Pulp Fiction


Pulp Fiction - Special Edition (USA, 1994)

Blu-ray, Arthaus
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 154 Minuten

Extras:
- Nicht das übliche langweilige Lernen-wir-uns-kennen-Gesülze (43:01 Min.)
- Hier sind ein paar Fakten über die Fiktion (20:37 Min.)
- Pulp Fiction: Die Fakten-Dokumentation (30:32 Min.)
- Geschnittene Szenen (24:42 Min.)
- Hinter den Kulissen (10:49 Min.)
- Produktionsdesign-Featurette (6:23 Min.)
- Siskel & Ebert "At the Movies" - "The Tarantino-Generation" (16:01 Min.)
- Independent Spirit Awards (11:29 Min.)
- Cannes Film Festival: Rede bei der Preisverleihung der Goldenen Palme (5:20 Min.)
- Charlie Rose Show (55:28 Min.)
- Trailer, TV-Spots
- Fotogalerien
- Trivia Track
- Soundtrack-Kapitel

Regie:
Quentin Tarantino

Hauptdarsteller:
John Travolta (Vincent Vega)
Samuel L. Jackson (Jules Winnfield)
Bruce Willis (Butch Coolidge)
Uma Thurman (Mia Wallace)
Ving Rhames (Marsellus Wallace)
Maria de Medeiros (Fabienne)
Harvey Keitel (Winston Wolf)




Story

Die Auftragskiller Vincent Vega und Jules Winnfield sollen einen Koffer mit wertvollem Inhalt beschaffen, der dem Gangsterboss Marsellus Wallace gehört und von dessen "Geschäftspartnern" unterschlagen wurde. Nachdem Jules und Vincent zwei der vier Kleinkriminellen erschossen haben, feuert der dritte aus nächster Nähe die gesamte Trommel seines Revolvers auf sie ab, aber kein Schuss trifft. Jules hält das für ein Wunder Gottes. Den dritten Typ nehmen Jules und Vincent mit, doch während der Fahrt schießt Vincent ihm versehentlich in den Kopf. Das Innere des Wagens gleicht einem Schlachthaus. Eine Weiterfahrt ist unmöglich. Wallace schickt Hilfe. Nachdem die Situation durch das Organisationstalent Mr. Wolf professionell bereinigt wurde, stärken sich Jules und Vincent in einem Schnellimbiss. Die "göttliche Intervention" hat Jules sehr zu denken gegeben. Er beschließt, keine bösen Taten mehr zu verüben und bei Wallace zu kündigen. Aus demselben Grund verzichtet er darauf, ein Ganovenpärchen zu töten, das sich anschickt, den Imbiss auszurauben und dabei auch den Koffer mitgehen zu lassen. Jules lässt die beiden laufen und liefert den Koffer ab. Wallace führt gerade ein Gespräch mit dem alternden Boxer Butch Coolidge. Butch lässt sich von Wallace dafür bezahlen, dass er in der fünften Runde des nächsten Kampfes zu Boden geht.

Vincent hat einen neuen Auftrag. Er soll sich in Wallaces Abwesenheit um dessen Frau Mia kümmern und sie abends ausführen. Die beiden gehen essen und nehmen an einem Tanzwettbewerb teil. Reichlich angeheitert kehren sie in Mias Wohnung zurück; sie haben Gefallen aneinander gefunden. Während sich Vincent auf der Toilette einhämmert, dass er Mia auf keinen Fall anrühren darf (Gerüchten zufolge hat Wallace jemanden nur deshalb aus dem vierten Stock geworfen, weil er Mia die Füße massiert hat), findet Mia in Vincents Manteltasche ein Drogenpäckchen. Sie hält den Stoff für Kokain und schnupft ihn. Somit verabreicht sie sich selbst eine Überdosis Heroin und bricht zusammen. Vincent bringt die im Sterben liegende Frau zu seinem Dealer. Der weiß Rat: Vincent muss Mia Adrenalin direkt ins Herz injizieren. So wird Mia gerettet. Sie und Vincent sind sich einig, dass Marsellus hierüber nichts erfahren darf. Derweil bricht Butch seine Vertragsvereinbarung, gewinnt den Boxkampf und kassiert riesige Wettgewinne. Sein Gegner stirbt im Ring. Butch eilt zu seiner Freundin Fabienne. Die beiden verstecken sich in einem Motel vor den Killern, die Wallace umgehend entsendet.

