Rigor Mortis


Rigor Mortis - Leichenstarre (Hong Kong, 2013)
- Jiang shi -

Blu-ray, Ascot Elite Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 101 Minuten

Extras:
- Making of (11:31 Min.)
- Trailer
- Artwork-Galerie

Regie:
Juno Mak

Hauptdarsteller:
Chin Siu-ho als er selbst
Anthony Chan (Yau)
Chung Faat (Gau)
Kara Hui (Yeung Feng)
Paw Hee-ching (Tante Mui)
Richard Ng (Onkel Tung / Vampir)
Lo Hoi-pang (Onkel Yin)




Story

Chin Siu-ho war früher ein erfolgreicher Schauspieler. Nach einer Familientragödie ist es mit ihm steil bergab gegangen. Er mietet das Appartement Nr. 2442 in einem heruntergekommenen Wohnblock in Hong Kong, um sich dort zu erhängen. Im Todeskampf hat er bizarre Visionen, unter anderem von bösen Geistern, die Besitz von ihm ergreifen wollen. In letzter Sekunde wird Chin von seinem Nachbarn Yau gerettet. Yaus Eingreifen ist kein Zufall, wie Chin wenig später erfährt. Yau ist der letzte Spross einer Familie von Vampirjägern. Da es keine Vampire mehr gibt, hat Yau den Beruf gewechselt und betreibt jetzt ein kleines Restaurant am Fuße des Hochhauses. Seine Waffen - unter anderem einen magischen Schild - hat er buchstäblich an den Nagel gehängt, aber die Sensibilität für das Übernatürliche hat er nicht verloren. Er wird immer dann hellhörig, wenn sich im Wohnblock etwas ungewöhnliches ereignet. Dort gibt es zahlreiche teils uralte Geister, die an das Land gebunden sind, auf dem das Haus steht. Am gefährlichsten sind die Geister von Zwillingsschwestern, die im Appartement Nr. 2442 vor einiger Zeit ein grausiges Ende gefunden haben. Yeung Feng und ihr kleiner Sohn Pak, zwei weitere ehemalige Bewohner desselben Appartements, hausen in einem kleinen Technikraum. Hausmeister Yin lässt sie dort leben, denn Yeung fühlt sich immer wieder zur Wohnung 2442 hingezogen, wagt jedoch nicht, sie zu betreten. Chin freundet sich mit Yeung und Pak an.

Eines Tages stürzt der alte Tung auf der Treppe und bricht sich das Genick. Seine Witwe, die Näherin Mui, sucht Hilfe beim Schwarzmagier Gau. Der führt ein Ritual durch, das dazu führen soll, dass Tungs Seele nach einigen Tagen in den Körper zurückkehrt. Mui muss den Leichnam mit Krähenblut füttern, darf aber eine von Gau angelegte Kettenmaske unter keinen Umständen entfernen. Niemand sonst weiß etwas von Tungs Tod, und Mui ahnt nicht, dass dieser von Gau verschuldet wurde. Es war ein Unfall, aber jetzt will Gau die Gunst der Stunde nutzen, um einen Vampir zu erschaffen. Zu diesem Zweck benötigt er eine besonders mächtige Seele. Die Zwillingsgeister sind hierfür bestens geeignet. Gau benutzt Chin als Köder für die Zwillinge und zwingt Yau, ihm beim Bannen der Geister zu helfen. Als Yin der Sache auf die Spur kommt und bei Gau vorspricht, wird er von Mui erschlagen. Das Ritual führt jedoch nicht zum Erfolg. Gau meint, das Blut eines Kindes könne helfen. Mui sperrt Pak zusammen mit dem Toten ein, dem sie die Kettenmaske abgenommen hat. Tung erwacht, zerfetzt das Kind und durchstreift nun den Wohnblock auf der Suche nach neuer Nahrung. Bei der Suche nach ihrem Sohn befreit Yeung irrtümlich die Zwillingsgeister, die prompt mit Tung verschmelzen, so dass sich der Tote in einen mächtigen Vampir verwandelt.

Dies bleibt Yau nicht verborgen. Er findet den im Sterben liegenden Gau. Der Schwarzmagier wurde von seiner eigenen Schöpfung angegriffen. Er gesteht Yau seine Tat. Yeung lockt den Vampir mit ihrem Blut an, stellt sich zum Kampf und wird getötet. Chin versucht ihr zu helfen, wird aber tödlich verwundet. Yau leitet ein Ritual ein, durch das Chin eine Zigarettenlänge Zeit für den Kampf gegen den Vampir gewinnt. Sein Tod ist danach allerdings unausweichlich. Während Chin und der Vampir miteinander kämpfen, führt Yau das Ritual weiter. Das kostet ihn zwar den rechten Arm, letzten Endes kann der Vampir jedoch bezwungen werden. Mui schneidet sich mit einer Glasscherbe die Kehle durch. Chin stirbt, nachdem der Vampir zu Asche zerfallen ist...

