Das Kabinett des Dr. Parnassus


Das Kabinett des Dr. Parnassus (GB / Kanada / F, 2009)
- The Imaginarium of Doctor Parnassus -

DVD Regionalcode 2, Concorde Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 117 Minuten

Extras
- Intro von Terry Gilliam (2:48 Min.)
- Entfernte Szene mit optionalem Audiokommentar von Terry Gilliam (4:12 Min.)
- Kostümprobe mit Heath Ledger mit optionalem Audiokommentar von Terry Gilliam (1:56 Min.)
- Der Blick hinter den Spiegel (3:18 Min.)
- Entstehung des Klosters (6:57 Min.)
- Szenenaufbau - Vom Storyboard bis zur finalen Sequenz (2:06 Min.)
- Heath Ledger und Freunde (5:30 Min.)
- Interview mit Heath Ledger (3:00 Min.)
- Das Kabinett des Terry Gilliam (6:15 Min.)
- Cast & Crew (8:05 Min.)
- Doktor Parnassus weltweit (5:43 Min.)
- Trailer

Regie:
Terry Gilliam

Hauptdarsteller:
Christopher Plummer (Dr. Parnassus)
Lily Cole (Valentina)
Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farrell (Tony Shepherd)
Tom Waits (Mr. Nick)
Andrew Garfield (Anton)
Verne Troyer (Percy)




Inhalt:

In ferner Vergangenheit lässt sich ein Mönch, der später unter dem Namen Dr. Parnassus bekannt wird, auf eine Wette mit dem Teufel (alias "Mr. Nick") ein. Wenn es Parnassus als erstem gelingt, zwölf Jünger um sich zu versammeln, wird ihm die Unsterblichkeit gewährt. Parnassus ist erfolgreich, aber er erkennt, dass Mr. Nick das Ganze geplant hat. Jahrhunderte später sind die Dienste des Mönchs, dessen Aufgabe im Geschichtenerzählen besteht, nicht mehr gefragt. Niemand interessiert sich mehr für seine Geschichten. Parnassus gewinnt erst neuen Lebensmut, als er sich in eine schöne junge Frau verliebt, für die er jedoch zu alt ist. Um sie für sich gewinnen zu können, muss Parnassus einen Pakt mit Mr. Nick schließen. Er wird verjüngt und erhält seine Sterblichkeit zurück, so dass er die geliebte Frau heiraten und mit ihr alt werden kann. Der Preis dafür ist Valentina, das Kind dieser Liebe. An ihrem sechzehnten Geburtstag muss Parnassus seine Tochter an Mr. Nick ausliefern. In den folgenden Jahren reisen Parnassus, seine Tochter, der in sie verliebte Taschenspieler Anton und der kleinwüchsige Gehilfe Percy mit einem Wandertheater durch England. Die Attraktion des Theaters ist ein Spiegel, den man durchschreiten kann. Auf diese Weise gelangt man eine Phantasiewelt, erschaffen von Parnassus, der sich zu diesem Zweck in Trance versetzt. Dort werden jedem Besucher scheinbar alle Wünsche und Gelüste erfüllt. Wer sich dafür entscheidet, den eigenen Lastern zu entsagen, verlässt die Phantasiewelt mit einem Gefühl tiefsten Glücks. Wer der Versuchung nachgibt, bleibt für immer jenseits des Spiegels, denn seine Seele fällt Mr. Nick anheim.

Je älter Valentina wird, desto verzweifelter und trunksüchtiger wird Parnassus. Mr. Nick erscheint drei Tage vor dem schicksalhaften Termin, um Parnassus an den Pakt zu erinnern. Auch mit dem Theater geht es bergab, denn kaum jemand interessiert sich noch dafür. Eines Tages retten Anton und Valentina in London einen jungen Mann, der an einer Brücke aufgehängt wurde und nur durch das Verschlucken einer kleinen, aber massiven Flöte, durch die er weiteratmen konnte, überlebt hat. Er hat angeblich sein Gedächtnis verloren. Valentina, die schon seit längerer Zeit von einem anderen Leben träumt, nimmt den Unbekannten mit. Parnassus duldet es, denn er hält die Begegnung mit dem Gehängten für ein Omen aus dem Tarotspiel. Mr. Nick taucht wieder einmal auf. Er behauptet, er habe nichts mit dem Fremden zu tun. Er kennt jedoch dessen Namen: Tony Shepherd. Außerdem hat Mr. Nick ein weiteres Spiel anzubieten. Sollte es Parnassus bis zum sechzehnten Geburtstag Valentinas als erstem gelingen, fünf Seelen für sich zu gewinnen, dann wird Mr. Nick auf Valentina verzichten. Mit Tonys Hilfe wird die Show modernisiert. Das Theater wird mitten in einem Einkaufszentrum aufgebaut. Mit seiner charmanten Art lockt Tony einige shoppende Damen an, die den Spiegel durchschreiten und in der Traumwelt, angeleitet von Tony, die richtigen Entscheidungen treffen. So gelingt es Parnassus innerhalb kurzer Zeit, nicht nur vier Seelen zu gewinnen, sondern auch die Habseligkeiten der Damen, die diese nach der Rückkehr in die reale Welt achtlos von sich werfen.

