Die fantastische Welt von Oz


Die fantastische Welt von Oz (USA, 2013)
- Oz the Great and Powerful -

Blu-ray, Walt Disney Studios Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 130 Minuten

Extras:
- Walt Disney und der Weg nach Oz (10:13 Min.)
- "Meine Reise durch Oz" von James Franco (21:43 Min.)
- Das Porzellanmädchen: Die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit (5:26 Min.)
- Vor deinen Augen: Von Kansas nach Oz (11:02 Min.)
- Milas Metamorphose (7:43 Min.)
- Mr. Elfmans musikalische Erfindungen (7:13 Min.)
- Pannen vom Dreh (5:06 Min.)

Regie:
Sam Raimi

Hauptdarsteller:
James Franco (Oscar Zoroaster Phadrig Isaac Norman Henkle Emmannuel Ambroise Diggs, genannt "Oz")
Mila Kunis (Theodora)
Michelle Williams (Glinda / Annie)
Rachel Weisz (Evanora)




Story

Oscar Diggs, genannt "Oz", ist Zauberkünstler. Im Jahre 1905 arbeitet mit mäßigem Erfolg in einem Wanderzirkus in Kansas. Doch das ist das Leben, das er sich ausgesucht hat. Er strebt nach Größe und will auf keinen Fall so enden wie sein Vater, der jetzt unter der Erde begraben liegt, die er ein Leben lang beackert hat. Oz ist ein chronisch untreuer Frauenheld. Die einzige Frau, die er wirklich liebt, ist Annie. Er droht sie zu verlieren, weil er glaubt, ihr nicht das Leben bieten zu können, das sie verdient. Eines Tages kommt der Kraftmensch dahinter, dass Oz eine Affäre mit seiner Frau hatte. Oz flieht mit einem Heißluftballon und gerät in einen Tornado. Voller Todesangst schickt Oz ein Stoßgebet zum Himmel und verspricht, ein anderer Mensch zu werden. Der Ballon wird weit in die Ferne getragen und versinkt schließlich in einem See. Eine Tasche mit Zauberer-Zubehör und anderen Utensilien ist alles, was Oz bleibt. Er findet sich in einem unbekannten Land voller Wunder und Magie wieder, wo merkwürdige Wesen leben, ungeahnt prächtige Pflanzen wachsen und Tiere sprechen können. Oz begegnet der freundlichen Hexe Theodora, einer jungen Frau mit buchstäblich feurigem Temperament. Sie erklärt ihm, dass das Land seinen Namen trägt. Sie hält ihn für einen mächtigen Zauberer, der dem Land einer Prophezeiung zufolge Frieden bringen wird. Die Prophezeiung stammt vom früheren König, der von einer bösen Hexe vergiftet wurde. Oz soll dessen Platz einnehmen. Auf dem Weg zum Königssitz, der Smaragdstadt, rettet Oz den sprechenden geflügelten Affen Finley vor einem Löwen und gewinnt somit einen treuen Diener, der fortan die Tasche schleppen darf. Nur ihm gesteht Oz, dass er gar kein Zauberer ist. Oz umgarnt die schöne Theodora. Sie verliebt sich in ihn und freut sich schon darauf, bald zu seiner Königin zu werden.

