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Serenity Serenity - Flucht in neue Welten Limited Edition (USA, 2005)
DVD - Regionalcode 2, Universal
FSK: 16
Laufzeit: ca. 114 Minuten

Extras

Disc 1: Audiokommentar, Unveröffentlichte und verpatzte Szenen, "Geschichte der Zukunft: Die Geschichte der Erde von einst", "Was ist drin in einer Firefly", "In Firefly gehen die Lichter wieder an", Einführung durch Joss Whedon, "Die Reise eines Filmemachers", Easter-Egg

Disc 2: Extended Scenes, "Take a walk on the Serenity", "The Green Clan", Question & Answer - Session mit Joss Whedon

Regie:
Joss Whedon

Hauptdarsteller:
Nathan Fillion (Malcolm Reynolds - "Mal")
Gina Torres (Zoe Washburne)
Allan Tudyk (Hoban Washburne - "Wash")
Adam Baldwyn (Jayne Cobb)
Jewel Staite (Kaywinnit Lee Frye - "Kaylee")
Summer Glau (River Tam)
Sean Maher (Dr. Simon Tam)
Ron Glass (Shepherd Book)
Morena Baccarin (Inara Serra)
Chiwetel Ejiofor (Allianz-Agent)




Inhalt

Vorgeschichte und Hauptfiguren des Films: Siehe Eintrag zu Firefly.

Ungefähr ein halbes Jahr ist vergangen, seit Inara die Serenity verlassen hat. Auch Shepherd Book ist nicht mehr an Bord, er hat sich nach Haven zurückgezogen. Die Frage, was aus den Geschwistern Simon und River Tam werden soll, ist noch immer offen. Den Chirurgen Simon kann man auf der Serenity natürlich gut gebrauchen, aber seine Schwester River sorgt mit ihren seltsamen Stimmungsschwankungen und Ausrastern immer wieder für Unruhe. Mal meint jedoch, River könnte ihm bei seiner neuesten, nicht ganz legalen Aktion von Nutzen sein, denn die junge Frau scheint Gefahren immer früher erkennen zu können als jeder andere. Er nimmt sie deshalb mit zu einer Kolonie, wo er eine ebenso wertvolle wie heiße Fracht erbeutet. Tatsächlich ist es nur River zu verdanken, daß Mals Leute rechtzeitig fliehen können, als die Kolonie von Reavers angegriffen wird. Als Mal die Ware in einer Bar an seine Auftraggeber liefert, haben Simon und River die Serenity bereits verlassen. Doch plötzlich taucht River in der Bar auf, verwandelt sich scheinbar grundlos in eine Kampfmaschine und wütet wie ein Berserker. Erst als Simon ein Codewort ausspricht, wird sie aufgehalten: Sie ist darauf konditioniert, auf dieses Wort hin einzuschlafen. Mal nimmt die beiden wieder mit an Bord. Mit Hilfe von Mr. Universe, einem Hacker, der Zugriff auf sämtliche Datenkanäle aller Welten hat, kann Mal das Rätsel lösen. River wurde durch ein unterschwelliges Signal manipuliert, das die Allianz seit geraumer Zeit über alle Medien ausstrahlt.

Die Allianz hat River als Testperson für ein Projekt mißbraucht, das die Erschaffung eines perfekten Kämpfers mit telepathischen Kräften zum Ziel hatte. River hat außerdem Kenntnis von einem Geheimnis, das unter allen Umständen gewahrt bleiben muß. Es ist zwar tief in ihrem Unterbewußtsein vergraben, aber die Allianz geht kein Risiko ein. Ein namenloser Agent wird auf ihre Spur gesetzt, der freie Hand und die volle militärische Unterstützung der Allianz hat. Er bringt Inara dazu, Mal in eine Falle zu locken. Mal weiß zwar sofort, was gespielt wird, läßt sich aber auf das Spiel ein. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, daß der Agent ein beinahe unbesiegbarer Kämpfer ist - erst als es Inara gelingt, eine Blendgranate zu zünden, können die beiden entkommen. Somit ist Inara also wieder auf der Serenity. Anderen Freunden der Crew ergeht es weniger gut: Der Allianz-Agent tötet gnadenlos jeden, bei dem Mals Leute Unterschlupf finden könnten. Auch Haven wird angegriffen, Shepherd Book wird dabei schwer verletzt und stirbt wenig später in Mals Armen.

Das Signal hatte noch eine zweite Wirkung auf River. Sie kann sich jetzt an einen Namen erinnern, der in irgend einem Zusammenhang mit dem Geheimnis der Allianz steht: Miranda. So heißt ein Planet, bei dem das Terraforming angeblich fehlgeschlagen sein soll und der in keiner offiziellen Datenbank zu finden ist. Mal beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Dummerweise muß zu diesem Zweck das Gebiet der Reavers durchquert werden. Kurzerhand wird die Serenity etwas modifiziert, rot angestrichen und mit allerlei Aufbauten aus Schrott versehen, damit sie wie ein Reaver-Schiff aussieht. Zu ihrer großen Überraschung finden Mals Leute auf Miranda ganz normale Umweltbedingungen und zahlreiche völlig intakte Städte vor. Doch diese Städte sind nur von Leichen "bevölkert". Es gibt allerdings keinerlei Anzeichen für Gewalt. Es scheint so, als hätten die Leute sich einfach zum Sterben hingelegt. Eine Hologramm-Aufzeichnung bringt die Wahrheit an den Tag: Die Allianz hat auf Miranda eine Substanz namens Pax freigesetzt. Dieses Mittel sollte den Menschen die Aggressionen nehmen - die Allianz wollte offenbar ein Paradies des Friedens und der Harmonie erschaffen. Die Wirkung war aber zu stark. Die Menschen wurden immer lethargischer, stellten alle Aktivitäten ein und nahmen schließlich nicht einmal mehr Nahrung zu sich, so daß sie starben. Pax hatte noch einen zweiten Effekt. Etwa 10 Prozent der Menschen verwandelten sich in Bestien und wurden zu Amokläufern, die sich selbst und allen anderen Menschen unglaubliche Grausamkeiten zufügten - sie wurden zu den heutigen Reavern.

Mal ist völlig klar, daß die Allianz es nicht bei diesem einen Versuch belassen und Pax auch anderswo freisetzen wird. Er will die Holo-Botschaft deshalb über Mr. Universes Sendeanlage in alle Informationsnetze und Nachrichtenkanäle einspeisen. Er ahnt richtigerweise, daß der Allianz-Agent Mr. Universes Station längst besetzt hat. Deshalb bringt er Verstärkung mit. Er lockt einfach die Reaver-Schiffe hinter sich her, die denn auch prompt über die Flotte herfallen, die im Orbit von Mr. Universes Mond bereits auf die Serenity lauert. Im Chaos der Raumschlacht kann die Serenity bis zur Sendestation vordringen, wird bei der Notlandung aber schwer beschädigt. Außerdem wird sie von Reavers verfolgt. Bei deren Angriff verliert Wash sein Leben. Während Mal zum Sender vordringt, verschanzen die anderen sich, um die tobenden Kannibalen aufzuhalten. Dabei werden Zoe, Jayne, Kaylee und Simon mehr oder weniger schwer verletzt. Jetzt kommt Rivers Stunde. Sie überwindet die Furcht, die sie vor sich selbst und ihren Fähigkeiten empfindet, stellt sich den Reavern allein entgegen und läßt keinen am Leben...

Mal muß sich derweil dem Allianz-Agenten stellen. Gegen dessen kämpferische Fähigkeiten hat er keine Chance, aber das Glück ist auf seiner Seite. Der Agent will Mal lähmen, indem er auf einen bestimmten neuralen Druckpunkt schlägt, doch ausgerechnet dieser Nerv ist bei Mal seit einer Verletzung, die er in den Unabhängigkeitskriegen erlitten hat, nicht mehr vorhanden. So gelingt es ihm, den Agenten kampfunfähig zu machen, aber er tötet ihn nicht. Das ist sein Glück, denn kaum hat er die brisante Botschaft ausgestrahlt und ist zu seinen Freunden zurückgekehrt, da dringen überlegene Allianz-Bodentruppen in die Station ein. Doch der Allianz-Agent pfeift sie zurück. Angesichts des Grauens von Miranda hat er seinen Glauben an die Rechtmäßigkeit seines Auftrags verloren. Er sorgt später sogar dafür, daß die Serenity repariert wird.

Nach der Beerdigung ihrer Freunde macht die Crew der Serenity sich wieder auf den Weg. Die Allianz ist zwar geschwächt, aber nicht zerstört. Es herrschen also weiterhin "interessante Zeiten" für Mal und seine Leute...

