Shogun


Shogun (USA, 1980)

DVD Regionalcode 2, Paramount
Altersfreigabe: FSK 12
Gesamtlaufzeit: 8:46:21 Min.

Extras:
- The Making of Shogun (79:24 Min.)
- Historische Perspektive - Featurettes: Die Samurai, Zeremonien: "Tee", Die Geisha (15:05 Min.)
- Audiokommentar von Regisseur Jerry London für ausgewählte Szenen

Regie:
Jerry London

Hauptdarsteller:
Richard Chamberlain (John Blackthorne)
Toshiro Mifune (Yoshi Toranaga)
Yoko Shimada (Toda Buntaro-Mariko)
John Rhys-Davies (Vasco Rodrigues)
Damien Thomas (Pater Martin Alvito)
Frankie Sakai (Fürst Kasigi Yabu)
Alan Badel (Pater Dell'Aqua)
Nobuo Kaneko (Fürst Ishido)
Vladek Sheybal (Kapitän Ferreira)
Hiromi Senno (Fujiko Usaki)
Leon Lissek (Pater Sebastio)
Hideo Takamatsu (Fürst Buntaro)




Diese Box enthält die komplette Fernsehserie "Shogun" auf fünf DVDs.

Story:

Ende des 16. Jahrhunderts werden die Weltmeere von den europäischen Großmächten beherrscht. Unermessliche Schätze wurden in der Neuen Welt entdeckt, auch in Japan soll es große Reichtümer geben. Die Magellanstraße, eine sichere Passage zu den japanischen Inseln, war bisher ein gut gehütetes Geheimnis der Portugiesen und Spanier, die bereits Handelsbeziehungen mit Japan aufgenommen haben. Noch hat kein Engländer dieses geheimnisvolle Land erreicht, über das in Europa so gut wie nichts bekannt ist. Im Jahre 1598 sticht eine mit Kaperbriefen ausgestattete holländische Flotte in See, die das spanisch-portugiesische Handelsmonopol in Japan brechen soll. Es kommt zu Gefechten mit feindlichen Einheiten. Nur der Erasmus, auf der der britische Navigator John Blackthorne dient, gelingt die Flucht. Das Schiff gerät nach insgesamt fast zweijähriger Reise im Mai 1600 in einen Sturm und wird auf ein Riff vor der japanischen Küste getrieben, bleibt aber unbeschädigt. Blackthorne und die anderen Überlebenden werden im Fischerdorf Anjiro gefangen gehalten. Der Zutritt zum Schiff wird ihnen verwehrt. Blackthorne ist beeindruckt von der Freundlichkeit der Japaner, gleichzeitig aber abgestoßen von ihrer Grausamkeit. So köpft der für das Dorf zuständige Samurai Kasigi Omi einen Dorfbewohner nur deshalb, weil sich der Mann nicht verneigt. Omi ruft den sehr an der Erasmus interessierten Fürsten Kasigi Yabu herbei, den Daimyo der Provinz Izu. Als Dolmetscher fungiert der Jesuitenpriester Sebastio, dessen Übersetzungen aber nicht immer ganz der Wahrheit entsprechen, weil er die Protestanten hasst. Man beschuldigt Blackthorne und die Seinen der Piraterie. Blackthornes Stolz wird als Respektlosigkeit gegenüber den Samurai betrachtet. Einer seiner Männer wird lebendig gekocht und ein zweiter mit dem Tod bedroht, bis sich Blackthorne der Obrigkeit beugt. Omi gibt ihm den Namen "Anjin" - Navigator.



