Monty Python: Almost the Truth


Monty Python: Almost the Truth - The Lawyer's Cut (GB/USA, 2009)

DVD Regionalcode 0, Edel:Motion
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 323 Minuten (ohne Bonusmaterial)

Extras
- The Sketches
- Extended Interviews (66:08 Min.)
- Outtakes (49:09 Min.)
- Terry Gilliam Bildergalerie

Regie:
Bill Jones, Alan G. Parker, Ben Timlett




Inhalt / Kommentar:

Diese Box enthält alle sechs Folgen der Fernsehserie "Monty Python: Almost the Truth" auf drei DVDs. Die Dokumentation besteht hauptsächlich aus aktuellen Interviews mit den noch lebenden Mitgliedern der Monty Python - Truppe (incl. Carol Cleveland und Neil Innes), sowie mit verschiedenen Weggefährten, Freunden, Schauspielern und diversen anderen Leuten, die mit Monty Python zu tun hatten oder etwas zu Monty Python zu sagen haben. Ältere Interviews mit dem schon 1989 verstorbenen Graham Chapman sind ebenfalls vorhanden. Das Ganze wird durch Archivmaterial wie z.B. alte Familienfotos, Ausschnitte aus verschiedenen Fernsehshows usw. untermalt und mit vielen Ausschnitten aus den Produktionen der Pythons gespickt. Auf diese Weise wird der Werdegang der Pythons von ihrer Geburt bis zum Jahre 2009 umfassend nachvollzogen. Optionale Untertitel sind vorhanden, aber zum Glück ist niemand auf die Idee gekommen, die Interviews deutsch zu synchronisieren.

Episode 1: The not-so-interesting Beginnings (51:24 Min.)
In der ersten Episode geht es um Herkunft und Werdegang der sechs Mitglieder der Monty Python-Truppe. Die Dokumentation beginnt mit Kindheitserinnerungen der Pythons und bietet einen kurzen Einblick in die britische Fernsehlandschaft der Fünfzigerjahre. Man erfährt, wie sich die Pythons kennengelernt haben und wie es zur ersten Zusammenarbeit gekommen ist. Die Pythons erzählen von ihrer Studienzeit und den Einflüssen, die für sie besonders wichtig waren. Das waren vor allem Sendungen wie "The Goon Show" (eine Radiosendung, u.a. mit Peter Sellers und Spike Milligan) und "The Frost Report" (daran haben die britischen Pythons bereits mitgearbeitet). Die Episode endet mit zwei Projekten, an denen jeweils einige Mitglieder der späteren Monty Python - Truppe beteiligt waren: "At last the 1948-Show" und "Do not adjust your Set", beide erhältlich auf DVD: Monty Python - Die frühen Jahre.

Episode 2: The much funnier second Episode (57:08 Min.)
Die zweite Episode dreht sich ganz um die Fernsehserie Monty Python's Flying Circus, jene revolutionäre, Maßstäbe setzende Comedy-Serie, die den Ruhm der Pythons begründet hat. Man erfährt, mit welchen Schwierigkeiten der Start verbunden war, was es mit dem Namen "Monty Python" auf sich hat und wie die ersten Reaktionen der Zuschauer ausgefallen sind. Wieder wird Spike Milligan genannt, der einige Monate vor dem Start des "Flying Circus" eine sehr ähnliche Serie ins Fernsehen gebracht hat. Sie trägt den schlichten Titel "Q" und war mir bisher vollkommen unbekannt. Auch darin sind schon absurde, surreale Szenen und Sketche ohne Pointe verwendet worden - ich dachte immer, diese Art des Humors sei von den Pythons erfunden worden! In der Episode werden zahlreiche Ausschnitte aus Sketchen des "Flying Circus" gezeigt und zahlreiche bekannte Schauspieler und Comedians werden nach ihrem Lieblingssketch gefragt. Nicht unerwähnt bleiben auch die Probleme, die die Pythons erwartungsgemäß mit ihrem Sender hatten.