Dabei hat Theodoras Schwester Evanora noch ein Wörtchen mitzureden. Sie behauptet, ihre Aufgabe sei es, den vakanten Thron zu hüten. Oz müsse erst beweisen, dass er derjenige ist, für den Theodora ihn hält. Er soll die böse Hexe töten. Als zusätzlichen Anreiz führt Evanora den staunenden Zauberkünstler in die mit Gold und Juwelen gefüllte Schatzkammer. Da es angeblich ausreicht, den Zauberstab der bösen Hexe zu zerbrechen, um diese umzubringen, willigt Oz ein. Unterwegs zum Düsterwald, in dem die Hexe zu finden ist, kommen Oz und Finley in die Porzellanstadt. Dort finden sie ein Porzellanmädchen, dessen zerbrochene Beine Oz mit flüssiger Magie (Sekundenkleber) heilt, womit er das absolute Vertrauen des anhänglichen kleinen Geschöpfs gewinnt. Geflügelte Riesenpaviane, so berichtet die lebende Puppe, haben die Stadt zerstört und die Einwohner getötet, weil diese es gewagt haben, die Ankunft des Zauberers zu feiern. Zu dritt geht die Reise weiter. Die Gefährten finden die böse Hexe und bringen ihren Zauberstab an sich. Doch es stellt sich heraus, dass Oz getäuscht wurde. Die angeblich böse Hexe ist Glinda (Annies Ebenbild), die gute Hexe des Südens und Tochter des ermordeten Königs. Evanora ist die wahre böse Hexe! Davon hat Theodora allerdings keine Ahnung. Deshalb glaubt sie ihrer Schwester, als diese behauptet, Oz habe ihr und Glinda ebenfalls Avancen gemacht. Theodoras Herz bricht. Sie bittet Evanora, den Schmerz verschwinden zu lassen. Dazu ist ihre Schwester nur zu gern bereit. Ein einziger Bissen von einem magischen Apfel genügt und Theodora Herz verkümmert. Sie verwandelt sich in eine abscheuliche grünhäutige Kreatur voller Hass, die nun gemeinsam mit Evanora gegen Glinda und Oz zu Felde zieht.

Glinda bringt Oz und dessen Begleiter in ihrem eigenen Reich in Sicherheit. Ihr ist klar, dass Oz nicht der Zauberer ist, auf den das Volk so lange gewartet hat. Dennoch hat seine Ankunft die braven Quadlings, Tinker und Munchkins (wie auch die rechtschaffenen Bewohner der Smaragdstadt) mit neuer Hoffnung erfüllt. Glinda glaubt, Oz könne die bösen Hexen auch ohne magische Kräfte besiegen. Das sieht Oz zunächst anders, zumal es Theodora gelingt, den magischen Schutzwall von Glindas Stadt zu durchbrechen und ihre Macht zu demonstrieren. Doch dann kommt er auf die Idee, seine wahre Begabung als Illusionist einzusetzen und die Technik seiner eigenen Welt zu nutzen. Durch eine geschickte Täuschung wird Evanoras Armee fliegender Paviane ins Mohnblumenfeld vor den Toren der Smaragdstadt gelockt und somit unschädlich gemacht, denn wer den Duft der Blumen einatmet, verfällt in ewigen Schlaf. Während sich Oz und einige Getreue in die Stadt schmuggeln, fällt Glinda den bösen Hexen in die Hände. Sie soll öffentlich hingerichtet werden. Dabei zeigt sich, dass die aufgebrachte Stadtbevölkerung kaum noch von den Soldaten im Zaum gehalten werden kann. Oz lässt es so aussehen, als wolle er mit einem neuen Heißluftballon fliehen. Erwartungsgemäß schießt Theodora das Fluggerät mit einem Feuerball ab. Zum Entsetzen der Hexen erscheint das für magische Attacken völlig unempfindliche gigantische Gesicht des Zauberers im Qualm über den Trümmern und stößt finstere Drohungen aus. Oz ist allerdings nicht als unsterblicher Geist von den Toten auferstanden; die gewünschten Spezialeffekte werden durch einen von den Tinkern erbauten Kinematographen, Lautsprecher und eine Rauchmaschine erzeugt. Oz stellt seine Macht unter Beweis, indem er die Sterne tanzen lässt (Feuerwerk ist ebenfalls eine im Lande Oz unbekannte Technik). Das ist zuviel für die Hexen - auch sie sind jetzt davon überzeugt, dass Oz ein großer und mächtiger Zauberer ist.