Am nächsten Tag wollen Butch und Fabienne die Stadt verlassen, doch Fabienne hat vergessen, Butchs goldene Uhr mitzunehmen. Butch kann dieses wertvolle alte Familienerbstück nicht zurücklassen und fährt zu seiner Wohnung, um es zu holen. In der Küche findet er eine schallgedämpfte Maschinenpistole. Damit erschießt er Vincent, der gerade aus dem Badezimmer kommt, und fährt zurück zum Motel. Unterwegs läuft ihm Wallace über den Weg. Butch fährt ihn an, wird dann aber selbst von einem Auto gerammt. Verfolgt von Wallace flieht Butch in ein Pfandhaus. Der Besitzer bedroht beide mit einer Flinte, nimmt sie gefangen und ruft seinen Kumpel Zed herbei. Während die beiden damit beschäftigt sind, Wallace in einem Nebenraum zu vergewaltigen, kann sich Butch befreien. Er bringt es nicht über sich, einfach zu verschwinden. Stattdessen steht er Wallace bei und tötet den Ladenbesitzer mit einem Katana. Zed wird durch einen Schuss in die Weichteile außer Gefecht gesetzt und hat nun ein äußerst unerfreuliches Schicksal zu gewärtigen. Da Butch ihm geholfen hat, ist Wallace mit ihm quitt. Butch muss nur versprechen, dass er Stillschweigen über den Vorfall bewahren und Los Angeles für immer verlassen wird. Butch ist natürlich einverstanden. Mit Zeds Motorrad holt er Fabienne ab.


Kringels Meinung

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine bessere Hälfte und ich damals, vor nun schon wieder fast 20 Jahren, nach einer Vorstellung von "Pulp Fiction" aus dem Kino gekommen sind. Sie fand den Film schrecklich. Mir hatte zumindest die Sache mit Butch und dem Samuraischwert hervorragend gefallen, aber die irgendwie lakonische Verbindung von Gewalt und Humor, wie sie für "Pulp Fiction" typisch ist, war für mich damals noch neu und ich wusste nicht, ob ich das gut finden sollte. Außerdem fand ich die langen, größtenteils banalen, oft nicht zur Handlung passenden Dialoge merkwürdig und ich war wegen der Erzählweise etwas irritiert. Die Story verläuft keineswegs so chronologisch wie in obiger Zusammenfassung. Der Film beginnt mit Pumpkins und Honey Bunnys Überfall im Diner. Dann kommt der Vorspann mit dem kultigen Titel "Misirlou". Anschließend fahren Vincent und Jules zu den vier Kleinkriminellen - das ereignet sich vor der Szene im Diner. Nachdem Butch Vincent erschossen hat, erwacht letzterer quasi zu neuem Leben, denn es folgt die Szene mit dem blutverschmierten Auto, und die liegt zeitlich vor dem Abend im Jack Rabbit Slim's, den wir schon vorher gesehen haben. Und nicht nur das: Die eigentliche Handlung wird immer wieder unterbrochen, oft durch lange Dialoge, die mit selbiger Handlung gar nichts zu tun haben, einmal durch einen Rückblick, in dem gezeigt wird, wie Butch als Kind die für ihn so wertvolle Uhr erhält.

