Oblivion


Oblivion (USA, 2013)

Blu-ray, Universal
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 125 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- M83 Isolated Score
- Deleted Scenes (4:25 Min.)
- Promise of a new World: The Making of Oblivion (48:13 Min.)

Regie:
Joseph Kosinski

Hauptdarsteller:
Tom Cruise (Jack Harper)
Olga Kurylenko (Julia Rusakova)
Andrea Riseborough (Victoria Olsen)
Morgan Freeman (Malcolm Beech)
Melissa Leo (Sally)




Story

Im Jahre 2017 wird die Menschheit von Außerirdischen überfallen, den Scavengers (Plünderer). Sie zerstören den Mond, was zu schrecklichen Erdbeben und Überschwemmungen auf der Erde führt, dann greifen sie mit Invasionstruppen an. Die Menschen wehren sich mit Atomwaffen, wodurch sie den Krieg gewinnen, aber ihre Heimat verlieren, denn die Erde ist nun unbewohnbar. Die Überlebenden bereiten die Auswanderung zum Saturnmond Titan vor. Zwischenstation ist die gigantische Raumbasis Tet im Erdorbit. Von dort aus soll die Reise weitergehen, sobald genug Ressourcen gesammelt wurden. Riesige Fusionsgeneratoren wandeln zu diesem Zweck das Meerwasser um. Sechzig Jahre nach dem Krieg ist die Erde praktisch menschenleer. Nur ein aus Jack Harper und Victoria (Vika) Olsen bestehendes Team, dem die Instandhaltung der Fusionsgeneratoren sowie der schwer bewaffneten Robot-Wächterdrohnen obliegt, lebt noch dort. Die beiden können sich nur innerhalb eines abgegrenzten Bereichs rund um ihren Wohnturm bewegen, denn überall sonst herrscht tödliche Strahlung. Sie kommunizieren ausschließlich mit Sally aus der Leitstelle im Tet, von der sie gleichzeitig überwacht werden. Die Scavs wurden nicht völlig ausgerottet oder vertrieben. Einige von ihnen befinden sich noch auf der Erde. Sie führen immer wieder Anschläge auf Generatoren und Drohnen aus, deren Energiezellen sie stehlen. Damit Jack und Vika im Falle einer Gefangennahme durch die Scavs keine Geheimnisse verraten können, wird ihr Gedächtnis zu Beginn ihrer mehrjährigen Schicht gelöscht. Im Jahre 2077 steht das Ende ihrer Mission kurz bevor, die endgültige Abreise aller Menschen zum Titan soll in zwei Wochen erfolgen. Bis dahin leben Jack und Vika abgeschieden im Sky Tower 49. Jack ist Techniker. Er inspiziert die Generatoren und Drohnen mit seinem Senkrechtstarter, während Vika als Kommunikationsoffizier die Ziele vorgibt, die Umgebung per Satellitenkamera beobachtet und bei Sally notfalls Kampfdrohnen als Verstärkung anfordert.

Im Gegensatz zu Vika, die immer streng nach Vorschrift handelt und sich nichts sehnlicher wünscht, als den Planeten zu verlassen, betrachtet Jack die Erde immer noch als seine Heimat. Manchmal erlaubt er sich Extratouren, bei denen er aus Vikas Ortung verschwindet. Er hat vor einiger Zeit ein verstecktes Tal entdeckt, dessen Existenz er für sich behält. Dort ist die Natur noch völlig intakt. Es gibt Wälder, Wiesen und einen See, an dessen Ufer Jack eine Hütte errichtet hat. Dort hortet er Bücher, Schallplatten und alle möglichen anderen Relikte der alten Welt, die er bei seinen Inspektionsflügen sammelt. Jack träumt oft von einer Zeit vor dem Krieg, die er nicht selbst erlebt haben kann. In den Träumen begegnet er stets einer unbekannten Frau. Trotz der Gedächtnislöschung sind diese Träume für Jack eher Erinnerungen. Eines Tages wird Jack von den Scavs in eine Falle gelockt, der er nur knapp entkommt. Ihm wird klar, dass die Außerirdischen ihn nicht töten, sondern gefangen nehmen wollten. Am nächsten Morgen sprengen die Scavs einen Generator und schicken ein Peilsignal ins All. Jack schaltet den Sender aus, doch schon kurz danach beobachtet er den Absturz des Raumschiffes Odyssey. Es war seit sechzig Jahren in der Erdumlaufbahn und ist dem Peilsignal gefolgt. Befehlswidrig untersucht Jack die Trümmer und entdeckt mehrere intakte Kälteschlafkapseln mit Menschen - eine davon ist die Frau, von der er immer geträumt hat. Der Name der Frau steht auf der Kapsel, er lautet Julia Rusakova. Eine Drohne erscheint und zerstört die Kapseln. Jack kann nur Julia retten und zum Tower bringen. Zu seiner Überraschung (und zum Missvergnügen der eiferesüchtigen Vika) erkennt Julia Jack sofort, als sie erwacht. Nachdem sich Julia erholt hat, bringt sie Jack dazu, ihr bei der Bergung des Flugschreibers der Odyssey zu helfen. Dabei werden die beiden von Scavs gefangen genommen und in einen Bunkerkomplex gebracht.

