Papadopoulos und Söhne


Papadopoulos & Söhne (GB, 2012)
- Papadopoulos & Sons -

DVD Regionalcode 2, good!movies
Altersfreigabe: FSK 0
Laufzeit: ca. 104 Minuten

Extras:
- Making of (48:53 Min.)
- Die Hauptfiguren (5:20 Min.)
- Kurzfilm (11:01 Min.)
- Trailer

Regie:
Marcus Markou

Hauptdarsteller:
Stephen Dillane (Harry Papadopoulos)
Georges Corraface (Spiros Papadopoulos)




Story

Der in London lebende verwitwete Grieche Harry Papadopoulos hat ein erfolgreiches Großnternehmen aufgebaut, wurde jüngst zum europäischen Unternehmer des Jahres gekürt und plant ein ehrgeiziges Bauprojekt. "Papadopoulos Plaza", ein riesiger Einkaufskomplex, soll mitten in London entstehen. Zur Sicherung der dafür benötigten Kredite hat Harry sein gesamtes Vermögen eingesetzt. Da schlägt die internationale Finanzkrise zu. Die Bank besteht auf der sofortigen Rückzahlung der Kredite, und so ist Harry plötzlich pleite. Sein Besitz wird gepfändet, ihm und seinen drei Kindern bleibt nur eine lächerliche monatliche Summe zum Leben. Nur ein Objekt ist für die Bank uninteressant: Der Schnellimbiss "The three Brothers", denn der gehört zur Hälfte Harrys älterem Bruder Spiros. Vor langer Zeit haben Harry und Spiros den Schnellimbiss gemeinsam betrieben. Spiros ist nicht bereit, den ehemaligen Fish&Chips-Laden zur Schuldentilgung zu verkaufen - er möchte ihn lieber neu eröffnen! Um seinem Bruder diese Idee schmackhaft zu machen, gibt Spiros zu bedenken, dass ein gut gehendes Geschäft bestimmt mehr wert wäre als die Bruchbude, zu der das schon vor Jahren aufgegebene Restaurant inzwischen verkommen ist.

Widerstrebend willigt Harry ein und verlässt seine Luxusvilla, um mit dem nicht begeisterten Nachwuchs in der kleinen Wohnung über dem Imbiss einzuziehen. Spiros wohnt ebenfalls dort. So kommen sich die entfremdeten Brüder langsam wieder näher. Unterstützt von Freunden und Kollegen möbeln sie den Laden auf und eröffnen ihn schließlich erfolgreich. Sie setzen auf Qualität, wodurch viele Kunden angezogen werden. Hassan Ali, der Besitzer der Dönerbude auf der anderen Straßenseite, beobachtet das argwöhnisch. Sein Sohn soll die Griechen ausspionieren, verliebt sich dabei aber in Harrys Tochter Katie. Ali besucht die ihm von früher bekannten Brüder Papadopolous und bittet sie, künftig keine Döner mehr zu verkaufen. Harry stellt die Bedingung, dass Alis Sohn die Finger von Katie lässt. Die beiden jungen Leute lassen sich dadurch natürlich nicht beeindrucken. In der Zwischenzeit haben die Unternehmensberater Ed und Sophie einen Interessenten für Harrys Unternehmen gefunden. Allerdings soll dieses zerschlagen werden. Harry wäre dann nicht mehr der Besitzer, sondern nur noch Angestellter, wenn auch in leitender Position.

Bevor Harry eine Entscheidung treffen kann, erleidet Spiros einen Herzinfarkt und stirbt einige Zeit später im Krankenhaus. Harry hat inzwischen erkannt, dass er kein Firmenimperium braucht, um glücklich zu sein. Sophie ist daran nicht ganz unschuldig; sie hat Harry ins Gewissen geredet und Harry hat sich in sie verliebt. Harry ist zufrieden mit dem, was er jetzt hat, und auch seine Kinder wollen nicht mehr in die Luxusvilla zurückkehren. Somit bleibt "The three Brothers" geöffnet. Harry montiert den Dönerspieß ab und überreicht ihn Ali feierlich als Symbol für einen Friedensschluss.

Seit der Firmenpleite hat Harrys minderjähriger Sohn Theo per Laptop diverse Geschäfte mit wertlosen Aktien getätigt. Während die ganze Familie und ihre Freunde draußen Syrtaki tanzen, erreicht der Kurs von Theos Portfolio einen Wert von 22 Millionen Pfund...


