Requiem for a Dream


Requiem for a Dream (USA, 2000)

Blu-ray, Highlight
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 101 Minuten

Extras:
- Making of mit Regiekommentar (28:57 Min.)
- Interview mit Hubert Selby Jr. (19:47 Min.)
- Aufbau einer Szene (5:37 Min.)
- Tappy Tibbons (7:34 Min.)
- Die Entstehung der Filmmusik (6:27 Min.)
- Deleted Scenes
- Darstellerinfos (Text)
- TV-Spot

Regie:
Darren Aronofsky

Hauptdarsteller:
Jared Leto (Harry Goldfarb)
Jennifer Connelly (Marion Silver)
Ellen Burstyn (Sara Goldfarb)
Marlon Wayans (Tyrone C. Love)




Story

Harry Goldfarb und seine Freundin Marion Silver träumen davon, einen Modeladen zu eröffnen. Dieser Traum rückt in greifbare Nähe, als Harry und sein Freund Tyrone C. Love anfangen, sich immer größere Mengen von Drogen zu beschaffen, diese zu strecken und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Sie kommen jedoch in Schwierigkeiten, als es infolge eines Kriegs der Drogenkartelle plötzlich nirgendwo mehr Stoff zu kaufen gibt - und da sie selbst süchtig sind, müssen sie ihre eigenen Vorräte aufbrauchen. Außerdem gerät Tyrone zwischen die Fronten, ist bei einem Mord zugegen und wird verhaftet. Um ihn auf Kaution frei zu bekommen, muss Harry fast die gesamten Einnahmen einsetzen. Schließlich bringt Harry Marion dazu, mit einem Verehrer ins Bett zu gehen, den sie eigentlich verabscheut, und Geld von ihm zu erbitten. Damit wollen Harry und Tyrone Drogen aus der einzigen noch aktiven Quelle besorgen. Die Sache geht jedoch schief; im Gedränge der unzähligen Kunden beginnt jemand um sich zu schießen, so dass der Dealer mit seinem Lastwagen verschwindet.

Harrys verwitwete Mutter und allein lebende Sara wünscht sich nichts sehnlicher, als in ihrer Lieblings-Fernsehshow aufzutreten. Eines Tages nimmt sie an einem dubiosen Gewinnspiel teil und glaubt nun, bald zu der Show eingeladen zu werden. Um wieder in das schöne rote Kleid zu passen, das sie bei dieser Gelegenheit tragen will, muss Sara einige Kilos verlieren. Da sie allzu gern Süßigkeiten isst, lässt sie sich verschiedene Appetitzügler verschreiben, von denen sie schnell abhängig wird. Da die Pillen irgendwann nicht mehr wie gewünscht wirken, nimmt Sara die Medikamente wild durcheinander und in immer größerer Dosierung. Angstzustände, Halluzinationen und körperlicher Verfall sind die Folge. Auf die Einladung zu ihrem großen Fernsehauftritt wartet sie vergeblich.

Da sie glauben, der Dealer sei mit seinem LKW nach Florida gefahren, beschließen Harry und Tyrone, ihm dorthin zu folgen. Unterwegs bricht Harry zusammen. Die Stelle an seinem Arm, an der er sich immer die Heroinspritzen setzt, hat sich entzündet und die Infektion hat sich ausgebreitet. Tyrone bringt seinen Freund ins Krankenhaus. Dort werden beide festgenommen. Während Tyrone im Gefängnis Zwangsarbeit leisten muss, kommt Harry ins Lazarett, wo ihm der Arm abgenommen wird. Marions Entzugserscheinungen werden derweil so schlimm, dass sie sich prostituiert, um an neuen Stoff zu kommen. Sara fühlt sich von ihrem Kühlschrank bedroht und flieht aus der Wohnung. Völlig verwahrlost und verwirrt erscheint sie beim Fernsehsender, um ihren vermeintlichen Gewinn einzufordern. Sie wird in die geschlossene Psychiatrie gebracht und mit Elektroschocks behandelt, weil Medikamente bei ihr nicht mehr wirken. Dadurch wird ihr Geist endgültig zerrüttet.

Kringels Meinung

Was wie ein nicht besonders aufregender Film über zwei Junkies beginnt, die das große Geld wittern, dabei aber erst recht auf die schiefe Bahn geraten, wird nach und nach zu einem wahren Höllentrip, zu einer erbarmungslos in den Abgrund führenden Einbahnstraße für alle Protagonisten. Das Finale ist das genaue Gegenteil eines Happy End, und so sollte man sich den Film lieber nicht anschauen, wenn man selbst schon in nicht besonders guter Stimmung ist. Am deprimierendsten fand ich Saras Handlungsebene. Was den drei Drogensüchtigen zustößt, ist natürlich bedauerlich und tragisch, aber sie haben sich das alles mehr oder weniger selbst zuzuschreiben. Ihr Absturz ist praktisch vorprogrammiert. Sie sind zu schwach, sich aus den selbst gestellten Fallen zu befreien, und verlieren am Ende das einzige, was sie noch hatten, nämlich ihre Freundschaft. Die Beziehung Harrys und Marions zerbricht an der Sucht, Tyrone sitzt allein im Gefängnis. Der immer wieder durchblitzende Humor macht die Schicksale nur noch bitterer. Der Film beginnt zum Beispiel damit, dass Harry Saras (festgeketteten) Fernseher klaut, um ihn beim Pfandleiher zu versetzen, weil er Geld für Drogen braucht. Sara löst das Ding wenig später wieder aus, denn fernsehen ist ihre Droge. Diese Prozedur haben die beiden offenbar schon x-mal durchexerziert. Eigentlich könnte Sara ihrem Sohn das Geld einfach ohne diesen Zwischenschritt geben...

