Robocop


RoboCop (USA, 2014)

Blu-ray, Studiocanal
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 117 Minuten

Extras:
- Die Illusion des freien Willens (7:46 Min.)
- Dein Freund und Helfer (6:05 Min.)
- Der Robocop Anzug (14:54 Min.)
- Geschnittene Szenen (4:00 Min.)
- Omnicorp Produktankündigung (3:24 Min.)
- Trailer / Game-Trailer

Regie:
Jose Padilha

Hauptdarsteller:
Joel Kinnaman (Alex Murphy)
Abbie Cornish (Clara Murphy)
Gary Oldman (Dr. Dennett Norton)
Michael Keaton (Raymond Sellars)
Jackie Earle Haley (Rick Mattox)
Michael K. Williams (Jack Lewis)
Patrick Garrow (Antoine Vallon)
Marianne Jean-Baptiste (Karen Dean)




Story

Im Jahre 2028 führen die USA militärische Auslandseinsätze nicht mehr mit menschlichen Soldaten, sondern fast ausschließlich mit autonomen Drohnen durch. Diese Roboter gibt es in verschiedenen Ausführungen. Humanoide Maschinen eignen sich besonders gut für Patrouillen und Personenkontrollen, riesige und schwer bewaffnete Kampfläufer ersetzen Panzer, flugfähige Drohnen erledigen Aufklärungsmissionen und führen Luftangriffe durch. OmniCorp, eine Tochtergesellschaft des Megakonzerns OCP, ist der weltweit größte Hersteller derartiger Roboter und würde liebend gern den äußerst gewinnträchtigen amerikanischen Binnenmarkt erschließen, aber das ist wegen des "Dreyfus Act" ausgeschlossen. Dieses Gesetz verbietet den Einsatz bewaffneter Roboter auf dem Boden der USA und wird von der Bevölkerung befürwortet, denn Senator Dreyfus stellt die berechtigte Frage, ob es einer Maschine, die weder Moral noch Mitgefühl kennt, erlaubt sein darf, über Leben und Tod eines Menschen zu entscheiden. Raymond Sellars, Vorsitzender von OmniCorp, kommt deshalb auf die naheliegende Idee, Mensch und Maschine miteinander zu verschmelzen. Ihm schwebt ein Produkt vor, mit dem sich die Menschen identifizieren können, das Sympathien weckt und ihnen Sicherheit gibt. Dr. Dennett Norton, der schon erstaunliche Erfolge in der Erschaffung kybernetischer Prothesen erzielt hat, soll dieses Projekt verwirklichen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Probanden stoßen Nortons Team und die Verantwortlichen von OmniCorp auf Alex Murphy, einen besonders idealistischen, unbeugsamen Beamten der Polizei von Detroit. Murphy und sein Partner Jack Lewis haben sich mit dem skrupellosen Waffenhändler Vallon angelegt. Von korrupten Zuarbeitern aus den Reihen der Polizei erhält Vallon nicht nur asservierte Waffen zum Weiterverkauf, sondern auch Hinweise auf Murphy und Lewis, die undercover agieren. So kann Vallon beim entscheidenden Zugriffsversuch entkommen. Vallon will, dass Murphy beseitigt wird. Dessen Auto wird mit einem Sprengsatz präpariert. Bei der Explosion erleidet Murphy schwerste Verletzungen und ist dem Tode nahe. Nur durch eine Umwandlung in einen kybernetischen Organismus kann Murphys Leben gerettet werden. Seine Frau Clara wird von Norton angesprochen und nimmt sein Angebot an. Die verbrannten Körperteile und geschädigten Organe werden entfernt - das sind alle bis auf Kopf und obere Wirbelsäule, Lunge, Herz und rechte Hand. Was übrig bleibt, wird in eine schwer gepanzerte und mit übermenschlichen Kräften ausgestattete Robot-Vollprothese verpflanzt, die von Murphy schon bald perfekt beherrscht wird. Rick Mattox, Militärberater und Roboterspezialist OmniCorps, hat Vorbehalte gegen das Hybridwesen und unterzieht Murphy einem harten Training, das dieser jedoch mit Bravour absolviert - allerdings erst, nachdem Norton die Progammierung der Software, mit der Murphy ausgestattet wurde, überarbeitet hat. In Kampfsituationen übernimmt die Software die Kontrolle, was von Murphy aber nicht bemerkt wird, so dass er glaubt, er treffe alle Entscheidungen selbst. Sellars ist zufrieden, denn der Prototyp funktioniert hervorragend.