Nun wird Jacks Weltbild auf den Kopf gestellt. Die Scavs sind keine Außerirdischen, sondern Menschen, die sich mit Stealth-Rüstungen und bizarr geformter Ausrüstung tarnen, um die Drohnen zu verwirren, denn von diesen werden sie erbarmungslos gejagt. Malcolm Beech, Oberhaupt der "Scavs", bittet Jack um Hilfe. Jack soll eine Drohne umprogrammieren, die den "Scavs" in die Hände gefallen ist, damit diese die gestohlenen Energiezellen und den Plutoniumreaktor der Odyssey ins Tet tragen und dort zur Explosion bringen kann. Beech will Jack nicht einfach sagen, warum das Tet vernichtet werden muss, denn Jack würde die Hintergründe nicht glauben. Beech lässt Jack und Julia deshalb laufen und behauptet lediglich, Jack könne die Wahrheit erfahren, wenn er sich in eine der angeblich verstrahlten Zonen begibt. Auf dem Rückweg zum Tower erfährt Jack, dass Julia seine Verlobte ist. Sie und Jack waren vor 60 Jahren mit dem Raumschiff Odyssey unterwegs zum Saturn und sind einem außerirdischen Schiff begegnet - dem Tet. Vika lässt die beiden nicht in den Tower. Als sich Sally meldet, sagt Vika, dass sie und Jack kein Team mehr sind. Daraufhin erscheint eine Drohne und tötet Vika. Julia vernichtet die Drohne mit den Waffen des Senkrechtstarters. Sally meldet sich und gibt Jack einen neuen Auftrag. Er soll Julia ins Tet bringen. Jack und Julia fliehen vor weiteren Drohnen in eine verbotene Zone. Zwei Drohnen werden vernichtet, die dritte wird schwer beschädigt. In der verbotenen Zone existiert keine Strahlung, doch der Senkrechtstarter deaktiviert sich automatisch und stürzt in der Nähe der ebenfalls niedergegangenen letzten Drohne ab. Es dauert nicht lange, bis ein Techniker auftaucht, der sich um die Drohne kümmert. Jack will ihn davon abhalten, den Kampfroboter zu aktivieren, und steht sich selbst gegenüber! Er überwältigt und fesselt den anderen Jack, doch dabei wird Julia angeschossen.

Jack fliegt mit dem Senkrechtstarter des anderen Jack zu dessen Basis, Tower Nr. 52. Dort verrichtet auch eine andere Version von Vika ihren Dienst. Sie schöpft keinen Verdacht, als Jack ein Medkit holt. Nachdem Julia wieder wohlauf ist, fliegt Jack mit ihr zum versteckten Tal. Dort verbringen sie die Nacht zusammen, bevor sie zu Beech zurückkehren. Jack hat inzwischen begriffen, dass er ein Klon des echten Jack Harper ist. Beech berichtet, dass der originale Jack vor 60 Jahren Commander der Odyssey war. Er und Vika waren die ersten Astronauten, die aus dem Kälteschlaf erweckt wurden, als die Odyssey dem Tet begegnete. Durch die Aufzeichnung des Flugschreibers wird später klar, dass Jack das Modul mit den anderen Schlafkapseln abgekoppelt hat, weil die Odyssey praktisch vom Tet verschluckt wurde. Einige Zeit danach, so berichtet Beech, sind abertausende Jack-Harper-Klone als seelenlose Kämpfer auf der Erde abgeladen worden. In Wahrheit haben nicht die Menschen den Krieg gewonnen, sondern das Tet, und seitdem zapft es Wasser aus den Weltmeeren ab, um sich selbst mit Energie zu versorgen. Natürlich gibt es auch keine menschliche Kolonie auf Titan. Nach der Invasion wurde Phase zwei mit Techniker-Teams eingeleitet. Eines Tags konnte Beech beobachten, dass sich Tech-49 für die Vergangenheit interessierte. Somit wurde dieser Klon für Beech interessant. Jetzt hat Beech sein Ziel erreicht: Etwas vom ursprünglichen Jack Harper ist in seinen Klonen noch lebendig, und mit Julias Hilfe ist es erwacht. Jack programmiert die Drohne, doch das Tet hat das Versteck der Menschen aufgespürt. Drei Drohnen dringen in den Bunker ein und können nur unter großen Verlusten zerstört werden. Die gekaperte Drohne wird im Feuergefecht beschädigt und kann nicht mehr starten. Beech wurde schwer verwundet.

