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Pastewka in Indien und Japan Pastewka in Indien und Japan (D, 2004)
DVD - Regionalcode 2, Universum Film
FSK: 12
Laufzeit: insg. ca. 160 Minuten (2 x ca. 49 Minuten Film und ca. 64 Minuten Extras)

Extras
Audiokommentare von Bastian Pastewka und Alexander von Eisenhart Rothe, Deleted Scenes, Goofs, Making of, Trailer, Pilot "VOXtours - Bastian Pastewka in Tunesien", Exklusives Interview mit Bastian Pastewka und Alexander von Eisenhart Rothe

Regie:
Alexander von Eisenhart Rothe




Inhalt:

Bastian Pastewka, nach eigener Aussage eigentlich ein Reisemuffel, wagt sich in die entferntesten Ecken der Erde und berichtet von seinen Erlebnissen mit fremden Kulturen. Indien und Japan sind seine ersten Reiseziele.

In Indien, besser gesagt in Bombay, beginnt Pastewka mit der Suche nach Erleuchtung und innerem Frieden. Doch inmitten von Menschenmassen und Verkehrschaos findet er zunächst nicht einmal das richtige Hotel. Er läßt sich aber nicht abschrecken und erkundet die Stadt, nimmt an einem Cricketspiel teil, ist zu Gast bei einem Lachclub und ergattert sogar eine Nebenrolle in Bollywood - er darf den dämlichen Ausländer in einer beliebten indischen TV-Soap spielen (die Folge wurde tatsächlich ausgestrahlt), stolpert dabei aber erst einmal über seine zwei Textzeilen. Am Abend rächt er sich stellvertretend für alle genervten Restaurantgäste, indem er selbst versucht, in einem Restaurant Rosen zu verkaufen. In Bombay ist also schonmal keine Erleuchtung zu finden. Also macht Pastewka sich per Zug auf zu einem abgeschiedenen Bergdorf, aber die Eingeborenen dort begegnen ihm eher skeptisch. Dann wird flugs noch das Taj Mahal besucht. Auf einem Elefanten reitet Pastewka zum Fort Amber, immer verfolgt von einem kleinen Fiedelspieler, der sich einfach nicht abschütteln läßt. Noch einmal bekommt Pastewka es mit Elefanten zu tun, als er an einem Polospiel teilnimmt, das vom Rücken dieser Dickhäuter aus bestritten wird. Auch der Besuch bei einem Maharadja und in einem Ashram bringen Pastewka seinem Ziel nicht näher. Er muß wohl erst einen Berg besteigen, um in der Einsamkeit zu sich selbst zu finden...

In Tokyo bekommt Pastewka es mit allen Skurrilitäten zu tun, die der Alltag in einer japanischen Großstadt zu bieten hat. Auch hier wieder: Menschenmassen so weit das Auge reicht, alles noch bunter, lauter und schriller als in Indien. In Tokyo herrscht das Gebot des Auffallens um jeden Preis, und so ergehen sich viele junge Leute in comichafter Selbstinszenierung. Als erstes stellt Pastewka aber fest, daß 4 von 5 Japanern immer quasi "besetzt" sind, weil jeder ständig mit dem Handy telefoniert. Schmerzhafte Erfahrungen macht er in einem jener menschenunwürdigen Bienenwaben-Hotels, denn die winzigen Kapseln sind auf die Größenverhältnisse von Japanern zugeschnitten... Geradezu unglaublich muten die Preise an, die man in Tokyo für Obst berappen muß. Dafür wird der Einkauf dann aber auch liebevoll einzeln verpackt wie ein Geschenk. Begleitet von zwei jungen Damen stürzt Pastewka sich ins Nachtleben, vertreibt die Begleiterinnen aber bald durch seine (Karaoke-)Sangeskünste. Doch wo soll er das "wahre" Japan finden? In den unglaublich lauten, nur halb legalen Glücksspielhallen? Oder in den Badehäusern, wo er ein halbes Dutzend Mal die Sandalen wechseln muß, bevor er endlich in die Fluten steigen kann? Oder in einem Zen-Kloster, wo ein Mönch die Meditierenden mit gut gemeinten Stockhieben ermuntert? Oder gar auf dem Berg Fujiama? Vielleicht wird sich ja auch seine Geschäftsidee - die Herstellung von täuschend echt aussehenden Nahrungsmittel-Imitaten - eines Tages durchsetzen, wenn es ihm nur gelingen würde, eine Visitenkarte an den Mann zu bringen...

