Rammbock

Rammbock Wendecover


Rammbock (D / Österreich, 2010)

DVD Regionalcode 0, Filmgalerie 451
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 62 Min.

Extras
- Kurzfilm "Schautag" von Marvin Kren (23:21 Min.)
- Interview mit Marvin Kren und Benjamin Hessler (16:55 Min.)
- Making of Rammbock (5:49 Min.)
- Teaser und Trailer
- Fotogalerie

Regie:
Marvin Kren

Hauptdarsteller:
Michael Fuith (Michael)
Anka Graczyk (Gabi)
Theo Trebs (Harper)
Emily Cox (Anita)
Andreas Schröders (Ulf)
Sebastian Achilles (Kai Bramkamp)




Story

Der Österreicher Michael reist nach Berlin. Er hat noch den Wohnungsschlüssel seiner Ex-Freundin Gabi, den er zurückgeben soll. Das will er persönlich tun und dabei versuchen, die Beziehung zu retten. In Gabis Wohnung findet Michael nur zwei Heizungsmonteure vor. Der Meister scheint krank zu sein. Er verhält sich äußerst merkwürdig, beginnt plötzlich zu toben und greift seinen Lehrling Harper an. Michael wird sofort attackiert, als er einschreitet. Gemeinsam gelingt es Michael und Harper, den Mann aus der Wohnung zu drängen. Sie müssen sich verbarrikadieren, denn Dutzende Menschen, die offenbar an derselben Krankheit leiden wie der Monteur, stürmen in den Innenhof des Wohnblocks und zerfleischen jeden, der nicht rechtzeitig flieht. Sirenengeheul und Schreie erklingen in der ganzen Stadt. Draußen scheint es bald keine normalen Menschen mehr zu geben, aber einige Überlebende verstecken sich in den umliegenden Wohnungen. Dort sind sie einigermaßen sicher, solange sie keinen Lärm machen, denn die Erkrankten empfinden bei ihrem wilden Voranstürmen zwar weder Angst noch Schmerzen, sind jedoch nicht besonders intelligent. In einer Fernsehsendung wird von chaotischen Zuständen berichtet, Durchhalteparolen werden verbreitet. Michael und Harper folgen dem Rat des Polizeichefs und bleiben in der Wohnung.

Am nächsten Tag werden nur noch Testbilder gesendet und im Radio läuft eine Endlosschleife. Es wird behauptet, eine unbekannte Viruserkrankung sei ausgebrochen. Der Virus werde durch Körperflüssigkeiten übertragen. Eine Infektion sei aber nicht gleichbedeutend mit dem Ausbruch der Krankheit. Dieser werde durch die Ausschüttung von Adrenalin begünstigt, so dass es sich empfehle, nach der Infektion Ruhe zu bewahren. Möglicherweise könne der Virus durch das körpereigene Immunsystem nach einiger Zeit besiegt werden. Die Evakuierung der Großstädte über die Wasserstraßen wird angekündigt. Als Michael versucht, sein Handy zu holen, das er im Treppenhaus verloren hat, dringen einige menschliche Bestien in die Wohnung ein. Michael und Harper verschanzen sich im Schlafzimmer. Ein Mann im gegenüberliegenden Teil des Hauses bittet um Hilfe. Seine Frau wurde infiziert und er braucht dringend Nachschub an Tranquilizern, die er mit Nahrungsmitteln bezahlen will. Michael und Harper konstruieren einen Rammbock und durchbrechen die Wand zur Nachbarwohnung, in der eine tablettensüchtige ältere Dame wohnt. Die Frau ist infiziert und verwandelt sich in eine reißende Bestie. Weitere Wahnsinnige dringen in beide Wohnungen ein.

