Scouts vs. Zombies


Scouts vs. Zombies - Handbuch zur Zombie-Apokalypse (USA, 2015)
- Scouts Guide to the Zombie Apocalypse -

Blu-ray, Paramount
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 93 Minuten

Extras:
- Eine Scouts Anleitung zum Filmemachen (29:34 Min.)
- Das Zombie Make-up Handbuch (5:37 Min.)
- Wie man sich als Zombie bewegt: Choreografie (5:12 Min.)
- Die Uniform und du: Kostümdesign (5:11 Min.)
- Entfernte Szenen

Regie:
Christopher B. Landon

Hauptdarsteller:
Tye Sheridan (Ben Goudy)
Logan Miller (Carter Grant)
Joey Morgan (Augie Foster)
Sarah Dumont (Denise Russo)
Halston Sage (Kendall Grant)
David Koechner (Kip S. Rogers)




Story

Nachdem Pfadfinderführer Rogers wieder einmal vergeblich versucht hat, neue Mitglieder für seine derzeit nur aus Ben, Carter und Augie bestehende Gruppe anzuwerben, wird er auf dem Weg zu einem Camp im Wald von einem Zombie gebissen und verwandelt sich Minuten später selbst in einen nach frischem Menschenfleisch gierenden Untoten. Die Zombieseuche wurde kurz zuvor durch das Missgeschick einer Reinigungskraft in einem Forschungslabor freigesetzt. Sie breitet sich schnell über eine nahegelegene Stadt aus.

Ben, Carter und Augie haben sich als Sechsjährige bei den Pfadfindern (Scouts) kennengelernt und sind beste Freunde geworden. Jetzt sind sie in einem Alter, in dem zumindest Ben und Carter die Scouts gern verlassen würden. Sie wollen nicht zu solch einem Außenseiter werden wie Augie, für den die Scouts seit dem Tod seines Vaters als Familienersatz dienen. Im Gegensatz zu Augie träumt Carter nicht vom Erwerb des Condor-Abzeichens, welches als höchste Auszeichnung für einen Scout gilt, sondern von der Eroberung möglichst vieler Highschool-Bräute. Im uncoolen Pfadfinder-Outfit ist das unmöglich. Carter drängt Ben, Augie endlich die Wahrheit zu sagen, doch Ben will seinen Freund nicht verletzen. Dennoch schleichen sich Ben und Carter nachts aus dem Camp. Sie wurden zu einer großen Party eingeladen, an der auch Carters Schwester Kendall teilnimmt, in die Ben heimlich verliebt ist. Augie wacht auf und stellt die anderen zur Rede, lässt sie aber enttäuscht ziehen. Dann macht er sich auf die Suche nach Rogers, der nicht im Camp erschienen ist.

Unterwegs zur Party stellen Ben und Carter fest, dass etwas nicht stimmt. Die Stadt ist menschenleer. Der Türsteher des Stripclubs ist verschwunden. Diese Gelegenheit kann sich Carter nicht entgehen lassen. Im Club werden die Jungs von Untoten angegriffen. In letzter Sekunde werden sie von Denise gerettet, einer nicht infizierten Angestellten des Clubs. Das Trio flieht vor der Zombiehorde ins Polizeirevier und schließt sich in einer Zelle ein. Währenddessen entgeht Augie nur knapp dem Schicksal, vom zombiefizierten Rogers zerfleischt zu werden. Er findet und befreit seine Freunde. Zu viert suchen die jungen Leute einen Weg aus der Stadt, die bereits evakuiert wurde und demnächst durch ein Flächenbombardement vernichtet werden soll, wie das Quartett durch Abhören des Militärfunks erfährt. Außerdem wird ihnen klar, dass die Teilnehmer an der Geheimparty noch immer in der Stadt sein müssen. Als sie bei der vermeintlichen Party-Location ankommen, müssen sie feststellen, dass sie reingelegt worden sind: Man hat ihnen eine falsche Adresse gegeben. Um die Partyleute retten zu können, müssen Ben und seine Freunde Kendalls Tagebuch finden. Darin trägt Carters Schwester jedes noch so kleine Detail ein, also wohl auch die gesuchte Adresse. Also wagen sie sich erneut in die vor Untoten wimmelnde Stadt. Nachdem sie das Buch unter größter Gefahr in ihren Besitz gebracht haben, können Ben, Carter und Augie zur richtigen Location fahren. Denise trennt sich von der Gruppe. Sie will versuchen, das Militär zu Hilfe zu holen.