Jetzt gibt es nur noch eine Möglichkeit, die Bombe ins Tet zu schmuggeln. Jack muss Julia weisungsgemäß mit dem Senkrechtstarter dorthin bringen. Allerdings täuscht Jack nicht nur das Tet, sondern auch Julia. Er wechselt sie gegen Beech aus, nachdem sie schon in Tiefschlaf gefallen ist, und bringt sie ins versteckte Tal. Das Tet - in Wahrheit ein gewaltiger intelligenter Computer - lässt Jack passieren. Im Herzen des Tet zünden Jack und Beech die Bombe. Als das Tet vernichtet wird, werden automatisch sämtliche Drohnen deaktiviert, so dass sich die Überlebenden ungehindert auf der Erde bewegen und den Bunker verlassen können. Drei Jahre später erreichen sie das versteckte Tal. Dort hat Julia inzwischen eine Tochter zur Welt gebracht. Tech-52 ist einer der Neuankömmlinge.

Kringels Meinung

Man kann zwar keine Regel daraus machen, aber oft stimmt es: Je länger die Handlungszusammenfassung ist, desto besser hat mir der Film gefallen. Und je besser mir ein Film gefallen hat, desto kürzer wird der Kommentar, denn es fällt mir leichter zu erklären, warum mir ein Film nicht gefallen hat, als einen Film zu loben. So auch im Falle von "Oblivion". Der gefällt mir schon deshalb, weil Science-Fiction-Filme vergleichsweise selten sind. Man kann natürlich viele der seit einigen Jahren äußerst beliebten Comic-Umsetzungen sowie Zombie-Horrorfilme und ähnliche Endzeitszenarien als zum SF-Genre gehörend betrachten, schließlich sind meist genug Elemente der Phantastik enthalten. Aber "richtige" SF, so ganz ohne Superhelden, Untote und dergleichen? Da muss man schon ein wenig suchen. Umso schöner finde ich es, dass es doch immer wieder Filme gibt, die sich vom üblichen "Superheld entdeckt seine Kräfte / muss die Welt vor Superschurken retten" oder "Virus verwandelt Menschen in tobsüchtige Bestien / die Zivilisation bricht zusammen" - Handlungsschema abheben.

Der Weltuntergang hat in "Oblivion" bereits stattgefunden, Jack berichtet im Eröffnungs-Monolog darüber. Das kann man ebenso wenig als neue Idee bezeichnen wie die Invasion durch Außerirdische. Der Clou besteht darin, dass der Zuschauer ebenso wie Jack anfangs von völlig falschen Voraussetzungen ausgeht. Jack hat die wahre Bedrohung die ganze Zeit vor Augen und ahnt nicht, dass er sogar Teil dieser Bedrohung ist. Die Wahrheit erschließt sich nur langsam, und dem Zuschauer stellen sich interessante Fragen. Lassen sich Erinnerungen "vererben"? Ist ein Klon derselbe Mensch wie das Original - oder wenigstens derselbe Mensch wie ein anderer Klon desselben Originals? Wodurch gewinnt der Jack-Klon Individualität? Durch Erinnerungen, die eigentlich nicht seine eigenen sind? Wenn in ihm quasi der Original-Jack erwacht - verliert der Klon dadurch nicht vielmehr seine Eigenständigkeit? Philip K. Dick hätte am Drehbuch wahrscheinlich seine Freude gehabt, an der filmischen Umsetzung vielleicht nur bedingt. Denn diese Fragen werden zwar angedeutet, aber nicht weiter ausgearbeitet. So sympathisch Tom Cruise rüberkommen mag, so wenig schafft er es, der Figur Tiefe zu verleihen. Das ist nicht weiter schlimm, spannend ist der Film auch so, aber ich frage mich, was jemand wie Sam Rockwell (siehe Moon) oder Jake Gyllenhaal (Souce Code) aus der Rolle gemacht hätte! Ein kleines Glanzlicht ist dagegen Andrea Riseborough, der man die übervorsichtige Befehlsempfängerin, die die Wahrheit gar nicht kennen will, jederzeit abnimmt. Ich hätte übrigens gern erfahren, was aus Vika Nr. 52 geworden ist. Oder aus Vika und Jack Nr. 1 bis 48, 50 und 51...