Shogun

(John Blackthorne)


Blackthorne soll Fürst Toranaga vorgeführt werden, einem der fünf Regenten, die Japan regieren, weil der kaiserliche Erbe noch minderjährig ist. Toranaga strebt insgeheim nach der alleinigen Macht. Sein Ziel ist die Einigung des Reiches unter ihm selbst als Kriegsherren (Shogun). Sein Hauptrivale ist das Ratsmitglied Fürst Ishido. Der Engländer wird mit einem Schiff nach Osaka gebracht, auf dem der portugiesische Steuermann Vasco Rodrigues Dienst tut. Vor der Abfahrt verschaffen sich Rodrigues und Blackthorne Zugang zur Kabine der Erasmus, doch alle Karten und Logbücher Blackthornes wurden entwendet. Rodrigues verschweigt, dass er selbst die Unterlagen gestohlen hat. Unterwegs nach Osaka gerät das japanische Schiff in einen Sturm. Rodrigues schickt Blackthorne zum Bug, weil er hofft, dass der Engländer ins Meer gespült wird. Rodrigues geht jedoch selbst über Bord. Blackthorne springt hinterher und riskiert sein Leben, um Rodrigues zu retten. Fürst Yabu, der die Reise mitmacht, steht den Männern bei. In Osaka begibt sich Rodrigues zur jesuitischen Mission und liefert Blackthornes Papiere an die Patres Dell'Aqua und Alvito aus. Danach wird Blackthorne von Toranaga befragt. Pater Alvito soll übersetzen, aber damit ist Blackthorne nicht einverstanden. Toranaga, dem der mutige Engländer gefällt, zieht Lady Toda Buntaro-Mariko hinzu. Sie ist des Englischen mächtig und hat den christlichen Glauben angenommen. Blackthorne ist sofort fasziniert von der schönen Frau. Er schlägt Toranaga ein Handelsabkommen vor, doch Ishido, der Herr von Osaka, wiederholt den Vorwurf der Piraterie. Blackthorne wird in ein Gefängnis geworfen, in dem entsetzliche Zustände herrschen. Hinrichtungen sind an der Tagesordnung. Dort lebt der Franziskanermönch Domingo seit zwei Jahren in Gefangenschaft. Von ihm lernt Blackthorne einige Brocken Japanisch. Außerdem erfährt er, dass sich die Jesuiten in die japanische Politik einmischen und alle anderen katholischen Orden verbieten, um ihre Macht auszuweiten und das Handelsmonopol auf Seide zu sichern. Das Schwarze Schiff transportiert die wertvollen Stoffe regelmäßig nach Europa und bringt Gold für die Jesuiten zurück.



Shogun

(Mariko)


Eines Tages wird Blackthorne aufgerufen. Er rechnet mit seiner Hinrichtung, wird aber freigelassen. Tatsächlich hat Toranaga seine Inhaftierung nur angeordnet, um ihn vor Ishido zu schützen. Der Fürst möchte von Blackthorne, den er immer mehr zu schätzen lernt, mehr über die Welt außerhalb Japans erfahren. Der Engländer wiederum soll von Mariko in die japanischen Sitten und Gebräuche eingeführt werden. Allmählich kommen sich die beiden näher, doch Mariko ist verheiratet. Blackthorne erläutert am Beispiel der Neuen Welt, was den Japanern blüht: Die Portugiesen betrachten Japan als ihr Eigentum, das sie nach Belieben ausbeuten können, denn sie wurden vom Papst ermächtigt, die Kontrolle über jedes nicht christliche Land zu übernehmen. Toranaga ist nicht erfreut über die Aussicht, jederzeit von den Europäern abgesetzt werden zu können, und fordert schriftlich Rechenschaft von den Jesuiten. Diesen ist klar, wem sie das zu verdanken haben. Ferreira, der Kapitän des Schwarzen Schiffes, droht mit militärischen Maßnahmen. Dell'Aqua will ein derartiges Risiko nicht eingehen. Stattdessen veranlasst er sogar die Rückgabe von Blackthornes Papieren. Ein Assassine der Amida Tong-Geheimgesellschaft wird auf Blackthorne angesetzt. Das Attentat schlägt fehl. Der Ninja tötet sich selbst, so dass ungeklärt bleibt, wer ihn beauftragt hat. Blackthorne soll eine Reisegesellschaft nach Yedo begleiten, wo er in Sicherheit wäre. Das Ganze ist eine Finte Toranagas, die es ihm ermöglichen soll, Osaka heimlich zu verlassen. Als der Plan aufzufliegen droht, spielt Blackthorne den Verrückten und lenkt Ishido ab. Blackthorne und Mariko tragen entscheidend dazu bei, dass Toranaga die Galeere erreichen kann, mit der die Reise weitergehen soll. In der Zwischenzeit wird eine vorbereitete Erklärung an Ishido übergeben. Toranaga erklärt seinen Rückzug aus dem Rat der Regenten. Somit kann der Rat keine einstimmigen Entscheidungen mehr fällen.