Kringels Meinung

"Papadopoulos & Söhne" ist ein Sammelsurium nicht zueinander passender Einzelteile, die noch nicht einmal für sich genommen funktionieren. Vor allem ist der Film nicht wirklich witzig, obwohl er einen durchaus ironischen Unterton hat (der allerdings ab und zu durch aus dem Rahmen fallende Schenkelklopfer gestört wird), so dass er enttäuschend für alle ist, die wegen der Versprechungen auf der DVD-Rückseite eine "Fish out of Water" oder "Odd Couple" - Komödie erwarten, einen Film also, in dem der Protagonist aus dem gewohnten Umfeld herausgerissen und in eine völlig andere Situation versetzt wird, wobei er sich auch noch mit jemandem zusammenraufen muss, der gänzlich entgegengesetzte Charakterzüge hat. Das trifft für Harry und Spiros natürlich zu, aber dieser Aspekt wird viel zu stiefmütterlich behandelt. Harry beteiligt sich erst einmal gar nicht am Wiederaufbau des Ladens, es findet keine Entwicklung statt (auch nicht in Bezug auf das Verhältnis zu seinem Bruder), der Laden bleibt immer nur Kulisse. Harrys Entschluss, dieses Leben weiterzuführen und nicht wieder ins große Geschäft einzusteigen, kommt wie aus heiterem Himmel. Das ist nicht überzeugend.

Dasselbe gilt für Sophie und Harrys Kinder. Harry hat einen stotternden Ältesten, der lieber gärtnern als studieren möchte und schon gar nicht Harrys Nachfolge im Firmenimperium antreten will, eine zickige Shoppingqueen als Tochter, und einen bebrillten Computerfreak als jüngsten Sohn. Furchtbare Klischees (und bei weitem nicht die einzigen in diesem Film), die wohl nur zeigen sollen, wie dysfunktional Harrys ganzes Leben ist. Es gibt so gut wie keine Berührungspunkte zwischen Vater und Kindern. Wäre da nicht die resolute Haushälterin als Mutterersatz, dann wäre dieses Gebilde wahrscheinlich schon längst komplett zerbrochen. Aber - hokuspokus! - am Ende haben sich alle lieb, Friede Freude Eierkuchen. Sophie wiederum wird sehr kurz eingeführt, dann funkt sie ihrem Partner Ed ohne erkennbaren Grund ständig dazwischen, plötzlich sind sie und Harry ein Paar. Wie, wo, was? Habe ich was verpasst? Nein, auch hier wird einfach etwas behauptet, nämlich eine aufkeimende Liebesbeziehung, aber nichts davon wird gezeigt. Und wenn die Griechen südländische Lebenslust demonstrieren sollen, wird es einfach nur peinlich.

Auf der anderen - noch viel weniger lustigen - Seite stehen die internationale Finanzkrise, der tragische familiäre Hintergrund der Brüder (ein dritter Bruder sowie die Eltern sind bei einem Wohnungsbrand in Griechenland ums Leben gekommen) und der anscheinend noch nicht überwundene Tod von Harrys Ehefrau. Das alles rumort irgendwie im Hintergrund herum bzw. dient als Ausgangssituation, ist für die Handlung letztlich aber irrelevant und wird sowieso nicht genauer ausgearbeitet. Zum Hauptdarsteller Stephen Dillane nur soviel: Er mag die perfekte Verkörperung des zwar ehrenhaften, aber stocksteifen, phantasielosen und uncharismatischen Königs Stannis Baratheon in Game of Thrones sein, aber er ist vollkommen ungeeignet, um das "Herz" einer Feelgood-Komödie zu bilden. Leider hat dieser Film überhaupt kein Herz.


DVD-Features

Das Making of ermöglicht ausgiebige Blicke hinter die Kulissen und es wird recht viel über die Story, die Figuren, die Zusammenarbeit und so weiter geredet. Unter anderem erfährt man, dass Harrys ältester Sohn tatsächlich der Sohn des Schauspielers Stephen Dillane ist und dass der Fish&Chips-Shop eigens für diesen Film gebaut wurde; d.h. das Gebäude in einer Geschäftsstraße in London gab's natürlich, aber es wurde entsprechend ausgebaut. Am Making of ist also eigentlich gar nichts auszusetzen. Nur - wenn der Film schon uninteressant ist, dann interessiere ich mich auch nicht für den Entstehungsprozess... "Die Hauptfiguren", eine kurze Zusammenstellung von Filmszenen zu je einer Hauptfigur, ist natürlich noch uninteressanter, wenn man den Film schon gesehen hat.

Zum Bonusmaterial gehört außerdem der Kurzfilm "The last Temptation of Chris" (Buch und Regie: Marcus Markou). Darin spielt Ed Stoppard, der auch bei "Papadopoulos & Söhne" mitwirkt, einen Eheberater, der in dieser Eigenschaft seiner ersten Freundin Nicky wiederbegegnet. Beide stellen fest, dass sie sich immer noch lieben, und beginnen eine Affäre - tun also genau das, wogegen Chris dem Ehepaar eigentlich helfen sollte...


J. Kreis, 07.10.2014




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