Sherlock Holmes


Sherlock Holmes (USA/D/GB, 2009)

DVD Regionalcode 2, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 123 Minuten

Extras
- Der moderne Sherlock Holmes (13:32 Min.)

Regie:
Guy Ritchie

Hauptdarsteller:
Robert Downey jr. (Sherlock Holmes)
Jude Law (Dr. John Watson)
Mark Strong (Lord Henry Blackwood)
Rachel McAdams (Irene Adler)
Eddie Marsan (Inspektor Lestrade)
Kelly Reilly (Mary Morstan)
Hans Matheson (Lord Coward)




Inhalt:

Sherlock Holmes ist der berühmteste Privatdetektiv Londons. Er wohnt zusammen mit seinem Freund Dr. Watson in 221b Baker Street. Holmes und Watson haben schon so manchen Fall gemeinsam gelöst. Im Jahre 1891 legen sie dem ehemaligen Oberhausmitglied Lord Blackwood das Handwerk. Blackwood, ein Verbrecher und Okkultist, hat die ganze Stadt mit einer Mordserie in Angst und Schrecken versetzt. Fünf junge Frauen sind bereits Opfer seiner grausigen Rituale geworden. Holmes und Watson verhindern einen sechsten Mord, wobei sie wieder einmal Inspektor Lestrade von Scotland Yard zuvorkommen. Drei Monate später plant Watson den Auszug aus der gemeinsamen Wohnung. Seine Heirat mit Mary Morstan steht bevor, und die junge Frau ist weder begeistert von den exzentrischen Allüren des Detektivs, noch hat sie Verständnis dafür, dass sich ihr zukünftiger Gatte seinetwegen immer wieder in Gefahr begibt. Blackwood, der inzwischen zum Tod durch den Strang verurteilt worden ist, bittet Holmes am Vorabend der Hinrichtung zu sich ins Gefängnis. Der Lord behauptet, er werde nach seinem Tod drei weitere Morde begehen. Die Welt werde sich wandeln und Holmes werde nicht nur seine Machtlosigkeit einsehen, sondern darüber hinaus erkennen müssen, dass er selbst das alles erst möglich gemacht habe.

Blackwood wird aufgeknüpft, Watson stellt seinen Tod fest. Wenig später erhält Holmes einen neuen Auftrag, ausgerechnet von der Meisterdiebin Irene Adler, mit der ihn seit geraumer Zeit eine Hassliebe verbindet. Holmes soll einen gewissen Reordan finden. Zunächst spioniert der Detektiv jedoch maskiert seiner Auftraggeberin nach und belauscht ein Gespräch zwischen Adler und einem unbekannten Mann, in dessen Diensten sie offensichtlich steht. Reordan wird schon bald gefunden. Er liegt in Blackwoods Sarg. Blackwood selbst ist verschwunden; die Gruft wurde von innen aufgesprengt. Wieder zittert ganz London vor dem unheimlichen Lord, der offensichtlich mit dem Bösen im Bunde steht und von den Toten auferstanden ist. Holmes und Watson folgen einer Spur zu Reordans Wohnung, die wie ein alchemistisches Labor eingerichtet ist. Dort werden die beiden Männer von Schlägern angegriffen. Sie können sich zwar verteidigen, landen schließlich aber im Gefängnis. Watsons Kaution wird von Mary Morstan gestellt, Holmes wird auf Betreiben des "Tempels der vier Orden" freigelassen und ins Hauptquartier dieser Geheimgesellschaft gebracht.

