Nydenion


Nydenion - Krieg der Kolonien (D, 2010)

Blu-ray, New KSM
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 90 Min.

Extras
- 2 Audiokommentare
- Interview mit Jack Moik (19:40 Min.)
- Interview mit Caspar Arnhold und Frank Vogt (18:43 Min.)
- Making of - Featurettes (59:32 Min.)
- Teaser
- Bildergalerie

Regie:
Jack Moik

Hauptdarsteller:
Jack Moik (Rick Walker)
Annette Schmiedel (Cynthia Perkins)
Marcos Koutelas (Nathan Gallagher)
Richard van Weyden (Senator Cowley)




Inhalt:

Es herrscht Krieg zwischen der Konföderation Freier Welten und dem Sykon-Imperium. Im einundfünfzigsten Kriegsjahr führt Captain Rick Walker seine Raumjägerstaffel in einen Einsatz auf dem Planeten New Anchorage. Leiter des Feldzuges ist General Gallagher. Dieser verschweigt Walker, dass die feindlichen Abwehrbatterien noch nicht ausgeschaltet sind. Der Angriff endet deshalb in einem Debakel. Alle Kampfflieger bis auf Walker sterben, die Bodentruppen werden aufgerieben. Walker belastet Gallagher in der anschließenden Untersuchung schwer. Gallagher wird daraufhin zum Colonel degradiert und auf die Bergbauwelt Adcalmahr versetzt. Walker, desillusioniert und enttäuscht, quittiert den Militärdienst. Er verdient seinen Lebensunterhalt künftig als freiberuflicher Pilot mit einem halb schrottreifen alten Raumschiff. Seine Aufträge erhält er allerdings immer noch von der Regierung.

Sechs Jahre später macht das Sykon-Imperium der Konföderation ein Friedensangebot. Da beiden Parteien klar ist, dass dieser Krieg von niemandem gewonnen werden kann, werden Verhandlungen eingeleitet. Die Unterhändler treffen sich auf dem Raumschiff TUCANA. Doch nicht jeder ist mit dieser Entwicklung einverstanden. Separatisten im Sykon-Imperium, angeführt von Senator Cowley, planen einen Putsch. Startschuss soll die Vernichtung der TUCANA durch eine eingeschmuggelte Bombe sein. Der Geheimdienst erfährt davon. Um die Friedensverhandlungen nicht zu gefährden, muss die Bombe in aller Heimlichkeit entschärft werden. Botschafterin Cynthia Perkins soll dies übernehmen. Walker, der nicht in die Hintergründe eingeweiht wird, soll Perkins von Adcalmahr zur TUCANA bringen. Beide ahnen nicht, dass Adcalmahr der Hauptstützpunkt der Separatisten ist, und dass Gallagher zu den Hintermännern des geplanten Anschlags gehört. Walkers Schiff wird sabotiert, so dass es leichte Beute für Gallaghers Raumjäger ist, die ihm folgen. Walker muss auf dem Planeten Nydenion notlanden. Jetzt erst erfährt er, dass Perkins kein Mensch ist, sondern vor Jahrzehten in einen Androiden umgewandelt wurde, und wie ihr wahrer Auftrag lautet.

Walker und Perkins infiltrieren eine Militärbasis auf Nydenion und kapern ein Raumschiff. Sie haben nur wenige Stunden Zeit bis zur Explosion der Bombe. Unterwegs werden sie zwar erneut angegriffen, erreichen die TUCANA aber noch rechtzeitig. Walker entschärft die Bombe wenige Sekunden vor dem Ablauf der Frist. Gallagher hat Senator Cowley inzwischen jedoch zum sofortigen Losschlagen überredet und erhält das Oberkommando. Gallagher entsendet das Kriegsschiff REPULSE zum Angriff auf die TUCANA, deren Hauptreaktor und Zentralrechner bei den ersten Treffern schwer beschädigt werden. Der Kommandant der TUCANA befiehlt die Evakuierung mit Rettungskapseln und rammt die REPULSE, um die Flucht der Besatzung zu decken. Walker und Perkins beteiligen sich am Gegenangriff auf Adcalmahr. Während die Marines die Abwehrsysteme vernichten, so dass Raumjäger zur Unterstützung anfliegen können, stellt Walker Gallagher. Die alten Kontrahenten kämpfen in einer zusammenbrechenden Station gegeneinander. Walker kann sich in letzter Sekunde retten, Gallagher stirbt in den Trümmern. Als Belohnung für seine Verdienste soll Walker ein neues Kommando erhalten. Er bleibt aber lieber sein eigener Herr und wirft nun auch seine Rangabzeichen weg, die er in all den Jahren aufbewahrt hat.