Während Harper zurückbleibt und später zufällig herausfindet, dass die Erkrankten äußerst empfindlich auf helles Licht reagieren, flieht Michael auf den Dachboden. Dort halten sich Gabi und ein junger Mann namens Kai versteckt. Als Michael erfährt, dass Kai Gabis neuer Freund ist, beginnt er sich aufzuregen. Da er sich beim Durchbrechen der Wand verletzt hat, halten Gabi und Kai ihn für infiziert, drängen ihm Beruhigungstabeletten auf und schicken ihn weg. Vom Dach aus entdeckt Michael ein in einem nahen Wasserlauf dümpelndes Ruderboot. Er erreicht die Wohnung des Mannes mit der infizierten Frau. Als sich die Frau verwandelt, stürzt sich der Mann mit ihr aus dem Fenster in den Tod. Harper vertreibt alle Erkrankten mit dem Blitzlicht einer Digitalkamera aus dem Wohnblock und verrammelt das Tor des Innenhofs, so dass das Gebäude sicher ist. Dort leben außer Michael und Harper nur noch ein Mann namens Ulf und eine junge Frau namens Anita, die sich zu Harper hingezogen fühlt. Ein Fluchtplan wird geschmiedet. Man will versuchen, mit dem Boot ein Schiff zu erreichen, das schon seit geraumer Zeit Signale gibt. In der Wohnung des in den Tod gestürzten Mannes entdeckte Blitzlichter sollen helfen, die Infizierten abzuwehren. In der Nacht schleicht sich Ulf allein davon, wobei er die Blitzlichter mitnimmt. Die anderen wachen auf und verfolgen ihn. Michael wird gebissen, gewinnt die Blitzlichter aber zurück. Mit den letzten Beruhigungstabletten unterdrückt er den Virus, bis Harper und Anita entkommen sind. Als er der verwandelten Gabi begegnet, bricht die Krankheit auch bei Michael aus. Harper und Anita rudern davon.

Kommentar

Ein in deutsch-österreichischer Coproduktion entstandener Zombiefilm. Das klingt nach einer Novität, ist es aber nicht. Schon seit vielen Jahren geistert mehr oder weniger billig produziertes Gemetzel unterschiedlichster Qualität aus deutschen Landen durch die Videotheken. Wer nach Andreas Schnaas, Jörg Buttgereit und Olaf Ittenbach googelt, wird schnell fündig. Uwe Boll sollte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Aber mit derartigen (Mach-)Werken hat "Rammbock" rein gar nichts zu tun, weder inhaltlich noch qualitätsmäßig. Zunächst mal sind die Infizierten vermutlich keine Zombies, sondern Menschen, die an einer besonders üblen Krankheit leiden. Sozusagen Tollwut de Luxe wie in Quarantäne. Dass die Infektion unterdrückt werden kann, solange man sich nicht aufregt, ist ein interessantes Detail - aber wer kann schon ruhig bleiben, wenn der Wohnblock mit kreischenden Irren verseucht ist und die globale Apokalypse droht? So viele Tranquilizer hat doch niemand zu Hause!

Außerdem wird in "Rammbock" nicht auf sinnlose Gewalt gesetzt, sondern auf Atmosphäre. Auf Splatterszenen wurde weitgehend verzichtet. Ganz zu Anfang wird einem bedauernswerten Opfer die Halsschlagader durchgebissen, woraufhin der Lebenssaft ans Tageslicht pulsiert (siehe Screenshot unten), aber das ist eigentlich die einzige Szene mit wirklich expliziter Gewaltdarstellung. Das reicht völlig, um zu verdeutlichen, was die Erkrankten anrichten können, und so finden weitere Attacken und andere Vorfälle größtenteils außerhalb des sichtbaren Bildbereichs statt. Aber durch das Make-up, das Gekreisch und die Aggressivität der Erkankten sowie das seltsame Verhalten derjenigen, die sich gerade verwandeln, wird der Eindruck größter Bedrohung erweckt. Hinzu kommen die Düsternis der scheinbar menschenleeren Stadt, das Gefühl des Eingeschlossenseins in den tristen Altbauwohnungen und eine stärker werdende Weltuntergangsstimmung. Ein bisschen (Galgen)Humor ist aber doch noch vorhanden.