Doch dann erscheinen vier russische Gangster, denen Tony Geld schuldet und die schon einmal versucht haben, ihn umzubringen. Er flieht vor ihnen durch den Spiegel. Sie folgen ihm in die Traumwelt, erliegen den dortigen Verlockungen und füllen somit Mr. Nicks Seelenkonto. Anton ist Tony ebenfalls gefolgt und erfährt nun die Wahrheit über dessen Vergangenheit. Tony war Leiter einer Wohltätigkeitsorganisation für Kinder, die von den Russen für Geldwäschegeschäfte missbraucht worden ist. Später findet Anton heraus, dass Tony Organhandel mit seinen hilflosen Schützlingen betrieben hat. Derweil eröffnet Parnassus seiner Tochter, was es mit Mr. Nick und dem Pakt auf sich hat. Parnassus braucht eine letzte Seele, um Valentina zu retten, und er hat nur noch eine Stunde Zeit. Tony meldet sich freiwillig. In Wahrheit geht es ihm darum, die Technik zu erlernen, mit der man Traumwelten erschaffen kann, um eine solche für sich selbst zu konstruieren. Es kommt zu einem Handgemenge zwischen Tony und Anton. Dabei wird Valentina in die Traumwelt gestoßen. Tony folgt ihr. Valentina hält ein Leben mit ihm für die Erfüllung all ihrer Wünsche, aber von Anton erfährt sie die Wahrheit über Tony. Tonys Traumwelt zerbricht. Er flieht, verfolgt von einem tobenden Mob. Anton stürzt in die Leere. Parnassus erscheint völlig betrunken. Valentina hält ihn für tot und läuft davon. Sie begegnet Mr. Nick und gibt ihm ihre Seele - was eigentlich nicht zählt, da sie ja der Wetteinsatz war.

Mr. Nick ist von diesem Ausgang der Geschichte nicht begeistert. Deshalb bietet er Parnassus einen neuen Handel an. Mr. Nick ist schon seit langer Zeit hinter Tonys Seele her, konnte ihrer aber nie habhaft werden. Parnassus soll ihm dabei helfen. Zur Belohnung will Mr. Nick Valentina freilassen. Parnassus willigt ein. Als Tony sich absichtlich von seinen Verfolgern aufhängen lassen, dabei aber erneut den Flötentrick anwenden will, tauscht Parnassus die Flöte gegen eine zerbrechliche Kopie aus. Tony stirbt am Galgen. Valentina wird befreit, aber Parnassus erfährt nicht, wo sie sich befindet. Jahrelang irrt er auf der Suche nach ihr durch seine eigene Traumwelt. Irgendwann kehrt er in die Realität zurück und lebt als Bettler auf der Straße. Eines Tages sieht er Valentina wieder, sie bemerkt ihn jedoch nicht. Sie ist glücklich mit Anton verheiratet und hat eine kleine Tochter. Parnassus findet wieder zu sich selbst, spricht Valentina aber nicht an. Gemeinsam mit Percy verkauft er fortan kleine Puppentheater aus Pappe. Mr. Nick erscheint ein letztes Mal und will Parnassus zu einem weiteren Spiel verlocken. Diesmal widersteht Parnassus der Versuchung...

Der Film:

...aber vielleicht ist diese ganze Geschichte nur der Traum eines delirierenden alten Bettlers? Das wird am Ende des Films nicht ganz klar. Übrigens wird die Handlung nicht so chronologisch erzählt wie in obiger Zusammenfassung, sondern in mehreren Rückblicken. Wer Terry Gilliams Filme kennt, der weiß in etwa, was ihn erwartet. Beispielhaft seien Brazil, Twelve Monkeys und Tideland für starke, sowie Brothers Grimm und Die Abenteuer des Baron Münchhausen für schwache Leistungen des ehemaligen Monty-Python-Mitglieds genannt. Ich kann mich noch nicht so recht entscheiden, welcher der beiden Gruppen ich "Das Kabinett des Dr. Parnassus" zuordnen soll. Überbordende, surreale Fantasiewelten und bizarre Visionen, mal knallbunt, mal bedrohlich, mal beides, stets bildgewaltig und mit grotesken Details nur so vollgestopft - das ist die eine Seite dieses Films, und das ist nicht nur die hinter dem magischen Spiegel befindliche Seite. Auch in der Realität (wenn es sich denn, wie gesagt, überhaupt um die Realität handelt) findet man mehr als genug skurrile Charaktere und merkwürdige Begebenheiten. Tricktechnisch wurde das Ganze sehr gut in Szene gesetzt, wenn ich auch sagen muss, dass manche CGI-Effekte irgendwie billig wirken. Aber vielleicht ist das auch Absicht.