Der Film:

Bevor ihr euch diesen Film anschaut, macht euch bitte eines bewusst: "Nydenion" ist keine große Hollywood-Produktion, sondern ein Projekt deutscher Hobbyfilmer, Modellbauer, Studenten und Science-Fiction-Fans, die über 15 Jahre hinweg in ihrer Freizeit an dem Film gearbeitet haben. Dass dabei kein perfektes Hochglanz-Produkt herauskommen konnte, ist völlig klar. Wenn man das weiß, kann man die geleistete Arbeit erst richtig würdigen und sich umso mehr über die Schauwerte freuen, die der Film bietet. Da sieht man sehr schöne, detailreich ausgearbeitete Raumjägermodelle, beeindruckend große Schlachtschiffe mit wirklich klasse gemachten Schutzschirm-Effekten, dynamische Raumschlachten mit knackigen Explosionen, realistisch wirkende Planeten im All und dergleichen mehr. Leider schwankt die Qualität der Spezialeffekte sehr stark. Die Szenen mit echten Modellen und CGI sind meist gestochen scharf, das sieht teilweise richtig toll aus. Dummerweise kontrastieren diese Szenen drastisch mit dem furchtbar unscharfen und grobkörnigen Rest des Films. Ich bin mir übrigens nicht sicher, ob es sich dabei um Fehler (z.B. Bildrauschen) oder gewolltes Filmkorn handelt. Besonders unangenehm fallen immer wieder Ränder rund um die Darsteller auf, die offenbar durch das nachträgliche Einfügen in digitale Hintergründe entstanden sind.

Aber selbst wenn ich die Hintergründe kenne und weiß, mit welchen Schwierigkeiten die Entstehung des Films verbunden war, so kann ich doch nur beurteilen, was ich sehe - und was ich sehe, ist Trash, dem man die viel zu lange Entwicklungszeit überdeutlich ansieht. Um es mal ohne Beschönigung auszudrücken: "Nydenion" ist ein Amateurfilm mit Laiendarstellern, dünner Story und nervender Dudelmusik. Drehbuch und Regiearbeit lassen ebenso zu wünschen übrig wie die Bildqualität. Die Raumschiffe, Uniformen, Requisiten usw. wurden offensichtlich durch Krieg der Sterne, "Babylon 5", Starship Troopers und Battlestar Galactica inspiriert (um nicht "geklaut" zu sagen), originelle eigene Ideen sind Mangelware. Die meisten Darsteller agieren selbst dann ziemlich hölzern, wenn sie keine Androiden darstellen sollen. Damit könnte man noch leben, aber offensichtlich wurden alle Dialoge nachvertont, und die Sprecher klingen derart künstlich, dass der Gesamteindruck weiter leidet. Die Geschichte ist vorhersehbar und wird leider nicht besonders gut erzählt. Es reicht halt einfach nicht, ein paar Raumschiffe von A nach B fliegen und unterwegs gegen andere kämpfen zu lassen! Nach Logik darf man auch nicht suchen. Warum musste Perkins unbedingt zur TUCANA gebracht werden? Ein codierter Funkspruch hätte gereicht. Perkins wird dort sowieso nicht gebraucht, schließlich wird die Bombe von Walker allein entschärft. Woher kannte der Geheimdienst übrigens die genaue Frist bis zur Detonation? Was soll die ganze Aktkion überhaupt, wenn am Ende sowieso zum Großangriff geblasen wird, egal ob die Bombe explodiert oder nicht?

Trotz allem sollten sich SF-Fans den Film nicht entgehen lassen, schon um das jahrelange Engagement des Produktionsteams zu honorieren. Ich will den Film gar nicht schlechtreden! Auch Trash kann gute Unterhaltung sein. Vor allem aber finde ich den Enthusiasmus, mit dem insbesondere Jack Moik - Regisseur, Drehbuchautor, Hauptdarsteller und Komponist in Personalunion - ans Werk gegangen ist, so sympathisch, dass "Nydenion" einen festen Platz in meiner kleinen Sammlung erhalten wird. Normalerweise würde ich um einen derartigen Film nämlich einen weiten, weiten Bogen machen und keinen Cent dafür ausgeben.

Blu-ray-Features:

Die Interviews sowie der Großteil der Making of - Featurettes sind identisch mit den von Robert Vogel erstellten "Nydenion-Reports", die man sich auch bei Youtube anschauen kann. Robert Vogel ist in SF-Fan-Kreisen kein unbekannter Name; er berichtet immer wieder mal als "rasender Reporter" über SF-Events, so auch über die Entstehung von "Nydenion".

Die Nydenion-Reports vermitteln einen guten Eindruck von den verschiedenen Produktionsprozessen. Jack Moik erzählt, wie er überhaupt auf die Idee gekommen ist, eine Space Opera zu drehen. Caspar Arnhold und Frank Vogt schildern die mit Finanzierung und Vermarktung verbundenen Probleme. Robert Vogel meldet sich aus Groß-Gerau, Hofheim und Frankfurt, den Entstehungsorten der Stunts, Modelle und CGI-Effekte. Außerdem besucht er die Fedcon in Bonn, wo die Nydenion-Modelle ausgestellt und der (fast) fertige Film präsentiert wurden. Man erfährt, dass einige Nachdrehs und Restaurationsarbeiten erforderlich waren, um das teilweise schon über zehn Jahre alte Filmmaterial aufzupolieren. Man sieht auch mal richtig, welcher Aufwand für das Rotoscoping betrieben werden muss. Natürlich wird besonders ausgiebig auf den Modellbau eingegangen.


J. Kreis, 02.11.2011




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