Passengers


Passengers (USA, 2016)

Blu-ray, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 116 Minuten

Extras:
- Entfallene Szenen (9:49 Min.)
- Das Casting zu Passengers (10:39 Min.)
- Der Weltraum auf der Leinwand: Die visuellen Effekte von Passengers (7:26 Min.)
- Am Set mit Chris Pratt (4:19 Min.)
- Die Erschaffung von Avalon (9:35 Min.)
- Gag Reel (4:23 Min.)
- Buchung einer Schiffspassage (4:40 Min.)

Regie:
Morten Tyldum

Hauptdarsteller:
Chris Pratt (Jim Preston)
Jennifer Lawrence (Aurora Lane)
Laurence Fishburne (Gus Mancuso)
Michael Sheen (Arthur)




Story

Vor langer Zeit wurde aufgrund des auf der Erde herrschenden Bevölkerungsdrucks ein großangelegtes Auswanderungsprogramm gestartet, welches zu einem Billiardengeschäft für die damit befasste Homestead Company geworden ist. Zahlreiche kilometergroße Raumschiffe, gesteuert von komplexen Computersystemen, fliegen mit halber Lichtgeschwindigkeit zu erdähnlichen Planeten, wo die Kolonisten ein neues Leben beginnen können. Eines dieser Schiffe ist die Avalon. Ihr Ziel, die paradiesische Welt Homestead II, wird sie in 120 Jahren erreichen. Die 258 Personen starke Crew sowie 5000 Passagiere befinden sich im Hyperschlaf. Die Körperfunktionen der Menschen sind drastisch reduziert, so dass sie nicht altern. Sie sollen erst einige Monate vor Ankunft aufgeweckt werden, um sich während des restlichen Fluges miteinander bekanntzumachen und sich auf die Landung vorzubereiten. Nach drei Jahrzehnten durchquert die Avalon ein Asteroidenfeld. Der Energieschutzschirm des Schiffes wird überlastet, so dass ein kosmisches Trümmerstück durchkommt und die Schiffshülle durchschlägt. Die Schäden werden automatisch repariert, doch es kommt zu einer Fehlfunktion. Ein Passagier, der Level-2-Techniker Jim Preston, wird 90 Jahre zu früh aus dem Hyperschlaf geweckt. Automatische Systeme kümmern sich um Jims Bedürfnisse, darunter der menschenähnliche Barkeeper-Android Arthur, der zu Jims einzigem Gesprächspartner wird. Computergesteuerte Hologramme weisen Jim in die ihm zugänglichen Funktionen des Schiffes ein. Doch seine Hilferufe verharren ungehört, denn eine Störung der perfekten Hyperschlaftechnik übersteigt das Fassungsvermögen des Bordcomputers und ein an die Erde gerichteter Funkspruch kann frühestens in mehreren Jahrzehnten beantwortet werden.

Jim ist der einzige wache Mensch in der Avalon. Das Schiff bleibt beharrlich auf Kurs. Die Hyperschlafkapsel lässt sich nicht reaktivieren. Da Jim nur Passagier ist, kann er nicht in den für die Crew vorgesehenen Bereich des Schiffes vordringen. Er vertreibt sich die Zeit mit den umfangreichen der Unterhaltung und Wellness dienenden Einrichtigungen des Luxus-Raumschiffes sowie mit dem Studium der Schlafkapseltechnik. Nach einem Jahr hält er die Einsamkeit nicht mehr aus. Er ist so verzweifelt, dass er an Selbstmord zu denken beginnt. Da fällt sein Blick auf eine Schlafkapsel, in der die Journalistin Aurora Lane ruht. Er liest die von ihr verfassten Texte, schaut sich ihre Videoprotokolle an und verliebt sich in die schöne junge Frau. Monatelang ringt er mit sich, kann aber der Versuchung nicht widerstehen. Er sabotiert die Schlafkapsel und weckt Aurora. Sie ist ebenso verzweifelt wie Jim, zumal sie gar nicht auf Homestead II bleiben, sondern nach einem Jahr mit der Story ihres Lebens zur Erde zurückkehren wollte. Jim gibt daher lediglich zu, schon länger wach zu sein. Die Sabotage verschweigt er. Allmählich kommen sich die beiden näher. Aurora schreibt ein Buch über ihre Erlebnisse. Schließlich werden Jim und Aurora Liebende. Nach einem weiteren Jahr verplappert sich Arthur, so dass Aurora die Wahrheit erfährt. Sie ist außer sich, attackiert Jim und will nichts mehr mit ihm zu tun haben, denn ihrer Meinung nach hat er ihr Leben zerstört.