Shogun

(Fürst Toranaga)


Der Hafen wird durch einige mit Bogenschützen bemannte Boote blockiert. Außerdem liegt hier das Schwarze Schiff vor Anker. Kapitän Ferreira würde am liebsten das Feuer eröffnen, aber Dell'Aqua lässt das nicht zu. Toranaga und Blackthorne kommen zu Verhandlungen an Bord. Um die für den Kampf gegen die Bogenschützen benötigten Musketen zu erhalten, gestattet der Fürst den Jesuiten den Bau einer Kathedrale in Yedo. Ferreira fordert die Herausgabe Blackthornes. Toranaga willigt ein (Blackthorne erfährt dies einige Zeit später), Rodrigues ermöglicht seinem Freund aber die Flucht. Der Engländer wird in den persönlichen Stab Toranagas aufgenommen und erhält den Rang eines Hatamoto. Während Toranaga weiterreist, bleiben Blackthorne, Yabu und Mariko in Anjiro zurück. Dort soll Blackthorne Japanisch lernen. Ein luxuriöses Haus wird ihm zur Verfügung gestellt. Die junge Witwe Fujiko Usaki wird ihm als Gefährtin zugeteilt. Blackthornes Freude über all diese Ehren wird empfindlich getrübt, als er erfährt, dass das gesamte Dorf für ihn verantwortlich ist. Sollte er die japanische Sprache nach sechs Monaten noch nicht beherrschen, müssen alle Dorfbewohner sterben. Blackthorne behauptet, wegen dieser Schande Selbstmord begehen zu müssen. So bringt er Yabu dazu, den Befehl zurückzunehmen. Inzwischen wurde Ito Teruzumi in den Rat der Regenten aufgenommen. Ishido ist der neue Präsident. In zwanzig Tagen soll Toranaga abgesetzt werden. Unberührt von diesen Vorgängen lässt sich Blackthorne in den folgenden Tagen von Mariko in die japanischen Sitten und Gebräuche einführen. Er macht gute Fortschritte beim Erlernen der fremden Sprache und verliebt sich in seine Lehrerin. Er übernimmt die Ausbildung von Yabus Soldaten an Feuerwaffen.



Shogun

(Pater Alvito)


Blackthorne lernt Marikos Gatten kennen, den Fürsten Buntaro von Sakura. Er erfährt, warum Mariko den gewalttätigen Mann geheiratet hat. Sie ist die Tochter eines Fürsten, der zum Verräter und Mörder geworden ist. Sie wollte seinerzeit Selbstmord begehen, aber Buntaro hat sie daran gehindert und ihre Ehre durch die Heirat wiederhergestellt. Mariko verabscheut ihn und wird von ihm misshandelt - so auch am Abend von Buntaros Besuch in Blackthornes Haus. Toranaga schlägt sein Feldlager in der Nähe von Anjiro auf. Ein Regent ist zurückgetreten, woraufhin Ishido dessen gesamte Familie ausradiert hat. Krieg scheint unausweichlich zu sein, es sei denn, der Imperator wäre bereit, Toranaga zum Shogun zu machen. Blackthorne ist zugegen, als die Gegend von einem Erdbeben erschüttert wird. Toranaga droht in einer Felsspalte verschüttet zu werden. Blackthorne und Mariko retten ihm das Leben. Toranaga plant nun einen militärischen Präventivschlag. Zu diesem Zweck soll Blackthorne die Erasmus kampfbereit machen. Der Engländer würde gern das Schwarze Schiff kapern. Der Fürst möchte jedoch keine befreundete Nation angreifen. Blackthorne erfährt die höchste Ehre, die jemals einem Europäer zuteil wurde. Toranaga ernennt ihn zum Samurai und überträgt ihm ein Fischerdorf südlich von Yedo zum Lehen. Auf Befehl von Toranaga versöhnen sich Mariko und Fürst Buntaro, aber sie verweigert weiterhin die ehelichen Pflichten. Ihrem Gatten ist klar, wer sein Rivale ist: Blackthorne!