Aber Saras Schicksal geht mir nahe. Sie ist eine völlig vereinsamte alte Frau, deren einziger Lebensinhalt eine bescheuerte Fernsehshow ist und die bedenkenlos alles schluckt, was ein skrupelloser Arzt ihr verschreibt, daraufhin aber mehr und mehr von Halluzinationen gequält wird und schließlich als geistiges und körperliches Wrack in der geschlossenen Psychiatrie landet. Das ist starker Tobak. Wahrscheinlich liegt es an Ellen Burstyns überragender Performance, dass das die berührendste Handlungsebene ist. Sie verwandelt sich von einer leicht neurotischen aber doch ganz sympathischen Oma, die unter der Einsamkeit leidet und keinen Zugang mehr zu ihrem Sohn findet, zuerst in eine wegen des Tablettenkonsums zu Hyperaktivität aufgeputschte Nervensäge. Sie kann nie stillsitzen, und in einer genialen Zeitraffersequenz sieht man, wie sie buchstäblich jeden Zentimeter ihrer Wohnung akribisch putzt. Nach und nach werden ihre Wahnvorstellungen schlimmer. Die Fernsehshow findet plötzlich in Saras Wohnzimmer statt, komplett mit Tänzerinnen, Publikum, Kameramännern und Beleuchtern - alle lachen Sara aus. Der Kühlschrank wird zu einem aggressiven Monster, das Sara zu verschlingen droht. Burstyn zeigt Mut zur Hässlichkeit und eine enorme Wandlungsfähigkeit. Saras Traurigkeit, ihre Verzweiflung, ihre totale Zerrüttung am Ende - Burstyn "lebt" all diese Stadien so intensiv, dass es fast körperlich weh tut, ihr zuzusehen.

Die zweite große Stärke neben den schauspielerischen Leistungen ist die ungewöhnliche Inszenierung. Aronofsky bezeichnet diesen Stil im Bonusmaterial als "Hip-Hop-Montage". Wenn die drei jungen Leute zum Beispiel mal wieder irgendwas spritzen oder schnupfen, dann werden Großaufnahmen der zum Zubereiten und Einnehmen eingesetzten Utensilien, der in die Blutbahn eindringenden Drogen, der sich erweiternden Pupillen usw. rasend schnell zusammengeschnitten, unterlegt mit merkwürdigen Geräuschsamples. Ungewöhnliche Kameraeinstellungen, extreme Nahaufnahmen, Parallelmontagen und andere Stilmittel werden ebenfalls äußerst effektvoll und stets zum Thema passend eingesetzt. Es ist sicher kein Zufall, dass Harry und Marion, die zusammen im Bett liegen und von Liebe sprechen, nicht in einem Bild gezeigt werden, sondern im Splitscreen. Die geradezu hypnotische Musik von Clint Mansell und dem Kronos-Quartett ist dann sozusagen das i-Tüpfelchen, der letzte Baustein zu einem Meisterwerk.

Blu-ray-Features

Der Film basiert auf einem Roman von Hubert Selby jr., der Schriftsteller hat auch am Drehbuch mitgewirkt. Zum Bonusmaterial gehört ein von Ellen Burstyn mit ihm geführtes Interview. Das Gespräch war vermutlich viel länger, das Interview bricht einfach mittendrin ab. Selby scheint ein etwas merkwürdiger Kauz gewesen zu sein (er ist im Jahre 2004 gestorben), der von Kindheit an unter zahlreichen Krankheiten zu leiden hatte. Er spricht über diese und andere persönliche Probleme, seinen Werdegang als Autor und über die Bedeutung des Leidens in seinen Texten. Sehr interessant - ich hätte gern das gesamte Interview gesehen.

Das Making of enthält ausschließlich Aufnahmen von den Dreharbeiten, der Arbeit der Maskenbildner usw., also keine Interviews. Deshalb wurde ein erklärender Audiokommentar des Regisseurs hinzugefügt. Irre: Ellen Burstyn musste sich für einige Szenen ein sperriges Kamera-Gestell umschnallen, das ganz schön schwer aussieht! In der Featurette "Aufbau einer Szene" erklärt der Regisseur das Prinzip der Hip-Hop-Montage und in "Die Entstehung der Filmmusik" sieht man Clint Mansell sowie das Kronos Quartett bei der Arbeit - die Musik wurde in der Skywalker-Ranch aufgenommen, dem Reich von George Lucas!

Die nicht verwendeten Szenen sind größtenteils sehr kurz und nicht besonders interessant, bis auf zwei Ausnahmen: Während der Fahrt nach Florida imitiert Marlon Wayans Jar Jar Binks aus Episode 1. Außerdem ist mehr von Hubert Selby jr. zu sehen, der eine kleine Nebenrolle als Gefängniswärter hat. Es macht ihm offensichtlich einen Riesenspaß, Marlon Wayans zu beschimpfen. In der Featurette "Tappy Tibbons" erzählt der von Christopher McDonald gespielte Gastgeber von Sara Goldfarbs Lieblings-TV-Show seine fiktive Lebensgeschichte und gibt drei praktische Ratschläge für ein besseres Leben: "No red meat, no refined sugar, no orgasms". Letztere Weisung ist, wenn ich mich nicht irre, im Film nicht zu sehen...


J. Kreis, 13.03.2014




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