Der letzte Auftrag


Der letzte Auftrag - Special Edition (GB, 2008)
- Sharpe's Peril -

DVD Regionalcode 2, New KSM
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 102 Minuten / 138 Minuten

Extras:
- Making of (23:34 Min.)
- Napoleons letzte Niederlage - Die Schlacht von Waterloo (42:54 Min.)
- Bildergalerie
- Biografien (Text)

Regie:
Tom Clegg

Hauptdarsteller:
Sean Bean (Richard Sharpe)
Daragh O'Malley (Patrick Harper)
Beatrice Rosen (Marie-Angelique Bonnet)
Velibor Topic (Graf Vladimir Alexeivich Dragomirov)
David Robb (Tredinnick)
Caroline Carver (Mrs. Tredinnick)
Luke Ward-Wilkinson (Percival Beauclere)
Michael Cochrane (Sir Henry Simmerson)
Amit Behl (Barabbas Hakeswill)
Steve Speirs (Silas Wormwood)
Pascal Langdale (Philippe Joubert)
Ulhas Tayade (Chitu)




Story

Zur Vorgeschichte siehe Das letzte Gefecht.

Richard Sharpe und Patrick Harper wollen nach dem Ende der Aufstände nur noch nach Hause. Doch Sharpe wird per Depesche zum Gouverneur bestellt. Banditen, die von einem gewissen Chitu angeführt werden, überfallen Siedlungen, metzeln ihre eigenen Landsleute nieder und zerstören Plantagen. Damit fügen sie der Ostindien-Kompanie erheblichen Schaden zu. Graf Dragomirov vom 3. Kavallerieregiment sollte diese Umtriebe beenden, hatte bisher aber keinen Erfolg. Der Gouverneur möchte die Angelegenheit Sharpe übertragen, doch der lehnt ab. Er soll nun auf seinem Weg nach Norden wenigstens Marie-Angelique Bonnet mitnehmen, die ihren Verlobten Philippe Joubert in der Garnison Kalimgong besuchen möchte. Sharpe lässt sich auf die Sache ein. Schon bald würde er die eigensinnige junge Frau gern wieder loswerden. Eine gute Gelegenheit scheint gekommen, als man einer aus königlichen Soldaten und Sepoys der Ostindien-Kompanie bestehenden Marschkolonne begegnet, die in dieselbe Richtung unterwegs ist. Die Kolonne wird von Banditen angegriffen. Dragomirovs Kavalleristen kommen zu Hilfe, so dass die Angreifer vertrieben werden können, allerdings wird der Befehlshaber der Sepoys so schwer verwundet, dass er einige Zeit später stirbt. Die Königlichen stehen unter dem Kommando des Majors Tredinnick von den Pionieren, der ebenso wenig Kampferfahrung hat wie der ebenfalls zur Kolonne gehörende junge Fähnrich Beauclere und obendrein von seiner hochschwangeren Frau begleitet wird. Widerwillig lässt sich Sharpe dazu überreden, den Befehl über die Kolonne zu übernehmen und sie nach Madras zu führen.

Unterwegs kommt es zu verschiedenen Zwischenfällen, die dazu führen, dass Colour Sergeant Wormwood und zwei Gefreite ein Mordkomplott gegen Sharpe schmieden. Außerdem wird Sharpe auf einen Gefangenen aufmerksam, der von Beauclere bewacht wird. Der Mann soll einen Offizier ermordet haben, um den Diebstahl von Regimentseigentum zu vertuschen. Als Sharpe den Namen des Mannes erfährt, dreht er durch. Der Delinquent heißt Barabbas Hakeswill. Sein Vater ist Obadiah Hakeswill, der Mörder von Sharpes erster Frau. Harper kann gerade noch verhindern, dass Sharpe den Mann tötet. In Kalimgong wartet nicht das ersehnte Ende seines letzten Auftrags auf Sharpe, sondern neues Ungemach. Die Garnison gleicht einem Schlachthaus und auch in einem benachbarten Dorf ist niemand mehr am Leben. Man vermutet, die Banditen hätten Dorf und Garnison überfallen, um die Ernte zu rauben. Major Joubert ist spurlos verschwunden und einige Unterlagen fehlen. Nur ein Mann ist noch am Leben: Sharpes alter Feind General Simmerson. Er wurde nackt in der prallen Sonne zum Sterben liegengelassen und ist nicht bei Sinnen. Seinem unzusammenhängenden Gefasel und anderen Hinweisen kann entnommen werden, dass keineswegs Chitus Banditen hinter dem Massaker stecken, sondern Dragomirov und Joubert. Es geht ihnen um die von den Einheimischen für die Ostindien-Kompanie angebauten Schlafmohnpflanzen. Chitu ist nur ein Sündenbock - seine Banditen existieren gar nicht.