Shogun

(Kasigi Yabu)


Als Gefolgsmann Toranagas begleitet Blackthorne den Fürsten nach Yokose. Dort trifft sich Toranaga mit seinem Halbbruder. Dieser wurde in den Rat der Regenten berufen und hat sich mit Ishido verbündet. Toranaga wird nach Osaka zitiert. Blackthorne und Mariko müssen allein weiterreisen. Unterwegs vertieft Blackthorne seine Sprachkenntnisse. Er und Mariko werden zum Liebespaar. Sie bittet ihn, die Beziehung zu beenden, sobald die erste Brücke von Yedo erreicht ist. Die Portugiesen planen immer noch Blackthornes Ermordung, denn sollte er die Erasmus zurückerhalten, wäre es ihm ein Leichtes, das Schwarze Schiff zu vernichten. Rodrigues wird mit einem entsprechenden Auftrag zu Blackthorne geschickt, strengt sich aber nicht besonders an und zieht erfolglos wieder ab. In Yedo sucht Blackthorne seine Schiffskameraden auf, die inzwischen ziemlich verwahrlost sind. Ohne Marikos Wissen bittet er Toranaga darum, ihr die Scheidung zu erlauben. Der Fürst lehnt ab und verbietet es Blackthorne, jemals wieder über die Angelegenheit zu sprechen. Mariko, die wieder auf Distanz zu Blackthorne geht, macht ihm klar, dass alle Untergebenen Toranagas sterben müssen, sollte der Fürst von den Regenten getötet werden. Blackthorne weiß, wie er Toranagas Machtposition stärken könnte. Mit der Erasmus könnte er das Schwarze Schiff bedrohen. Damit hätte er die Jesuiten in der Hand und könnte sie zwingen, sich mit Toranaga zu verbünden.



Shogun

(Vasco Rodrigues, im Hintergrund Kasigi Omi)


Blackthorne erhält nun seine eigenen Samurai. Einer der Männer ist Urano, ein ehemaliger Jesuit, der von Pater Alvito exkommuniziert wurde, weil er wegen Verkehrs mit einer Prostituierten ausgepeitscht werden sollte und diese Strafe verweigert hat. Urano wird zu einem wichtigen Helfer Blackthornes, fällt aber später einem Mordanschlag zum Opfer. Von einer Geisha erfährt Blackthorne, dass das Ratsmitglied Fürst Onoshi mit Ishidos Billigung plant, einen anderen Ratsfürsten zu ermorden, sobald Toranaga ausgeschaltet ist. Endlich erhält Blackthorne die Erasmus zurück. Er soll damit nach Anjiro fahren, während Mariko nach Osaka reisen soll. Bevor sie aufbricht, beichtet sie bei Pater Alvito. Sie bittet um Blackthornes Leben und informiert den Jesuiten im Gegenzug über Fürst Onoshis Plan. Da nur noch wenige Besatzungsmitglieder der Erasmus am Leben sind, benötigt Blackthorne eine neue Crew, die er in der Hafenstadt Nagasaki beschaffen will. Er muss einen Zwischenstopp in Ishidos Domäne Osaka einlegen und tappt in eine Falle. Blackthorne soll an den Feierlichkeiten zum Geburtstag der Lady Ochiba (Mutter des Thronerben) in Schloss Osaka teilnehmen. Diese von höchster Stelle ausgesprochene Einladung kann er unmöglich ablehnen, so dass er sich praktisch in Ishidos Gewalt begeben muss. In Bälde wird eine Sitzung des Regentenrates stattfinden. Toranaga muss dort erscheinen, denn der neue Kaiser wird persönlich anwesend sein. An diesem Tag wird sich das Schicksal Toranagas und seiner Getreuen entscheiden - bis dahin muss es Blackthorne gelungen sein, das Schwarze Schiff in seine Gewalt zu bringen oder zu vernichten.



