Sharpe


Fremde Heimat (GB, 1997)
- Sharpe's Justice -

DVD Regionalcode 2, New KSM
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 101 Minuten

Extras:
- Trailer
- Bildergalerie
- Biografien (Text)

Regie:
Tom Clegg

Hauptdarsteller:
Sean Bean (Richard Sharpe)
Abigail Cruttenden (Jane Sharpe)
Alexis Denisof (Lord John Rossendale)
Philip Glenister (Matt Truman)
Caroline Langrishe (Lady Anne Camoynes)
Tony Haygarth (Sir Willoughby Parfitt)
Douglas Henshall (George Wickham)
Daragh O'Malley (Patrick Harper)
John Tams (Daniel Hagman)




Story

Zur Vorgeschichte siehe Der Schatz des Napoleon.

Der Krieg gegen Frankreich ist zu Ende. Napoleon befindet sich im Exil auf der Insel Elba. Die aus Wellingtons Armee entlassenen britischen Soldaten können sich nicht recht über die Heimkehr freuen, denn sie finden entweder keine Arbeit oder müssen für einen Hungerlohn schuften. Zu der hohen Arbeitslosigkeit kommt es nicht zuletzt durch die zunehmende Verbreitung von Maschinen, insbesondere in Webereien, deren Auftragsbücher seit Kriegsende ohnehin leer sind, weil keine neuen Uniformen mehr gebraucht werden. Immer wieder kommt es zu Unruhen. Maschinenstürmer zerstören mechanische Webstühle oder richten sonstige Schäden an. Auch Major Richard Sharpe ist wieder in der Heimat. Er wurde von seiner Noch-Ehefrau Jane und deren Liebhaber Lord John Rossendale um sein gesamtes Vermögen gebracht. Sharpe ist nach London gereist, um Gerechtigkeit zu suchen. Von Jane will er nichts mehr wissen, denn er hat sich in die junge Kriegswitwe Lucille DuBert verliebt, zu der er so schnell wie möglich zurückkehren möchte. All diese Pläne muss Sharpe zunächst begraben, denn er wird nach Yorkshire versetzt. In der Stadt, in der er seine Kindheit verbracht hat, soll er das Kommando über die Scarsdale-Miliz übernehmen und gegen die Maschinenstürmer vorgehen. Patrick Harper begleitet ihn. Sharpes Auftraggeber ist der reiche Webereibesitzer Sir Willoughby Parfitt. Dessen Hauptgegner ist Matt Truman, ein eloquenter Redner, der immer wieder illegale Versammlungen abhält und die Arbeiter gegen die Obrigkeit aufstachelt.



Fremde Heimat

(Sharpe und Captain George Wickham von der Scarsdale-Miliz)

Schon bei seiner Ankunft wird Sharpe von Truman überfallen. Er kennt den Mann sehr gut; die beiden sind gemeinsam in einem Waisenhaus aufgewachsen. Von Truman hat Sharpe gelernt, wie man kämpft. Von der alten Freundschaft ist nichts geblieben. Truman wirft Sharpe vor, er wende sich gegen die eigenen Leute und diesen geschehe Unrecht. Sharpe ist geneigt, Truman zuzustimmen, denn Parfitt veranstaltet ein kostspieliges Gelage nach dem anderen, während er die Löhne der Arbeiter unter dem Vorwand angeblich notwendiger Sparmaßnahmen immer weiter kürzt. Sharpe kann es sich nicht leisten, mit den einfachen Leuten zu fraternisieren, denen er sich zugehörig fühlt, versucht sie aber zu schonen. Daniel Hagman ist ebenfalls vor Ort. Er sucht Arbeit und schließt sich Truman an. Sharpe stattet dem Waisenhaus einen Besuch ab, um herauszufinden, wer seine Eltern waren. Die Kirchenbücher wurden jedoch bei einem Brand vernichtet. Sally Bunting, eine weitere Bekannte aus Sharpes Zeit im Waisenhaus, kann helfen. Sie kannte Sharpes Mutter und hat sie bis zu ihrem Tod im Jahre 1812 gepflegt. Die Frau war Alkoholikerin und liegt in einem Grab, das lediglich von einem billigen Kreuz geziert wird. Sharpe gibt einen Grabstein in Auftrag. Von seiner alten Freundin Lady Anne Camoynes, die bei Parfitt zu Gast ist, erfährt Sharpe, dass Lord Rossendale hinter seiner Versetzung nach Yorkshire steckt. Rossendale wollte Sharpe in London aus dem Weg haben. Er hat überraschend ein Landgut im nahen Lancashire geerbt und ist mit Jane dorthin umgezogen, denn von der feinen Londoner Gesellschaft werden die beiden nicht akzeptiert. Sharpe sucht Jane in Lancashire auf und fordert sein Geld (10.000 Guineen) zurück, muss aber erfahren, dass nichts mehr übrig ist.



