The Pacific


The Pacific (USA, 2010)

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: Siehe Einzelepisoden

Extras:
- Picture-in-Picture Experience
- Historischer Leitfaden
- Profile (48:29 Min.)
- Making of "The Pacific" (22:36 Min.)
- Anatomie des Pazifikkrieges (9:59 Min.)

Hauptdarsteller:
James Badge Dale (Robert Leckie)
Jon Seda (John Basilone)
Joseph Mazzello (Eugene Sledge)
Ashton Holmes (Sidney Phillips)
Jon Bernthal (Manuel Rodriguez)
Scott Gibson (Andrew Haldane)
Claire van der Boom (Stella Karamanlis)
Annie Parisse (Lena Mae Riggi - Basilone)
Caroline Dhavernas (Vera Keller)
Anna Torv (Virginia Grey)




Inhalt:

Die Box enthält die komplette zehnteilige Fernsehserie The Pacific auf sechs Blu-ray-Discs. Die Serie beschreibt das Schicksal einiger Soldaten des US-Marine-Corps im Pazifikkrieg. Die dargestellten Ereignisse haben so oder so ähnlich tatsächlich stattgefunden und die Schauspieler verkörpern reale Personen.

1: Guadalcanal - Regie: Tim Van Patten (52:04 Min.)

Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour treten die USA in den Zweiten Weltkrieg ein. Das Japanische Kaiserreich führt einen Eroberungsfeldzug im Pazifischen Ozean und bedroht damit auch die USA. Somit entsteht ein weiterer großer Kriegsschauplatz, der sich in vielen Punkten von den Schlachtfeldern Europas unterscheidet. Die Kämpfe finden hautpsächlich zur See und auf vergleichsweise kleinen Inseln statt, wo die Soldaten außerdem den Gefahren des Dschungels ausgesetzt sind.

An Weihnachten 1941 verabschieden sich Robert Leckie und John Basilone von ihren Familien. Die beiden Soldaten nehmen am Pazifikkrieg teil. Eugene Sledge möchte sich freiwillig melden, doch sein Vater lässt dies nicht zu, denn Sledge leidet an einer noch nicht vollständig abgeheilten Herzerkrankung. Am 7. August 1942 landet Leckie mit dem 1st Marine Regiment auf der Insel Guadalcanal, während Basilone erst später mit dem 7th Marine Regiment folgt. Ziel ist die Eroberung eines Militärflugplatzes der Japaner. Die Landung verläuft problemlos; die japanischen Verteidiger haben sich schon in den dichten Dschungel zurückgezogen. Leckies Einheit beobachtet die Einnahme des Flugplatzes aus der Ferne. Dann allerdings zieht die US-Flotte angesichts einer japanischen Übermacht ab, so dass die Soldaten auf der Insel auf sich allein gestellt sind. Leckies Trupp durchkämmt den Dschungel auf der Suche nach den Japanern. Ersten Feindkontakt haben die Männer in der Nähe des Flusses Tenaru. Angesichts des Gemetzels, das die Marines unter den ohne Rücksicht auf Verluste anstürmenden japanischen Soldaten anrichten, verliert Leckie alle Illusionen, die er vor der Landung über den Krieg hatte. Außerdem wird schnell klar, dass dieser Krieg anders ist als alle bisherigen, denn die Japaner geben niemals auf, sondern kämpfen immer bis zum letzten Mann.

2: Basilone - Regie: David Nutter (50:18 Min.)