Shogun

(Fujiko Usaki)


Mariko ist bei Lady Ochibas Geburtstagsfeier zugegen. Gemäß Toranagas Befehl soll sie am nächsten Tag zwei Damen zu ihrem Fürsten bringen. Ishido verweigert ihr die Abreise. Sie behauptet, mit dieser Schande nicht leben zu können und Seppuku begehen zu müssen. In letzter Sekunde lenkt Ishido ein. Mariko und alle anderen Gefolgsleute Toranagas, die sich in Schloss Osaka befinden und als Geiseln hätten missbraucht werden können, dürfen die Stadt verlassen. Genau das war Marikos Plan, aber sie hat nicht mit Ishidos Grausamkeit gerechnet. Der Fürst bedroht Yabu und macht ihn zum Verräter. Yabu tötet den Wachhauptmann und ermöglicht es einem großen Ninja-Kampftrupp, in die Gastgemächer einzudringen. Die Attentäter metzeln alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Blackthorne und Mariko retten sich in einen geheimen Raum, doch die Ninjas sprengen die Tür auf. Dabei wird Mariko getötet. Blackthorne verliert sein Augenlicht. Nach Marikos Bestattung wird Blackthorne von Pater Dell'Aqua persönlich zur Galeere eskortiert, die den Engländer zurück nach Anjiro bringen soll. Dort stellt sich ihnen Kapitän Ferreira in den Weg. Als er Blackthorne und den Pater mit der Pistole bedroht, wird er von den Samurai getötet. Rodrigues wird neuer Kapitän des Schwarzen Schiffes. Von ihm erfährt Blackthorne, dass auf der Erasmus Feuer ausgebrochen ist. Das Schiff wurde völlig vernichtet.



Shogun

(Fürst Ishido und Lady Ochiba)


Allmählich gewinnt Blackthorne sein Augenlicht zurück. Yabu wird des Mordes am Wachhauptmann überführt und begeht Seppuku. Toranaga verleiht Blackthorne Anjiro als neues Lehen und übergibt ihm einen Abschiedsbrief Marikos, dem zufolge sie selbst verantwortlich für die Vernichtung der Erasmus ist. Angeblich wollte sie auf diese Weise das Leben ihres Geliebten retten. Ihrem Vorschlag zufolge nimmt er mit Toranagas Unterstützung die Konstruktion eines neuen Schiffes in Angriff. In Wahrheit steckt jedoch Toranaga hinter allem. Ihm ist daran gelegen, den Engländer in Japan zu halten und weiter von seinen Kenntnissen zu profitieren. Deshalb beabsichtigt er, zu gegebener Zeit auch das neue Schiff zu zerstören. In einer Entscheidungsschlacht besiegt Toranaga seine Feinde. Innerhalb eines Jahres nach Ishidos Tod wird er vom Kaiser zum Shogun ernannt.


Kommentar:

Shogun! Meine Güte, ist das lange her - aber egal wie viele Jahrzehnte vergangen sind, seit ich diese Serie im Fernsehen gesehen habe (muss bei der Erstausstrahlung im ZDF 1982 gewesen sein): Sie ist mir unvergesslich geblieben. Was wusste ich denn damals, als Fünfzehnjähriger, über Japan oder japanische Geschichte? Was wusste überhaupt irgendjemand darüber, der nicht gerade Japanologie studiert hatte? Wahrscheinlich sind wir damals durch Shogun erstmals an diese Themen herangeführt worden, und bestimmt haben alle Kids meiner Generation zusammen mit Blackthorne Japanisch gelernt! "Hai wakarimashita Toranaga-sama!" Auf jeden Fall wurde mein Japan-Bild durch Shogun nachhaltig geprägt. Nach allem, was man im Internet lesen kann, war diese Prägung gar nicht so verkehrt, denn die Serie ist offenbar historisch ziemlich korrekt. Basierend auf einem Roman von James Clavell, den ich nicht kenne, werden die Erlebnisse des Navigators William Adams (= Blackthorne) nacherzählt. Adams hat wirklich gelebt und war der erste Engländer, der nach Japan gereist ist. Er ist mit portugiesischem Priestern aneinandergeraten und wurde von Tokugawa Ieyasu (= Toranaga) in den Stand eines Samurai erhoben. Er hatte einen sehr großen Einfluss auf den späteren Shogun. Wahrscheinlich hat er den Anstoß dazu gegeben, dass das Christentum in Japan verboten wurde, und dass das Land für lange Zeit von Europa isoliert geblieben ist. Die Schlacht von Sekigahara, in der Tokugawa Ieyasu seinen Widersacher Ishida Mitsunari besiegte, wird am Ende der Serie namentlich erwähnt - allerdings nur in einem Voice-over-Kommentar, man sieht nichts davon. Auch Toranagas wahre Absichten mit Blackthorne kommen nur in diesem Kommentar zum Ausdruck. William Adams jedenfalls musste bis zu seinem Tod in Japan bleiben...

