Operation Ganymed


Operation Ganymed (D, 1977)

DVD Regionalcode 2, EuroVideo
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 118 Min.

Extras:
Keine

Regie:
Rainer Erler

Hauptdarsteller:
Horst Frank (Mackerrow)
Jürgen Prochnow (Ossokin)
Claus Theo Gärtner (Douglas)
Uwe Friedrichsen (Stevenson)
Dieter Laser (Donjon)




Story

Operation Ganymed, das ehrgeizigste Projekt in der Geschichte der Raumfahrt, ist als Mission für Frieden, Freundschaft und Völkerverständigung gedacht. Astronauten der NASA und der ESA sowie Kosmonauten der russischen Raumfahrtbehörde starten mit drei Raumfahrzeugen zu einem mehrjährigen Flug. Ziel ist eine Landung auf dem Jupitermond Ganymed. Beim Vorbeiflug am Jupiter kommt es zu einer Katastrope. Die Funkverbindung zwischen den Raumschiffen und der Missionskontrolle bricht ab. Sie kann nicht wieder hergestellt werden. Nach sechs Monaten geht man davon aus, dass alle 21 Raumfahrer ums Leben gekommen sind. Es werden keine weiteren Mittel für Raumfahrtprojekte bereitgestellt. Tatsächlich sind zwei Schiffe in der Atmosphäre des Riesenplaneten verglüht. Ganymed II hat das Swing-by-Manöver jedoch mit beschädigten Funkantennen überstanden und kehrt nach einer Gesamtflugzeit von viereinhalb Jahren zurück. Das Schiff geht planmäßig in die Erdumlaufbahn, aber die Raumstation L1 erscheint ebenso wenig auf dem Radar wie die Landefähre, in die die Astronauten zur Landung umsteigen sollten. Dennoch ordnet Kommandant Mackerrow ("Mac") die Abkopplung des Atomreaktors an. Batteriestrom und Sauerstoff reichen jetzt nur noch für ungefähr einen Tag. Niemand reagiert auf die Funkrufe der Ganymed II. Den Männern bleibt schließlich nichts anderes übrig, als die Landung mit dem hierfür eigentlich nicht vorgesehenen Kommandomodul zu wagen.

Die Kapsel geht wohlbehalten im Ozean nieder. Mac und seine vier Kameraden erreichen das Festland mit einer aufblasbaren Rettungsinsel. Sie befinden sich mitten in einer scheinbar endlosen Geröllwüste. Die Astronauten marschieren nach Norden. Sie bleiben in der Nähe der Küste, um Meerwasser entsalzen zu können, denn ihre Vorräte sind begrenzt. Es stellt sich allerdings schnell heraus, dass auf diese Weise nicht genug Wasser für alle gesammelt werden kann. Außerdem gehen die Notrationen zur Neige. Nach langem strapaziösem Marsch finden die Männer ein Dorf. Die Häuser stehen offenbar seit Jahren leer. In einer Zisterne befindet sich verschmutztes Wasser. Jetzt wären die Dekontaminierungstabletten nützlich, welche sich in der Bordapotheke befinden müssten, die Exobiologe Donjon ("Don") mit sich herumschleppt. Don hat den Behälter jedoch benutzt, um befehlswidrig mehrere Boden- und Wasserproben ins Kommandomodul zu schmuggeln, die auf Ganymed gesammelt worden sind. Don hatte die Verantwortung für diese Aktion und dabei sind zwei Besatzungsmitglieder der Ganymed II umgekommen. Schon deshalb sind ihm die Proben wichtig, vor allem aber beweisen sie, dass es auf Ganymed Leben gibt. Somit müssen die Männer weiter darben. Zumindest erfahren sie jetzt, wo sie sind. Sie finden eine Karte, der zufolge sich das Dorf in Mexiko unweit der Straße nach San Diego befindet. Von neuer Hoffnung erfüllt setzen die Astronauten den Marsch fort.

Als die von Hitze, Wassermangel und Hunger zermürbten Männer die Straße erreichen, müssen sie feststellen, dass dort schon seit sehr langer Zeit kein Auto mehr gefahren ist. Die Straße ist völlig versandet. In der Nähe steht ein Flugzeugwrack. Angesichts all dieser Geschehnisse wächst im Kosmonauten Ossokin ("Oss") ein schrecklicher Verdacht. Er glaubt, auf der Erde sei es zu einem Atomkrieg gekommen und man marschiere seit Tagen durch radioaktiv verseuchtes Gebiet. Als er das seinen Kameraden mitteilt, dreht der Astronaut Douglas ("Doug") durch und erschlägt den Russen. Mac tötet Doug mit einer Signalpistole. In der Nacht verzehrt der Astronaut Stevenson ("Steve") Teile der Leichen von Doug und Oss. Er flieht in die Wüste, als Don und Mac dahinterkommen, was er getan hat. Am nächsten Tag finden die beiden Steves Leiche in der Wüste. Mac stirbt wenig später. Don schleppt sich halluzinierend weiter durch die Einöde. Irgendwann lässt er den Behälter mit den Proben fallen. Mit letzter Kraft erreicht er eine dicht bevölkerte Hafenstadt.


Kringels Meinung

"Operation Ganymed" wurde ursprünglich fürs Fernsehen produziert, ist ein paar Jahre nach der Erstausstrahlung aber auch in den Kinos gezeigt worden. Schade, dass sich niemand die Mühe gemacht hat, diese kleine Perle digital zu restaurieren. Die Bildqualität der DVD ist nicht gerade berauschend. Ich hatte zeitweise das Gefühl, ein VHS-Video zu sehen! Das liegt nur zum Teil daran, dass ziemlich viel altes Archivmaterial eingebaut wurde, zum Beispiel von einer UNO-Vollversammlung und von verschiedenen realen Weltraummissionen. Auch dem restlichen Film hätte eine Überarbeitung gut getan. Verschmutzungen, Drop-outs und andere Fehler trüben allenthalben den Genuss.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich "Operation Ganymed" - etwas aufgehübscht und in den geradezu grottigen Szenen, die auf Ganymed spielen sollen, mit neuen Spezialeffekten versehen - auch heute noch gut im Kino machen würde! Zumal der Film so ganz anders ist als die bunten Superheldenfilme, Weltraummärchen und sonstigen Effektspektakel unserer Zeit, bei denen die erste Hälfte der Genrebezeichnung "Science Fiction" sehr klein geschrieben werden muss. Was hier gezeigt wird, ist von der ersten bis zur letzten Minute glaubwürdig. Wenn die Astronauten während der ersten halben Stunde in ihrem engen Raumfahrzeug sitzen, die letzten Checks und Handgriffe vor der geplanten Abholung durchführen und sich beim Anblick der Erde jubelnd in den Armen liegen, könnte man wirklich glauben, es sei in einem echten Raumfahrzeug gedreht worden. Die technischen Einrichtungen wirken schon deshalb glaubwürdig, weil sie so stark mitgenommen wirken, wie sie nach jahrelangem Flug aussehen müssen. Hier und da wurde etwas behelfsmäßig zusammengeflickt, Notizen wurden an die Anzeigen geklebt oder drübergeschrieben, in Kommandokapsel und Labormodul kann man sich kaum bewegen - genau so ergeht es ja auch unseren realen Raumfahrern. Durch den geschickten Einsatz eines drehbaren Raumes und anderer Tricks wird obendrein der Eindruck von Schwerelosigkeit erzeugt. Natürlich können sich die Effekte nicht mit Hollywood-Großproduktionen messen, aber sie erfüllen ihren Zweck.

Nach der Landung auf der Erde ist sogar noch weniger Aufwand zur Schaffung einer realistischen, sehr düsteren Atmosphäre nötig. Schließlich schleppen sich die fünf Männer sehr lange durch eine lebensfeindliche Geröllwüste, bevor sie das verlassene Dorf erreichen. Man musste also nur einen geeigneten Drehort finden (laut IMDb wurde auf den Kanarischen Inseln gedreht). In dieser Phase sind es die herausragenden Schauspieler, allen voran Horst Frank, denen es zu verdanken ist, dass sich keine Langeweile einschleicht. Man nimmt ihnen die Qualen der dehydrierten, ausgepumpten und zunehmend verzweifelten Astronauten jederzeit ab. Allmählich geht der Zusammenhalt in der Gruppe verloren. Anfangs hält der unbeirrbare Mac die Disziplin aufrecht, doch irgendwann bricht auch er zusammen. Es endet in Wahnsinn, Mord und Kannibalismus. Allerdings steht Mac gar nicht so sehr im Mittelpunkt, sondern Don. Seine Halluzinationen vermischen sich mit Rückblicken in die Zeit vor Beginn der Operation Ganymed und nach der Landung auf dem Mond. So hat er immer wieder Visionen von einer jungen Frau, deren Bild in einem Trainingsraum zu sehen ist, vom Tod der beiden Besatzungsmitglieder und von Willkommensparaden für die Astronatuen auf der Erde. So bleibt am Ende unklar, ob er die Hafenstadt wirklich erreicht oder sich das auch nur einbildet. Möglicherweise hat sich die Menschheit wirklich wie von Oss vermutet in einem Atomkrieg ausgelöscht. In jedem Fall waren alle Anstrengungen vergebens, denn die Proben vom Ganymed, für deren Beschaffung insgesamt 23 Raumfahrer gestorben sind, werden achtlos in der Wüste zurückgelassen.

"Operation Ganymed" ist keine leichte Kost, jedenfalls dann nicht, wenn man actionreiche Unterhaltung wünscht. Das wird hier nicht geboten, dafür düstere, ernsthafte Science Fiction mit Tiefgang.


Screenshots


Operation Ganymed

Kommandant Mackerrow


Operation Ganymed

Kosmonaut Ossokin


Operation Ganymed

Die Astronauten Donjon, Stevenson und Matula - Pardon - Douglas


J. Kreis, 21.12.2016




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