Salyut 7


Salyut 7 (Russland, 2017)

DVD Regionalcode 2, Concorde Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 114 Minuten

Extras:
- Making-of (12:31 Min.)
- Salyut 7. Die Entstehung eines großartigen Weltraumabenteuers (3:37 Min.)
- Über die Filmfiguren (2:18 Min.)
- Hinter den Kulissen (1:41 Min.)
- Feature für Cannes (2:16 Min.)
- Feature zum Tag der Kosmonautik (1:26 Min.)
- Feature zu Vladimir Vdowichenkovs Geburtstag (1:44 Min.)
- Trailer

Regie:
Klim Schipenko

Hauptdarsteller:
Wladimir Wdowitschenkow (Wladimir Fjodorow)
Pawel Derewjanko (Viktor Aljochin)
Aleksandr Samoylenko (Valery Shudin)
Mariya Mironova (Nina Fjodorova)




Inhalt

Bei einem Außenbordeinsatz im Weltall rettet der erfahrene sowjetische Kosmonaut Wladimir Fjodorow seiner Kameradin Svetlana Lazareva, deren Raumanzug beschädigt wurde, das Leben. In dieser Situation lässt er sich so sehr von einer unerklärlichen Lichterscheinung ablenken, dass er es versäumt, das Außenschott der Mannschleuse hinter Lazareva zu schließen. Die Sache geht gut aus, doch nach diesem Ereignis darf Fjodorow vorerst nicht mehr starten. Seine Frau Nina ist deswegen keineswegs unglücklich, denn der Weltraum ist für ihren Mann fast wichtiger als das Familienleben. Fjodorow wird reaktiviert, als der Kontakt zwischen dem Kontrollzentrum und der Raumstation Salyut 7 im Jahre 1985 plötzlich abbricht. Niemand weiß, was mit der Station geschehen ist, denn zurzeit ist keine Besatzung an Bord. Salyut 7 zeigt keine Reaktion mehr. Sollte die Station abstürzen, könnte sie im schlimmsten Fall eine komplette Großstadt irgendwo auf der Welt ausradieren. Da die sowjetische Technik keiner anderen Macht in die Hände fallen darf, wird in aller Eile eine Rettungsmission vorbereitet. Im Simulator gelingt es niemandem, an die um mehrere Achsen trudelnde Station anzudocken. Somit kommt Fjodorow wieder ins Spiel. Er ist der einzige Kosmonaut, dem Flugleiter Valery Shudin die Kopplung zutraut.


Salyut 7

Salyut 7 treibt steuerlos im Erdorbit


Die erste Phase der Mission verläuft vielversprechend. Das Andockmanöver des Raumschiffes Sojus T-13 gelingt nach nur einem Fehlversuch. Fjodorow und sein Copilot Viktor Aljochin können die Station betreten und mit den Reparaturarbeiten beginnen. Die Hülle von Salyut 7 ist intakt, der Druck ist normal. Die Atmosphäre ist atembar, wenn auch eiskalt. Das gesamte Innere ist von einer dünnen Eisschicht bedeckt, welche sich problemlos auftauen lässt. Das Wasser wird abgesaugt. Dabei gelangt etwas Flüssigkeit ins Raumschiff, wodurch ein Kurzschluss ausgelöst wird. Feuer bricht aus. Es gelingt Viktor, die Flammen zu löschen, doch dabei erleidet er schwere Verbrennungen und ist nur noch eingeschränkt einsatzfähig. Außerdem ist Sojus T-13 nun kaum mehr als ein Wrack. Ohne Energieversorgung durch das Schiff sinkt die Temperatur in der Station wieder und der Sauerstoff geht zur Neige. Da die Mission als gescheitert gilt, wird entschieden, dass Salyut 7 abgeschossen werden soll, zumal die Amerikaner ihr Space-Shuttle Challenger ins All geschickt haben - mit leerem Frachtraum, was darauf schließen lässt, dass sie versuchen wollen, die Station zu bergen.