Der Kampf um das Flugfeld auf Guadalcanal wird zum zermürbenden Stellungskrieg. Die Versorgungslage ist miserabel. Es gibt praktisch keinen Nachschub, Hunger und Durchfall machen den Soldaten zu schaffen. Verstärkung durch die US Army trifft erst nach Wochen ein, frische Versorgungsgüter ebenfalls. Allerdings werden die Vorräte an falscher Stelle abgelegt. Leckie und seine Kameraden sichern sich bei günstiger Gelegenheit ein paar dringend benötigte Dinge. Im Oktober 1942 führen die Japaner einen Großangriff auf die amerikanischen Stellungen durch. Es ist nicht zuletzt dem unermüdlichen Einsatz Basilones zu verdanken, dass die Attacke zurückgeschlagen werden kann. Basilone kann jedoch nicht verhindern, dass sein Freund Manuel Rodriguez bei den Kämpfen getötet wird. Im Dezember gilt die Insel als erobert. Der Seeweg zwischen Australien und Amerika ist damit gesichert und die Alliierten können Guadalcanal als Sprungbrett für das so genannte "Island Hopping" nutzen. Leckie und seine Kameraden werden von einem Kriegsschiff abgeholt.

3: Melbourne - Regie: Jemery Podeswa (56:18 Min.)

Im Januar 1943 werden die Marines zur Erholung nach Australien gebracht und in Melbourne in einem Stadion einquartiert. Basilone erhält die Medal of Honor für seine Taten auf Guadalcanal. Das ist die höchste Auszeichnung, die einem Soldaten verliehen werden kann. Dies soll werbewirksam ausgeschlachtet werden: Basilone wird zurück in die USA geschickt. Dort soll er den Verkauf von Kriegsanleihen ankurbeln. Leckie verliebt sich in die junge Griechin Stella Karamanlis, von deren Familie er freundlich aufgenommen wird. Er träumt davon, mit ihr eine Familie zu gründen, doch als er nach einem mehrtägigen Übungsmarsch zu Stella zurückkehrt, trennt sie sich von ihm. Sie liebt ihn, will aber nicht riskieren, ihn im Krieg zu verlieren. Das wäre unerträglich für sie und ihre Familie, die schon zu viele Schicksalsschläge hat hinnehmen müssen. Leckie betrinkt sich, richtet die Waffe auf einen vorgesetzten Offizier und landet im Militärgefängnis. Nach seiner Entlassung werden die Marines zu ihrem nächsten Einsatz verschifft. Leckie wird zu den Aufklärern versetzt.

4: Cape Gloucester - Regie: Graham Yost (51.07 Min.)

Die Marines landen im Dezember 1943 beim Cape Gloucester auf der Insel Neubritannien. Die von den Japanern eingenommene Hafenstadt Rabaul soll zurückerobert werden. Leckie wird zu einem Spähtrupp eingeteilt, der den Dschungel auf der Suche nach japanischen Einheiten durchstreift. Die Männer leiden unter dem endlosen Regen, erneut breiten sich Krankheiten aus und manche Soldaten verkraften den permanenten Stress nicht. Es kommt sogar zu einem Selbstmord in Leckies Trupp. Leckie ist ebenfalls traumatisiert. Er leidet an Enuresis (er nässt ein). Nachdem die Soldaten zur Insel Pavuvu weitergezogen sind, verfällt Leckie in Depressionen. Er wird im Mai 1944 in ein Feldkrankenhaus eingeliefert und landet in der Abteilung für psychisch Gestörte. Dort fühlt er sich zwar zunächst fehl am Platz, aber schließlich vertraut er sich dem Psychiater Dr. Grant an. Er fängt sich bald wieder und kehrt zu seinen Kameraden zurück.

5: Peleliu - Die Landung - Regie: Carl Franklin (49:08 Min.)

