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saw SAW Director's Cut (USA, 2004)
DVD - Regionalcode 2, Kinowelt
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 99 Minuten

Extras
Musikvideo "Bite the Hand that bleeds" von Fear Factory, Trailer

Regie:
James Wan

Hauptdarsteller:
Cary Elwes (Dr. Lawrence Gordon)
Leigh Whannell (Adam)
Danny Glover (Detective David Tapp)
Michael Emerson (Zep Hindle)




Vorbemerkung:

Wer meine Reviews kennt, der weiß, daß ich meistens alles verrate. Das wird diesmal nicht anders sein. Da man Filme wie "Saw" aber eigentlich nicht mehr anschauen muß, wenn man die Auflösung kennt, werde ich diesmal die Stellen markieren, an denen die richtig üblen "Spoiler" beginnen. Wenn ihr den Film also noch nicht kennt und euch den Spaß nicht verderben wollt, dann lest nur bis zur ersten blauen Linie!

Inhalt:

Zwei Männer erwachen in einem verdreckten alten Waschraum, der hermetisch von der Umwelt abgeschlossen ist. Sie sind in gegenüberliegenden Ecken des heruntergekommenen Raums an massive Rohre gekettet und haben nur einen eingeschränkten Bewegungsspielraum. Aus eigener Kraft können sie sich unmöglich von den schweren Ketten, die an ihren Unterschenkeln angebracht sind, befreien. Zwischen den beiden liegt eine Leiche in einer riesigen Blutlache. Der Tote hält in der einen Hand einen Revolver, mit dem er sich offenbar selbst in den Kopf geschossen hat, und in der anderen Hand ein Diktiergerät. Die beiden Gefangenen - der Fotograf Adam und der Chirurg Dr. Gordon - haben keine Ahnung, wie sie in diesem Raum geraten sind. Allmählich begreifen sie, daß sie Opfer des "Jigsaw-Killers" sind. Dieser Serienmörder entführt immer wieder Leute, die seiner Meinung nach den Respekt vor dem Leben verloren haben - also Leute, die schon einen mißglückten Selbstmordversuch hinter sich haben, Drogensüchtige usw. - und bringt sie in eine Situation, in der sie das Leben verlieren werden, wenn sie untätig bleiben, und aus der sie sich nur retten können, wenn sie zu extremen Taten wie Selbstverstümmelung oder Mord bereit sind. So soll ihnen den Wert des Lebens wieder zu Bewußtsein gebracht werden. Das steht auch Adam und Gordon bevor. Über das Diktiergerät und andere im Raum versteckte Hinweise findet Gordon heraus, daß er Adam innerhalb einer bestimmten Frist töten muß - andernfalls würden seine Frau und seine Tochter sterben, Gordon selbst würde in dem Raum verrotten. Das einzige Hilfsmittel, mit dem Gordon sich befreien könnte, ist eine Säge. Doch die ist nicht stark genug, die Kette zu durchtrennen. Mit Fleisch und Knochen ginge es aber...

Der ehemalige Polizei-Detective Tapp, der vor einiger Zeit bei der erfolglosen Jagd nach dem Jigsaw-Killer seinen Partner, seine Gesundheit und seinen Job verloren hat, ist immer noch auf der Spur des Mörders. Vor mehreren Monaten hatte er Gordon in Verdacht, der Jigsaw-Killer zu sein, weil man an einem Tatort eine kleine Stablampe aus dem Besitz von Gordon entdeckt hatte. Doch Gordon hatte ein wasserdichtes Alibi - er war zur Tatzeit mit seiner Geliebten zusammen. Tapp läßt jedoch nicht locker (genaugenommen ist er manisch besessen von dem Gedanken, den Mörder zu schnappen) und beobachtet Gordons Wohnung. Gordon und Adam werden ebenfalls beobachtet. Hinter einem Einweg-Spiegel steht eine Kamera, die alles, was sich in dem schmuddeligen Raum abspielt, in Gordons Wohnung überträgt. Dort hält Zep Hindle, ein Pfleger aus Gordons Krankenhaus, Frau und Kind des Arztes gefangen. Wenn die Zeit, die Gordon noch bleibt, abgelaufen ist, wird er beide erschießen.

Spoiler-Alarm

Ihr wollt weiterlesen? Okay...

Allmählich wird Gordon klar, daß Adam ihn kennen muß. Tatsächlich ist Adam ein Voyeur, der für Geld andere Menschen bespitzelt. Das hat er auch mit Gordon gemacht, und Auftraggeber war niemand anderer als Ex-Detective Tapp! Somit zerbricht die Solidarität zwischen den beiden, die sich gerade erst entwickelt hatte. Als die Zeit abzulaufen beginnt und als dann auch noch ein auf Empfang geschaltetes Handy, das im Raum versteckt war, die verzweifelten Schreie von Gordons Frau und Kind überträgt (Zep Hindle macht sich daran, sie zu töten), sieht Gordon keinen anderen Ausweg mehr und sägt sich den Fuß ab. Jetzt kann er die Kette abstreifen, außerdem kommt er jetzt an den Revolver heran, den die Leiche in der Hand hat. Es gibt nur eine einzige Patrone für die Waffe, und Gordon ist bereit, sie auf Adam abzufeuern.

Zur gleichen Zeit eskaliert die Situation in Gordons Wohnung. Seiner Frau ist es gelungen, sich zu befreien und Zep Hindle zu überwältigen. Als sich einige Schüsse aus Hindles Waffe lösen, bekommt Tapp das natürlich mit. Er stürmt in die Wohnung, rettet Gordons Familie und verfolgt Hindle, der es seltsam eilig hat, zum Gefängnis zu gelangen, in dem Gordon gerade Adam niederschießt. Vor der Eingangstür gelingt es Tapp, Hindle zu stellen. Es kommt zu einem Handgemenge. Ein Schuß löst sich - Tapp wird tödlich getroffen. Jetzt will Hindle Gordon erschießen ("so sind die Spielregeln", sagt er), doch da rappelt sich der vermeintlich tote Adam auf und erschlägt Hindle mit einem losen Marmorteil. Gordon hatte ihm nur in die Schulter geschossen. Gordon, der vor lauter Schmerzen und Blutverlust nur noch mühsam über den Boden robben kann, kriecht nach draußen. Der verzweifelte Adam bleibt zurück, doch Gordon verspricht, er werde Hilfe holen.

Massiver Spoiler

Ihr denkt, das war schon alles? Ihr denkt, der Film hätte ein Happy-End? Oh nein! Wollt ihr die Wahrheit wissen? Gut, dann lest weiter. Aber sagt hinterher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Auf der Suche nach irgend einem Ausweg durchsucht Adam die Taschen des toten Hindle. Dabei findet er... ein Diktiergerät! Als er es abspielt, ertönt die Stimme des Jigsaw-Killers, der Hindle mitteilt, in seinen Adern befinde sich ein tödliches, langsam wirkendes Gift. Das Gegenmittel besitze nur er, der Jigsaw-Killer. Wenn Hindle es haben wolle, müsse er bereit sein, Gordons Frau und Kind zu töten. Moment mal, denkt Adam, Hindle war also nicht der Jigsaw-Killer? Wer dann? Da erhebt sich der vermeintliche Tote, der die ganze Zeit über regungslos in der Mitte des Raums gelegen hat. Er zieht sich eine Latexmaske vom Kopf, mit der er die schreckliche Schußwunde vorgetäuscht hat. Der Mann ist ein ehemaliger Patient Dr. Gordons, der an einem langsam wachsenden Gehirntumor leidet und bald sterben wird. Er ist der Jigsaw-Killer, und alles ist genau so verlaufen, wie er es geplant hat. "Das Spiel ist aus", sagt er, bevor er die Tür des Gefängnisses, das zu Adams Grab werden soll, von außen verschließt...

Der Film:

"SAW" (= "Säge" / "Jigsaw" = "Puzzle") ist ein ziemlich fieser Psychothriller, der in vielerlei Hinsicht an "Sieben" erinnert. Allerdings ist er eine ganze Ecke härter und die Auflösung verläuft anders. Ansonsten ähneln sich beide Filme sehr - in beiden Filmen haben wir den Serienmörder, der nicht nur seine Opfer manipuliert, sondern auch die Polizisten, die ihn verfolgen. Der Mörder verfolgt ein ganz bestimmtes Ziel und gestaltet bizarre Szenarien mit seinen Opfern bzw. für seine Opfer. Besonders diese Arrangements erinnern sehr an "Sieben". Trotzdem kann man "SAW" als eigenständiges Werk betrachten und sich bestens davon unterhalten - oder vielmehr: In Bann gezogen - fühlen. Nur ein Teil der Handlung findet in dem seltsamen Raum statt, in dem Adam und Dr. Gordon gefangen sind. Durch Rückblenden und Einschübe, in denen die Handlung zu anderen Schauplätzen verlagert wird, werden die Zusammenhänge allmählich deutlicher. Immer wieder kommt es zu unerwarteten Wendungen und man wird wie Detective Tapp auf falsche Fährten gelockt. So ist denn der Film ein Puzzle, wie es sich der Jigsaw-Killer nicht schöner hätte ausdenken können.

Die letzte halbe Stunde ist dann pure Hochspannung. Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich immer näher an den Bildschirm herangerückt bin, um ja nichts zu verpassen. Wie ich zu Beginn der Handlungszusammenfassung schon sagte, bezieht der Film wie fast alle Werke dieses Genres seine Spannung daraus, daß der Zuschauer bis zuletzt in Unkenntnis darüber gelassen wird, was eigentlich vor sich geht, wer der Mörder wirklich ist und wer überleben wird (und in welchem körperlichen Zustand sich die Überlebenden dann befinden werden). Alle Fragen werden am Ende schlüssig beantwortet, obwohl mir die finale Auflösung etwas zu sehr konstruiert erscheint. So halte ich es für recht unglaubwürdig (Achtung Spoiler!), daß jemand geschlagene acht Stunden lang regungslos auf dem Boden liegen und einen Toten mimen kann, ohne daß man etwas von der Täuschung bemerkt.

Der Directors Cut ist nur unwesentlich länger als die normale Kinoversion. Hauptsächlich wurden die (vergleichsweise wenigen) Gewaltszenen um ein paar Sekunden verlängert. Ob das nun nötig war oder nicht, kann man dahingestellt sein lassen. In diesem Film findet der Horror nämlich eher im Kopf des Zuschauers statt als in expliziten Darstellungen auf dem Bildschirm. Ein Mörder, der seine Opfer dazu bringt, sich selbst zu töten... eine morbide Atmosphäre und ausgeklügelte Fallensysteme... ausweglose Situationen, die stets zu unvorstellbarem Leid führen... viele überraschende Plot-Twists... das alles macht "SAW" zu einem Serienkiller-Film der intelligenteren Art, den man so schnell nicht vergessen wird.

Die DVD:

Einzige Extras auf dieser DVD sind Trailer zu diesem und anderen Filmen sowie ein Musikvideo der Gruppe "Fear Factory", in dem neben Filmszenen auch andere Gewaltdarstellungen vorkommen und das deshalb als "unrated" eingestuft wurde. Den Film gibt es auch in einer anderen Ausgabe, nämlich als "Collectors Edition". Diese enthält beide Versionen (Directors Cut und Kinoversion) sowie einige Extras.

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