In der Avalon kommt es zu Störungen, deren Schwere und Häufigkeit allmählich zunimmt. Aufgrund einer Fehlfunktion erwacht Decksoffizier Gus Mancuso aus dem Hyperschlaf. Ihm ist klar, dass mit dem Schiff etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Nach eingehender Analyse kommt er zu dem Ergebnis, dass die Systemfehler seit dem zwei Jahre zurückliegenden Ereignis kaskadierend ansteigen und schon bald zum Komplettversagen führen werden. Verschiedene Computer scheinen zu versuchen, die Aufgaben eines ausgefallenen Rechners zu übernehmen, sind damit aber überlastet. Während die drei Menschen nach dem Fehler suchen, stellt sich heraus, dass der Erweckungsvorgang bei Gus irregulär verlaufen ist. Seine Organe wurden schwer geschädigt, der Zustand verschlechtert sich schnell. Gus stirbt, doch mit seinem Codearmband haben Jim und Aurora Zugang zu allen Bereichen des Schiffes. Sie stellen fest, dass die Kontrolleinheit des Fusionsreaktors durch einen Asteroidentreffer beschädigt worden ist. Ersatzteile sind vorhanden und lassen sich wegen der modularen Bauweise der Einheit leicht einsetzen, doch der Reaktor überhitzt, weil er nicht entlüftet werden kann. Jim muss das Schiff im Raumanzug verlassen und die Entlüftungsluke manuell offen halten. Er wird vom entweichenden Plasma ins All geschleudert. Dabei wird der Raumanzug beschädigt. Es gelingt Aurora gerade noch rechtzeitig, Jim einzufangen und zum Autodoc zu bringen. Die automatische Diagnose- und Behandlungseinheit reanimiert Jim. Auch das Schiff ist gerettet.

Jim findet heraus, dass der Autodoc als behelfsmäßige Hyperschlafkammer zweckentfremdet werden kann. Er ist bereit, Aurora den Platz zu überlassen, um seine Tat wiedergutzumachen. Aurora hat ihm jedoch längst verziehen. Sie liebt ihn und ist bereit, die nächsten Jahrzehnte allein mit ihm in der Avalon zu verbringen. 88 Jahre später hat das Schiff sein Ziel erreicht. Die Crew wird planmäßig geweckt. Der Kapitän traut seinen Augen nicht: Jim und Aurora haben die in der Avalon gelagerten Setzlinge benutzt, um das Hauptdeck in ein grünes Paradies zu verwandeln ...


Kringels Meinung

... so dass Jim seinen Traum verwirklichen und ein kleines Haus bauen konnte, in dem er und die geliebte Frau vermutlich den Rest ihres Lebens verbracht haben. Seine Wünsche - kaputte Dinge zu reparieren, nicht einfach durch neue zu ersetzen - sind ein Seitenhieb auf unsere auf hemmungslosen Konsum ausgerichtete Lebensweise. Auch sonst schimmert immer wieder die Frage durch: Was braucht man zum Glücklichsein? Sie lässt sich leicht beantworten. Mit dem richtigen Partner kann man die Ewigkeit verbringen. Mehr ist nicht nötig.

Durch obige Handlungszusammenfassung könnte der Eindruck entstehen, "Passengers" sei eine Art Kammerspiel, das sich ganz auf Jim und Aurora konzentriert. Was die Handlung angeht, ist das sogar richtig. Diese Handlung könnte im Grunde überall spielen - auf einer einsamen Insel, in der Anonymität einer Großstadt ... aber wir befinden uns in einem Raumschiff, dessen weitläufiges Inneres wie eine Kombination aus Shoppingmall, Nobelhotel und überdachtem Ferienpark aussieht. Durch die gewaltige Kulisse vor dem Hintergrund der unendlichen Weite des Weltraums erhält der Film eine ganz eigene Dimension. Gleich zu Beginn wird in die Vollen gegangen, wenn das interessant designte Raumschiff aus unterschiedlichen Perspektiven in seiner ganzen Erhabenheit gezeigt wird, wie es durch die ewige Nacht fliegt und von kosmischen Trümmerstücken bombardiert wird. Gemeinsam mit Jim dürfen wir dann die luxuriösen Einrichtungen der Avalon erkunden, deren Pracht jedes Kreuzfahrtschiff wie einen Fischkutter wirken lässt. Man nehme als Beispiel nur die von Arthur betreute Bar. Die üppige Ausstattung dieses Bühnenbilds ist einer von unzähligen Augenöffnern in "Passengers". In den Actionszenen wird nicht mit spektakulären Effekten gegeizt. Sei es ein Swimmingpool bei plötzlich einsetzender Schwerelosigkeit, der fast außer Kontrolle geratende Reaktor ... wunderbar! Man hat also nie den Eindruck, ein auf die Kinoleinwand übertragenes Zweipersonen-Theaterstück zu sehen.