Salyut 7

Viktor Aljochin und Wladimir Fjodorow in der Raumkapsel Sojus T-13


Eine Rückkehr der Kosmonauten zur Erde ist theoretisch möglich, aber der Sauerstoff reicht nur für eine Person. Wladimir erhält den Befehl, sich für Viktor zu opfern. Viktor denkt allerdings gar nicht daran, seinen Freund zurückzulassen. Gemeinsam versuchen sie noch einmal, die eigene Stromversorgung von Salyut 7 instand zu setzen. Als sich die Challenger bereits nähert, haben die Kosmonauten endlich Erfolg. Die Solarzellen der Raumstation richten sich zur Sonne aus und im Inneren von Salyut 7 gehen die Lichter an. Jetzt können Wladimir und Viktor in der wieder funktionsfähigen Station in Sicherheit auf die Ankunft einer Versorgungsrakete warten. Diesmal sehen beide jene Lichterscheinung, von der Wladimir einst so fasziniert war ...


Salyut 7

Valery Shudin im Kontrollzentrum


Kringels Meinung

Alles, was ich über die Raumfahrt wissen muss, habe ich aus Filmen gelernt - na ja, nicht ganz, aber wer zu jung ist, die Sternstunden der Raumfahrt live mitverfolgt zu haben (bei der Mondlandung 1969 war ich erst zweieinhalb Jahre alt), muss sich heutzutage nicht mehr mit Hilfe trockener Fachbücher oder wenig mitreißender Dokumentarfilme weiterbilden. Die wichtigsten Meilensteine lassen sich im (Heim-)Kino nacherleben, denn inzwischen gibt es eine ganze Reihe tricktechnisch perfekter Spielfilme, in denen die Geschehnisse zwar dramatisch und spannend, gleichwohl sehr realistisch und mehr oder weniger historisch korrekt aufgearbeitet werden. So wird im November diesen Jahres der Film "Aufbruch zum Mond" in Deutschland ins Kino kommen. Darin spielt Ryan Gosling die Rolle Neil Armstrongs, des ersten Menschen auf dem Mond. Einige dieser Filme sind fast so mitreißend, wie es damals war, als die ganze Welt am Fernseher klebte, um Zeuge der Triumphe der Raumfahrt zu werden - und ihrer Katastrophen. Nie werde ich mein Entsetzen angesichts der Explosion der Challenger vergessen!

Im Idealfall vermitteln diese Filme jenes undefinierbare Gefühl, das ich beim Blick in den Sternenhimmel erlebe, und lassen erahnen, wie es den Astronauten wirklich ergangen ist, mit welch aus heutiger Sicht unfassbar primitiver Technik sie sich auf den Weg ins All gemacht haben und so weiter. Und es stimmt schon: Ohne manche Filme hätte ich vielleicht nie von bestimmten Dingen erfahren. Da wäre zum Beispiel Gravity (2013) zu nennen, ein visueller Hochgenuss, in dem die Einsamkeit in der Endlosigkeit des Alls auf atemberaubende Weise dargestellt wird. Zugegeben, diesen Film muss man genau genommen als Science Fiction bezeichnen, er basiert natürlich nicht auf einer wahren Geschichte. Durch ihn ist mir aber das real existierende Problem der Verschmutzung des erdnahen Weltraums durch Schrott und sonstigen Müll bewusst geworden. Vom "erfolgreichen Fehlschlag" der Apollo-13-Mission habe ich erst durch den gleichnamigen Film (1995) erfahren. Gleiches gilt für die Beinahe-Katastrophe von Salyut 7. Seltsam, dass ich mich nicht daran erinnern kann. 1985 war ich schon alt genug und habe mich sehr für alles interessiert, was irgendwie mit der Raumfahrt zu tun hat. Wurde in Westdeutschland womöglich gar nicht über den Vorfall berichtet? Damals war der Kalte Krieg ja noch durchaus heiß.