Fremde Heimat

(Lord Rossendale und Jane)

Sharpe soll in der Stadt Keighley eine der von Truman veranstalteten Versammlungen auflösen. Captain George Wickham, ehemaliger Chef der Miliz und jetzt Sharpes Untergebener, ignoriert Sharpes Befehle zur Schonung der Menschen und richtet ein Massaker an. Truman entkommt. Nur dem Eingreifen Sharpes und Harpers ist es zu verdanken, dass nicht noch mehr Zivilisten sterben, dennoch machen viele Sharpe für die Katastrophe verantwortlich. Selbst Hagman wendet sich von ihm ab, sieht dann aber seinen Irrtum ein. Gegenüber Parfitt, der einen geeigneten Sündenbock sucht, gibt Wickham an, Sharpe haben den Befehl zum direkten Angriff auf die Bürger gegeben. So steht es wenig später auch in der Zeitung. Sharpe hat eine Strafversetzung in die Kolonien, wenn nicht gar die Todesstrafe zu gewärtigen. Erst jetzt erfährt Sharpe von Sally, dass Truman sein Bruder ist - oder wahrscheinlich eher sein Halbbruder, wenn man den Lebenswandel der gemeinsamen Mutter berücksichtigt. Mit Hagmans Hilfe wird ein Treffen der Brüder arrangiert. Sharpe stellt sich endgültig auf Trumans Seite. Ein Scherge Parfitts schlägt Sally zusammen und holt die Information über das Treffen aus ihr heraus. Sharpe, Truman, Harper und Hagman müssen vor der angreifenden Miliz fliehen. Truman wird von mehreren Schüssen getroffen und stirbt.



Fremde Heimat

(Sir Willoughby Parfitt)

Wieder einmal erweist sich Lady Camoynes als Retterin in der Not. Sie hört heimlich mit, wie Parfitt einen Schlag gegen den Industriellen Sir Percy Stanwyck plant und benachrichtigt Sharpe. Gemeinsam mit Harper und Hagman bekämpft Sharpe Parfitts maskierte Handlanger (darunter Wickham), die eine Kutsche überfallen, mit der eine für Stanwyck bestimmte Dampfmaschine transportiert wird. Wie sich herausstellt, haben nicht etwa die Maschinenstürmer die Webereien in der Gegend überfallen. Hinter diesen Sabotagen steckt Parfitt, der seine Konkurrenten auf diese Weise geschwächt hat, um ihre Betriebe billig zu übernehmen. Somit sind die wahren Schurken überführt. Sharpe zwingt Parfitt, ein offizielles Schreiben aufzusetzen, mit dem klargestellt wird, was wirklich in Keighley geschehen ist. Auch Rossendale wird zur Rede gestellt. Er soll dafür sorgen, dass Sharpe vom Dienst in der Scarsdale-Miliz entbunden wird. Sharpe verlangt außerdem, dass der Lord den Landsitz verkauft und die Schuld begleicht. Allerdings hat Rossendale mehr Angst vor Jane als vor Sharpe. Jane will nicht auf den Reichtum verzichten und stellt Sharpe ein Ultimatum. Rossendale wird Sharpes Entlassung nur bewirken, wenn Sharpe ihn im Gegenzug in Ruhe lässt. Sollte Sharpe auf seinen Forderungen beharren, wird Rossendale ihn beim Generalstab unmöglich machen. Sharpe muss klein beigeben, lässt aber keinen Zweifel daran, dass er Rossendale töten wird, sollte er ihm noch einmal begegnen. Sharpe und Jane scheiden im Hass voneinander. Sharpe will nun in die Normandie zurückkehren, Harper nach Irland. Hagman will bei Sally bleiben, in die er sich verliebt hat.