John Basilone geht in den USA mit dem Filmstarlet Virginia Grey auf Tournee. Auf Pavuvu begegnen sich im Juni 1944 die alten Freunde Sidney Phillips und Eugene Sledge. Letzterer hat sich doch noch freiwillig gemeldet und gehört nun zu einem Trupp von Mörserschützen. Er stellt fest, dass sich Phillips sehr verändert hat. Phillips darf wenig später in die USA zurückkehren. Durch sein Interesse für Literatur lernt Sledge Leckie kennen, denn Leckie verleiht Bücher im Militärlager. Im September 1944 geht das "Inselspringen" weiter. Die Marines landen auf der Insel Peleliu, auf der die Japaner einen Militärflugplatz eingerichtet haben. Die Amerikaner geraten aber schon am Strand in unerwartet heftiges Abwehrfeuer und erleiden schwere Verluste. Einer von Leckies engsten Freunden fällt. Sledges Mörsertrupp wird eingekesselt. Doch schließlich ziehen sich die Japaner in Richtung des Flugplatzes zurück.

6: Peleliu - Das Flugfeld - Regie: Tony To (49:41 Min.)

Der Kampf um das Flugfeld auf Peleliu geht weiter. Die Soldaten leiden unter Hitze und Wassermangel. Als die Marines das Flugfeld stürmen, geraten sie unter heftigen Beschuss und können keine Luftunterstützung anfordern, weil das einzige Funkgerät defekt ist. Leckie wird zurückgeschickt. Er soll ein neues Funkgerät besorgen und Sanitäter herbeirufen. Leckie wird jedoch schwer verwundet, als eine Granate neben ihm explodiert. Er wird auf ein Lazarettschiff gebracht und evakuiert - für ihn ist der Krieg vorbei. Nach der verlustreichen Einnahme des Flugfelds wird ein Frontalangriff in voller Regimentsstärke auf die Umurbrogol-Hügel befohlen. Sledge gehört zu einem von Captain Andrew Haldane angeführten Spähtrupp, der die Gegend erkundet. Es wird festgestellt, dass der Höhenzug von den Japanern zu einer wahren Festung ausgebaut worden ist. Ein Frontalangriff wäre Selbstmord. Haldane unterrichtet den Befehlshaber noch rechtzeitig, so dass der Angriffsplan geändert werden kann.

7: Peleliu - Die Hügel - Regie: Tim Van Patten (50:35 Min.)

Nach wochenlangen verlustreichen Kämpfen um die Hügelfestungen auf Peleliu sind die Marines körperlich und geistig am Ende. Die japanischen Verteidiger haben sich in ehemaligen Phosphat-Bergwerken verschanzt und gut ausgerüstete Verstecke in dem weit verzweigten Tunnel- und Höhlensystem eingerichtet. So können sie immer wieder unerwartet angreifen und den Marines in den Rücken fallen. So wird Captain Haldane von einem Scharfschützen erschossen. Der Tod des äußerst beliebten Vorgesetzten versetzt den Männern einen Schock. Angesichts der Kriegsgräuel, die er mit ansehen muss, droht Sledge zu verrohen. Im Oktober 1944 werden Sledge und seine überlebenden Kameraden nach Pavuvu zurückverlegt. Dort tun weibliche Offiziere Dienst, die den traumatisierten Soldaten vorkommen wie Engel...

8: Iwo Jima - Regie: Jeremy Podeswa (56:15 Min.)

Nach einjähriger Tournee durch die USA und mit dem in wenigen Monaten bevorstehenden Dienstzeitende vor Augen kehrt Basilone auf eigenen Wunsch zur kämpfenden Truppe zurück. Er wird Ausbilder in Camp Pendleton, hat dort aber zunächst wenig zu tun, da seine Kompanie nur aus zwei Rekruten besteht. Der Rest trifft erst einige Zeit später ein. Basilone verliebt sich in Lena Riggi, eine Navy-Soldatin, die ebenfalls in Camp Pendleton dient. Er blitzt zwar zunächst ab, gewinnt dann aber doch ihr Herz. Die beiden heiraten, nachdem sich Basilone für eine Verlängerung seiner Dienstzeit entschieden hat, um seine Männer in den ersten Kampfeinsatz begleiten zu können. Basilone landet mit der fünften Marinedivision auf der Insel Iwo Jima, einem wichtigen Sprungbrett für die US-Bomber auf dem Weg zu den japanischen Hauptinseln. Er fällt am 19. Februar 1945, dem ersten Tag des Angriffs, der eine der blutigsten Schlachten des Pazifikkriegs einleitet.