Die Pfadfinder decken sich in einem Baumarkt mit diversen Waffen ein. Die ausgelassene Party hat sich bereits in ein Gemetzel verwandelt. Zombies sind eingedrungen und haben den Erreger an ihre Opfer weitergegeben. Ben, Carter und Augie kommen gerade noch rechtzeitig, um Kendall beizustehen. Sie ermöglichen vielen Gästen die Flucht, finden sich am Ende jedoch in einer ausweglosen Situation wieder. Umzingelt von tobenden Zombies und den sicheren Tod vor Augen, erkennt Ben endlich, dass er im Grunde sehr gern Pfadfinder ist. Ben und Carter versöhnen sich mit Augie. Wieder einmal taucht Denise als Retterin in der Not auf und hilft den Jungs aus der Klemme. Augie vernichtet das zombieverseuchte Gebäude mit einer selbst gebastelten Bombe. Draußen torkelt Rogers umher, wird aber von einer Handgranate zerfetzt - das Militär ist da! Alle Überlebenden werden außerhalb der Stadt in Sicherheit gebracht. Am nächsten Morgen braucht Ben nur noch einen kleinen Schubser von Denise, um endlich seine Angebetete in die Arme zu schließen.


Kringels Meinung

Zombies haben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Wiedergeburt erlebt (man verzeihe mir das Wortspiel), und zwar nicht erst seit dem Riesenerfolg der Fernsehserie The Walking Dead und dem Hollywood-Blockbuster World War Z. Schon seit der Videospielverfilmung Resident Evil (2002) und Zack Snyders Dawn of the Dead - Remake aus dem Jahre 2004 konnten sich Genrefans an immer neuen Variationen der altbekannten Untoten-Apokalypse erfreuen. Es gibt auch Kost aus deutschen Landen, zum Beispiel Rammbock. Die wandelnden Toten sind so beliebt, dass es inzwischen sogar eine ganze Reihe von Zombie-Komödien gibt. Am bekanntesten dürften Shaun of the Dead und Zombieland sein. Mit Warm Bodies ist sogar ein richtig schöner Zombie-Liebesfilm in die Kinos gegangen, in dem das erstarrte Herz eines Untoten nach der Begegnung mit einer Lebenden wieder zu schlagen beginnt! Die meisten in dieser Richtung unternommene Versuche fand ich bestenfalls mäßig witzig, größtenteils aber eher grottig - siehe Deadheads, Wasting away, Dead and Breakfast, Boy eats Girl und Küss mich, Zombie.

"Scouts vs. Zombies" mag dem Genre abgesehen von der Tatsache, dass sich drei Pfadfinder der Untotenhorde entgegenstellen, nur noch reichlich zotigen Humor hinzuzufügen haben, trotzdem funktioniert der Film nicht nur als Horror-Actioner prächtig, sondern auch als romantische Komödie, wobei die Romantik allerdings eine untergeordnete Rolle spielt. Der Film hat sogar eine Botschaft, eine Moral! Schließlich erkennt Ben am Ende, dass er nichts auf den Spott seiner Mitschüler geben, sondern sein eigenes Ding durchziehen muss, und wie wertvoll echte Freundschaft ist. Im Showdown können die Pfadfinder ihre vermeintlich uncoolen Fähigkeiten zum allgemeinen Nutzen einsetzen. Sie konstruieren mit den im Baumarkt gemopsten Haushalts- und Gartengeräten improvisierte Waffen, was zu Szenen in schönster Braindead-Tradition führt. Überhaupt ist die Gewaltdarstellung für einen ab 16 Jahren freigegebenen Film erstaunlich hart. Schrieb ich gerade "erstaunlich"? Stimmt eigentlich nicht. Explizite Fressszenen, zerplatzende Köpfe, abgetrennte Gliedmaßen und dergleichen sind längst salonfähig geworden. Selbst im Fernsehen sind heutzutage Dinge zu sehen, die zu "meiner" Zeit, also in den Siebzigern und Achtzigern, völlig unvorstellbar gewesen wären. Die entsprechenden Spezialeffekte in diesem Film sind wirklich klasse! Sie gefallen mir besonders gut, weil zum großen Teil auf traditionelle Techniken zurückgegriffen wurde.

