Rambo


Rambo (USA, 1982)
- First Blood -

Blu-ray, Studiocanal
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 96 Min.

Extras
- Audiokommentare von Sylvester Stallone und David Morrell
- Making of - "Drawing First Blood" (22:34 Min.)
- First Blood - Ein Blick zurück (3:59 Min.)
- Alternatives Ende (2:02 Min)
- Witziges Ende (0:54 Min.)
- Geschnittene Szene: Saigon Bar (2:27 Min.)
- Das wahre Vietnam - Stimmen von Insidern (26:55 Min.)
- Das Schmieden von Helden: Amerikas Green Berets (9:54 Min.)
- Mut und Ehre (27:11 Min.)
- Wie wird man Rambo? (14:19 Min.)
- Trailer

Regie:
Ted Kotcheff

Hauptdarsteller:
Sylvester Stallone (John J. Rambo)
Brian Dennehy (Will Teasle)
Richard Crenna (Samuel Trautman)
Jack Starrett (Arthur Galt)




Inhalt

Nach seiner Rückkehr in die USA gelingt es dem Vietnamveteranen John Rambo nicht, ins "normale" Leben zurückzufinden. In Vietnam war er der beste Kämpfer einer Eliteeinheit, hat Gefangenschaft und Folter überstanden, ist mit der höchsten militärischen Auszeichnung geehrt worden - aber in der Heimat ist er ein Niemand. Bis auf einen Mann sind all seine Kameraden in Vietnam gefallen. Als Rambo den letzten Überlebenden besuchen will, erfährt er, dass sein Freund schon vor einem Jahr an Krebs gestorben ist. Rambo wandert zu Fuß weiter und erreicht die Kleinstadt Hope im Bundesstaat Washington. Er möchte dort nur etwas essen, wird aber von Sheriff Teasle, der ihn für einen Störenfried hält, aufgegriffen und aus der Stadt gebracht. Als sich Rambo anschickt, die Stadtgrenze erneut zu überqueren, verhaftet Teasle ihn wegen Landstreicherei. Er soll am nächsten Tag dem Richter vorgeführt werden. Zunächst lässt Rambo alle Demütigungen über sich ergehen. Seine Fingerabdrücke will er jedoch nicht abgeben, denn er ist sich keiner Schuld bewusst. Daraufhin wird er von den Hilfssheriffs misshandelt. Er wehrt sich und flieht ins Gebirge, aber die Flucht endet vor einer Schlucht. Die Polizisten sind ihm hart auf den Fersen. Hilfssheriff Galt rückt sogar mit einem Hubschrauber an und nimmt Rambo befehlswidrig unter Beschuss, als dieser versucht, in die Schlucht abzusteigen. Rambo schleudert einen Felsbrocken auf die Cockpitscheibe, so dass der Pilot die Steuerung verreißt. Galt war nicht angeschnallt und stürzt in den Tod. Rambo nimmt das Gewehr des Toten sowie das Funkgerät an sich und verschwindet im Wald, nachdem die Polizisten sein Friedensangebot mit Schüssen beantwortet haben.

Teasle nimmt den "Mord" an seinem Freund Galt persönlich und setzt nun erst recht alles daran, Rambo gefangen zu nehmen. Doch Rambo nutzt das unübersichtliche Gelände zu seinem Vorteil und macht einen Polizisten nach dem anderen kampfunfähig, ohne jemanden zu töten. Auch Teasle entgeht ihm nicht. Erneut warnt Rambo den Mann, es nicht zu weit zu treiben und die Verfolgung zu beenden. Teasle denkt gar nicht daran. Staatspolizei und Nationalgarde werden hinzugezogen. Das Waldgebiet wird komplett abgeriegelt. Die Presse berichtet vom Ort des Geschehens. Rambo versteckt sich in einem aufgegebenen Bergwerk. Colonel Trautman, Rambos ehemaliger Ausbilder und väterlicher Freund, trifft in Teasles Basislager ein. Er versucht den Sheriff davon zu überzeugen, dass er keine Chance gegen Rambo hat, doch Teasle nimmt ihn nicht ernst. Rambo, mit dem Trautman via Funk spricht, lässt sich ebenfalls nicht zur Aufgabe bewegen. Schließlich war nicht er es, der das erste Blut vergossen hat. Durch das Funkgespräch kann Rambos Versteck geortet werden. Die Nationalgarde beschießt den Mineneingang mit einem Raketenwerfer.