Die Effekte dominieren den Film jedoch nicht. Herzstück ist die berührende Geschichte zweier Personen, die im "normalen Leben" (also auf der Erde) nie zusammengekommen wären, weil sie aus ganz unterschiedlichen Bevölkerungsschichten stammen. Aurora hätte Jim wahrscheinlich überhaupt nicht wahrgenommen und Jim hätte sich nicht getraut, jemanden wie Aurora anzusprechen. Ein geradezu klassisches Liebesfilm-Thema! Das Erzähltempo ist nach dem kurzen Prolog über weite Strecken hinweg angenehm ruhig. Logisch, der Zuschauer soll ja erst einmal begreifen, wie verzweifelt Jim nach einjähriger Einsamkeit ist. Hier hat der Film meiner Meinung nach eine kleine Schwäche. Der lange Zeitraum, in dem Jim in völliger Isolation lebt, ist für mich nicht so richtig "spürbar" geworden. Allerdings hätte eine Verlängerung dieser Phase langweilig werden können, das geht also in Ordnung. Nach Auroras Erwachen nimmt die Story Fahrt auf. Die "Chemie" zwischen Chris Pratt und Jennifer Lawrence stimmt, also jenes undefinierbare gewisse Etwas, durch das so eine Liebesgeschichte erst glaubwürdig wird. Ich muss gestehen, dass ich noch nie zuvor einen Film mit Jennifer Lawrence gesehen habe - ihre Natürlichkeit hat mir besonders gut gefallen. Chris Pratt, den ich erstmals in Guardians of the Galaxy wahrgenommen habe, ist eine sehr gute Besetzung für einen sympathischen Durchschnittstypen, der sich als Identifikationsfigur eignet.

"Passangers" ist zugleich optisch perfekte, grandios designte Weltraumaction und intime Romanze - mit Spannung, Humor und Happy End! Ich kann wirklich nicht verstehen, warum der Film seinerzeit im Kino nur mit mäßigem Erfolg gelaufen ist.


Extras

Die Featurettes "Das Casting zu Passengers", "Der Weltraum auf der Leinwand", "Am Set mit Chris Pratt" und "Die Erschaffung von Avalon" mögen teilweise redundant und nicht besonders tiefschürfend sein, ermöglichen trotzdem einen ganz guten Einblick in den Produktionsprozess. Deutlich wird vor allem, dass man sich beim Design des Raumschiffs durchaus Gedanken gemacht hat. Die Avalon sollte nicht einfach nur gut aussehen, sondern auch funktional sein. Ich war überrascht, dass viel von dem, was ich für CGI gehalten habe, wirklich gebaut worden ist! Eine Vermutung, die ich beim Anschauen des Films hatte, wird in den Featurettes bestätigt: Arthurs Bar hat mich nicht zufällig an den Film "The Shining" erinnert. Das war tatsächlich als Anspielung bzw. Hommage gedacht. Und es wird klar, dass Chris Pratt ein echter Scherzkeks ist. Das sieht man natürlich vor allem in der Zusammenstellung schiefgegangener Szenen ("Gag Reel").

Nur zwei der acht nicht verwendeten Szenen sind aufschlussreich, im Rest wird lediglich Bekanntes ein wenig vertieft. In einer der beiden Szenen berichtet Aurora über ihre Tätigkeit als Journalistin. Sie sagt, dass sie nur einen Kaffee und den Ausblick auf das Chrysler Building (New York) bräuchte, um den ganzen Tag lang schreiben zu können. So erklärt sich ihre Freude in einer verwendeten Szene über ein kleines Modell des Chrysler Building, das Jim für sie bastelt und zusammen mit einem Pott Kaffee hinstellt. In der zweiten Szene erfahren wir mehr über Mancusos Vergangenheit. Er hat schon fünf interstellare Flüge mit der Avalon hinter sich. Es sind also vermutlich mehrere hundert Jahre seit seiner Geburt vergangen! Er hat sogar die Einführung des Ionenantriebes miterlebt, durch die solche Reisen überhaupt erst möglich geworden sind.

"Buchung einer Schiffspassage" ist eine Zusammenstellung von Werbeclips für die Homestead-Company und die Avalon. Die Vorzüge des Luxusliners werden angepriesen und ein "Fachmann" weist darauf hin, dass der Hyperschlaf eine absolut sichere Sache ist. Witzig!


J. Kreis, 29.11.2017




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