Unbemerkt bringt das Porzellanmädchen Glindas Zauberstab in die Stadt, so dass sich die gute Hexe befreien kann. Während Theodora aus der Stadt flieht, sucht Evanora Zuflucht im Königspalast. Dort wartet schon Glinda auf sie. Es kommt zum Zweikampf der Hexen. Dabei zerbricht Evanoras magisches Amulett, aus dem sie einen Großteil ihrer Kraft bezieht. Sie verwandelt sich in eine noch hässlichere Gestalt als Theodora und wird von Glinda für immer verbannt. Nun könnte Oz auf dem Königsthron Platz nehmen. Um die Legende vom unbesiegbaren körperlosen Zauberer aufrecht zu erhalten, macht er das aber nicht selbst. Stattdessen wird sein "Geisterkopf" über den Thron projiziert, wenn ein Besucher kommt. Nur Glinda und einige wenige Getreue kennen das Geheimnis. Seinen engsten Freunden überreicht Oz zum Dank für ihre Hilfe Geschenke, mit denen er ihre sehnlichsten Wünsche erfüllt. Glindas Geschenk ist ein Kuss.


Kringels Meinung

In "Die fantastische Welt von Oz" wird die Vorgeschichte zu Der Zauberer von Oz erzählt, einem Film aus dem Jahre 1939, der auf dem gleichnamigen Roman von Lyman Frank Baum basiert. Teile der hier gezeigten Vorgeschichte werden in den Folgeromanen erzählt. Ich kenne die Romane nicht, deshalb kann ich nicht beurteilen, wie werkgetreu die Verfilmung ist. Sie passt jedoch trotz moderner Tricktechnik ganz vorzüglich zu dem viele Jahrzehnte alten und längst in die populäre Kultur eingegangenen Film mit Judy Garland als Dorothy Gale, denn sie bleibt dessen Geist treu. Man könnte sogar von einer Hommage sprechen. Das fängt schon mit der optischen und akustischen Trennung zwischen realer Welt und Märchenland an. Genau wie in Victor Flemings Film ist der Anfang in Schwarzweiß gehalten, das Bildformat ist klein. Ton: Mono. Sobald Oscar in Oz angekommen ist, verbreitert sich das Bild und es kommen Surround-Sound sowie Farbe ins Spiel - viel Farbe! Der dadurch erzielte Effekt muss im Kino bei der 3D-Fassung noch viel besser rübergekommen sein als auf dem heimischen Fernsehschirm. Gleichzeitig erinnert der kunterbunte, im positiven Sinne überladene Look der Welt von Oz irgendwie an Disney-Zeichentrickfilme, überschreitet die Grenze zur Kitschigkeit auch manchmal, passt aber stets zu der märchenhaften Handlung. Der Filmtitel verspricht nicht zuviel: Der Zuschauer wird in eine wahrhaft fantastische Welt entführt.

So wie Dorothy in Oz den Alter Egos von Personen aus ihrem Umfeld in der realen Welt begegnet, ergeht es auch Oscar. Glinda ist Annie, Finley ist sein Assistent, das Porzellanmädchen ist ein gelähmtes Kind, das er nicht heilen konnte. Während sich Dorothy aus ihrem tristen Dasein in Kansas wegwünscht, nur um dann zu erkennen, dass es zu Hause doch am schönsten ist, wächst Oscar erst im Lande Oz über sich hinaus, nachdem er begriffen hat, dass seine Schwächen eigentlich seine Stärken sind. Dorothy hat ihre Erlebnisse in Oz möglicherweise nur geträumt. Träumt Oscar ebenfalls oder hat er womöglich eine besonders realistische Nahtoderfahrung beim Katastrophenflug mit dem Ballon? Hat Annie ihren Verehrer John Gale geheiratet? Dann könnte sie glatt Dorothys Mutter sein... Auch sonst finden sich unzählige Anspielungen auf "Der Zauberer von Oz", etwa die Tatsache, dass Theodora schon in menschlicher Form kein Wasser verträgt (ihre Tränen brennen Spuren ins Gesicht). Finley wird von einem Löwen angegriffen, der so feige ist, dass er sich problemlos von Oscar vertreiben lässt. Das dürfte derselbe Löwe sein, der sich in "Der Zauberer von Oz" Mut wünscht. Für den Kampf gegen die Hexen bauen die Tinker mechanische Vogelscheuchen - eine Mischung aus Dorothys anderen beiden Begleitern?