Kringels Meinung

...aber damit ist der Film noch nicht ganz zu Ende. Der Schluss ist rätselhaft und zweideutig. Man könnte ihn so verstehen, dass alles wieder von vorn beginnt, diesmal aber einen anderen Verlauf ohne übernatürliche Ereignisse nimmt. Möglich wäre auch, dass Chin sich alles nur eingebildet hat, d.h. dass es sich nur um eine Fortsetzung der Visionen handelt, die er kurz vor seinem Tod hat, während er am Strick baumelt. Seine Leiche landet beim Pathologen. Jemand kommt, um den Toten zu identifizieren. Er wird gefragt, wer er ist. Er sagt: "Ich bin sein Sohn". Auch das ist merkwürdig, zumindest hatte ich angenommen, Chins Familie sei schon vor Jahren umgekommen. Aber vielleicht hat er sie ja auf andere Weise verloren.

Wie dem auch sei: "Rigor Mortis" ist ein vor allem visuell beeindruckender, durch digitale Nachbearbeitung in eher matten Farbtönen gehaltener Film mit vielen Elementen, die mir unverständlich geblieben sind - so genau kenne ich mich mit der Kultur Chinas im Allgemeinen und Hong Kongs im Besonderen leider nicht aus. Aber das schadet nichts, denn diese Rätselhaftigkeit verleiht dem Film nochmal eine besondere Note. Es ist schon merkwürdig zu sehen, wie sich die Hausbewohner mit den Geistern arrangiert haben. Opfergaben werden vor die Türen gestellt, und wenn die alljährliche Prozession riesiger gesichtsloser Geister mit Schirm durch die Wand kommt, um durch den Flur zu wandeln, dann macht man einfach Platz und lässt sie vorbei. Ebenso eigenartig muten die von Yau und Gau praktizierten Riten zur Bannung der Geister an. Wer hätte gedacht, dass fernöstliche Vampire keine Angst vor Knoblauch haben, wohl aber vor Klebreis? Laut Wikipedia ist der Jiang shi ein bösartiger Untoter, der sich nur ruckartig und hüpfend fortbewegen kann, weil schon die Leichenstarre (Rigor mortis) eingesetzt hat. So erklärt sich der Titel des Films. Die Riten zur Erschaffung eines solchen Wesens stimmen recht genau mit dem überein, was Gau im Film veranstaltet.

Der Film wäre auch ohne die übernatürlichen Elemente sehr düster. Der heruntergekommene Wohnblock ist als Sinnbild für Chins Depression ein prima Drehort. Die Schauspieler sind mit ganzem Ernst und vollem Einsatz bei der Sache. Tante Muis Verzweiflung nach dem Tod ihres Mannes ist glaubwürdig, so dass man verstehen kann, warum sie zu ihren Taten getrieben wurde. Der Rückblick auf die Geschehnisse in Appartement 2442, die zur Entstehung der Zwillingsgeister und zu Yeung Fengs Trauma geführt haben, ist sehr beeindruckend, die Geistererscheinungen selbst sind angemessen beunruhigend. Die Story ist etwas verworren, eine eindeutige Erzählperspektive gibt es nicht. Chin ist jedenfalls nicht unbedingt die Hauptfigur, im Mittelteil rückt er fast ganz in den Hintergrund. Mit Blut und Gewalt wird nicht gegeizt, der Film ist aber nicht so heftig, dass eine FSK-18-Einstufung gerechtfertigt wäre. Tatsächlich ist der Film frei ab 16! Siehe hierzu den Abschnitt "Blu-ray-Features". Wichtiger sind sowieso die geisterhafte Atmosphäre und die schaurig-schönen Bilder.

Blu-ray-Features

Der Film selbst ist frei ab 16 Jahren. Die Blu-ray hat nur wegen der Werbung (Trailer) für andere Filme eine höhere Einstufung erhalten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt - man könnte annehmen, dass der FSK-18-Aufkleber als Kaufanreiz für Leutet dienen soll, die ein Splatterfest erwarten. Wer so denkt, wird von "Rigor Mortis" vermutlich enttäuscht sein.

Das so genannte Making of bietet nur die übliche Collage aus kurzen Interviews, Filmausschnitten und Hinter-den-Szenen-Material, trotzdem habe ich noch etwas dazugelernt. Ich wusste nicht, dass den hüpfenden Vampiren in den Achtzigerjahren ein ganzes Sub-Genre gewidmet war! Die damaligen Filme waren aber wohl als Komödien angelegt. Chin Siu-ho und Anthony Chan hatten Hauptrollen in "Mr. Vampire", dem erfolgreichsten Film dieser Art.


J. Kreis, 21.05.2014




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