerei an der Grenze klar wird, worauf sie sich eingelassen hat. Anders als es in klischeehafteren Actionfilmen der Fall wäre, ist sie keineswegs begeistert von der Aussicht, es den Gangsterbossen, an die sie bei ihrer jahrelangen Polizeiarbeit nicht annähernd herangekommen ist, mal so richtig zeigen zu können. Man könnte ihr Beharren auf einem vorschriftsmäßigen Vorgehen als Schwäche missverstehen, weil sie dadurch Gravers Pläne gefährdet. In Wahrheit ist der Versuch, die eigene Integrität zu bewahren, Kates Stärke. Dass sie damit nicht durchkommt und sich am Ende doch der harten Realität beugen muss, ist wiederum eine der Stärken des Films. Benicio del Toro ist mindestens ebenso großartig - trotz oder gerade wegen seines zurückhaltenden Spiels. Gillick ist zunächst absolut undurchschaubar. Man weiß nicht, wer er ist und welche Aufgabe ihm in Gravers Team zukommt. Auch nachdem man erfahren hat, was ihm angetan wurde, wird man nicht recht schlau aus ihm. Er foltert mindestens zwei Personen und tötet die ganze Familie des Gangsterbosses vor dessen Augen. Ist er also ein grausamer, gnadenloser Verbrecher? Auf der anderen Seite wird deutlich, wie sehr er leidet, so dass man seinen Rachefeldzug verstehen kann. Außerdem geht er (so komisch das auch klingt) sehr sanft vor, als er Kate dazu zwingt, die Erklärung zu unterschreiben. Graver wiederum wird von Josh Brolin als charismatischer und im Grunde ganz witziger Typ gespielt, aber es kann kein Zweifel daran bestehen, dass er genauso rücksichtslos ist wie Gillick.

Mit alldem wäre "Sicario" schon ein sehr guter Actionfilm. Zu etwas Besonderem wird er durch die geradezu beunruhigend hohe Authentizität. Es wurde wenn immer möglich an Originalschauplätzen gedreht, auf übertriebene Action wurde verzichtet und auch sonst wurde viel Wert auf Realismus gelegt. So wird nicht eindeutig zwischen Gut und Böse getrennt. Ebenso wie Kate muss auch der Zuschauer für sich selbst entscheiden, ob der Zweck die Mittel heiligt oder nicht. Graver will den Teufel mit dem Beelzebub austreiben und ein unkontrollierbares Übel durch ein vermeintlich kleineres ersetzen. Vielleicht gelingt es ihm tatsächlich, auf diese Weise viele Leben zu retten. Aber ist es das wert, oder vielmehr: "Darf" sich die Polizeiarbeit in Krieg verwandeln, wenn man es mit einem Gegner zu tun hat, der keine Regeln und Grenzen respektiert? Der Film legt sich da nicht fest. Ich fürchte, wenn das in der Realität noch nicht geschehen ist, so wird es nicht mehr lange dauern, bis es soweit ist. Schließlich sind die Verhältnisse in Mexiko, insbesondere Juarez, ja wirklich so, wie sie im Film gezeigt werden. Die Schlussszene des Films ist vielleicht doch ein Statement. Bei der Fahrt zu Alarcons Anwesen tötet Gillick den Drogenkurier, einen korrupten mexikanischen Polizisten. Der Mann hinterlässt eine Frau und einen kleinen Sohn. Die Familie hat schon vor seinem Tod in relativ ärmlichen Verhältnissen gelebt. Der Film endet damit, dass die Mutter den Jungen zu einem Fußballspiel begleitet, zu dem eigentlich der Vater hätte mitkommen sollen. Das Spiel wird durch nahe Schüsse unterbrochen. Offensichtlich gibt es auch nach der Machtübernahme des Medellin-Kartells immer noch offene Gewalt in Juarez. Und was soll aus dem Jungen werden? Vielleicht wird er in den Sumpf hineingezogen, der durch die ganze Aktion hätte trockengelegt werden sollen.


Blu-ray-Features

Zusammengenommen ermöglichen die vier Featurettes vielleicht nicht unbedingt einen umfassenden Einblick in den Produktionsprozess, wohl aber in die Gedanken, die sich Drehbuchautor und Regisseur gemacht haben. Realismus war das erklärte Ziel, und das hat Drehbuchautor Taylor Sheridan durch umfassende Recherchen erzielt. In der Featurette "Kampfzone" kommen mehrere Zeitzeugen zu Wort, unter anderem ein Lokalpolitiker aus Juarez. Durch ihre Erzählungen sowie durch dokumentarische Filmaufnahmen und Fotos wird deutlich, wie nah "Sicario" an der Realität ist. Gedreht wurde wie im Kommentar gesagt wenn möglich an Originalschauplätzen. Dreharbeiten in Juarez waren ausgeschlossen; dort hätte sich das Filmteam nicht sicher bewegen können! Interessant finde ich auch, was der Regisseur zu den Landschaftsaufnahmen zu sagen hat. Mir war aufgefallen, dass viele Panorama- und Luftaufnahmen des Grenzgebietes zu sehen sind. Dadurch soll ein Gefühl für die "Macht" dieser Landschaft geweckt werden, in der sich der Grenzzaun wie eine absurde, lächerliche Linie ausnimmt.


J. Kreis, 05.04.2017




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