Ich weiß noch genau, wie sehr ich und meine Schulkameraden von Shogun beeindruckt waren. Die Zeit des zu Ende gehenden japanischen Mittelalters ist ja auch wirklich faszinierend. Dieses fremdartige Land mit unbekannten Sitten und Gebräuchen, teils grausam, aber in vielen Dingen "zivilisierter" als die europäischen Länder, die Fixierung auf Stolz, Ehre und Traditionen... all das wird dem Zuschauer in Shogun eindrucksvoll näher gebracht. Die Serie wurde aufwändig produziert, und es ist aus heutiger Sicht erstaunlich, wie viel Zeit sie sich lässt. In langen Einstellungen werden verschiedene wichtige Aspekte der japanischen Kultur ausführlich behandelt: Die Teezeremonie, Unterhaltung in einem Geisha-Haus, Marikos Feuerbestattung, das Seppuku-Ritual - die Liste ließe sich noch weiterführen. Gebäude und Bühnenbilder, Kostüme und Frisuren, Waffen und sonstige Ausstattung wurden mit so viel Sorgfalt und Liebe zum Detail ausgearbeitet, dass ein absolut überzeugendes, lebendiges Bild der japanischen Vergangenheit entsteht. Die Serie ist wirklich sehr episch angelegt - einige Nebenhandlungen habe ich in der langen Zusammenfassung gar nicht erwähnt. Zum Beispiel haben Kasigi Omi und die Geisha eine Liebesbeziehung. Sie können nicht zusammenkommen, weil die Dame Toranaga gehört. Der Fürst schenkt sie am Ende Blackthorne, der wiederum überlässt sie Kasigi Omi. Die realistische Atmosphäre wird noch dadurch verstärkt, dass auf eine Übersetzung der vielen in japanischer Sprache geführten Dialoge verzichtet wurde. Nur ganz selten werden solche Szenen von einem Erzähler (Orson Welles im englischen Original!) erläutert, wenn sich der Sinn nicht aus dem Zusammenhang ergibt. Natürlich wird einiges von Mariko für Blackthorne übersetzt, aber wenn er etwas nicht versteht, dann versteht es der Zuschauer in der Regel auch nicht.

Die Serie enthält einiges, was es zuvor so noch nicht auf dem Fernsehbildschirm zu sehen gab: Das Abschlagen eines Kopfes und andere Gewaltszenen, Nacktheit... Heute ist man natürlich noch ganz andere Sachen gewöhnt (ich sag' nur The Walking Dead oder Game of Thrones), aber damals war sowas ganz und gar nicht alltäglich, und es wurde viel darüber gesprochen. Erstaunlich, dass ich die Serie überhaupt gucken durfte! Lobend zu erwähnen ist noch, dass die Gegner (hier: die Jesuiten) nicht als stereotyp böse dargestellt werden. Natürlich sieht z.B. Alvito in Blackthorne einen Gegner, aber er respektiert ihn auch. Und die Jesuiten gehen nicht so weit, ihren Glauben zu verraten - Pater Dell'Aqua schützt Blackthorne sogar gegen Ferreira. Der wiederum hat handfeste Gründe dafür, Blackthorne den Tod zu wünschen. Ebensowenig sind "die Guten" wirklich gut. Toranaga zum Beispiel benutzt und manipuliert Blackthorne rücksichtslos zu seinen eigenen Gunsten.