In der Festung können Sharpes Leute nicht bleiben. Die Kolonne marschiert weiter bis zu einem Fluss, der durchwatet werden muss, weil die einzige Brücke vom Hochwasser weggerissen wurde. In dieser Situation greifen Dragomirov und Joubert mit ihren Schergen an. Tredinnick wird verwundet und auch Sharpe wird angeschossen, allerdings nicht von den Verfolgern, sondern von Wormwood, was zu dessen Glück niemandem auffällt. Marie-Angelique fällt Joubert in die Hände, als sie versucht, Sharpe zu helfen. Sharpes Leute schießen, was das Zeug hält, so dass sich Dragomirov vorerst zurückziehen muss. Sharpe verfolgt Joubert, tötet dessen Begleiter und rettet Marie-Angelique vor ihrem Verlobten, von dem sie natürlich nichts mehr wissen will. Im Duell mit Sharpe droht Joubert die Oberhand zu behalten. Marie-Angelique erschießt ihn. Kurz danach werden Sharpe und Marie-Angelique von Dragomirov gefangen genommen. Der verräterische Graf bringt die beiden in seine Hauptbasis, eine alte Festung. Er zeigt Sharpe die Anlagen zur Opiumherstellung und erklärt, welch märchenhafter Profit sich mit dem Rauschgift erzielen lässt. Sharpe soll Jouberts Platz an Dragomirovs Seite einnehmen und ihm verraten, wo sich die Kolonne versteckt hält. Angeblich will Dragomirov die Leute nur solange als "Gäste" in seiner Basis festhalten, bis er das Land mit dem Opium verlassen hat.

Nach Sharpes Verschwinden hat Harper das Kommando über die Kolonne übernommen. Der verwundete Tredinnick erkennt, dass er die anderen aufhält, und schleicht sich davon. Er wird von Dragomirov aufgespürt und ermordet. Dragomirov setzt Marie-Angelique unter Drogen und droht sie seinen Männern zu überlassen, sollte Sharpe nicht auf seine Forderungen eingehen. Sharpe tut so, als wolle er Dragomirov am nächsten Tag zum Versteck der Kolonne führen. Sharpe behauptet, nur er könne Harper zur Aufgabe bewegen. Über Nacht wird Sharpe in einer Schlangengrube angekettet. Er kann sich sowie Marie-Angelique befreien und fliehen. Wohlbehalten kehren die beiden zur Kolonne zurück. Dragomirov verfolgt sie. Sharpe lockt die Kavalleristen in einen Hinterhalt. Durch eine Sprengung wird der Weg blockiert, so dass die Kolonne einen Vorsprung gewinnt. In einem Dorf endet die Flucht, denn Mrs. Tredinnicks Wehen setzen ein. Wohl oder übel müssen sich Sharpes Leute im Dorf verschanzen. Dort begegnen sie Chitu. Sharpe gewinnt Chitus Vertrauen, indem er dessen Tochter vor einem Spähtrupp Dragomirovs beschützt. Die Männer wollten die junge Frau vergewaltigen. Die Dorfbewohner bereiten sich gemeinsam mit Sharpes Leuten auf den Kampf gegen Dragomirov vor. Sharpe entschuldigt sich bei Hakeswill und gibt ihm eine Waffe, denn er kann jeden Mann gebrauchen.

Da es Wormwood nicht gelungen ist, seine Spießgesellen zur Desertion zu bewegen, denkt er sich einen neuen Trick aus. In der Nacht löst er Hakeswills Fesseln und behauptet, Sharpe wolle ihn hinrichten lassen. Hakeswill flieht und Wormwood tut so, als verfolge er ihn. In Wahrheit schließt er sich Dragomirov an. Wormwoods Kumpane bleiben zurück und gestehen alles, auch die Wahrheit über die angeblich von Hakeswill verübte Tat. Der wahre Schuldige ist Wormwood. Dragomirovs Angriff erfolgt am nächsten Tag. Sharpes Leute - sogar Simmerson, der sich einigermaßen erholt hat - kämpfen tapfer, stehen aber auf verlorenem Posten und erleiden schwere Verluste. Beauclere wird bei der Verteidigung der Frauen tödlich verwundet. Wormwood ersticht einen seiner Kameraden und wird von Harper unschädlich gemacht. In letzter Minute erscheint Verstärkung für Sharpe, angeführt von Hakeswill. Sharpe tötet Dragomirov im Zweikampf. Jetzt endlich können Sharpe und Harper zu ihren Frauen zurückkehren.


Kringels Meinung

"Der letzte Auftrag" ist der letzte von sechzehn Fernsehfilmen aus der Reihe "Die Scharfschützen". Die Filme basieren auf den mir nicht bekannten historischen Romanen Bernard Cornwells. Die ersten 14 Filme sind in der Zeit von 1993 bis 1997 entstanden. Nr. 15 und 16 stammen aus den Jahren 2006 und 2008.

In obiger Handlungszusammenfassung habe ich sehr viele Nebenhandlungen und -figuren gar nicht erwähnt. So gehört die indische Prinzessin Maharani Padmini Devi aus Jhalawar zu Sharpes Kolonne, sie ist unterwegs nach Pankot. Sharpe schindet Eindruck bei ihr, indem er ihr erkranktes Lieblingspferd heilt. Ihre Dienerin gehört zu denen, die bei der Flussüberquerung getötet werden. Außerdem ist ein Priester mit von der Partie, der in dem Dorf, in dem der Endkampf stattfindet, eine Mission übernehmen sollte. Als Dragomirov anrückt, stellt sich der Priester dem Bösewicht mutig entgegen. Dieser erschießt ihn kaltblütig. Dann gibt es da noch ein kleines Mädchen, die einzige Überlebende eines von Dragomirov angerichteten Gemetzels, das von einem Soldaten in Sharpes Kolonne unter die Fittche genommen wird. Harper hat schwer unter einem Nierenstein zu leiden. Um den tödlich verwundeten Befehlshaber der Sepoys sowie um den jungen Fähnrich Beauclere wird mehr Aufhebens gemacht, als die Zusammenfassung vermuten lässt. Ähnliches gilt für Mr. und Mrs. Tredinnick sowie für Sir Henry Simmerson, auf den ich gleich noch zu sprechen komme. Die Prinzessin, deren Dienerin, der Priester und das kleine Mädchen spielen für die Story im Grunde überhaupt keine Rolle, ebenso wenig werden die anderen Nebenhandlungen gebraucht. Trotzdem ist das alles nicht sinnlos, denn "Der letzte Auftrag" ist sowas wie ein Roadmovie, und ein solcher lebt nun einmal von den Geschehnissen am Wegesrand. Die genannten Elemente verleihen dem Film eine gewisse Epik, die vielen früheren Abenteuern Sharpes fehlt.

Wie schon im Falle von "Das letzte Gefecht" muss ich kritisch anmerken, dass nichts wirklich Neues geboten wird. Irgendwie habe ich jede Situation schon mehrfach gesehen, die Figuren und ihre Konstellationen wirken trotz teils anderer Namen ziemlich abgenutzt; der ganze Ablauf ist vorhersehbar. Selbst der Reiz des Schauplatzes Indien ist nach dem letzten Film schon verflogen. Ich möchte das mal als Jammern auf hohem Niveau bezeichnen, denn wer noch keinen Sharpe-Film gesehen hat, wird mit der hier gebotenen Mixtur aus Action, Drama und ein bisschen Romantik sicher zufrieden sein. Erstaunlich finde ich allenfalls, dass Sharpe mir fast unsympathisch geworden ist. Jedenfalls finde ich seine Überreaktion bei der Konfrontation mit dem Sohn des Mörders seiner Frau nicht nachvollziehbar. Im Gegensatz dazu konnte Simmerson, der ja in so manchem Sharpe-Film als echter Widerling charakterisiert worden ist, einige Punkte sammeln. Sein Irrsinn scheint zu einer echten Wandlung geführt zu haben und offensichtlich hat es dem Schauspieler Spaß gemacht, hemmungslos zu chargieren und Sharpe somit ein wenig die Show zu stehlen. Erneut fällt auf, dass die Gewaltdarstellung im Vergleich mit den in den Neunzigern entstandenen Episoden einen Zahn zugelegt hat. Immerhin werden diesmal keine Nägel in Köpfe geschlagen.