9: Okinawa - Regie: Tim Van Patten (57:46 Min.)

Am 1. April 1945 landen die amerikanischen Streitkräfte auf Okinawa. Die Insel wäre der ideale Ausgangspunkt für eine Invasion des japanischen Mutterlandes. Die Japaner kämpfen nun auf eigenem Boden und wehren sich noch erbitterter als bisher. Es kommt auch zu Opfern unter der Zivilbevölkerung. Die Bewohner der kleinen Dörfer, in deren Gegend sich die japanischen Soldaten verschanzen, können nicht schnell genug von den Schlachtfeldern fliehen oder werden als menschliche Schutzschilde missbraucht. Manche verüben Selbstmordattentate. Nach wochenlangem Stellungskampf im vom ständigen Regen aufgeweichten, von verwesenden Leichen übersäten Gelände, demoralisiert durch den permanenten Beschuss (teilweise sogar durch die eigenen Bomber) und zermürbt von den überraschenden Banzai-Angriffen der Japaner, beginnen Sledge und seine Kameraden durchzudrehen. Sledge verliert jegliches Mitgefühl für die Gegner und wird zur Tötungsmaschine. Erst als er eine sterbende Frau in einer zerbombten Hütte entdeckt, findet er zu sich selbst zurück. Er tötet die Zivilistin nicht, sondern ermöglicht es ihr, in Frieden zu sterben. Erst im Juni enden die Kämpfe. Doch letztlich erweist sich der Sieg als sinnlos, denn die geplante Invasion findet nicht statt - Japan wird durch den Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki zur Kapitulation gezwungen.

10: Heimat - Regie: Jeremy Podeswa (61:02 Min.)

Nach der Kapitulation Japans kehren die Marines nach Hause zurück. Den Eltern und der Witwe Basilones bleibt nur die gemeinsame Trauer. Leckie fasst schnell in seinem alten Job als Sportreporter Fuß und beginnt Vera Keller den Hof zu machen, einer Nachbarin, der er während des gesamten Kriegseinsatzes Briefe geschrieben hat - Briefe, die nie zur Post gegeben wurden und irgendwann verloren gegangen sind. Sledge möchte sich am Alabama Polytechnic Institute (API) einschreiben, aber leider hat er im Krieg außer dem Töten von Japanern nichts gelernt. Außerdem leidet er noch immer unter dem Kriegstrauma. Sein Vater, ein Veteran des Ersten Weltkriegs, hat Verständnis für ihn. So lebt Sledge untätig in den Tag hinein...

Kommentar:

...aber schließlich fängt er sich doch noch. Er wird im API aufgenommen, heiratet und erwirbt 1960 den Doktortitel. Zehn Jahre später ist er Professor am Alabama College. Das alles wird in der Serie aber nicht mehr gezeigt. Sledges Kriegserinnerungen, die er (wie in der Serie immer wieder zu sehen ist) während der Einsätze heimlich in einem Neuen Testament notiert hat, weil das Führen von Tagebüchern an der Front verboten war, veröffentlicht er in dem Buch "With the Old Breed: At Peleliu and Okinawa". Dieses Buch und die von Robert Leckie verfassten Memoiren "Helmet for My Pillow" wurden als Grundlage für diese Fernsehserie herangezogen. John Basilone, die dritte reale Hauptfigur der Serie, hat keine Memoiren geschrieben, aber er und seine Taten sind in den USA allgemein bekannt. So bekannt, dass Schiffe, Gebäude und Straßen nach ihm benannt wurden. Sollte das eine oder andere Detail in dieser Serie nicht hundertprozentig historisch korrekt sein (ich kann es nicht beurteilen), oder wenn manchen Ereignissen breiterer Raum gewährt wird, als es von der geschichtlichen Bedeutung her vielleicht angemessen wäre, dann liegt das daran, dass es sich bei den Episoden nicht um Dokumentarfilme handelt, sondern um die filmische Umsetzung subjektiv geprägter Kriegserinnerungen. Das sollte man sich immer bewusst machen.