Episode 3: And now, the sordid Personal Bits (54:50 Min.)
Thema der dritten Episode sind wiederum die Probleme, die es mit den Zensoren und dem Sender gab. Während erstere sich und ihre angestaubten Vorstellungen nur selbst entlarvten, drohte den Pythons vom Sender echte Gefahr: Die komplette Serie "Monty Python's Flying Circus" sollte gelöscht werden, damit die Bänder wiederverwertet werden konnten. Terry Gilliam hat sie aufgekauft und damit gerettet. Dann werden die Bühnenshows und die Python-Langspielplatten vorgestellt, und schließlich sprechen die Pythons über sich selbst. Erwartungsgemäß ist oft nicht ganz klar, wieviel vom Gesagten ernst gemeint ist, aber vor allem John Cleese lässt einige harte Worte fallen - vor allem über Graham Chapman, dessen Alkoholmissbrauch für einige Probleme bei der Produktion der Serie gesorgt hat. Das Ende der Serie, eingeläutet durch den Weggang von Cleese, ist das letzte Thema dieser Episode.

Episode 4: The Ultimate Holy Grail Episode (55:03 Min.)
In Teil 4 wird gezeigt, wie die Pythons den Sprung über den großen Teich in die USA geschafft haben. Da man nicht sicher war, wie die "Flying Circus"-Serie zu platzieren gewesen wäre, wurden einfach einige Sketche nachgedreht und zum Kinofilm Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft zusammengestellt. Die Pythons waren nicht glücklich mit diesem Film, da sie kaum Kontrolle darüber hatten. Sie wollten etwas eigenes produzieren. So entstand Die Ritter der Kokosnuss, finanziert u.a. von Pink Floyd und Led Zeppelin. Es gibt einiges Hinter-den-Szenen-Material und bei den Dreharbeiten entstandene Interviews zu sehen. Man erfährt von den diversen Schwierigkeiten, mit denen die Produktion verbunden war (erneut: Chapmans Alkoholismus, aber auch widerstreitende Meinungen der beiden Regisseure Jones und Gilliam), und dass Elvis Presley ein Fan des Films war.

Episode 5: Lust for Glory! (54:03 Min.)
Das Leben des Brian, der beste Film der Pythons, ist das Thema von Episode 5. "Lust for Glory!" heißt die Episode deshalb, weil "Brian" den Titel "Jesus Christ - Lust for Glory" getragen hätte, wenn die Pythons bei Eric Idles erster Idee geblieben wären. Man erfährt, dass der Ex-Beatle George Harrison als Geldgeber eingesprungen ist, weil EMI einen Rückzieher gemacht hat, und dass er sein Haus verpfändet hat, um den erforderlichen Millionenbetrag aufbringen zu können. Grund für seine Beteiligung: Er wollte den Film sehen. Das dürfte die teuerste Kinokarte aller Zeiten gewesen sein! Es sind sogar kurze Interviewausschnitte mit Harrison aus dem Jahre 1989 zu sehen, außerdem Ausschnitte einer bizarren Fernsehdiskussion, die kurz nach der Veröffentlichung des Films entstanden ist, weil "Brian" erwartungsgemäß einige Kontroversen ausgelöst hat. In dieser Diskussion verteidigen John Cleese und Michael Palin den Film gegen zwei Theologen (einer davon ist ein Bischof!), die ganz offensichtlich nicht verstanden haben, dass nicht Jesus Christus oder Gottes Wort in "Brian" durch den Kakao gezogen werden, sondern all jene, die Gottes Wort nicht oder falsch verstehen oder es zu ihrem eigenen Nutzen missbrauchen. Auch in den USA muss es einigen Ärger mit Religionsfanatikern gegeben haben. Angeblich sollen sogar Rabbis protestiert haben, weil John Cleese in der Steinigungsszene ein bestimmtes Gewand trägt.

Episode 6: Finally! The last Episode ever! (for now...) (50:09 Min.)
Die sechste und letzte Episode beginnt mit der Bühnenshow Monty Python Live at the Hollywood Bowl, mit der die Pythons das Publikum begeistert haben. Angeblich wurde die Stimmung durch Alkohol und Joints noch zusätzlich angeheizt. Dann folgt der letzte Python Film Der Sinn des Lebens, ein Werk, das ständig auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn balanciert und auf seine Art mindestens genauso witzig ist wie "Brian". Ein trauriges Kapitel dreht sich ganz um Graham Chapmans Krebserkrankung und seinen Tod im Alter von nur 48 Jahren. Ausschnitte der von John Cleese und Michael Palin gehaltenen Reden voller liebevoller Respektlosigkeiten werden gezeigt. Bei diesem Gedenkgottesdienst wurde vermutlich mehr gelacht als geweint, was sicher in Chapmans Sinn gewesen ist. Das war das Ende von Monty Python. Seitdem hat es kein gemeinsames Projekt mehr gegeben. Die Pythons sprechen über die Gründe, die eine Wiedervereinigung der Truppe verhindert haben. Sie berichten von ihren Solo-Projekten und vom Älterwerden...

...und danach weiß man alles, was es über Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin und "Monty Python" zu wissen gibt. Die Dokumentation ist wirklich äußerst kurzweilig und auch für Nicht-Python-Fans sehenswert. Eine der für mich überraschendsten (in diesem Fall konnte ich es echt kaum glauben) Erkenntnisse, die ich aus der Serie gewinnen konnte, ist die Tatsache, dass Elvis Presley ein Fan der Pythons war und den Film "Die Ritter der Kokosnuss" so sehr geliebt hat, dass er die Dialoge mitsprechen konnte. Bei allem Lob kommen auch Selbstkritik und der typische pythoneske Humor in den Interviews nicht zu kurz. Man weiß manchmal nicht so recht, ob man nicht gerade veräppelt wird. Trotz ihres inzwischen doch sehr deutlich sichtbaren Alters haben die Pythons ihren Biss nicht verloren! Es wird keine heile Welt vorgetäuscht; Spannungen innerhalb der Python-Truppe und natürlich Chapmans Alkoholprobleme werden offen thematisiert. Vor allem aber bekommt man richtig Lust, mal wieder einen ihrer genialen Filme anzuschauen!

DVD-Features:

Die sechsteilige Dokumentation ist ja schon ausführlich genug, da fällt es nicht so sehr ins Gewicht, dass das Bonusmaterial nicht ganz so umfangreich ausfällt, wie man es sich als echter Fan wünscht. Zunächst mal kann man sich sieben der beliebtesten Sketche der Pythons anschauen: Dead Parrot, Spanish Inquisition, The Fish slapping Dance, Ministry of silly Walks, Lumberjack Song, Spam und The Cheese Shop. Alle im englischen Original aus der TV-Serie "Monty Pythons Flying Circus" mit optionalen Untertiteln. Nur schade, dass sie aus dem Kontext der jeweiligen Serienepisoden gerissen wurden, so dass sie ziemlich abrupt beginnen und enden. Typisch für die Serie ist ja, dass die Sketche sehr oft ineinander übergehen. Die "Extended Interviews" mit Cleese, Idle, Jones, Gilliam und Palin überschneiden sich zwar manchmal mit dem, was für die Serie verwendet wurde, aber man erfährt doch eine ganze Menge mehr, vor allem über die Jugend der fünf Pythons.

In den "Outtakes" sind weitere nicht verwendete Interviewschnipsel vorhanden, außerdem aber auch einige ganz andere, äußerst interessante kurze Beiträge. Vier davon verdienen besondere Erwähnung: In einer Featurette wird man durch das SPAM-Museum in Austin, Minnesota geführt. Wer noch nicht gewusst haben sollte, dass Spam keine Erfindung der Pythons ist, und dass dieses Wort nicht erst seit der steigenden Flut von Werbe-Mails in der ganzen Welt bekannt ist, der erfährt hier, was Spam wirklich ist. Dann gibt es einen kurzen Film über das Städtchen Grapevine in Texas, wo sich immer wieder kostümierte Python-Fans tummeln. Bruce Dickinson, Sänger von "Iron Maiden", gibt eine geradezu unglaubliche Anekdote über einen Besuch Hamburgs in den Achtzigerjahren zum Besten. Angeblich ist er damals nach der nicht zufriedenstellenden Dienstleistung einer Mitarbeiterin des horizontalen Gewerbes mit den aus dem Papageien-Sketch entlehnten Worten "I wish to register a Complaint" bei der Polizei aufgelaufen - und ist dort sogar verstanden worden. Und zu guter Letzt ist noch der Sketch " Tomorrow's World: The Broken Bottle" vorhanden, gespielt von Palin und Jones. Keine Ahnung, wann und aus welchem Anlass der entstanden ist, aber ich glaube nicht, dass er aus "Monty Pythons Flying Circus" stammt.

Insgesamt kann man mit dieser DVD-Box sehr zufrieden sein. Für Python-Fans ist sie sowieso unverzichtbar.


J. Kreis, 10.03.2011




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