Der Film ist keinesfalls so enttäuschend wie "Das letzte Gefecht". Für den letzten Film der Reihe, für den man sich nach "Das letzte Gefecht" ja nun auch wieder zwei Jahre Zeit genommen hat, hätte ich mir allerdings wenigstens eine Rückkehr Sharpes zu seiner zweiten Frau Lucille gewünscht. Wollte man sich ein Hintertürchen für weitere Filme offen halten? Nun, inzwischen sind weitere zehn Jahre vergangen und von Plänen für einen siebzehnten Teil habe ich noch nichts gehört. Ich muss sagen: Das ist auch besser so. Einen weiteren Film derselben Machart brauche ich nicht.


Extras

Das so genannte Making of besteht aus Interviews, die während der Dreharbeiten gemacht worden sind, Filmausschnitten und etwas Hinter-den-Kulissen-Material. Außer dem Regisseur und einigen Schauspielern kommen die Produzenten sowie verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Team zu Wort. Man erfährt unter anderem, dass es sich bei "Der letzte Auftrag" im Gegensatz zu den anderen Sharpe-Episoden nicht um eine Verfilmung eines Romans von Bernard Cornwell handelt. Es wurden lediglich Motive aus verschiedenen Geschichten verwendet. Es wurde tatsächlich in Indien gedreht, und zwar bei teils extremer Hitze, was wohl zu einigen Krankheitsfällen geführt hat. Parasiten sollen mit Schuld gewesen sein. Obendrein waren die Drehorte, an denen eigens zwei Dörfer als Kulissen gebaut wurden, sehr weit von der nächsten größeren Stadt entfernt - so weit, dass die Elefanten, die in einzelnen Szenen zu sehen sind, einen Monat lang zum Drehort gehen mussten! Hinzu kamen Verständigungsschwierigkeiten im international besetzten Filmteam. Cast & Crew wurden unter anderem durch Spieleabende bei Laune gehalten. Zum Beispiel wurde ein Poolbillard-Wettbewerb veranstaltet. Sean Bean ist ins Finale gekommen und musste sich einem Kameraassistenten geschlagen geben. An seinem letzten Drehtag wurde Bean mit einem von den Schauspielerkollegen dargebrachten Ständchen überrascht. Ich bin mir nicht sicher, ob Bean ein Tränchen der Rührung verdrückt - oder ob ihm die Tränen durch die schrägen Sangeskünste der Kollegen in die Augen getrieben wurden!

Die aus dem Jahre 2003 stammende Geschichtsdoku "Napoleons letzte Niederlage - Die Schlacht von Waterloo" mag thematisch nicht wirklich zum Film passen, ist aber durchaus interessant. Ein deutschsprachiger Erzähler schildert Napoleons Charakter und Werdegang, die Zeit seiner Verbannung auf der Insel Elba sowie seine Rückkehr nach Frankreich, die bei der Bevölkerung auf wenig Begeisterung und bei den Alliierten auf Widerstand gestoßen ist. Etwas mehr als die erste Hälfte der Doku befasst sich also mit der Vorgeschichte der titelgebenden Schlacht. Der Verlauf der für beide Seiten sehr verlustreichen Kämpfe bei Waterloo wird dann recht ausführlich dargestellt. Das Ganze wird mit aufwändigen, gut gemachten Spielszenen (die nicht aus den Sharpe-Filmen stammen) untermalt. Außerdem werden verschiedene Geschichtswissenschaftler zu den Geschehnissen interviewt.


J. Kreis, 08.11.2018




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