Ich weiß nicht, ob ich von mir auf andere schließen kann, aber ich glaube, dass der Pazifikkrieg hierzulande weitgehend unbekannt ist. Unbekannter jedenfalls als die Geschehnisse auf den europäischen Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs. Nachdem letztere in jüngerer Zeit von Steven Spielberg und Tom Hanks sehr erfolgreich im Kinofilm Der Soldat James Ryan und der Fernsehserie Band of Brothers thematisiert wurden, haben sich die beiden Produzenten nun also auch dem mindestens ebenso grausamen und schrecklichen Pazifikkrieg gewidmet. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen! Jede einzelne der zehn Episoden ist kinoreif inszeniert. Die tollen schauspielerischen Leistungen, die bis ins letzte Detail originalgetreue Ausstattung, die aufwendigen Spezialeffekte usw. müssen sich nicht vor aktuellen Big-Budget-Kinoproduktionen verstecken. Eigentlich gehört die Serie sowieso auf die große Leinwand, mindestens aber auf einen großformatigen HD-Fernseher. Es wurde jede nur erdenkliche Anstrengung unternommen, um den Pazifikkrieg möglichst realistisch darzustellen, und das auf ungemein beeindruckende Weise gelungen. Alles wirkt so real und glaubwürdig, als habe jemand die Soldaten wirklich während des Pazifikkrieges mit einer Handkamera begleitet.

Man ist immer mitten im Geschehen, wenn die Marines unter Feuer geraten, sich in ihre Schützenlöcher ducken oder ein Flugfeld stürmen. Das totale Chaos der Angriffe wird geradezu beängstigend echt dargestellt, und dazu gehört auch die explizite Gewaltdarstellung. Kopfschüsse, abgetrennte Gliedmaßen, herausquellende Eingeweide, als Zielscheibe fürs Steinchenwerfen benutzte geborstene Hirnschalen, im Schlamm verwesende Leichen usw. - das alles in einer ab 16 Jahren freigegebenen Serie? Man kann es kaum glauben. Die ungeschnittene Version von "Band of Brothers" hat vor zehn Jahren keine Jugendfreigabe erhalten, enthält aber nicht so heftige Szenen wie "The Pacific". Diese Serie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten recht deutlich von "Band of Brothers". So ist das Kriegsgeschehen viel besser ins "normale Leben" eingebettet. In den Episoden 3 und 10 werden überhaupt keine Kampfeinsätze gezeigt, in Episode 8 kommen sie erst am Schluss hinzu. Stattdessen sieht man, wie die Soldaten während des Krieges und danach mit ihren traumatischen Erlebnissen umgehen usw. - solche ruhigen Zwischenspiele gibt es in "Band of Brothers" fast gar nicht. Weniger gut hat mir gefallen, dass sich "The Pacific" nicht so sehr auf eine Hauptfigur konzentriert. Der Serie fehlt eine starke, von Anfang bis Ende vertretene Identifikationsfigur wie Captain Winters in "Band of Brothers". Es ist zwar nicht schlecht, dass der Krieg aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird, aber irgendwie bin ich mit den drei Hauptfiguren (Basilone, Leckie und Sledge) nicht richtig warm geworden.