Jedenfalls versprüht "Die fantastische Welt von Oz" mindestens ebenso viel naiven Charme wie der alte Film, was sicherlich nicht zuletzt an den fantasievollen, prächtigen, mit liebevoll designten Details nur so vollgestopften Szenenbildern und Kostümen liegt. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass die wichtigsten Umgebungen (Thronraum in Oz, Glindas Stadt u.a.) wirklich gebaut wurden und nicht etwa am Computer entstanden sind. Mein heimlicher Liebling bei den Hauptpersonen ist zwar das Porzellanmädchen. Sie ist eine der glaubwürdigsten und sympathischsten Kunstfiguren, die ich je in Filmen gesehen habe - gerade weil nicht versucht wurde, sie hundertprozentig menschlich aussehen zu lassen. Aber James Franco schießt denn doch den Vogel ab. Dass Oz kein echter Zauberer ist, sondern ein Illusionist, der mit Tricks und Täuschungen arbeitet, ist ja keine Erfindung dieses Films. Franco spielt diesen zu Beginn etwas zwielichtigen Aufschneider, der erst allmählich erkennt, was wahre Größe ist, mit genau der richtigen Mischung aus Charme, Herz und übertriebener Großspurigkeit. Selbst die böse Hexe des Westens wird sympathisch, denn jetzt wissen wir, wie sie zu der gefühllosen Kreatur geworden ist, die schließlich von Dorothy vernichtet wird: Sie hat die Schmerzen ihres gebrochenen Herzens nicht mehr ertragen. "Die fantastische Welt von Oz" ist ein humorvoller, warmherziger Film für die ganze Familie. Und wenn die große Schlacht am Ende nicht mit Waffen oder Zauberkräften gewonnen wird, sondern mit der Magie des Kinos, dann ist das für Filmfans doppelt schön!


Blu-ray-Features

In "Walt Disney und der Weg nach Oz" wird erzählt, warum es zu Walt Disneys Lebzeiten nicht zu einer Oz-Realverfilmung gekommen ist. Er hatte eine solche geplant und es sind sogar Szenen gedreht worden, einzelne sind in der Featurette zu sehen. Die "Mouseketeers", Kinder aus dem Mickey Mouse Club, spielen dabei mit. Disney war aber anscheinend ganz und gar nicht zufrieden mit dem Ergebnis, und somit war das Projekt gestorben. Außerdem war geplant, Figuren aus den Oz-Geschichten in Disneyland zu integrieren, aber auch dazu ist es damals nicht gekommen. Neben recht umfangreichem Film- und Bildmaterial aus der damaligen Zeit sind aktuelle Inverviews mit Filmhistorikern enthalten.

Das übrige Bonusmaterial enthält die sattsam bekannte Mischung aus Interviews, Hinter-den-Szenen-Material und Filmausschnitten. Regisseur, Produktionsteam und Schauspieler erzählen von ihrer Arbeit und es wird ein wenig herumgealbert. In "Meine Reise durch Oz" wird das Ganze aus der Sicht von James Franco präsentiert. Eine Featurette beschäftigt sich mit dem Porzellanmädchen. Ich war überrascht zu sehen, dass für die Dreharbeiten eine Marionette verwendet wurde, mit der die Schauspieler interagieren konnten. Die Marionette wurde später anscheinend zumindest teilweise durch eine CGI-Figur ersetzt. "Milas Metamorphose" lässt erkennen, wie lange die Schauspielerin für die Maskenbildner stillsitzen musste. Mila Kunis erzählt, sie habe früher nur die russische Version von "Der Zauberer von Oz" gekannt (sie stammt aus der Ukraine). Mich würde mal interessieren, ob das eine Übersetzung des Buches von Frank L. Baum war, oder ob Mila Kunis die Nachdichtung von Alexander Wolkow gelesen hat. Dann ist es ihr vielleicht wie mir gegangen und sie hat "Der Zauberer der Smaragdenstadt" für das Original gehalten!


J. Kreis, 23.07.2015




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