Die Protagonisten sind ganz normale Durchschnittsmenschen, allen voran Michi, ein absolut harmloser Allerweltstyp. Die Nicht-Infizierten dürfen gar nicht an Kampf denken, und wenn sie es doch versuchen, dann scheitern sie. Von heldenhafter Zombie-Schnetzelei kann hier also keine Rede sein. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil! Der Film bleibt lediglich realistischer, authentischer als andere Genrefilme. "Rammbock" zeigt in einer guten Stunde kurz und knackig, was in eurer Straße geschehen würde, wenn ein Virus ausbräche, durch den eure lieben Nachbarn in tobsüchtige Fleischfresser verwandelt werden. Das Ergebnis kann voll und ganz überzeugen! Es scheint sogar so etwas wie ein Happy End zu geben. Harper und Anita entkommen. Michael und Gabi, beide infiziert, liegen sich in den Armen. Bei Michael bricht die Krankheit erst aus, als er die bereits verwandelte Gabi umarmt. Sie beißt ihn vermutlich deshalb nicht, weil sich Infizierte gegenseitig nicht als Snack betrachten. Ob sie doch noch irgendwelche Gefühle haben? Es kann natürlich auch sein, dass Michael nach seiner eigenen Verwandlung vergisst, warum er sein Gegenüber gepackt hat, und dann nicht mehr loslassen kann...

"Rammbock" war für mich eine äußerst positive Überraschung. Klare Kaufempfehlung!

DVD-Features

Das Bonusmaterial zum Film ist ein bisschen mager: Ein Interview, in dem sich Regisseur und Drehbuchautor ein wenig über ihre Inspirationsquellen, die Dreharbeiten usw. auslassen, sowie unkommentierte Blicke hinter die Kulissen mit kurzen Statements einzelner Schauspieler. Immerhin sieht man, wie die Masken der Infizierten entstanden sind und wie sie ihre irren Bewegungen/Geräusche geprobt haben.

Der Kurzfilm "Schautag", der nichts mit dem Hauptfilm zu tun hat, ist sehr viel interessanter. Tatsächlich gefällt er mir fast genauso gut wie "Rammbock"! Darin geht es um einen jungen Autoverkäufer, der (wie man zuerst glaubt) von seiner Frau genötigt wird, zu einem Familientreffen zu fahren. Gleichzeitig (wie es scheint) bereiten drei Jungen eine Mutprobe vor: Sie wollen Steine von einer Brücke auf darunter hindurchfahrende Autos werfen. Am Ende ist alles ganz anders - ein klassischer Plot-Twist, über den ich gar nicht mehr verraten will. Wenn ihr meiner Empfehlung folgt, werdet ihr diese kleine Perle von einer DVD bald kaufen und dann auch diesen Kurzfilm gucken!


Screenshots


Rammbock

Michi trifft am Ort des Geschehens ein.


Rammbock

Das ist so ziemlich die einzige Splatter-Szene des Films.


Rammbock

"Mama! Du sollst mich doch während der Zombie-Apokalypse nicht anrufen!"


Rammbock

Der Rammbock ist fertig, Zeit für einen Screenshot!


Rammbock

Ja, Nachbarn können manchmal nerven.


Rammbock

Berlin. Früher war's da irgendwie schöner, wenn auch nicht so ruhig.


Rammbock

Junge Leute (Harper und Anita) lassen sich selbst durch den Weltuntergang nicht vom Flirten abhalten.


Rammbock

Michi erklärt die Funktionsweise des Fluchtgefährts.


Rammbock

Man sagt den Berlinern ja eine gewisse Griesgrämigkeit nach, aber dass es so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht!


Rammbock

Michi und Gabi, endlich vereint.


J. Kreis, 12.02.2013




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