Mit Murphys Seelenleben sieht es anders aus. Er verkraftet die Umwandlung nur schwer und fürchtet, seine Menschlichkeit verloren zu haben. Da Clara weiterhin zu ihm steht, gewinnt er seine Selbstsicherheit zurück und ist bereit, als RoboCop ins Police Department zurückzukehren und den Kampf gegen Vallon wieder aufzunehmen. Sein erster öffentlicher Auftritt wird zu einem spektakulären Medienereignis, aber es gibt ein Problem. Als man die komplette Polizeidatenbank in Murphys Computergedächtnis einspeist, ist er derart überwältigt von der ausufernden Kriminalität in seiner Heimatstadt und den Bildern seines eigenen Beinahe-Todes, dass er zusammenbricht. Norton ist gezwungen, Murphys Emotionen durch künstliche Senkung des Dopaminlevels im Gehirn praktisch komplett auszuschalten. Darüber hinaus wird ein Transmitter an den Robotkörper montiert, der es Mattox ermöglicht, alle Aktionen Murphys zu beobachten und ihn ferngesteuert lahmzulegen. So wird Murphy einerseits zu einem äußerst effizienten Verbrechensbekämpfer, so dass die Kriminalitätsrate innerhalb kürzester Zeit um achtzig Prozent sinkt, während die OmniCorp-Aktie massiv an Wert gewinnt und sich die öffentliche Meinung vom Dreyfus Act abzuwenden beginnt. Andererseits empfindet Murphy nichts mehr für Familie und Freunde. Er behandelt selbst Clara wie eine Fremde. Obwohl man Clara jegliche Kontaktaufnahme mit ihrem Mann verwehrt, gelingt es ihr, ihm klarzumachen, dass sein kleiner Sohn sehr unter der Situation leidet.

Der menschliche Wille obsiegt; Murphy gewinnt seine Gefühle zurück. RoboCop ignoriert alle Aufträge, spürt Vallon auf, tötet ihn und zerschlägt den Waffenhändlerring. Dabei sammelt er Beweise gegen die korrputen Beamten, zu denen sogar Polizeichefin Dean gehört. Trotz dieser Erfolge, die Wasser auf die Mühlen OmniCorps sind (schließlich sind Roboter unbestechlich, wie werbewirksam verkündet wird) betrachtet Sellars Murphy als Risikofaktor und lässt ihn deaktivieren. Murphy soll beseitigt und als tragischer Held stilisiert werden. Sellars bestellt Clara ein und teilt ihr die traurige Nachricht vom Tod ihres Mannes mit, allerdings verfrüht, denn Mattox konnte den Mordauftrag nicht ausführen. Norton hat Robocop bereits reaktiviert und den Transmitter entfernt. Murphy entkommt und dringt in die schwer bewaffnete OmniCorp-Zentrale ein. Im Kampf gegen Mattox und die Wachdrohnen wird er schwer beschädigt. Er überlebt nur durch das Eingreifen eines von Lewis geführten SWAT-Teams. Murphy stellt Sellars auf der Hubschrauber-Landeplattform, kann ihn aber nicht verhaften, weil Sellars ein Armband trägt, das es Murphy unmöglich macht, die Waffe auf ihn zu richten. Als Sellars Clara und das Kind bedroht, überwindet Murphy die Programmierung und erschießt Sellars, der gleichzeitig auf ihn feuert. Der Dreyfus Act bleibt aufgrund eines Vetos des Präsidenten vorerst in Kraft, denn Norton hat OmniCorps Machenschaften aufgedeckt. Murphy wird repariert und mit seiner Familie vereint.


Kringels Meinung

Die Handlungszusammenfassung ist schon ziemlich lang, dabei habe ich eines noch gar nicht erwähnt: Der Film beginnt mit einer Art Nachrichtensendung oder Talkshow, in der ein von Samuel L. Jackson verkörperter (und vermutlich im Sold von OmniCorp stehender) Sprecher namens Pat Novak den Einsatz der Drohnen im Ausland bejubelt und live zeigt. Die Handlung wird danach immer wieder durch weitere Einblendungen dieser Show unterbrochen und auch das Ende des Films besteht aus einer solchen Sendung. Hierbei attackiert Novak all jene, die das internationale Engagement der USA ablehnen, und fordert sie auf, endlich mit dem Geflenne aufzuhören. Denn die USA seien für immer und ewig die beste aller möglichen Welten. Oder so ähnlich. Das ist wahrscheinlich als Kritik an bestimmten alles andere als unparteeischen Massenmedien gedacht, die ihre Zuschauer bewusst manipulieren. Leider stören diese Einblendungen bis auf die Eröffnungsszene, die wirklich einen tollen Auftakt für den Film bildet, nur den Erzählfluss - und sie funktionieren nicht als Medienkritik, sondern sind eher peinlich.