Dieser Einfallsreichtum und die phantasmagorischen Bilder sind typisch für Terry Gilliam, und so mag ich seine Filme. Aber irgendwie fehlt mir diesmal der Rote Faden. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich das Drehbuch auf eine der verschiedenen Geschichten, die hier gleichzeitig erzählt werden sollen, konzentriert hätte. So bleiben sowohl der Konflikt zwischen Parnassus und Mr. Nick als auch die Beziehungen zwischen Valentina und Anton bzw. Valentina und Tony zu wenig ausgearbeitet und unausgegoren. Es wäre auch nicht unbedingt nötig gewesen, den Film mit allerlei religiösen und sonstigen Symbolen zu überfrachten. Dem Zuschauer wird schnell klar: Es geht um die schwindende Macht der Phantasie in unserer materialistischen Zeit. Das hätte als Subtext durchaus gereicht. Vielleicht hat Gilliam zu viel gewollt. Erreicht hat er nur, dass man sich am Ende fragt, was Terry Gilliam denn eigentlich aussagen wollte.

Die Schauspieler retten den Film. Christopher Plummer (in der ersten Szene habe ich ihn gar nicht erkannt) ist herzergreifend tragisch als versoffener, resignierter Unsterblicher. Tom Waits ist ein würdiger Gegenspieler. Ihm geht es nur um den Spaß am Spiel - als er gewinnt, ist er enttäuscht. Tja, und dann hätten wir da noch Heath Ledger und seine drei Alter-Egos. Wie jedermann wissen dürfte, ist Ledger während der Dreharbeiten zu diesem Film verstorben, wodurch das Projekt in eine ernsthafte Krise geraten ist. Gilliam hat aus der Not eine Tugend gemacht, und so durchläuft die ursprünglich von Ledger verkörperte Figur verschiedene Inkarnationen innerhalb der Traumwelt. Johnny Depp, Jude Law und sogar Colin Farrell liefern dabei gute Leistungen ab. Sie stellen quasi verschiedene Facetten von Tonys Persönlichkeit dar, und das gelingt ihnen prächtig. Ledger spielt in diesem Film nicht so furios wie in seiner Rolle als Joker (The Dark Knight), aber doch mit großer Ausstrahlung. Mein heimlicher Held ist jedoch Andrew Garfield als Anton. Wie er den Reinschmeißer für das Kabinett des Dr. Parnassus spielt - toll. Lily Cole ist dagegen hauptsächlich niedlich.

Tja. Wie bewerte ich den Film jetzt? Er ist farbenprächtig, phantasievoll, witzig und zugleich traurig. Der Funke will aber irgendwie nicht so richtig überspringen. Sicherlich sehenswert, aber kein Film, den man sich mehrmals anschauen müsste.

DVD-Features:

Die Liste des Bonusmaterials sieht nach mehr aus, als tatsächlich geboten wird. Alle Extras sind nur wenige Minuten lang, insgesamt ergibt sich eine Laufzeit von vielleicht 50 Minuten. Eine "alles abspielen"-Funktion ist leider nicht vorhanden. Es handelt sich zumeist über die typischen kurzen Zusammenstellungen aus Filmausschnitten, Interviewschnipseln und Hinter-den-Szenen-Material, nicht besonders informativ und eher für Werbe- als für Dokumentationszwecke hergestellt. Immerhin kann man die Entstehung des Klosters, in dem Parnassus erstmals Mr. Nick begegnet, von den Storyboards und Konzeptzeichnungen bis hin zum riesigen Modell und der fertigen Szene verfolgen. Terry Gilliam erzählt, welche Bedeutung der Film für ihn hat und wie er mit Heath Ledgers Tod umgegangen ist. Angeblich sind Depp, Law und Farrell unter Verzicht auf ihre Gagen eingesprungen.

Hinzu kommt ein Interview mit Heath Ledger (nur Audio, dazu werden Bilder gezeigt) aus dem Jahre 2007, eine nicht verwendete Szene, in der mehr von den Erlebnissen des videospielenden Kindes jenseits des Spiegels gezeigt wird, und zwei Featurettes mit Aufnahmen von den Premieren bei der Presse-Tournee. Außerdem ist diese DVD-Version ganz nett aufgemacht: Zwei Silberlinge in einer schönen aufklappbaren Pappbox im Schuber mit Booklet. Es gibt auch eine Single-DVD-Version ohne Bonusmaterial.


J. Kreis, 04.05.2011




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