Holmes erfährt, dass Blackwood einst selbst zum Orden gehört hat, aber ausgeschlossen wurde, weil er mit verbotener Schwarzer Magie experimentiert hat. Die Ordensmitglieder glauben, Blackwood sei jetzt dabei, das Böse heraufzubeschwören. Holmes soll ihn aufhalten. Der Detektiv kann nicht verhindern, dass Blackwood zwei Ordensmitglieder auf bizarre Weise tötet und sich anschließend selbst an die Spitze der Organisation stellt. Innenminister Lord Coward, der die Polizei kontrolliert, gehört zu Blackwoods Helfershelfern. Nach der Machtergreifung in Großbritannien wollen sie die ehemalige britische Kolonie in Übersee - die USA - zurückerobern und ihre Hand nach der Weltherrschaft ausstrecken. Zunächst sollen Holmes und Watson ausgeschaltet werden. Adler wird als Lockvogel benutzt. Bei ihrer Befreiung wird Watson verwundet, ist aber bald wieder wohlauf. Holmes, gegen den ein Haftbefehl erlassen wurde, hat inzwischen Blackwoods Rituale nachvollzogen und dabei ein Muster erkannt, das darauf schließen lässt, dass der nächste Schlag gegen das Parlament geführt werden wird. Holmes lässt sich zum Schein von Lestrade verhaften und Coward vorführen. Dieser bestätigt unwillentlich die Vermutungen des Detektivs: Alle Parlamentsmitglieder, die sich nicht auf Blackwoods Seite stellen wollen, sollen sterben.

Holmes, Watson und Adler arbeiten nun zusammen. Holmes kann beweisen, dass Blackwoods vermeintlich übernatürliche Macht auf chemischen und physikalischen Tricks basiert, die Reordan für ihn entwickelt hat. Der Hokuspokus sollte nur dazu dienen, die Bevölkerung in Panik zu versetzen und die Ordensmitglieder einzuschüchtern. In den Gewölben unter den Houses of Parliament entdecken die Gefährten eine Maschine, die von Blackwood aus der Ferne aktiviert werden kann und dann Zyanidgas ins Parlamentsgebäude leiten soll. Blackwoods Schergen werden ausgeschaltet, die Maschine wird entschärft. Adler flüchtet mit den Zyanidbehältern. Auch Blackwood flieht aus dem Palast. Holmes folgt beiden bis auf die Baustelle der Tower Bridge. Es kommt zum Entscheidungskampf, bei dem Blackwood in seinen vermutlich endgültigen Tod stürzt. Adler gesteht Holmes, dass sie von einem gewissen Professor Moriarty beauftragt wurde, sich an Holmes heranzumachen. Sie warnt ihn vor der bösartigen Genialität dieses neuen Gegners. Dass er diese Warnung sehr ernst nehmen muss, erfährt Holmes wenig später. Es stellt sich heraus, dass Moriarty Holmes benutzt hat, um für Ablenkung zu sorgen. So ist es dem Professor gelungen, den Fernsteuerungsmechanismus der Bombe unbemerkt zu entwenden. Diese revolutionäre Neuentwicklung war das einzige Ziel der Aktion...

Kommentar

...und an die hätte Moriarty sicher auch einfacher herankommen können, denn die Kenntnis von der Existenz dieses Objekts ist ja schon mal der erste Schritt - Holmes wurde nicht gebraucht, um herauszufinden, was es mit der Fernsteuerung auf sich hat. Nun, wenn Moriarty weiß, was das für ein Ding ist, und wenn Irene Adler ihren Ruf zu Recht trägt, warum hat Moriarty dann nicht sie darauf angesetzt? Ablenkung wäre nicht nötig gewesen, wenn Adler die Fernsteuerung vor Beginn des Attentats gestohlen hätte. Egal - selbst wenn die Story mit ihren Intrigen, Verschwörungen, Täuschungen und vermeintlich übernatürlichen Geschehnissen etwas arg konstruiert und weit hergeholt erscheint, so macht der Film dennoch viel Spaß.

Im Zeitalter des "Reboot"-Wahns war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand an einer der bekanntesten Figuren des Krimi-Genres vergreifen würde. Verfilmungen der Abenteuer des Meisterdetektivs Sherlock Holmes gibt es massenweise, und mit dem Film "Young Sherlock Holmes" (deutsch: "Das Geheimnis des verborgenen Tempels"), in dem Holmes und Watson Jugendliche sind, wurde schon 1985 ein etwas anderer als der biedere Detektivgeschichten-Ansatz versucht. In Guy Ritchies "Sherlock Holmes" wird die titelgebende Figur neu interpretiert und ist damit sogar näher an Sir Arthur Conan Doyles Geschichten (obwohl keine davon für das Drehbuch verwendet wurde) als so manche ältere Verfilmung, in der ein ziemlich steif-korrekter Holmes mit Vergrößerungsglas durch die Gegend läuft. Es ist zwar irritierend, einen verschwitzten, blutenden Holmes im Boxring zu sehen. Sein lockerer Lebenswandel erscheint auf den ersten Blick ebenfalls ungewöhnlich. Aber wer angesichts solcher Szenen die Nase rümpft, der sollte Doyles Geschichten noch einmal aufmerksam lesen.