Jedenfalls hält der russische Film "Salyut 7" trotz des vergleichsweise geringen Budgets (400 Mio. Rubel lt. Wikipedia, das wären nicht mal 7 Mio. Dollar) dem Vergleich mit den oben genannten Hollywood-Großproduktionen mühelos stand. Zum Vergleich: "Apollo 13" wurde mit einem Budget von 52 Mio. Dollar produziert, bei "Gravity" waren es 100 Millionen! Der Film nimmt sich wohl recht große Freiheiten mit den realen Gegebenheiten heraus, ist aber in Sachen Technik - soweit ich das überhaupt beurteilen kann - sehr nah an der Realität. Ähnlich wie in "Gravity" wird Wert auf eine möglichst genaue Darstellung der Schwerelosigkeit gelegt und beim Sounddesign werden hier wie dort die sonst in derartigen Filmen oft gemachten Fehler vermieden. Die Kosmonauten hören im All nur ihre eigenen Stimmen, den Funkverkehr und das, was vom Material ihrer Raumanzüge übertragen wird.

Hinzu kommt, dass zeitgeschichtliche Probleme nicht ausgeblendet werden. Ich bezweifle nicht, dass man die Raumstation notfalls wirklich abgeschossen und die Kosmonauten geopfert hätte, um zu verhindern, dass Sowjettechnik dem Hauptfeind in die Hände fällt. Was umgekehrt natürlich bestimmt genauso gemacht worden wäre. Die menschliche Seite kann ebenfalls überzeugen. Die Unerschütterlichkeit der mit allerlei Widrigkeiten konfrontierten Kosmonauten, die Hilflosigkeit der Leute im Kontrollzentrum, die Verzweiflung der Familienmitglieder ... das alles wird sehr gut vermittelt. Nur Wladimirs Faszination für den Weltraum ist für meinen Geschmack nicht deutlich genug rübergekommen, zumindest hat mich eine entsprechende Szene nicht überzeugt. Darin lässt Wladimir einen Aschenbecher einfach fallen, weil er nicht an die zu Hause auf der Erde herrschende Schwerkraft denkt. Nun, im All wird er wohl kaum geraucht haben, und wenn doch, dann hätte er keinen Aschenbecher benutzen können ... Wie dem auch sei: "Salyut 7" punktet mit einer sehr authentischen Atmosphäre (das Achtzigerjahre-Produktionsdesign gibt dem Ganzen noch einen besonderen Kick) sowie guten Schauspielern, und nicht zuletzt ist der Film selbst dann spannend, wenn man den Ausgang der Geschichte schon kennt.


Extras

Das Bonusmaterial ist nicht uninteressant, aber leider in mehrere kurze und obendrein redundante Einzelfeaturettes aufgeteilt. Im "Making of" geht es ausschließlich um die visuellen Effekte. Die CGI-Künstler erklären, wie sie vorgegangen sind. Einige Szenen sind in verschiedenen Stadien der Fertigstellung zu sehen und es wird klar, dass sämtliche im freien Weltraum spielenden Szenen komplett computergeneriert sind. Das ist mir ebenso wenig aufgefallen wie die zahlreichen CGI-Objekte, die bei den innerhalb der Station spielenden Szenen eingefügt wurden. Die Illusion im fertigen Film ist perfekt. In den restlichen Featurettes werden ein paar Archivaufnahmen gezeigt, so dass man auch mal die realen Vorbilder der Filmfiguren zu Gesicht bekommt. Ein wenig Hinter-den-Szenen-Material kommt hinzu, zum Beispiel der Aufbau der großen Kulisse für die Station Salyut 7 im Zeitraffer.


J. Kreis, 27.09.2018




Gastkommentare


Wenn du einen Kommentar hinterlassen möchtest, schreib eine Mail an jokringel@web.de!

Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Seitenanfang


Startseite

Filme