Der Film:

Wie bereits erwähnt, ist Serenity die Fortsetzung der vorzeitig eingestellten TV-Serie Firefly. Für Fans dieser Serie ist der Film ein wahres Fest, denn endlich wird der eine oder andere Handlungsstrang zu Ende gebracht - wenn es auch nicht gerade ein so endgültiges Ende hätte sein müssen wie im Fall von Wash und Shepherd Book (man muß allerdings zugeben, daß die beiden eher unwichtige Nebenpersonen waren). Kaylee "kriegt" endlich ihren Simon, Inara ist wieder Bestandteil der Familie, die Reaver erhalten durch ihre Hintergrundgeschichte eine gewisse Glaubwürdigkeit. Vor allem aber wird endlich Rivers Schicksal geklärt, sie steht im Mittelpunkt dieses Films. Man wird mit einem sehr nett gemachten und auf überraschende Weise in die Filmhandlung eingebundenen Rückblick auf ihre Befreiung verwöhnt und darf erleben, wozu sie wirklich in der Lage ist. Ihre Alleingänge, bei denen sie sich wie eine Tänzerin bewegt, sind selbst in einer Zeit, in der Actionfilme nicht ohne minutenlange Martial-Arts-Szenen auskommen, noch echte Hingucker. Auch sonst werden die Fans richtig gut bedient, denn es gibt keine krassen Brüche zwischen Serie und Film und kleine Anspielungen auf die Serie werden immer wieder eingestreut - bis hin zur Firefly-Titelmelodie, die ganz am Ende des Abspanns angedeutet wird. Man erkennt natürlich in jeder Szene das höhere Budget, aber "Look and Feel" von Firefly sind erhalten geblieben... mit einer Ausnahme. Der "Western-Look" der Serie hat es nämlich nur in Details wie der Kleidung und den Waffen bis in den Film geschafft. Und das ist auch gut so, denn Planwagen und Viehherden hätten diesem Film nicht gutgetan...

Der Verzicht auf diesen Aspekt ist wahrscheinlich ein Zugeständnis an Zuschauer, die die Serie nicht kennen. Für "Neulinge" gibt es denn auch zu Beginn des Films eine sehr kurze Einführung ins Firefly-Universum. Wer die Serie nicht kennt, wird vielleicht nicht ganz verstehen, welche Beziehungen es zwischen den einzelnen Hauptfiguren gibt, obwohl man sagen kann, daß jede Hauptfigur ausführlich genug charakterisiert wird. In diesem Zusammenhang hat es mich ein wenig irritiert, daß Mals Charakter sich im Vergleich zur Serie erstaunlich verändert hat. Er ist erheblich grimmiger, gibt sich ziemlich kernig und greift auch auf der Serenity hart durch. So geht der Eindruck, daß die Crew aus einer Gruppe von eng verbundenen Freunden besteht, etwas verloren. Leider taucht Saffron ("Mrs. Reynolds") in diesem Film nicht auf. Ein Wiedersehen mit dieser ebenso biestigen wie schönen Betrügerin wäre klasse gewesen. Auch war ich etwas erstaunt, daß die beiden Männer mit den blauen Handschuhen, die River in der Serie verfolgt haben, nicht mehr auftauchen. Der namenlose Agent ist aber ein mehr als adäquater neuer Gegner. Man nimmt ihm seine bedingungslose Überzeugung, das Richtige zu tun, jederzeit ab. Seine kompromißlose und eiskalte Vorgehensweise machen ihn zu einer äußerst interessanten, leider aber auch fast übermächtigen Figur. Es ist deshalb nicht ganz überzeugend, daß Mal ihn am Ende besiegen kann - und daß er angesichts der Holo-Botschaft "umkippt". Trotzdem hebt er sich sehr angenehm vom üblichen Standard eines Film-Finsterlings ab, der einfach nur ohne Grund böse sein muß. Der Agent glaubt an das, was er tut - und Mal kann ihn erst besiegen, als er ihm diesen Glauben nimmt und ihm eine andere, bessere Überzeugung entgegenhält.