Seitdem habe ich den Film noch mehrmals gesehen. Jedes Mal hat er mir besser gefallen. Mir ist klar geworden, dass die o.g. vermeintlichen Schwächen eigentlich seine Stärken sind, das gilt auch und gerade für die nicht-chronologische Erzählweise. Tarantino hat so ziemlich alle uralten Krimi/Thriller-Klischees der Filmgeschichte verarbeitet, dabei aber ordentlich gegen den Strich gebürstet. Immer geschieht etwas Unerwartetes - sei es, dass bewusst unrealistische Elemente auftauchen wie die Hintergrund-Projektion bei Butchs Taxifahrt, oder dass Jules und Vincent ihren Einsatz nicht besprechen oder irgendwelche wichtigen Vorbereitungen treffen, sondern sich über Alltäglichkeiten wie die Burger-Kultur in Europa unterhalten. Solche langen Dialoge kommen an vielen Stellen im Film vor, manchmal sind es auch Monologe wie der von Captain Koons (ein Kriegskamerad von Butchs Vater, der die legendäre Story von der Aufbewahrung der Uhr erzählt), und immer unterbrechen sie die Action oder zögern den in der Luft hängenden Einbruch von Gewalt hinaus. Es ist den exzellenten Schauspielern, nicht den Texten selbst zu verdanken, dass diese Szenen keineswegs langweilig werden, sondern die Spannung im Gegenteil noch steigern. Apropos Gewalt: Ja, der Film enthält Gewaltszenen, aber beim wiederholten Anschauen stellt man fest, dass es weniger sind als erwartet. Vieles spielt sich außerhalb des sichtbaren Bilds ab und bleibt der Phantasie des Zuschauers überlassen.

Außerdem liebe ich natürlich die vielen unvergesslichen, in die Filmgeschichte eingegangenen Szenen, allen voran Vincents und Mias Besuch im "Jack Rabbit Slim's". Uma Thurmans Figur ist so ikonenhaft stilisiert, dass ihr Zusammenbruch umso schockierender wirkt. Und dann John Travolta als Auftragskiller. Wer hätte das damals erwartet? Ich jedenfalls nicht. Travolta, den ich vorher nur aus "Saturday Night Fever" kannte, liefert hier eine Leistung ab, für die er eigentlich den Oscar verdient hätte. Travolta war nominiert, gewonnen hat aber Tom Hanks für die Hauptrolle in Forrest Gump - OK, das kann man so stehen lassen.

"Pulp Fiction" ist ein grandioser, stilbildender Kultklassiker, ein zeitloses Meisterwerk, das in keiner Sammlung fehlen darf!


Blu-ray-Features

Da hatte einer Humor: Die Dokumentation "Nicht das übliche langweilige Lernen-wir-uns-kennen-Gesülze" aus dem Jahre 2011 enthält sehr wohl Interviews, in denen die Schauspieler erzählen, wie sie Quentin Tarantino kennengelernt haben, wie sie an die Rolle in "Pulp Fiction" herangekommen sind, wie sie die Zusammenarbeit bei den Dreharbeiten empfunden haben und welche Bedeutung der Film für sie hat. Zwangsläufig ist darin recht viel Lob an Tarantinos Adresse enthalten (er selbst kommt übrigens nicht zu Wort) und es werden einige Filmausschnitte gezeigt. Trotzdem lügt der Titel nicht, denn die Leute sülzen nicht rum, sie haben wirklich was zu sagen. In "Hier sind ein paar Fakten über die Fiktion" (ebenfalls aus 2011) leitet Filmkritiker Elvis Mitchell eine kleine Diskussionsrunde, in der er sich mit vier Kollegen über "Pulp Fiction" austauscht. Stephanie Zacharek findet Teile des Films nicht gut, er kommt ihr "neunmalklug" vor. Scott Foundas, Tim Lucas und Andy Klein sehen das anders. "Pulp Fiction: Die Fakten-Dokumentation" ist eine Zusammenstellung von Interviews aus verschiedenen Jahren. Unter anderem wurden die Schauspieler während der Dreharbeiten interviewt. Hier kommt auch mal Quentin Tarantino persönlich zu Wort. Dabei geht es außer um Tarantinos Werdegang und "Pulp Fiction" auch um andere Filme Tarantinos, allen voran "Reservoir Dogs".

"Hinter den Kulissen" enthält unkommentierte Filmaufnahmen, die während der Dreharbeiten der Tanzszene im "Jack Rabbit Slim's" sowie bei den Proben zu jenem Stunt gemacht wurden, bei dem Marsellus von Butch angefahren wird. Es ist interessant zu sehen, wie viele Leute da um die Schauspieler herumwuseln - unter anderem auch Quentin Tarantino, der fleißig mit Vincent und Mia twistet, wobei er ganz schön in's Schwitzen kommt. In der Featurette zum Produktionsdesign gehen Production Designer David Wasco und Set Decorator Sandy Reynolds-Wasco unter anderem auf den typischen Stil des "Jack Rabbit Slim's" ein. Schlagt in der Wikipedia mal den Begriff "Googie" nach, dann wisst ihr Bescheid.

"At the Movies" ist eine Fernsehserie, in der die viel zu früh verstorbenen Filmkritiker Roger Ebert und Gene Siskel ihren Röntgenblick auf aktuelle Filme gerichtet haben. Natürlich war "Pulp Fiction" für sie ein großes Thema, die entsprechenden Ausschnitte findet ihr beim Bonusmaterial. Es überrascht mich nicht, dass beide den Film im Gegensatz zu "Reservoir Dogs" geliebt haben. Seinerzeit muss Quentin Tarantino durch viele Talkshows getingelt sein, denn Ebert gibt ihm den guten Rat, kürzer zu treten und sich aufs Filmemachen zu konzentrieren. Zu dieser Aussage passen die folgenden drei Beiträge im Bonusmaterial: "Independent Spirit Award" - Quentin Tarantino erhält diesen Preis im Jahre 1995 und albert danach mit Michael Moore herum. Samuel L. Jackson kommt dazu, er hat auch einen Preis gewonnen. Produzent Lawrence Bender wird später interviewt, es ist ihm sichtlich peinlich, als Moore ihn darauf hinweist, dass er vergessen hat, sich bei seinem Manager zu bedanken. "Cannes Film Festival" - Tarantinos Dankesrede wird rüde unterbrochen. Eine aufgebrachte Dame im Auditorium schreit "Skandal!" Tarantino trägt's mit Fassung. "Charlie Rose Show" - gut eine Stunde lang sitzen sich Tarantino und Rose an einem Tisch gegenüber. Tarantino beantwortet Fragen zu seinem persönlichen Werdegang und zu seinen Filmen. Man erfährt unter anderem, dass Tarantino schon als Kind filmbegeistert war und Schauspieler werden wollte. Sein enzyklopädisches Wissen über Filme ist ihm als Mitarbeiter einer Videothek gut zustatten gekommen. In dieser Zeit hat er angefangen, eigene Amateurfilme zu drehen.

Die fünf geschnittenen Szenen sind an sich nicht besonders interessant. So hält Vincents Dealer einen Monolog über die Schlechtigkeit der Welt, Mia filmt Vincent mit einer Hi8-Kamera, während sie ihm Fragen zu seinen persönlichen Vorlieben stellt, Butchs Taxifahrt mit Esmeralda sowie die Unterhaltung zwischen Vincent und Mia im Restaurant sind etwas länger, außerdem sieht man, wie Mr. Wolf mit dem Inhaber des Schrottplatzes scherzt (es geht um einen Rabatt für die Leichenentsorgung) und anschließend länger mit dessen Tochter spricht. Durchaus interessant dagegen sind Tarantinos Erläuterungen zu den Deleted Scenes, die erkennen lassen, wie sehr ihm nicht nur der Film selbst am Herzen liegt, sondern auch das Bonusmaterial der Heimkinoveröffentlichung.

Das zwar etwas uneinheitlich wirkende, weil nicht eigens für die Heimkinoveröffentlichung produzierte, sondern aus den verschiedensten Quellen und Jahren stammende, dennoch wahrhaft sehenswerte Bonusmaterial wird abgerundet durch unzählige Bilder (Poster, Hinter den Kulissen, Standfots usw. bis hin zu Sammlerobjekten), einen Trivia-Track (Textinfos während des laufenden Films) und den Menüpunkt "Soundtrack-Kapitel". Letzteres ist eine Liste der im Film verwendeten Musikstücke. Klickt man sie an, startet die entsprechende Filmszene.


J. Kreis, 03.11.2014




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