Am nächsten Tag ziehen die Truppen ab, denn man hält Rambo für tot. Er hat sich jedoch tiefer ins Innere des Bergwerks zurückgezogen und einen zweiten Ausgang gefunden. Er kapert einen mit Waffen beladenen Militärtransporter. Erneut wird er von der Polizei verfolgt. Er kehrt in die Stadt zurück, um sich seinem Erzfeind Teasle zu stellen. Er sorgt für Ablenkung, indem er eine Tankstelle sowie einen Waffenladen in die Luft jagt und die Stromversorgung lahmlegt. Teasle legt sich auf dem Dach der Polizeistation auf die Lauer, doch Rambo entdeckt ihn, nimmt die Station mit einem Maschinengewehr unter Feuer und hätte nun die Gelegenheit, Teasle zu töten. Da erscheint Trautman und redet Rambo ins Gewissen. Das gesamte Gebäude ist umstellt. Rambo hat keine Fluchtmöglichkeit. Er gibt auf, verschont Teasle und wird festgenommen.

Kommentar

Endlich mal wieder eine Bildungslücke geschlossen! Der Name "Rambo" ist Bestandteil unseres allgemeinen Sprachgebrauchs und zum geflügelten Wort geworden. Aber ich wusste bisher nicht, warum das so ist, denn ich hatte in all den Jahren noch keinen einzigen Rambo-Film gesehen. Jetzt kenne ich den ersten Film der Reihe, aber ich weiß immer noch nicht, warum man sich unter einem "Rambo" einen ebenso hirnlosen wie unsensiblen und wortkargen Kraftprotz vorzustellen hat, der alle Hindernisse mit brutaler Gewalt beseitigt. Vielleicht hat sich dieses Bild ja aufgrund der folgenden Filme festgesetzt? Im ersten wird Rambo zweifellos als Einzelgänger dargestellt, als allen überlegener Supersoldat. Aber die Brutalität hält sich doch sehr in Grenzen. Rambo versucht seine Gegner zunächst zu schonen und reagiert nur mit Gewalt, als er in die Enge getrieben wird. Er tötet im gesamten Film keine eine einzige Person. Galts Tod war ein Unfall, den Rambo zwar verursacht hat, aber das war Notwehr.

Rambo wird gar nicht so sehr als stoische Kampfmaschine charakterisiert und er geht keineswegs hirnlos vor. Er rennt nicht wild ballernd durch die Gegend wie die Helden typischer Actionfilme, die mit jedem Schuss treffen, während sie selbst von Maschinengewehrgarben verfehlt werden. Rambo wird schon gleich zu Beginn des Kampfes verwundet und setzt danach auf Guerilla-Taktik. Er nutzt die ihm zur Verfügung stehenden geringen Ressourcen und das unübersichtliche Gelände sehr geschickt. Rambo führt selbst am Ende, als er in die Stadt zurückkehrt, keinen Rachefeldzug, sondern kämpft um sein Leben. Ihm ist völlig klar, dass Teasle nie aufhören wird, ihn zu jagen. Ihm bleibt gar nichts anderes übrig, als den Mann auszuschalten, und auch hierbei macht er nur genau das, wofür er ausgebildet wurde. Die Tankstelle jagt er in die Luft, um die Zufahrtswege in die Stadt zu blockieren. So kann Teasle keine Verstärkung rufen. Den Waffenladen sprengt er, um Teasle aus der Deckung zu locken. Das ist keine dumpfe Brutalität, sondern kluge Kriegsführung.

Unsensibel ist Rambo ebenfalls nicht, wie schon in den ersten Szenen gezeigt wird. Zu Beginn des Films, beim Gespräch mit der Mutter seines toten Freundes, reagiert er mitfühlend, außerdem ist er ganz schön redselig. Wortkarg wird er erst beim Polizeiverhör. Der Film kulminiert in einer überraschend emotionalen Szene, in der Rambo zusammenbricht und ein tiefes Kriegstrauma offenbart, das ihn seit Jahren quält. Man erfährt schon vorher durch kurze Flashbacks, was Rambo in der Gefangenschaft durchgemacht hat. Rambo konfrontiert Trautman mit dem Dilemma des Heimkehrers, der feststellen muss, dass er sich dem "normalen" Leben entfremdet hat, dass alle Heldentaten, für die er im Krieg geehrt wurde, bedeutungslos geworden sind, und dass ihn niemand haben will. Es ist in diesem Zusammenhang sicher kein Zufall, dass wir nichts über Rambos Leben vor dem Krieg erfahren. Weinend sinkt Rambo in Trautmans Arme. Widerstandslos lässt er sich abführen. Dieses Ende kam für mich unerwartet. Im Grunde ist "Rambo" trotz aller Actionfilm-Versatzstücke ein echtes Stück Sozialkritik.

Blu-ray-Features

Das Bonusmaterial ist recht umfangreich, allerdings gehen nur die Audiokommentare und das recht kurze "Making of" auf den Film selbst ein. Das "Making of" besteht hauptsächlich aus Interviews, die wohl 2002 entstanden sind, sowie aus Filmszenen. Man erfährt unter anderem, dass Stallone viele der gefährlichen Stunts selbst absolviert und dabei einige Verletzungen erlitten hat. Ursprünglich war Kirk Douglas für die Rolle des Colonel Trautman vorgesehen, aber er wollte das Drehbuch so tiefgreifend verändern, dass man sich getrennt hat. Außerdem kann man zwei nicht verwendete Szenen bewundern. So erinnert sich Rambo nicht nur an Kriegsgefangenschaft und Folter, sondern auch an eine Liebesnacht mit einem Barmädchen. In der Romanvorlage von David Morrell stirbt Rambo am Ende - dieses Ende wurde tatsächlich gedreht. Rambo will, dass Trautman ihn erschießt. Als Trautman zögert, packt Rambo die Waffe und der Schuss löst sich. Diese Szene gibt's beim Bonusmaterial auch noch in einer witzigen Variante. Rambo bittet um den Todesschuss. Trautman richtet die Pistole auf ihn, entspannt dann aber den Hahn. Rambo bedankt sich - Ende! Die Featurette "First Blood: Ein Blick zurück" besteht ausschließlich aus Filmszenen. Das Ding ist also quasi eine Kurzzusammenfassung des Films.

Viel interessanter sind zwei Featurettes aus 2002, die sich nicht so sehr mit dem Film beschäftigen, sondern mit dem Vietnamkrieg. Sie könnten gegensätzlicher nicht sein. In "Das wahre Vietnam" werden viele historische Filmaufnahmen und Fotos vom Vietnamkrieg gezeigt. Kriegsveteranen, Historiker und ein US-Senator gehen auf die Vorgeschichte, die damalige Angst vor der Ausbreitung des Kommunismus, den US-amerikanischen Patriotismus, das Trauma der Veteranen usw. ein. Dabei werden sehr unterschiedliche Ansichten geäußert! Manche meinen, die USA hätten in Vietnam für Frieden und Freiheit gekämpft. Man hätte den Krieg gewinnen können, wenn die Friedensbewegung den Soldaten nicht "in den Rücken gefallen" wäre. Andere sind davon überzeugt, dass die USA nichts in Vietnam verloren hatten, Kriegsverbrechen werden angeprangert. Solche kritischen Stimmen sucht man in "Das Schmieden von Helden" vergebens. In diesem Beitrag geht es ausschließlich um die "Green Berets", eine Spezialeinheit, zu der auch Rambo gehört hat. Aktive und ehemalige Green Berets kommen zu Wort. Die Aufgaben der Spezialeinheit werden erläutert. Filmaufnahmen von der Ausbildung und von Kampfeinsätzen aus verschiedenen Jahrzehnten werden gezeigt.

Die Featurette "Mut und Ehre", ebenfalls aus 2002, beschäftigt sich mit der Wirkung der drei ersten Rambo-Filme auf Kultur und Politik. Kultur - klar: Rambo ist ein fester Bestandteil der Filmgeschichte. Merchandising, Diskussionen wegen der Gewaltdarstellung usw. gehören dazu. Aber Politik? Da gab es tatsächlich Wechselwirkungen, auch wieder eine neue Erkenntnis für mich. Ronald Reagan hat wohl seinerzeit mehrfach auf den zweiten und dritten Teil der Reihe Bezug genommen, und Kritiker haben den Filmen angekreidet, dass sie sich an Reagans Politik angebiedert hätten. Keine Ahnung, ob da etwas dran ist oder nicht, denn ich kenne ja nur den ersten Film. Dem kann man so etwas jedenfalls nicht vorwerfen.

Zu guter Letzt kann man sich noch über die Featurette "Wie wird man Rambo?" (2011) amüsieren. Dr. Franco Columbu, ehemals Bodybuilder, jetzt Chiropraktiker, guter Freund von Arnold Schwarzenegger und seinerzeit Trainer von Sylvester Stallone für den zweiten Rambo-Film, führt einige Übungen vor, mit denen bestimmte Muskelpartien gezielt trainiert werden können. Ihr braucht nur zwei Kurzhanteln und eine Liege mit verstellbarer Rückenlehne, und schon könnt ihr eure Muskeln unter Dr. Columbus Anleitung so aufpumpen, dass ihr nicht mehr von Rambo zu unterscheiden seid.


J. Kreis, 04.10.2012




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