In "Scouts vs. Zombies" erhält der Splatter eine besondere Note, die sicher nicht jedermanns Sache ist. Beispiele gefällig? Ben, Carter und Denise werden bei der Flucht aus der Polizeiwache von einer untoten Polizistin verfolgt, deren Uniformjacke sich in einem Zaun verfängt und aufreißt, so dass die äußerst üppige Oberweite hervorspringt. In Zeitlupe. Carter kann nicht widerstehen ... Später versucht eine Zombie-Oma (Cloris Leachman!) Carters entblößten Hintern anzunagen. Zum Glück für den Pfadfinder hat sie zuvor ihre dritten Zähne verloren ... Kurz danach klammert sich Ben an einem Zombie-Penis fest, um nicht aus einem Fenster zu fallen. Das Ding wird länger und länger, bis es reißt ... Doch bei weitem nicht alle Gags zielen so tief unter die Gürtellinie. Manche Momente sind einfach nur bizarr. Nicht jede Pointe zündet, aber für so manchen Lacher ist gesorgt. Zum Glück wird man nicht mit übertriebenem Jugendlichen-Gehabe behelligt. Ben eignet sich in der Rolle des Helden, der erst einmal zu sich selbst finden muss, bestens als Sympathieträger, Augie wird nicht zur Witzfigur und selbst der Chaot Carter nervt nicht. Denise teilt mit Schrotflinte und kilometerlangen Beinen ordentlich aus. Sie wird quasi zur großen Schwester der Jungs und erteilt dem schüchternen Ben eine Lektion in Beziehungsfragen. Die Story ist dünn, aber nicht dämlicher als bei vielen anderen Zombiefilmen. Vor allem aber ist "Scouts vs. Zombies" einfach spannend und handwerklich klasse gemacht. Daumen hoch!


Blu-ray-Features

Das Bonusmaterial besteht hauptsächlich aus vier Featurettes, die eigentlich zusammengehören und insgesamt ein gut dreiviertelstündiges Making of ergeben, das vor allem eines erkennen lässt: Das gesamte Team war mit großem Spaß und viel Engagement bei der Sache. Mehrmals wird gesagt, dass man einen Film im Stil von Kultfilmen der Achtzigerjahre machen wollte ("Die Goonies" wird öfter genannt), allerdings ohne Rücksicht auf die Jugendfreigabe. Das ist definitiv gelungen, würde ich sagen. Witzig: Das Drehbuch wurde ursprünglich von zwei Autorinnen geschrieben, denen man das offenbar nicht so recht zugetraut hat. Zumindest sagen die beiden das in einem kurzen Interview. Man kann gut erkennen, wie die verschiedenen Zombies entstanden sind und dass CGI dabei nur sehr dosiert eingesetzt worden ist. Wo immer möglich wurde mit maskenbildnerischen Effekten, Animatronics und dergleichen gearbeitet.

Eine nicht verwendete Szene ist vorhanden: Ben und Carter gehen vor dem Besuch im Stripclub in eine Drogerie. Carter will Kondome kaufen. Der Laden ist verlassen, aber es gibt schon Anzeichen dafür, dass schlimme Dinge vorgefallen sein müssen. Eine zweite Szene ist nicht komplett neu, nur länger. Es handelt sich um einen von Mr. Rogers vorgeführten Werbefilm für die Pfadfinder.


J. Kreis, 08.11.2016




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