Ich habe ja schon angesprochen, daß man dem Film das höhere Budget ansieht. Waren die Spezialeffekte bei Firefly schon klasse, dann sind sie bei Serenity geradezu atemberaubend. Das gilt nicht nur für die überwältigenden Szenen im Weltraum (genial: Die Raumschlacht der Reavers gegen die Allianz-Flotte), sondern auch für die Planetenoberflächen. Da prasselt eine derartige Fülle von Details auf den Zuschauer ein, daß man immer wieder mal zur Fernbedienung greifen und die Pausetaste betätigen möchte, um nichts zu verpassen. Das alles artet aber nicht, wie bei den Star Wars - Prequels, in Effekthascherei aus, sondern wird immer nur als Mittel zum Zweck eingesetzt und drängt die Schauspieler nicht in den Hintergrund. Und die bieten allesamt wieder eine so hervorragende Leistung, daß man ihnen einfach alles glaubt, was sie sagen und tun. Der Film ist sehr viel Action-betonter als die Serie, und es wird nicht mit Gewaltszenen gegeizt. Trotzdem kommt auch der trockene Humor nicht zu kurz, der schon für die Serie so typisch war.

Serenity ist ein rasanter, mitreißender und extrem gut gemachter Film mit einer spannenden Story und interessanten Charakteren, der für ein breites, zufriedenes Grinsen bei einem Firefly-Fan wie mir sorgt. Er ist aber auch beste Unterhaltung für jeden, der die Serie noch nicht kennt.

Die DVD:

Schon auf der ersten DVD befinden sich neben dem Audiokommentar von Joss Whedon (der, wie schon bei Firefly, sehr amüsant und informativ ist) einige Featurettes. Diese sind fast alle nur wenige Minuten lang und enthalten Informationen zu den Special Effects, zu den Hintergründen der Serie / des Films und zu den Fan-Aktivitäten, die den Film erst möglich gemacht haben. Die unveröffentlichten und verpatzten Szenen laufen ca. 20 Minuten lang. Bei ersteren sind teilweise noch nicht alle CGI-Effekte integriert. Man versteht zwar, warum sie herausgeschnitten worden sind, aber schade ist es trotzdem. Vor allem Inara hat in diesen Szenen einige für ihren Charakter nicht unwichtige Auftritte.

Ebenfalls ca. 20 Minuten lang ist "Die Reise eines Filmemachers". Dies ist eine typische Featurette von der Art, die anderswo als "Making of" verkauft wird: Interviews mit allen Beteiligten, Filmausschnitte, kurze Einblicke in die Proben und Dreharbeiten. Man sieht vor allem, mit wieviel Herzblut alle bei der Sache sind und daß der Schauspieler Nathan Fillion ein ganz anderer Typ Mensch ist als Malcolm Reynolds. Er bringt alle zum Lachen, macht Gags und verwandelt so manche Szene kurzerhand in etwas völlig anderes. Sein großes Vorbild ist nach eigener Aussage Harrison Ford (Han Solo war sicher auch ein Vorbild für Mal), und so gibt er sich alle Mühe, Mal so richtig leiden zu lassen, wenn er wieder mal verprügelt wird. Sehr interessant ist auch Summer Glaus Kampftraining. Die Stuntmen waren offenbar hellauf begeistert von ihr, denn als ausgebildete Tänzerin ist sie extrem beweglich und hat alle Kampfszenen ohne Double absolviert. Als Easter-Egg ist der Werbespot für "Fruity Oaty Bars" auf DVD Nr. 1 "versteckt", der Rivers ersten Anfall von Brutalität auslöst (irgendwie verständlich, wenn man das Ding sieht).

Es gibt einen bitteren Wermutstropfen in Bezug auf die Extras der 2. DVD: Hierfür sind weder deutsche noch englische Untertitel verfügbar. Am interessantesten sind zwei Beiträge, nämlich ein kurzer Rundgang durch das erstaunlich große und weitläufige Raumschiffs-Set und eine fast einstündige Interview-Runde mit Joss Whedon. Der Regisseur hatte den Fans nach einer Vorführung des Films in Australien Rede und Antwort gestanden. In seiner locker-ironischen Art geht er wirklich ausführlich auf alle Fragen ein - am Schluß bringen die Fans ihm sogar ein Ständchen dar: Sie singen den Firefly-Titelsong. Wer die englische Sprache nicht beherrscht, kann mit diesem höchst informativen Beitrag mangels Untertiteln zunächst mal nichts anfangen. Man kann sich allerdings den deutschen Text dazu im Internet bei Universal Pictures kostenlos herunterladen.

J. Kreis, 04.04.2006
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