Das ist aber wirklich die einzige Schwäche, wenn man es überhaupt als Schwäche bezeichnen kann - vielleicht ist es einfach nur Geschmackssache. Insgesamt würde ich "The Pacific" ganz frech einfach mal als Meisterwerk bezeichnen, und zwar nicht nur wegen der perfekten Schauwerte. Mehr noch als in "Band of Brothers" wird deutlich gemacht, dass der Krieg ein schmutziges Geschäft ist, in dem es nur darauf ankommt, irgendwie zu überleben. Es wird klar, dass es da nur wenig Raum für Heldentum gibt. Obwohl die Serie nicht frei von Pathos ist, wird der Krieg nicht glorifiziert. Im Gegenteil: Vor allem am Beispiel Sledges wird gezeigt, wie schnell selbst (oder gerade) ein intelligenter, sensibler Mann angesichts der unbeschreiblichen Kriegsgräuel und des mit erbitterter Erbarmungslosigkeit geführten Kampfes gegen einen mehr oder weniger gesichtslosen, von der eigenen Propaganda dämonisierten Feind verrohen kann. Gut, Basilone ist ein anderes Thema. Ich dachte erst, dass seine Heldentaten ganz schön übertrieben sind. Irrtum! Der Mann hat genau das, was in der Serie gezeigt wird, wirklich getan. Der ironische Schlenker folgt aber auf den Fuß: Er wird von der Front abgezogen und seine Popularität wird für Propaganda ausgenutzt. Klingt irgendwie nach Captain America...

Blu-ray-Features:

Die Serie an sich ist schon nicht nur packend und ergreifend, sondern auch lehrreich, aber zusammen mit dem Bonusmaterial wird sie fast zum Geschichtsunterricht. Für jede Episode steht ein (auch gesondert abrufbarer) historischer Leitfaden zur Verfügung. Während der gesamten Spieldauer werden Interviews mit Historikern, zeitgenössische Wochenschau-Ausschnitte, Kartenmaterial und vieles mehr via Bild-im-Bild-Modus eingeblendet. Die Einblendungen passen immer genau zu den jeweils gezeigten Geschehnissen der Serie. So kann man den realen Verlauf des Pazifikkrieges sehr genau nachvollziehen. Ein tolles Feature, das es wirklich rechtfertigt, sich jede Folge direkt zweimal hintereinander anzusehen.

Hinzu kommt weiteres Bonusmaterial auf Disc 6. Die "Profile" enthalten Informationen über die realen Vorbilder einiger Protagonisten: Robert Leckie, John Basilone, Eugene Sledge, Sidney Phillips, Romus Valton Burgin und Chuck Tatum. Das sind vor allem Interviews aus verschiedenen Jahren mit diesen Personen, ihren Angehörigen und Freunden sowie anderen Zeitzeugen. Historiker geben ergänzende Kommentare ab. Man bekommt außerdem alte Fotos und historische Filmaufnahmen zu sehen, so z.B. eine Rede Basilones, mit der er Kriegsanleihen anpreist.

Das "Making of" ist eine aus Filmausschnitten, aktuellen Interviews und etwas Hinter-den-Szenen-Material bestehende Featurette, die zwar nicht sehr aussagekräftig ist, aber doch erahnen lässt, welcher Aufwand für die Produktion betrieben wurde. Tom Hanks und Steven Spielberg kommen hier ebenfalls zu Wort. Witzig: Die Schauspieler mussten eine kurze quasi-militärische "Ausbildung" in einem Boot Camp über sich ergehen lassen, um ein Gespür für das Soldatenleben zu bekommen. Ausbilder war Captain Dale Dye - ein Veteran der US-Marines, der schon an unzähligen Filmen und Serien als militärischer Berater mitgewirkt hat.

Zu guter Letzt wird in der Featurette "Anatomie des Pazifikkrieges" genauer auf die Gründe für die besondere Brutalität des Pazifikkrieges eingegangen. Thema ist der Ehrenkodex der japanischen Soldaten, der eine Kapitulation unmöglich machte, und die auf beiden Seiten geführten menschenverachtenden Propagandafeldzüge.

Insgesamt eine tolle Ausstattung für eine geniale Serie!

J. Kreis, 08.02.2012


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