Holmes wird auch in den Romanen und Storys als hervorragender Faustkämpfer mit enormen Körperkräften und Kampfsport-Fähigkeiten beschrieben. Zum Beispiel besiegt er Prof. Moriarty durch den Einsatz einer Technik namens "Baritsu". Auch sein Leben als Bohemien, komplett mit Drogenkonsum und Geigenspiel, findet sich bei Doyle wieder: Der literarische Holmes nimmt Kokain und Morphium, Kettenraucher ist er sowieso. Insoweit bleibt der Film also werktreuer als so mancher Kritiker meint. Dennoch kann man davon ausgehen, dass sich Doyle seine Hauptfigur nicht so vorgestellt hat, wie Guy Ritchie sie zeigt. Erstaunlicherweise bleibt der Geist des viktorianischen Zeitalters trotz dieser Modernisierung durchaus gewahrt - nur die geniale Kombinationsgabe des Detektivs und seine für weniger brillante Geister überraschenden Schlussfolgerungen kommen im Vergleich mit den vielen Action-Szenen etwas zu kurz. Positiv anzumerken ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass auf übernatürliche Elemente völlig verzichtet wurde. Holmes entlarvt das okkulte Brimborium am Ende als Täuschungsmanöver Blackwoods.

Für Robert Downey jr. ist die Figur des gern mal etwas verkatert wirkenden und meist ziemlich arrogant daherkommenden Exzentrikers natürlich eine Paraderolle, und im Zusammenspiel mit Jude Law in der Rolle des Dr. Watson ergibt sich ein Feuerwerk aus geschliffenen Dialogen und Situationskomik. Die beiden kongenialen Schauspieler ergänzen sich prächtig. Die "Chemie" stimmt, und man merkt ihnen die Spielfreude in jeder Szene an. Rachel McAdams als gewitzte Meisterdiebin, die sogar Holmes Paroli bieten kann, und Kelly Reilly als Vertreterin der bürgerlichen Vernunft sind gute Gegengewichte zum etwas verrückten Dasein des männlichen Dreamteams. Mark Strong ist schon allein aufgrund seines Aussehens ein ausreichend sinistrer Bösewicht, und selbst Eddie Marsan als Lestrade hat den einen oder anderen guten Moment. Die sehr schöne Ausstattung und die eindrucksvollen Sets sorgen für nette Schauwerte; das düstere, schmutzige London Ende des 19. Jahrhunderts ist ein Augenschmaus. Nur manchmal sieht man doch noch deutlich, dass viel CGI zum Einsatz gekommen ist. Dazu kommen dann noch die inszenatorischen Mätzchen, die man inzwischen von Guy Ritchie gewohnt ist: Rasante Schnittführung, abrupter Wechsel von Zeitlupe zu schneller Action, ungewöhnliche Kamerafahrten und dergleichen. Diese Stilmittel werden aber nicht übertrieben, sondern geben dem spannenden Action-Abenteuer den letzten Schliff.

DVD-Features

Featurettes wie "Der moderne Sherlock Holmes" sind nichts anderes als Werbung für den Film. Sie sind vor dem Kinostart im Fernsehen zu sehen und sollen die Neugier der Zuschauer wecken, aber nicht zuviel zeigen. Schon deshalb kann man so etwas natürlich nicht als "Dokumentation" bezeichnen. Ein paar Filmausschnitte - meist dieselben, die im Trailer vorhanden sind - werden mit etwas Hinter-den-Szenen-Material und kurzen Interviewschnipseln zusammengemixt, und zwar in so schneller Folge, dass man nichts richtig wahrnimmt. Die Interviews mit Regisseur und Schauspielern enthalten neben Eigenlob in der Regel nur ein paar nichtssagende Worte zur Handlung und zu den Hauptfiguren. Mehr darf man vom Bonusmaterial dieser DVD leider nicht erwarten.


J. Kreis, 03.01.2012




Gastkommentare


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme