Die Fürsten der Dunkelheit


Die Fürsten der Dunkelheit (USA, 1987)
- John Carpenter's Prince of Darkness -

Blu-ray, Studiocanal
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 102 Minuten

Extras:
- Audiokommentar von John Carpenter und Peter Jason
- Trailer

Regie:
John Carpenter

Hauptdarsteller:
Jameson Parker (Brian Marsh)
Lisa Blount (Catherine Danforth)
Victor Wong (Prof. Howard Birack)
Donald Pleasence (Pater Loomis)
Susan Blanchard (Kelly)
Alice Cooper (Obdachloser)




Story

Seit fast zweitausend Jahren bewacht die "Bruderschaft des Schlafes", ein mächtiger Geheimbund innerhalb der katholischen Kirche, einen großen Glaszylinder, in dessen Innerem eine leuchtende grüne Flüssigkeit rotiert. Der Zylinder kann nur von innen geöffnet werden. Er wird seit langer Zeit im Keller einer verlassenen Kirche in Los Angeles aufbewahrt. Das letzte Mitglied der Bruderschaft stirbt, ohne einen Nachfolger zu hinterlassen. Pater Loomis findet den Schlüssel zum Keller und liest das Tagebuch des Toten. Er weiß zwar nicht, was es mit der grünen Substanz auf sich hat, aber als er dem Zylinder gegenübersteht, nimmt er eine bedrohliche Präsenz wahr, die immer stärker wird. Er bittet Prof. Birack vom Doppler-Institut für Physik um Hilfe. Nachdem dieser den Zylinder gesehen hat, stellt er ein Team aus Wissenschaftlern der unterschiedlichsten Fachgebiete zur Erforschung des Artefakts zusammen. Dazu gehören die Studenten Brian Marsh und Catherine Danforth, die kurz zuvor ein Paar geworden sind. Die Kirche wird in ein riesiges Labor verwandelt, die Forscher übernachten dort. Es wird festgestellt, dass der Zylinder mindestens sieben Millionen Jahre alt ist, und dass die grüne Flüssigkeit ein intelligentes Wesen mit telekinetischen Kräften sein muss. Ein uralter Foliant, der ebenfalls im Keller gefunden wird, liefert entscheidende Hinweise. Demnach ist das Wesen der Sohn eines Anti-Gottes, eine Verkörperung des Bösen, bekannt als der Antichrist. Der Anti-Gott selbst hatte seinen Sohn einst in dem Zylinder eingeschlossen und war irgendwann später in ein anderes Universum verbannt worden. Jesus Christus war ein Außerirdischer, der als Warner auf die Erde gekommen war und seine Jünger eingeweiht hatte. So war die Bruderschaft des Schlafes entstanden. Das Geheimnis sollte solange gewahrt bleiben, bis sich die Menschheit soweit entwickelt hätte, um die Wahrheit zu begreifen und zu akzeptieren.

Der Antichrist hat nur auf den richtigen Moment gewartet, um sich selbst und seinen Vater zu befreien. Er ist in der Lage, Tiere und Menschen mit schwachen Persönlichkeiten aus der Ferne zu kontrollieren. Auf diese Weise rekrutiert er ein Heer von Obdachlosen, das die Kirche belagert, alle Ausgänge verrammelt und jeden tötet, der trotzdem zu entkommen versucht. Der Antichrist öffnet den Zylinder und macht zwei Forscherinnen zu willenlosen Werkzeugen, indem er sie einen kleinen Teil von sich selbst schlucken lässt. Die beiden geben die Flüssigkeit an andere Opfer weiter, die somit ebenfalls verwandelt werden. Um seinen Vater ins Diesseits herüberholen zu können, muss der Antichrist menschliche Gestalt annehmen. Er transferiert seine gesamte Substanz in die Studentin Kelly. Ihr Körper verändert sich innerhalb weniger Stunden auf erschreckende Weise. Die Besessenen gehen zum Angriff über. Die Überlebenden, darunter Brian, Catherine, Prof. Birack und Loomis, verbarrikadieren sich. Sie haben alle denselben Traum. Darin sehen sie eine nicht identifizierbare Gestalt im Kircheneingang. Es handelt sich um eine Botschaft aus der Zukunft. Die Träumer werden aufgefordert, den Verlauf der Geschichte zu verändern, damit das, was sie im Traum sehen, nicht eintritt.

Nachdem Kellys Verwandlung abgeschlossen ist, benutzt sie einen Spiegel als Tor in das andere Universum. Loomis versucht Kelly zu töten, aber ihr Körper regeneriert sich von selbst. Sie greift durch das Portal, packt die Hand des Anti-Gottes und schickt sich an, ihn herauszuziehen. Um das zu verhindern, wirft sich Catherine auf Kelly und springt mit ihr durch das Portal. Loomis zerschmettert den Spiegel mit einer Axt. Alle Besessenen sterben, denn ohne den Hauptkörper sind die Ableger des Antichristen nicht lebensfähig. Die Obdachlosen gehen ihrer Wege. Brian verwindet den Verlust Catherines nicht. Obwohl die Welt nun gerettet ist, wird die Botschaft aus der Zukunft weiterhin gesendet. Diesmal ist die Gestalt im Eingang der Kirche deutlich zu erkennen. Es ist Catherine. Brian erwacht aus diesem Traum und streckt seine Hand nach einem Spiegel aus.

Kringels Meinung

Die ungeschnittene Version dieses Films war jahrelang indiziert. Nach Listenstreichung und Neuprüfung ist er jetzt ab 16 Jahren freigegeben. Tatsächlich habe ich mich früher schon gefragt, warum der Film überhaupt indiziert werden musste. Die Gewaltdarstellungen sind selbst für Achtzigerjahre-Verhältnisse noch vergleichsweise moderat, wenn auch tricktechnisch sehr gut gemacht. Vielleicht hat's an der Thematik gelegen? Jesus als Außerirdischer, Gott und Anti-Gott quasi als Verkörperungen von Materie und Antimaterie, Religion als Hilfskonstrukt für unterentwickelte Erdlinge, die noch keine Ahnung von subatomaren Elementarteilchen, Quantenmechanik und dergleichen hatten, ein angesichts der Erkenntnis über all diese Dinge fast vom Glauben abfallender Priester... Das muss man sich erst einmal richtig durch den Kopf gehen lassen, um die verborgenen Qualitäten dieser kleinen Horrorfilm-Perle richtig würdigen zu können. Ansonsten folgt "Die Fürsten der Dunkelheit" dem allseits bekannten Prinzip: Eine Gruppe ahnungsloser Menschen wird ohne Aussicht auf Rettung oder Flucht eingeschlossen und allmählich dezimiert, wärend erst nach und nach klar wird, womit es die Leute eigentlich zu tun haben. Am Ende dann die unvermeidliche Weltrettung.

Oder doch nicht? Das Ende des Films ist mir nie ganz klar geworden. "Die Fürsten der Dunkelheit" endet mit Brians Traum von Catherine und der Szene, in der sich seine Hand dem Spiegel nähert. Wie ist das zu deuten? Der Traum ist kein solcher, sondern eine durch Tachyonen aus dem Jahre 1999 in die Vergangenheit geschickte Botschaft. In dieser Botschaft werden aktuelle Geschehnisse der Zukunft gezeigt. Zuerst war zu sehen, wie ein riesiger menschenähnlicher Schatten im Eingang der Kirche erscheint. Man konnte kein Gesicht erkennen. Nach erfolgreicher Verbannung des Antichristen in das andere Universum sind die Traumbilder anders. Man sieht erstmals deutlich, wer da im Kircheneingang steht: Catherine. Ist Catherine also durch das Spiegelportal ins Jahr 1999 gelangt und wurde bei ihrem Erscheinen gefilmt? Hat sie anschließend dafür gesorgt, dass die Traumbotschaft in die Vergangenheit geschickt wird? Oder wird es Brian gelingen, Catherine durch den Spiegel zurück ins Diesseits zu holen? Wenn letzteres zutrifft: Ist Catherine danach noch sie selbst, oder ist sie besessen, so dass der Antichrist sein Ziel bis 1999 doch noch erreicht? Wie dem auch sei: Beide Alternativen sind nicht ohne Zeitparadoxon denkbar. Des Teufels Langzeitplan ist mir ebenfalls unverständlich geblieben. Wenn der Antichrist zurückgelassen wurde, damit er den Anti-Gott befreien kann, dann hätte er damit doch nicht sieben Millionen Jahre warten müssen, oder? Gebraucht wird offenbar nur zweierlei: Ein menschlicher Wirt für das grüne Schaumbad, aus dem der Antichrist besteht, und ein Spiegel. Beides gibt's ja nicht erst seit dem zwanzigsten Jahrhundert. Andererseits - was sind schon ein paar tausend Jahre, verglichen mit sieben Millionen?

"Die Fürsten der Dunkelheit" ist mir vor allem wegen der beklemmenden Atmosphäre in Erinnerung geblieben. Das Eingeschlossensein auf engem Raum, die allmähliche Enthüllung einer Gefahr wahrhaft kosmischen Ausmaßes, die zunehmende Bedrohung durch den Antichristen und seine Schergen, wirkungsvoll eingesetzte Schockmomente - das hat mich selbst jetzt, 25 Jahre nachdem ich den Film im Kino gesehen habe, nochmal so richtig gefesselt. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang der vom Regisseur selbst komponierte Soundtrack. Die düstere Musik reißt praktisch nie ab und passt wunderbar zur jeweiligen Szene. Zu den Schauspielern nur so viel: Schock-Rock-Legende Alice Cooper und Jameson Parker (bekannt durch die TV-Serie "Simon and Simon") sind aus völlig unterschiedlichen Gründen in diesem Film sehr gruselig: Ersterer als stummer Irrer, letzterer als Besitzer eines geradezu monströsen Schnurrbarts...

J. Kreis, 08.09.2013




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme