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Seom Seom - Die Insel (Südkorea, 2000)
- Seom -

DVD - Regionalcode 2, Sunfilm Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 86 Minuten

Extras
Bio-/Filmografie des Regisseurs (Texttafeln), Making of, Interviews, Trailer, Videoclip

Regie:
Kim Ki-Duk

Hauptdarsteller:
Suh Jung (Heejin)
Yoosuk Kim (Hyun-Shik)




Inhalt:

Heejin, eine schweigsame, mysteriöse junge Frau, betreibt einen kleinen Laden an einem See. Ihre Kunden sind Angler, denen sie winzige auf dem See schwimmende Hütten vermietet. Sie versorgt die Angler mit Lebensmitteln, Alhokol und Dingen des täglichen Bedarfs, sie reinigt die Hütten - und sie besorgt ihnen Prostituierte. Manchmal verkauft sie sich auch selbst an die Angler. Heejin hat eine dunkle Seite. Wenn einer der Angler sie schlecht behandelt, dann kann es geschehen, dass plötzlich Hände aus dem Wasser auftauchen, die ihn in die Tiefe ziehen...

Eines Tages mietet Hyun-Shik eine der Fischerhütten. Auch er hat ein Geheimnis: Er hat seine Frau und deren Liebhaber ermordet. Jetzt ist er auf der Flucht vor der Polizei und denkt an Selbstmord. Heejin beginnt sich für Hyun-Shik zu interessieren, weil er nett zu ihr ist. Das Interesse erhält aber einen Dämpfer, als Hyun-Shik ungestüm über Heejin herfällt. Daraufhin besorgt Heejin ihm eine Prostituierte, doch von diesem Mädchen will er nichts wissen. Als Fahnder auftauchen und einige der Angler befragen, verschluckt Hyun-Shik ein Bündel Angelhaken, um sich umzubringen. Heejin rettet ihn jedoch, versteckt ihn vor den Polizisten und pflegt ihn gesund.

Jetzt wird aus der Beziehung der beiden so etwas wie Liebe. Heejins Eifersucht wird geweckt, als die Prostituierte zurückkehrt und mit Hyun-Shik schläft. Heejin fesselt das Mädchen und sperrt es in eine der Hütten. Als das Mädchen versucht, sich zu befreien, stürzt es in den See und ertrinkt. Heejin versenkt die Leiche und den Motorroller des Mädchens im tiefen Wasser. Wenig später taucht der Zuhälter des Mädchens auf und greift Hyun-Shik an. Der kann sich wehren und stößt den Mann in den See. Er versinkt, in die Tiefe gezogen von Heejin. Jetzt sind die beiden Komplizen, aber Hyun-Shik will sich nicht an Heejin fesseln lassen. Als er sich absetzen will, verstümmelt Heejin sich mit einem Hakenbündel. Jetzt ist es an Hyun-Shik, sie zu retten und zu pflegen.

Durch einen dummen Zufall werden die im See versenkten Leichen entdeckt. Heejin montiert einen Außenbordmotor an Hyun-Shiks Hütte. Gemeinsam steuern sie das seltsame Gefährt weiter in den See hinaus, bis ihnen das Benzin ausgeht...

Der Film:

Der obige letzte Satz beschreibt nicht das Ende des Films. Nachdem von der im See treibenden Plattform weggezoomt wurde, endet die Szene. Jetzt könnte man denken, der Film sei damit zu Ende. Es folgen aber noch zwei rätselhafte Szenen. Man sieht, wie der nackte Hyun-Shik aus dem See auftaucht und in ein kleines Schilfgebiet hineingeht. Damit wird der Eindruck erweckt, um die Hütte herum sei Schilf gewachsen und die beiden Liebenden hätten damit ein sicheres Versteck gefunden. Dann die letzte Szene: Man sieht Heejin nackt und regungslos (tot?) in ihrem mit Wasser gefüllten Boot liegen (sie hatte es kurz zuvor versenkt), ihr Schamhaar gleicht einer Miniaturausgabe der kleinen Schilfinsel, in der Hyun-Shik sich gerade versteckt hat. Ich habe zwar so einiges an Interpretationsversuchen hierzu im Internet gefunden, aber so richtig überzeugt hat mich keiner davon. Solltet ihr Vorschläge zu machen haben, dann tut euch keinen Zwang an und mailt mir eure Meinung.

