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Save the green Planet Save the green Planet - Special Edition (Südkorea, 2003)
DVD - Regionalcode 2, I-On
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 117 Minuten

Extras
Audiokommentar / Kinotrailer und Trailer zu anderen Filmen / Deleted Scenes mit Kommentar / Kurzfilm "The Lazy Mirror" / 6 "Behind the Scenes" - Featurettes / "Days of the green Planet" / "Hello from the Set" / Am Set / Premiere in Korea / Fragen vom Fanclub / Die Detektive / Die Aliens / 3 Interviews mit dem Regisseur

Regie:
Jun-hwan Jeong

Hauptdarsteller:
Ha-kyun Shin (Byeong-gu Lee)
Yun-shik Baek (Man-shik Kang)
Jeong-min Hwang (Soo-ni)
Jae-yong Lee (Inspector Choo)
Ju-hyeon Lee (Inspector Kim)




Inhalt

Der Imker und Schaufensterpuppen-Bastler Lee Byeong-gu ist fest davon überzeugt, daß auf der Erde unerkannt Außerirdische vom Planeten Andromeda leben, und daß die Erde bei der nächsten Mondfinsternis vernichtet werden soll. Schon seit Jahren kidnappt er immer wieder Leute, die er für Außerirdische hält, und foltert sie, um die Wahrheit aus ihnen herauszubekommen. Dazu sperrt er sie in einer Werkstatt ein, die er unter seinem einsam gelegenen Haus eingerichtet hat, und probiert diverse ausgefallene Verhörmethoden an ihnen aus. Diese Prozedur hat noch niemand überlebt, aber sein Ziel, die Erde zu retten, hat Lee noch nicht erreicht. Einige Körperteile bewahrt er zur näheren Untersuchung auf, den Rest bekommt der Hund zu fressen. Als die Mondfinsternis immer näher rückt, entführt Lee einen weiteren potentiellen Außerirdischen: Kang Man-shik, den Chef eines Chemiekonzerns. Zusammen mit seiner Freundin Soo-ni unterzieht er den entsetzten Mann, den er für das Ober-Alien hält, einer äußerst schmerzhaften Befragung.

Die Entführung wird natürlich sofort von der Polizei untersucht, die tappt aber im Dunkeln. Der einzige, der Lee schließlich aufspürt, ist der versoffene Inspector Choo. Er verfolgt Lee schon seit Jahren und wurde vom Dienst suspendiert. Choo sucht Lee sogar auf, macht aber einen Fehler und fällt Lees Bienenschwarm zum Opfer. Inspector Kim, Choos junger Kollege, findet mehr über Lees Vergangenheit heraus. Offensichtlich hat Lee nur Menschen entführt, die ihn in seiner Jugend gequält haben oder die er für sein persönliches Unglück verantwortlich macht - Lees Mutter liegt zum Beispiel im Koma und Kang soll verantwortlich dafür sein. Währenddessen versucht Kang verzweifelt, sich zu befreien. Das gelingt ihm auch mehrmals beinahe, doch Lee überwältigt ihn jedesmal wieder. Allerdings hetzt Kang Soo-ni gegen Lee auf, woraufhin die etwas zurückgebliebene Frau ihren Freund verläßt. Dann beginnt Kang, auf Lee einzugehen. Er redet ihm ein, er könne seine Mutter mit einer speziellen Flüssigkeit, die sich in seinem Auto befinde, aus dem Koma wecken. Lee glaubt ihm, läßt ihn allein und gibt ihm somit eine weitere Chance zur Flucht.

Kang kann allerdings nicht aus der Werkstatt entkommen. Er findet dort nur Unmengen von wirren Aufzeichnungen, pseudowissenschaftlichen Büchern und Fotos, denen er entnehmen kann, was Lee sich zurechphantasiert hat und woher seine Ideen stammen. Als Lee zurückkehrt (seine Mutter ist inzwischen gestorben), will er Kang töten. Er überwältigt auch Inspector Kim, der Kang befreien wollte. Dabei hilft ihm Soo-ni, die zu ihm zurückkehrt. Erneut scheint es so, als würde Kang auf Lees scheinbaren Wahnsinn eingehen, denn er gesteht, er sei ein Außerirdischer, und berichtet ihm vom einem Plan, den seinesgleichen angeblich seit Urzeiten verfolgen. Demnach haben die Außerirdischen die Menschen erschaffen und wollen sie jetzt vernichten, da die Erdbewohner sich als unwürdig und gefährlich erwiesen haben. Wenn Lee die Erde retten wolle, müsse er Kang in dessen Chemiefabrik bringen, wo er Kontakt mit den Andromedanern aufnehmen könne. Lee willigt ein. In der Fabrik angekommen, setzt Kang jedoch einen Robot-Greifarm in Gang, der Soo-ni tötet. Im Kampf gegen Lee droht Kang erneut zu unterliegen, doch da taucht überraschend Inspector Kim auf und erschießt Lee.

Der befreite Industrielle soll in Sicherheit gebracht werden. Da zeigt sich plötzlich, daß Lee doch nicht völlig wahnsinnig war, sondern in allem Recht hatte. Pünktlich zur Mondfinsternis erscheint nämlich ein UFO, feuert Energiestrahlen auf die Polizisten ab und nimmt Kang an Bord. Kang, nach langjährigen Experimenten mit diversen Menschen (unter anderem Lees Mutter) überzeugt davon, daß die Menschheit nicht zu retten ist, befiehlt die Vernichtung der Erde...

Der Film:

Wenn man sich das DVD-Cover anschaut (Pastellfarben und fröhliche Bilder) und wenn man den Kinotrailer sieht, dann erwartet man eigentlich, "Save the green Planet" sei eine möglicherweise etwas überdrehte, aber unbeschwerte und harmlose Komödie. Tatsächlich handelt es sich aber um einen völlig anderen Film. Humor ist zwar vorhanden, aber er ist bitterböse und rabenschwarz. Zunächst beginnt alles relativ harmlos: Lee scheint zunächst einfach nur ein Sonderling zu sein, der sich alles nur einbildet und seine Ideen diversen reißerischen Büchern, Filmen und dergleichen entlehnt hat. Sehr schnell wird aber eine andere Tonart angeschlagen. Je mehr man über Lees Vergangenheit erfährt und je öfter seltsame Visionen zu sehen sind, die ihn plagen, desto mehr gelangt man zu der Überzeugung, daß er völlig wahnsinnig sein muß und sich nur an seinen ehemaligen Peinigern rächen will. Die drastischen und teilweise sehr bizarren Foltermethoden (Lee läßt sich einiges einfallen, das muß man ihm lassen), die ebenso explizit gezeigt werden wie Kangs verzweifelte Fluchtversuche, bei denen er sich selbst verstümmeln muß, sorgen dann spätestens dafür, daß so manchem Zuschauer das Lachen wohl im Halse stecken bleiben wird. Die Spezialeffekte dieser Szenen wirken übrigens sehr realistisch.

So kommt es, daß man sich als Zuschauer nach und nach innerlich von Lee abwendet, der eigentlich zunächst sympathisch war. Unwillkürlich fängt man an, in ihm den Bösewicht des Films zu sehen. Konsequenterweise überleben denn am Ende auch weder er noch seine Freundin (obwohl die eigentlich unschuldig, weil einfältig ist), stattdessen triumphiert das scheinbar Gute in Gestalt des heldenhaften Polizisten und des armen geschundenen Opfers, mit dem man mitgelitten hat. Denkt man jedenfalls. Die finale Wendung läßt dann alles wieder in einem anderen, noch unschöneren Licht erscheinen. Lees Behauptungen hatten also einen völlig realen Hintergrund - waren dann auch die Grausamkeiten gerechtfertigt, die er seinen Opfern angetan hat? Oder war er trotzdem wahnsinnig und hatte nur zufällig Recht? Der Film beantwortet diese Frage nicht abschließend, aber die Aliens tun genau das, was Lee vorhergesagt ist: Sie sprengen die Erde. Eigentlich schadet dieses irreale Ende dem Film nur. Es wäre besser gewesen, wenn man es weggelassen und die Entscheidung dem Zuschauer überlassen hätte. Hut ab jedoch vor den Schauspielern: Sie verkörpern ihre Rollen wirklich überzeugend. Vor allem der Hauptdarsteller spielt den von Seelenqualen gepeinigten "tragischen Helden" sehr intensiv.

Obige Handlungszusammenfassung liest sich etwas wirr, aber es ist auch nicht gerade einfach, den Film mit all seinen Wendungen, Subplots und Anspielungen zusammenzufassen, ohne ein komplettes Drehbuch zu schreiben. Er ist mit knapp zwei Stunden meiner Meinung nach einen Tick zu lang - die Handlung reicht für einen Film dieser Länge einfach nicht aus. Mit dem Humor, der durch die verrückten Folter-Ideen ensteht, wird so mancher Zuschauer leichte Probleme haben, denn was zu Anfang nur skurril ist, wird wegen der zunehmenden Grausamkeit immer schwerer zu ertragen. Sehr gut gelungen sind die Szenen, in denen visualisiert wird, was Kang über die Machenschaften der Außerirdischen in der Vergangenheit erzählt. Sie enthalten überdeutliche Anspielungen auf die ersten Szenen aus 2001 - Odyssee im Weltraum und lassen die Sache mit dem schwarzen Monolithen in einem anderen Licht erscheinen. Auch Lees Visionen und die Szenen, in denen die schrecklichen Ereignisse seiner Jugend gezeigt werden, haben es in sich. Beim Abspann sollten Naturen, die nah am Wasser gebaut haben, Taschentücher bereit halten.

Insgesamt: Keine leichte Kost, aber auf jeden Fall sehenswert. Man sollte sich nur nicht davon täuschen lassen, daß der Film unverständlicherweise als Komödie vermarktet wird, wo er doch eine Mischung aus Thriller, Science Fiction und Psychodrama mit einem sehr traurigen Ende ist.

Die DVD:

Diese Doppel-DVD enthält massenweise Bonusmaterial, das zwar in viele kleine Häppchen gestückelt, aber dennoch sehr interessant ist. Ein Audiokommentar des Regisseurs ist vorhanden, aber nur in koreanischer Sprache - und es gibt keine Untertitel dazu. Der Audiokommentar ist also für unsereins völlig uninteressant. Alle anderen Extras sind aber glücklicherweise deutsch untertitelt. So auch die vom Regisseur kommentierten entfallenen Szenen. Diese Szenen sind für den Film eigentlich nicht wichtig, aber mindestens eine (in der Lee den toten Inspector Choo zerhackt) hätte dem Film noch einen erheblich härteren Touch verliehen. Man kann also sagen, daß die Szenen zu Recht entfernt wurden.

Das "Behind the Scenes" - Material besteht aus einigen kürzeren Featurettes, in denen insgesamt doch recht ausführlich auf die Spezialeffekte, das Make-up, die Miniaturen, die Stunts und so weiter eingegangen wird. Es ist interessant zu sehen, mit welch einfachen Mitteln teilweise gearbeitet wurde. Die längste Featurette läuft 22 Minuten und enthält lustigerweise Ausschnitte aus einer Vorstellung des real existierenden Zirkus (es ist angeblich der letzte in Südkorea), in dem Soo-ni auftritt. Aufnahmen von den Dreharbeiten in weiteren Featurettes stellen die Arbeit der Schauspieler in den Mittelpunkt. Auch recht amüsant sind Interviews der Darsteller, in denen diese sich bei ihren Stuntmen bedanken oder in denen Fans Fragen stellen dürfen. Lobenswert: In "Hello from the Set" dürfen sich Nebendarsteller und Leute aus dem Produktionsteam kurz vorstellen, die sonst nie zu Wort kommen.

Man bekommt dann noch Impressionen von der Premiere in Korea zu sehen. Offensichtlich wurden auf der Party nach der Premiere einige koreanische Regisseure und Schauspieler nach ihrer Meinung zum Film gefragt. Nicht alle sind mit Ernst bei der Sache - gab's etwa Freibier? Zwischendurch und in diversen anderen kleinen Beiträgen erzählt der Regisseur von seinen Ideen, Inspirationen und so weiter. Schließlich ist auch noch "The Lazy Mirror" vorhanden, ein einfacher kurzer Animationsfilm des Regisseurs aus dem Jahre 1993, mit dem er sich bei einer Filmhochschule in den USA beworben hat.

J. Kreis, 14.02.2006
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