Die Schauspieler sind über jeden Zweifel erhaben. Toshiro Mifune! Zu dem muss ich wohl nichts mehr sagen. Er beweist Humor in einer Szene, in der Toranaga mit Blackthorne tanzt, und verkörpert den Shogun einfach perfekt, jenen großen Manipulator und charismatischen Anführer, dem man bedenkenlos in eine Schlacht folgen würde. Richard Chamberlain hat die unterschiedlichsten starken Szenen. Besonders beeindruckend: Blackthornes Seppuku-Bluff, mit dem er die Bewohner Anjiros rettet. Blackthorne ist allerdings sehr schwer von Begriff. Zum Beispiel hängt er einen toten Fasan auf, damit der Vogel "reift", bevor er zubereitet wird. Die Bewohner Anjiros ertragen den Verwesungsgestank nicht, etwas muss getan werden. Da Blackthorne befohlen hat, dass der Kadaver nicht angerührt werden darf, kommen sie mit ihren Nöten natürlich nicht zu ihm. Einer muss Blackthornes Befehl zuwiderhandeln. Ein alter Diener hängt das Vieh ab, wohl wissend, dass er dafür geköpft werden muss. Blackthorne regt sich mächtig auf, als er von dem Vorfall erfährt, und schreit die arme Fujiko an, weil er sie für verantwortlich hält. Später wagt er es, Toranaga um Marikos Hand zu bitten und wundert sich über die Abfuhr, die ihm erteilt wird. Eigentlich hätte er zu diesem Zeitpunkt längst begriffen haben müssen, wie die Japaner ticken, und dass für sie manches einfach undenkbar ist. Immerhin verändert er sich, ohne es selbst zu bemerken. So empfindet er Abscheu gegenüber seinen alten Schiffskameraden, weil sie die für Blackthorne inzwischen selbstverständlichen japanischen Begriffe von Reinlichkeit nicht unbedingt teilen.

Shogun ist auch heute noch ein wunderbares Fernseherlebnis, allerdings muss man sich auf die sehr behäbige Erzählweise einlassen, die es in dieser Form heute fast gar nicht mehr gibt. Selbst Last Samurai, ein in vielerlei Hinsicht sehr ähnlicher, ebenfalls auf wahren Begebenheiten basierender Film, kann da nicht mithalten. Für mich ist diese Langsamkeit natürlich nur ein weiterer Pluspunkt. Aber wer Action, schnelle Schnittfolgen, Wackelkamera und andere Mätzchen wie in modernen Produktionen erwartet, dürfte von Shogun enttäuscht sein.


DVD-Features:

Die mehr als achtstündige Serie wird in der DVD-Box zu einem einzigen, langen Spielfilm zusammengefasst. Nur am Anfang der ersten Episode gibt es einen Vorspann, einen Abspann gibt es nur am Ende der letzten Episode. Abgesehen von dieser kleinen Änderung ist die Serie in dieser DVD-Edition meines Wissens vollständig uncut.

Das Making of enthält hauptsächlich aktuelle Interviews, die vermutlich aus Anlass des DVD-Release produziert worden sind. An zeitgenössischem Behind-the-Scenes-Material sind lediglich einige Standbilder vorhanden. Ansonsten werden Filmszenen gezeigt. Die Interviews sind durchaus interessant; neben Mitgliedern des Produktionsteams kommen einige Schauspieler zu Wort: Richard Chamberlain, John Rhys-Davies und Yoko Shimada. Es werden einige Anekdoten zum Besten gegeben und man erfährt einiges über die gar nicht so unproblematische Zusammenarbeit mit den japanischen Mitarbeitern. Da kann man fast schon von einem Kulturschock sprechen - für beide Seiten!

In den drei Featurettes werden thematisch zu bestimmten Aspekten der japanischen Kultur passende Filmszenen gezeigt, dazu geben ein Japanologe und eine Anthropologin von der Universität Hawaii ergänzende Erläuterungen. Den Audiokommentar des Regisseurs kann man nicht während der Serie aktivieren. Die sieben Szenen mit Audiokommentar befinden sich beim Bonusmaterial auf Disc 5.

J. Kreis, 12.03.2013




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