Willkommen bei den Sch'tis


Willkommen bei den Sch'tis (F, 2008)
- Bienvenue chez les Ch'tis -

DVD Regionalcode 2, Prokino
Altersfreigabe: FSK 0
Laufzeit: ca. 102 Minuten

Extras
- Im Synchronstudio mit "Stromberg"-Star C.M. Herbst (12:19 Min.)
- Interview mit Dany Boon (37:58 Min.)
- Bergues - eine Stadt im Ausnahmezustand (4:53 Min.)
- Trailer

Regie:
Dany Boon

Hauptdarsteller:
Kad Merad (Philippe Abrams)
Dany Boon (Antoine Bailleul)
Zoe Felix (Julie Abrams)
Anne Marivin (Annabelle Deconninck)
Line Renaud (Madame Bailleul)




Inhalt:

In der Ehe des Postbeamten Philippe Abrams kriselt es. Seine Frau Julie träumt von einem idyllischen Leben an der Mittelmeerküste, aber Philippes Bewerbungen um entsprechende Filialleiterstellen bleiben erfolglos. Eines Tages versucht er, sich einen dieser begehrten Posten zu erschleichen, indem er sich als Behinderter ausgibt. Der Betrug fliegt auf. Philippe wird für die Dauer von mindestens zwei Jahren in die Region Nord-Pas-de-Calais strafversetzt. Er soll die Postfiliale in Bergues leiten. Für Julie kommt ein Umzug in den äußersten Norden Frankreichs nicht in Frage - wie alle Südfranzosen hält sie die Bewohner dieses vermeintlich unwirtlichen, kalten Landstrichs für zurückgebliebene Unholde, deren Sprache kein zivilisierter Mensch verstehen kann. Philippe bricht allein nach Nordfrankreich auf und richtet sich in einer kleinen Wohnung über der Filiale ein. Frau und Sohn bleiben in Marseille zurück, von Stolz auf den Mut und die Opferbereitschaft Philippes erfüllt, der es nun mit den "Sch'tis" aufnehmen muss. Philippe stellt allerdings schnell fest, dass die Vorurteile nur zum Teil begründet sind. Er versteht die merkwürdige Sprache der Sch'tis zwar tatsächlich zunächst nicht, aber er wird so herzlich aufgenommen, dass er sich in Bergues bald ganz wie zu Hause fühlt. Wenn er an den Wochenenden wieder in Marseille ist, zeichnet er jedoch ein grelles Bild der Qualen, die er angeblich erleiden muss - denn umso mehr wird er von seiner Frau bedauert und umsorgt. Somit läuft es in Philippes Ehe bald wieder bestens.

Philippe lebt sich in dem gemütlichen Städtchen ein und freundet sich besonders mit dem Briefträger Antoine Bailleul an, der mit über 30 noch immer bei seiner herrischen Mutter lebt und unglücklich in die junge Postbeamtin Annabelle Deconninck verliebt ist. Nach einiger Zeit gibt es jedoch neue Probleme, denn Julie erträgt es nicht mehr, ihren Mann allein unter Barbaren zu wissen; sie glaubt immer noch, er mache bei den Sch'tis die Hölle durch. Trotz aller Versuche Philippes, sie daran zu hindern, will sie zu ihm nach Bergues ziehen. Zusammen mit seinen Kollegen und Freunden, denen er sein "Doppelleben" gesteht, inszeniert Philippe ein groß angelegtes Täuschungsmanöver. Julie wird in eine verlassene, heruntergekommene Bergarbeitersiedlung in der Nähe von Bergues geschleppt. In diesem Potemkinschen Dorf spielen Philippes Freunde der entsetzten Frau groteske Szenen voller Sch'ti-Klischees vor. Der Trick funktioniert, aber nur solange, bis Julie das echte Bergues findet. Da hilft es auch nicht mehr, dass Philippe seiner Frau nun endlich die Wahrheit sagt. Sie reist zornerfüllt ab. Philippe bringt zunächst Antoine dazu, bei seiner Mutter auszuziehen und Annabelle den lang erwarteten Heiratsantrag zu machen. Dann reist er nach Marseilles und macht Julie klar, wie sehr er sie liebt und wie gut die vorübergehende Trennung für ihre Beziehung war. Die ganze Familie zieht nun nach Bergues, aber nach drei Jahren wird Philippe erneut versetzt. Obwohl die neue Stelle genau das ist, was er sich früher immer gewünscht hat, erkennt Philippe die Wahrheit eines alten Sprichwort der Sch'tis: Ein Besucher des Nordens weint zweimal: Einmal bei der Ankunft und ein zweites Mal bei der Abreise...