Insoweit kann Robocop dem gleichnamigen Film aus dem Jahre 1987 nicht annähernd das Wasser reichen. Paul Verhoevens zynisch-schwarzhumorige Gesellschaftssatire geht noch sehr viel weiter. Dennoch kann man der Neuverfilmung (von einem "Remake" würde ich nicht sprechen) eine gewisse aktuelle Relevanz nicht absprechen. Schließlich werden in der realen Welt mit der entmenschlichten Kriegsführung (hm... klingt wie ein Widerspruch in sich) schon ganz ähnliche Wege eingeschlagen. Ferngesteuerte oder gar autonome Drohnen erledigen bei uns bereits einen Teil der Drecksarbeit. Wahrscheinlich sollte mit der Neuverfilmung sowieso ein anderer Weg eingeschlagen werden. Ich gehe davon aus, dass man das menschliche Drama mehr in den Mittelpunkt rücken wollte, aber ich halte das nicht für ganz gelungen. Murphys qualvolle Verwandlung in einen Cyborg und seine Beziehung zu Frau und Kind nehmen breiteren Raum ein, dennoch ist meiner persönlichen Meinung nach keine einzige Szene so eindringlich wie jene in Verhoevens Fassung, in der Robocop Murphys Witwe auffordert, sein Gesicht zu berühren. Er sagt daraufhin, der Mann, dem dieses Gesicht gehört habe, sei tot. Der Zuschauer weiß es natürlich besser. Murphy ist durchaus noch er selbst, will seiner Frau aber genau das ersparen, was sie in der Neuverfilmung durchmachen muss.

Aber sonst habe ich an der Neuverfilmung kaum etwas auszusetzen. Das neue Robocop-Design ist sehr gut gelungen, klasse finde ich auch die verschiedenen Drohnen und Mattox' Exoskelett. Die Action kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn der Film "zahnloser" wirkt als das Original. Aber von der niedrigen Altersfreigabe solltet ihr euch nicht abschrecken lassen. Ein Film wie dieser wäre vor 30 Jahren sicher erst frei ab 16 gewesen. Um's kurz zu machen: Robocop 1987 hat zu Recht Kultstatus erlangt und ist ein Film, den ich mir immer wieder mit größtem Vergnügen anschauen kann. Robocop 2014 ist ein unterhaltsamer, vielleicht etwas beliebiger Scifi-Actioner, den ich wohl nicht so lange in so guter Erinnerung behalten werde wie das Original.


Blu-ray-Features

Die drei relativ kurzen Featurettes "Die Illusion des freien Willens", "Dein Freund und Helfer" und "Der Robocop Anzug" ermöglichen zusammengenommen einen ganz guten Blick hinter die Kulissen und die Entstehung der Requisiten sowie des Robocop-Anzuges. Die Herstellung dieser Gegenstände wäre damals, als das Original im Kino war (Ausschnitte sind in den Featurettes immer wieder zu sehen), noch Science Fiction gewesen: Es wurden 3D-Drucker verwendet.

Die fünf geschnittenen Szenen sind nicht weiter interessant. Immerhin wird die Antwort auf eine Frage geliefert, die ich mir beim Anschauen des Films gestellt hatte: Warum wurde ausgerechnet Murphys rechte Hand gerettet? Ganz einfach: Sellars hat Norton den Auftrag hierzu erteilt, weil er meint, dass man den Charakter eines Mannes an seinem Händedruck erkennen kann...

Die zehn "Omnicop-Produktankündigungen" sind fiktive Werbeclips für das Exoskelett, die Drohnen, die Waffen, das Motorrad und die verschiedenen Robocop-Varianten. Mit Begeisterung preist eine Damenstimme die Vorzüge der Modelle an. So ist der ED-209 nicht nur mit Zwillings-Cobra-Kanonen und Hellfire-Raketen sowie einer starken Panzerung ausgerüstet, sondern auch mit umweltfreundlichem Solarantrieb. Da muss man sich ja keine Sorgen mehr machen!


J. Kreis, 20.11.2014




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