Andere Symbole sind da schon leichter zu verstehen, etwa die Sache mit den Angelhaken - die beiden Liebenden sind auf schmerzhafte Weise aneinander gekettet, jeder hat seine Haken im Fleisch des anderen. Sowohl Hyun-Shik als auch Heejin werden an diesen Haken aus dem Wasser gezogen - der jeweils andere hat sich also buchstäblich seinen Partner "geangelt". Oder so ähnlich. Heejin könnte sogar so etwas wie der "Geist" des Sees sein, denn dessen Wasser scheint ihr eigentliches Element zu sein. Sie kann offensichtlich sehr lange und sehr schnell tauchen, sie erscheint immer wieder unerwartet unter den Hütten der Fischer und kann die Männer von dort aus beobachten oder manipulieren.

"Seom" ist ein Film, der fast ohne Dialog auskommt. Die Bilder sind aussagekräftig genug (bis auf den Schluß, wie gesagt) - oder, besser gesagt, sie sind ungemein beeindruckend. Das allerdings aus ganz verschiedenen Gründen. Da wäre einerseits die surreal wirkende Szenerie des stillen Sees mit den darauf treibenden Hütten. Bei bestimmten Wetterverhältnissen sieht das so aus, als würden die Plattformen im Nichts schweben. Diese Bilder erzeugen eine eigenartige Atmosphäre, die die Einsamkeit Heejins gut unterstreicht. Andererseits gibt es einige Szenen expliziter Gewaltdarstellung. Einige dieser Szenen sind ziemlich starker Tobak, insbesondere deshalb, weil sie offenbar echt sind: Einem Fisch wird Fleisch von den Seiten geschnitten, das sogleich roh verzehrt wird. Den Fisch lässt man dann wieder schwimmen. Heejin zerreißt eine Frosch, um ihn an Hyun-Shiks Vogel zu verfüttern. Das sind nur zwei Beispiele für die Tierquälerei, die in diesem Film zu sehen ist, und so etwas lehne ich ab. Gut - die Szenen sollen unter anderem Heejins dunkle Seite deutlicher machen. Sie sind also nicht Selbstzweck und dienen nicht der Effekthascherei. Dennoch meine ich: Es wäre nicht nötig gewesen, lebendige Tiere dafür zu nehmen. Dass es auch anders geht, zeigen schließlich die fiesen Angelhaken-Szenen, in denen ja wohl niemand wirklich verletzt worden ist.

Egal: "Seom" ist ein ungewöhnlicher, sehr stimmungsvoller Film mit starken Charakterszenen. Obwohl nur wenig geschieht und obwohl es eigentlich keinen spannenden Handlungsbogen gibt, kann man die Augen nicht abwenden.

Die DVD:

Die Extras sind leider wieder mal magerer, als der Covertext erwarten lässt. So handelt es sich beim so genannten "Making of" lediglich um unkommentierte Szenen von den Dreharbeiten (7 Minuten). Die Interviews mit dem Regisseur und den beiden Hauptdarstellern sind ca. 9 Minuten lang und wenig aussagekräftig. Vor allem findet sich kein Hinweis darauf, wie das rätselhafte Ende interpretiert werden kann. Die englischen Untertitel zu den Interviews sind ziemlich "schräg", d.h. es handelt sich um schlechte Übersetzungen. Der Videoclip ist ein Musikvideo mit dem Titel "Worm" der koreanischen Gruppe "Concorde". Es ist ein Zusammenschnitt aus Filmszenen, Szenen von den Dreharbeiten und Aufnahmen der Musiker.

J. Kreis, 21.08.2006
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