Der Film:

Man muss wahrscheinlich Franzose sein, um diesen Film wirklich würdigen zu können. Die Klischees, die sich bei Nord- und Südfranzosen für die Bewohner der jeweils anderen Landeshälfte festgesetzt haben, sind für mich schon nicht nachvollziehbar. Sicher ist der Film auch als liebevolles, aber (selbst-)ironisches Porträt der Heimat des Regisseurs gemeint, aber ich kenne die Gegend nicht. Das größte Problem, das ich mit diesem Film habe, ist jedoch die Sprache. Denn aus der sehr speziellen Mundart der Sch'tis bezieht er den größten Teil seines Humors, der a) nur im Original richtig funktionieren kann, b) nach der x-ten entsprechenden Situation deutlich an Wirkung verliert und c) in der deutsch synchronisierten Version fast komplett verloren geht. Man hat versucht, den Sch'ti-Dialekt zu vermitteln, indem die Sch'tis immer "sch" statt "s" und "s" statt "ch" sagen und verschiedene ungewöhnliche Begriffe gebrauchen. Netter Versuch und immer noch besser, als irgendeine deutsche Mundart zu verwenden, aber dieser fiktive Dialekt klingt viel zu bemüht und künstlich, um irgendwie witzig zu sein. Dasselbe gilt für diverse Wortspiele und Missverständnisse. Meine Französischkenntnisse reichen leider nicht aus, um den Film im Original anzuschauen. Ich hab's versucht, aber ich habe noch weniger verstanden als Philippe bei seinen ersten Begegnungen mit den Sch'tis. Hinzu kommt, dass mir der Humor auch sonst größtenteils albern, gezwungen und eher platt vorkommt. Die Heimlichtuerei von Philippes Freund, der verunglückte Betrug mit dem Rollstuhl, die Sache mit dem vermeintlich schwulen Antoine usw. - also bitte. Das ist zwar noch nicht ganz Schenkelklopfer-Niveau, aber nah dran.

Vielleicht hätte es dem Film gut getan, wenn der Regisseur weniger den Kalauer-Holzhammer geschwungen und sich mehr auf die zwischenmenschlichen Beziehungen gekümmert hätte, denn die haben durchaus Potential, kommen aber zu kurz. Auch wird Philippe nach einer ziemlich langen und zähen Einführungsphase etwas zu schnell selbst zu einem Beinahe-Sch'ti. Ich will aber nicht zu sehr meckern, denn irgendwie wachsen einem die skurrilen, aber charmanten Bewohner Bergues doch ans Herz, denn die Schauspieler sind mit erkennbar großem Spaß bei der Sache. Zugegeben: die eine oder andere Pointe zündet durchaus, z.B. der Running Gag mit dem Streifenpolizisten. Letzten Endes hat der Film immer noch genug Wohlfühl-Atmosphäre für einen gemütlichen Abend auf der Couch. Auch muss ich zugeben, dass der Film beim wiederholten Anschauen gewinnt. Ein gewisser Kult-Faktor ist also vorhanden. Warum "Willkommen bei den Sch'tis" aber über 20 Millionen Franzosen ins Kino gelockt hat und nicht nur zum erfolgreichsten französischen Film aller Zeiten, sondern zu einem echten gesellschaftlichen Phänomen geworden ist? Das kann ich nicht nachvollziehen.

DVD-Features:

Das Bonusmaterial besteht zum größten Teil aus Interviews. Christoph Maria Herbst erzählt von seiner Arbeit im Synchronstudio, bei der man ihn auch kurz beobachten kann, und berichtet von den Schwierigkeiten, die er mit der eigens für die deutsche Version kreierten Kunstsprache hatte. Dany Boon, der tatsächlich selbst ein Sch'ti ist, erklärt, was es mit dem "Nord-Süd-Gefälle" in Frankreich sowie den Sch'tis und ihrer Sprache auf sich hat, wie sich die Dreharbeiten in seiner alten Heimat gestaltet haben und warum der Film in Frankreich so erfolgreich war.

Hinzu kommt die kurze Featurette "Bergues - eine Stadt im Ausnahmezustand", eine deutsche Produktion, in der es um den Kult um den Film und um Bergues geht. Man bekommt ein bisschen mehr von dem realen Städtchen und seinen Bewohnern zu sehen. Dort ist es seit der Veröffentlichung des Films offenbar zu einer wahren Touristen-Invasion gekommen.


Screenshots


Willkommen bei den Sch'tis

Philippe ist gut gerüstet für die Expedition zum Nordpol... äh... nach Nordfrankreich.


Willkommen bei den Sch'tis

"Was, dem Zipfel schmeckt mein Muckefuck nicht? Na, er hat ja noch nicht den Maroilles probiert..."


Willkommen bei den Sch'tis

Annabelle, die Frau mit den niedlichsten Grübchen von Bergues.


Willkommen bei den Sch'tis

Philippe hat seinen Kollegen soeben eröffnet, dass er sie bei seiner Frau als Deppen dargestellt hat...


Willkommen bei den Sch'tis

"DAS sind deine Kollegen? Sind die immer so drauf?!?"


Willkommen bei den Sch'tis

"Nur wenn sie saufen... also quasi immer, ja."


J. Kreis, 20.03.2011




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