Pastewkas natürlich alles andere als ernst gemeinten "Auslandsreportagen" wurden vor einiger Zeit schon einmal im Fernsehen gesendet, aber ich hatte sie nur teilweise gesehen. Jetzt endlich konnte ich sie mir in Ruhe zu Gemüte führen. Man weiß natürlich nicht, wieviel von Pastewkas vorgeführter Unbeholfenheit wirklich echt ist und wieviel von den skurrilen Erlebnissen, die er immer wieder hat, nur gestellt sind. Aber man kauft es ihm dennoch ab, daß er versucht, Indien und Japan zu verstehen, daß er aber mangels Sprachkenntnissen überall wie der Ochs vorm Scheunentor steht und nur wenig von dem begreift, was sich um ihn herum abspielt. Beim nochmaligen Ansehen der beiden Filme muß ich allerdings gestehen, daß für meinen Geschmack vor allem im Japan-Film zu vieles allzu klischeehaft dargestellt wird. Manchmal stellt sich sogar ein etwas unbehagliches Gefühl ein. Muß man sich über alles lustig machen, was man nicht versteht? Gut, angesichts eines Gassi-Geh-Spielautomaten, komplett mit Force-Feedback-Hundeleine, kann man sich ein Grinsen nicht verkneifen. Auch die hier vorgeführten Vorstellungen, die die Japaner offenbar von uns Deutschen haben, sind recht bizarr. Manchmal schliddert Pastewka aber ganz hart am Rande der blanken Verspottung einer fremden Kultur entlang. Da wird nichts hinterfragt, es werden nur die üblichen "Verrücktheiten" der ach so bekloppten Japaner vorgeführt...

Aufgelockert wird das Ganze dann wieder durch die unübersehbare Selbstironie und vor allem durch einige völlig irreale Szenen. Exemplarisch seien Pastewkas durch zu scharfes Essen verursachten Höllen-Visionen, seine Version eines Bollywood-Musicals und seine Rolle als Samuraikämpfer genannt. Insgesamt haben die beiden Filme also einen etwas zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlassen. Auf der einen Seite sind sie durchaus witzig, ich mag Pastewkas Art einfach. Andererseits bleibt die Objektivität manchmal auf Kosten der "Witzischkeit" auf der Strecke.

Die DVD:

Die zwei DVDs stecken in einer ungewöhnlichen Verpackung: Wenn man einen Silberling nach unten aus dem Pappschuber herauszieht, kommt oben automatisch der andere zum Vorschein. Eine weitere Besonderheit haben die DVD-Menüs zu bieten. Animierte Menüs sind inzwischen zwar eine Selbstverständlichkeit, aber eigentlich braucht man dieses schmückende Beiwerk gar nicht. Bei dieser DVD ist es aber doch wieder ein wenig anders, denn hier ist Pastewka höchstpersönlich im Bild und erklärt ausführlich die Funktion der einzelnen Menüpunkte. Und zwar so lange, bis man sich endlich für einen Punkt entscheidet oder bis nach ca. 5 Minuten die Schleife wieder von vorn beginnt - bis dahin hat Pastewka so getan, als wäre er etwas genervt von der Entschlußlosigkeit des Zuschauers und ist einmal sogar von Bernhard Hoecker abgelöst worden... Genial!

Längstes (ca. 18 Minuten) und interessantestes Extra ist der VOXtours - Pilotfilm, für den Pastewka sozusagen in die Wüste geschickt worden ist. Der Film fängt genauso an wie die beiden Hauptfilme auf der DVD: Pastewka liegt im Bett in seinem Hotelzimmer und hält einen Monolog wie in einem Film Noir bzw. wie in "Apocalypse Now". Diesmal versucht Pastewka, das "echte", unverfälschte Tunesien zu finden. Dazu geht er in den Souk (ein orientalischer Basar), wo er sich in der Kunst des Feilschens übt, und läßt sich von einer Original-tunesischen Familie einladen, die sich als Touristenfalle entpuppt. Dann sinkt er vor den Star Wars - Kulissen in die Knie; bekanntlich wurden die Tatooine-Szenen in Tunesien gedreht und die Kulissen stehen dort immer noch herum. Aber was hat das mit dem "echten" Tunesien zu tun? Erst als er einige Stunden ganz allein mitten in der Wüste verbringt, wo nichts außer dem Wind und dem Rieseln des Sandes zu hören ist, bekommt er ein Gefühl dafür, was das "echte" Tunesien sein könnte. Dieser Beitrag ist eigentlich ein richtiger Reisebericht, praktisch völlig frei von Gags, die auf Kosten der Einheimischen gehen, aber dennoch amüsant.

Zu jedem der beiden Hauptfilme gibt es ein kurzes "Making of" - nichts besonderes, es werden lediglich einige Einblicke in die Dreharbeiten zu einzelnen Szenen gewährt. Man sollte unbedingt den Audiokommentar aktivieren, ebenso bei den entfallenen Szenen. Von letzteren gibt es pro Film nur eine und sie sind auch nicht weiter interessant - der Audiokommentar reißt es wieder raus! Zu beiden Filmen gibt es unkommentierte schiefgegangene Szenen ("Goofs"), die zu recht witzigen Drei-Minuten-Clips zusammengeschnitten wurden. Man kann sehen, daß das Team bei den Dreharbeiten eine Menge Spaß hatte.

Auf der Japan-DVD findet sich dann noch ein etwa sieben Minuten langes Interview mit Hauptdarsteller und Regisseur. In dieser kurzen Zeit erfährt man aber mehr als in manch anderem, längerem Interview. Während nämlich die Leute in anderen Interviews ewig lange herumstottern und öfter "Äh" und "Hm" sagen als sonst etwas, plappern Pastewka und der Regisseur munter drauflos. Das gilt übrigens auch für die wirklich lustigen Audiokommentare zu den Hauptfilmen. Vor allem Pastewka ist eine richtige Plaudertasche...

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