Jedenfalls beleidigt die Story nicht die Intelligenz des Zuschauers, außerdem ist sie angesichts der atemberaubenden Spezialeffekte fast schon wieder zweitrangig. Ich bilde mir ein, nicht zu denen gehören, die sich durch bombastische Schauwerte blenden lassen. Aber wenn Production Design, CGI usw. in jeder Hinsicht derart perfekt sind wie in "Oblivion", dann schleicht sich doch ein sehr breites Grinsen in mein Gesicht. Die Luftaufnahmen der zerstörten Erde mit den fast vollständig im Boden versunkenen Städten, die gigantischen Generatoren im Meer, Jacks ebenso cooler wie futuristischer Senkrechtstarter, die ungemein bedrohlich wirkenden Drohnen, die isoliert in grandioser Landschaft stehenden Wohntürme, deren minimalistische Einrichtung sicher nicht zufällig eine klinisch unterkühlte Atmosphäre entstehen lässt (schließlich stammt die gesamte Technik vom Tet, also von Außerirdischen, und es leben "nur" Klone in den Türmen), das Ganze untermalt mit einem Soundtrack, der sehr stark an Tron: Legacy vom selben Regisseur erinnert... das ist ein herrliches audiovisuelles Erlebnis, das man unbedingt in HD-Qualität mit entsprechendem Soundsystem genießen sollte.

Blu-ray-Features

Es gibt gesonderte Tonspuren für den Audiokommentar und den genialen Soundtrack. Die vier nicht verwendeten Szenen sind nicht der Rede wert, immerhin wurden sie vollständig produziert, also mit fertig gestellten Spezialeffekten.

Das "Making of" ist vergleichsweise kurz, macht aber deutlich, warum der Film so toll aussieht: Die entscheidenden Elemente wurden nicht per CGI erschaffen, sondern sind echt. Das betrifft nicht nur die Einrichtung des Sky Tower, Jacks Motorrad usw., sondern vor allem das "Bubble Ship" (Jacks Senkrechtstarter). Das Fluggerät wurde im Maßstab 1:1 hergestellt, und zwar nicht nur aus Plastik, sondern so stabil, dass wirklich zwei Personen in der Pilotenkanzel sitzen konnten, und dass das Landegestell das Gewicht tragen konnte. Einige Elemente konnten richtig bedient werden, zum Beispiel die Ladebucht für das Motorrad. Im Making of sieht man, wie sich das Konstruktionsteam freudenstrahlend um das fertig zusammengebaute Bubbleship versammelt, als Tom Cruise (ebenfalls sichtlich beeindruckt) erstmals einsteigt. Das Cockpit wurde nochmals einzeln gebaut und an eine um alle Achsen drehbare Vorrichtung montiert, so dass Cruise und Olga Kurylenko bei den Flugszenen wirklich durchgeschüttelt werden konnten und nicht nur so tun mussten als ob. Interessant ist auch, dass der Himmel nicht per CGI eingefügt, sondern auf eine Leinwand rund um die Sky Tower - Kulisse projiziert wurde. Die Schauspiler konnten während der Dreharbeiten also praktisch dasselbe bewundern, was im fertigen Film zu sehen ist. Auch sonst vermittelt das Making of trotz der Kürze einige gute Einblicke in den Entstehungsprozess.


J. Kreis, 24.04.2014




Gastkommentare


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Ralf Meyer (28.04.2014):

Jedem, dem dieser Film gefällt, möchte ich dringend die Twilight Zone-Episoden von Rod Serling empfehlen. Die erscheinen gerade auch auf deutsch, in den USA und GB gibt es sie schon länger. Ich besitze die Blu-Rays aus GB und kann nur sagen, daß man sich von dem Preis für eine SW-Serie nicht abschrecken lassen sollte.

P.S.: Rod Serling hätte an diesem Film sicherlich seine Freude gahabt. Jeder, der Twilight Zone kennt, muß sicherlich beim Betrachten dieses Films an diese Serie denken.



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