Fremde Heimat

(Matt Truman mit dem Grabkreuz seiner Mutter, rechts Hagman)

Kringels Meinung

"Fremde Heimat" ist der dreizehnte von 16 Fernsehfilmen aus der Reihe "Die Scharfschützen". Die Filme basieren auf den mir nicht bekannten historischen Romanen Bernard Cornwells. Die ersten 14 Filme sind in der Zeit von 1993 bis 1997 entstanden, die letzten beiden in den Jahren 2006 und 2008. Der letzte Film ("Der letzte Auftrag") ist in der mir vorliegenden "Gesamtedition" nicht enthalten.

Der Film unterscheidet sich deutlich vom Rest der Serie, weil er überhaupt nicht dem etablierten Ablauf folgt. Der Krieg ist vorbei (oder besser gesagt: es gibt eine kurze Pause, Napoleon hat sein letztes Wort ja noch nicht gesprochen) und so müssen wir diesmal auf große Schlachten verzichten. "Müssen"? Das ist eigentlich das falsche Wort, denn ich finde es erfrischend, dass das in vielen Sharpe-Filmen nur leicht variierte Schema durchbrochen wird. Keine Sturmangriffe auf französische Festungen, keine unmöglichen Missionen, auf die Sharpe von Wellington geschickt wird, keine arroganten adligen Offiziere, mit denen er sich herumplagen muss. Na gut, Sharpe wäre nicht er selbst, würde er nicht den Avancen einer schönen Frau erliegen; Lady Camoynes (siehe "Das verschollene Bataillon") becirct ihn, beißt zunächst auf Granit und kriegt ihn dann doch herum. Hoffentlich erfährt Lucille nichts davon! Schön finde ich auch, dass Parfitt, Wickham, Rossendale und Jane nicht plakativ als Bösewichte hingestellt werden. Parfitt wirkt aufgrund seiner Bodenständigkeit zunächst sogar sympathisch. Rossendale sammelt Punkte, weil er nicht glaubt, was über Sharpe in der Zeitung geschrieben wird. Er hält Sharpe trotz allem für einen ehrenwerten Mann. Erst allmählich stellt sich heraus, was hinter Parfitts biederer Fassade steckt und welcher Vulkan in Jane brodelt - sie bietet Sharpe erfolgreich Paroli. Wer hätte das gedacht?

Zugegeben, ein bisschen wird dann doch gekämpft, aber die Action wird sehr sparsam eingesetzt. Das Intrigenspiel steht deutlich im Vordergrund. Mir gefällt's! Man hätte allerdings besser auf den Plot-Twist mit Sharpes Bruder verzichtet. Dieses Handlungselement halte ich für unnötig und heillos übertrieben. Es hätte mir besser gefallen, wenn sich Sharpe aus innerer Überzeugung auf die Seite der Arbeiter gestellt hätte und nicht nur, weil deren Anführer sein Bruder ist. Der Film bietet nicht nur Informationen über Sharpes Vergangenheit, er ermöglicht darüber hinaus auch einen kleinen Einblick in die Anfangszeit der industriellen Revolution. "Fremde Heimat" beginnt mit einer interessanten Szene in einer Weberei. Mechanische Webstühle machen menschliche Arbeitskräfte obsolet, in den Straßen versammeln sich die Arbeitslosen und Ausgebeuteten und lauschen den Worten eines Agitators. Die Geschehnisse in Keighley haben der englischsprachigen Wikipedia zufolge sogar ein reales Vorbild, nämlich das Peterloo-Massaker des Jahres 1819.

Die Probleme von Kriegsheimkehrern werden ebenfalls thematisiert, wenn auch nur am Rande. Das ist doch mal was anderes als das ansonsten übliche Schlachtengetümmel! So kann Sean Bean weitere Details seiner Rolle herausarbeiten. Das gilt auch für John Tams (Hagman), dessen Figur sonst anscheinend nur dafür zuständig ist, das eine oder andere Lied beizusteuern. Diesmal wird er fast zum Verräter, kriegt aber doch noch die Kurve. Übrigens: Wo ist eigentlich Ramona, Harpers Frau? Harper poussiert fröhlich mit einem Kneipenmädchen und wird von Sharpe zur Ordnung gerufen. Am Ende will Harper nach Irland zurückkehren. Ohne Ramona? Die beiden haben schließlich ein Kind!


J. Kreis, 11.03.2018




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme