Samsara


Samsara (USA, 2011)

Blu-ray, Busch Media Group
Altersfreigabe: FSK 0
Laufzeit: ca. 102 Min.

Extras
- Dokumentationen: Konzept, Produktion, Schnitt, Musikalische Reise, Technische Aspekte, Die Filmemacher (49:02 Min.)
- Trailer

Regie:
Ron Fricke




Inhalt / Kommentar

Ich kann hier nur wiederholen, was ich schon zu Baraka geschrieben habe, denn "Samsara" folgt genau demselben Prinzip: "Samsara" ist kein Spielfilm, weil es keine Handlung gibt, die durch Schauspieler vermittelt werden könnte. Und doch ist es ein Spielfilm, weil trotz des Fehlens von Schauspielern und vordergründiger Handlung eine Art Geschichte erzählt wird, nämlich die Geschichte vom Leben des Menschen mit der Natur - oder gegen die Natur. "Samsara" zeigt Landschaften, Tiere, Naturphänomene, von Menschen geschaffene Kunstwerke, Städte, Fabriken, Szenen des alltäglichen Lebens und vieles mehr aus aller Herren Länder. Dennoch ist "Samsara" kein Dokumentarfilm, denn es wird nichts erklärt oder kommentiert. Es gibt keinen Erzähler und keine Untertitel, so dass man nicht erfährt, was da eigentlich gerade zu sehen ist, wenn man es nicht schon kennt. "Samsara" ist mehr als lediglich eine Zusammenstellung von Bildern, die während einer Weltreise gemacht wurden. So wundervoll diese Bilder auch sind: Dann wäre der Film kaum besser als eine heimische Urlaubs-Diashow. Stattdessen werden die Filmaufnahmen thematisch miteinander verknüpft und zusammen mit der meditativen Musik zu einem facettenreichen Gesamtbild verwoben, das mich von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann gezogen hat. Und das, obwohl gar nicht mal so viel Neues gezeigt wird; es sind einfach die ungewöhnlichen Perspektiven, die ruhigen Kamerafahrten, langen Zeitrafferaufnahmen und eben das Fehlen eines Kommentars, die den Film zu einem ganz besonderen audiovisuellen Erlebnis machen.

Die Spiritualität des Menschen und der Zyklus von Geburt und Tod stehen noch mehr im Mittelpunkt als in "Baraka", der Film driftet aber keineswegs in Esoterik-Gefilde ab. Man sieht z.B. eine fabrikmäßig betriebene Schweinezucht. Die Muttertiere sind auf der Seite liegend in ein Gestell eingezwängt, so dass die Ferkel gut ans Gesäuge kommen. Das erinnert irgendwie an die Biomechanoiden in Gemälden von H.R. Giger, fast sieht es so aus, als wären die Tiere mit einer Maschine verschmolzen. Die Schweine werden geschlachtet, durchlaufen eine Fließbandanlage und werden in riesigen Hallen weiterverarbeitet. Dort führen menschliche Arbeiter wie Roboter immer und immer wieder dieselben Handgriffe aus. Am Ende kommen identische Nahrungsmittel für den Massenkonsum in großen Supermärkten heraus. Übergewichtige Menschen stopfen gedankenlos irgendwelches Fastfood in sich hinein. Endpunkt dieser "Nahrungskette" ist ein extrem adipöser Mann beim Schönheitschirurgen. Die Tiere wurden also in einem industriell organisierten Prozess in Fettmassen umgewandelt, die keinen Nutzen haben und jetzt weggeschnitten werden sollen. Es wird also nicht nur Schönes gezeigt; immer wieder werden Filmszenen so montiert, dass Gegensätze augefällig werden. Manches hat man allerdings schon in "Baraka" gesehen, etwa Menschen, die auf Müllhalden nach verwertbaren Resten suchen, oder Pilger bei der Kaaba.

Man sollte den Film unbedingt im HD-Format genießen. Die Blu-ray bietet gestochen scharfe Bilder, eine brillante Farbenpracht sowie eine fast wie 3D wirkende Bildtiefe und eine derartige Detailflut, dass man meinen könnte, das Gezeigte sei irgendwie digital bearbeitet worden bzw. es handele sich um Spezialeffekte. Wer (wie ich) "Baraka" liebt, wird von "Samsara" sicher nicht enttäuscht sein. Ich muss aber sagen, dass mir "Baraka" einen Tick besser gefällt. Dort finde ich die Zusammenstellung noch faszinierender, weil abwechslungsreicher.

Blu-ray-Features

Die sechs Kurzdokus hätten ruhig viel ausführlicher ausfallen können. Vor allem hätte ich mir mehr Infos über die Drehorte gewünscht, dieser Aspekt kommt viel zu kurz. Der Regisseur und andere Leute aus dem Produktionsteam, auch die Komponisten Lisa Gerrard, Michael Stearns und Marcello de Francisci, äußern sich zu verschiedenen Aspekten ihrer Tätigkeit. Leider bekommt man fast gar nichts von der Arbeit des Filmteams in den vielen bereisten Ländern zu sehen. Es wird lediglich erwähnt, dass man heute viel schwerer Zugang zu bestimmten Drehorten erhält als in den Neunzigern, als "Baraka" entstanden ist.


J. Kreis, 24.03.2013




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