No Country for Old Men


No Country for Old Men (USA, 2007)

DVD Regionalcode 2, Paramount Vintage / Miramax
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 117 Minuten

Extras
- Das Making-of von "No Country for Old Men" (24:31 Min.)
- Die Arbeit mit den Coens (8:10 Min.)
- Tagebuch eines Sheriffs (6:46 Min.)

Regie:
Joel und Ethan Coen

Hauptdarsteller:
Josh Brolin (Llewelyn Moss)
Javier Bardem (Anton Chigurh)
Tommy Lee Jones (Sheriff Ed Tom Bell)
Kelly Macdonald (Carla Jean Moss)
Woody Harrelson (Carson Wells)




Inhalt:

Im Jahre 1980 stolpert Llewelyn Moss bei einem Jagdausflug mitten in der Wildnis über ein Schlachtfeld: Zerschossene Fahrzeuge, aufgedunsene Leichen und herumliegende Waffen. Nur ein schwer verwundeter und verdurstender Mexikaner ist noch am Leben. Offensichtlich ist hier ein Drogendeal schiefgegangen. Moss findet Massen von Heroin und einen Geldkoffer mit zwei Millionen Dollar. Er nimmt das Geld und zwei Waffen mit nach Hause, fährt in der Nacht aber nochmals zum Schauplatz des Gemetzels, um dem Überlebenden Wasser zu bringen. Doch inzwischen sind weitere Mitglieder der mexikanischen Drogenbande eingetroffen. Moss wird gejagt und kann entkommen, muss aber seinen Pickup zurücklassen. Da ihm klar ist, dass man seine Adresse über das Kennzeichen schnell ermitteln wird, schickt er seine Frau Carla Jean zu deren Mutter. Er selbst versteckt sich mit dem Geld in ständig wechselnden Unterkünften. Er ahnt nicht, dass in dem Koffer ein Peilsender versteckt ist, und dass sich der gnadenlose Auftragskiller Anton Chigurh bereits auf seine Spur gesetzt hat. Gleichzeitig ermittelt Sheriff Ed Tom Bell in der Angelegenheit, fühlt sich aber mit dieser neuen Dimension der Gewalt überfordert.

Als Moss den Sender endlich entdeckt, steht Chigurh buchstäblich schon vor seiner Tür. Moss kann erneut entkommen, wird aber angeschossen. Auch Chigurh wird verwundet. Während sich Moss mit letzter Kraft über die Grenze nach Mexiko schleppt, um sich dort anonym behandeln zu lassen, versorgt Chigurh seine Wunden selbst. Im Krankenhaus wird Moss von Carson Wells aufgespürt, der beauftragt wurde, das Geld wiederzubeschaffen und den außer Kontrolle geratenen Chigurh auszuschalten. Wells bietet Moss einen Handel an. Moss, ein Veteran des Vietnamkrieges, glaubt Chigurh gewachsen zu sein und geht nicht auf den Vorschlag ein. Wells wird wenig später in seinem Hotelzimmer von Chigurh getötet, als gerade das Telefon klingelt. Der Anrufer ist Moss. Chigurh droht damit, Carla Jean zu ermorden, sollte Moss das Geld nicht herausgeben. Noch immer lässt sich Moss nicht einschüchtern. Er verabredet sich mit seiner Frau in einem Motel in El Paso. Carla Jean bittet Sheriff Bell um Hilfe, doch ihre Mutter verrät den mexikanischen Gangstern unwissentlich Llewelyns Versteck.

Sheriff Bell kommt zu spät in El Paso an. Er findet nur noch Llewelyns Leiche. Die Mexikaner haben ihn gerade erst im Motel erschossen. Der Geldkoffer ist verschwunden. Als Carla Jean nach dem Tod ihrer Mutter nach Hause zurückkehrt, wird sei bereits von Chigurh erwartet. Er behauptet, sie töten zu müssen, weil er dies ihrem Mann versprochen hat. Er bietet ihr an, eine Münze über ihr Schicksal urteilen zu lassen. Carla Jean verweigert dies - wenn Chigurh sie töten will, dann muss er das selbst entscheiden. Wenig später verlässt Chigurh das Haus und fährt davon. An einer Kreuzung wird sein Auto gerammt; jemand hat eine rote Ampel überfahren. Chigurh erleidet unter anderem einen offenen Armbruch links, verschwindet aber, bevor Polizei und Rettungswagen eintreffen. Sheriff Bell, inzwischen völlig desillusioniert, lässt sich pensionieren.

Kommentar

Es sind sehr viele sehr schlaue Kritiken zu diesem vierfach Oscar-prämierten Film geschrieben worden. Gegen all diese Lobeshymnen und Interpretationsversuche kann und will ich nicht anstinken. Ich kann nur hinzufügen, dass ich den Film gleichzeitig unglaublich faszinierend und spannend, letztlich aus meiner ganz unmaßgeblichen subjektiven Sicht doch irgendwie enttäuschend finde. Letzteres ist schnell erklärt: Ich mag Happy Ends. Ich mag es, wenn die Hauptfigur am Ende gut dasteht und wenn das Böse besiegt wird. Das ist natürlich unrealistisch. Dennoch erwarte ich nicht unbedingt, dass die Hauptfigur, mit der ich die ganze Zeit mitgefiebert habe, im letzten Viertel des Films plötzlich stirbt - noch dazu quasi beiläufig. Man sieht nur, wie Sheriff Bell Schüsse hört, zum Schauplatz des Geschehens fährt und dort den tot auf dem Boden liegenden Llewelyn findet. Der Schurke kommt zunächst einmal ungeschoren davon, Bell kann rein gar nichts ausrichten und gibt auf. Er kann nicht einmal Carla Jean schützen, die ja nun überhaupt nichts getan hat, wofür sie den Tod verdient hätte. Dann erwischt es Chigurh beinahe doch noch, und zwar in einer Szene (die Sache mit dem Autounfall), die zwar absolut unerwartet kommt und somit für eine echte Schrecksekunde sorgt, aber irgendwie sinnlos wirkt. Llewelyns Ende, Bells Versagen usw. - all das mag realistischer sein als das erhoffte Happy End, und mit den Erwartungen des Zuschauers wird äußerst geschickt gespielt, aber trotzdem...

Durch zweierlei wird der Film gleichwohl zu einem unvergesslichen Meisterwerk: Die perfekte Inszenierung und die tollen Hauptdarsteller. Die Eröffnungsszenen mit Chigurh, der einen Polizisten grausam erwürgt und anschließend jemanden mit einem Bolzenschussapparat tötet, nur um ein Auto zu stehlen, bilden einen grandiosen Auftakt, der sofort klarmacht, dass Chigurh das personifizierte Böse ist. In langen, langsamen Einsellungen werden dann die Schauplätze eingeführt. Besonders beeindruckend ist die sonnendurchglühte Landschaft von Südwest-Texas. Man glaubt die Hitze förmlich selbst zu spüren! Akribisch genau wurden "Look & Feel" der Siebziger- und Achtzigerjahre eingefangen, so dass man sich in diese "gute alte" Zeit zurückversetzt fühlt. Und das ganz ohne Filmmusik! Vieles wird nicht deutlich erklärt, es bleibt Interpretationsspielraum. Man kann sich zum Beispiel seine eigenen Gedanken über den Hintergrund des verunglückten Drogendeals machen. Warum ist der überhaupt schiefgegangen? War er vielleicht eine von Regierungsbeamten eingefädelte Falle für die Mexikaner? Wer sich das Geld letzten Endes schnappt (Chigurh oder die Mexikaner) bleibt ebenfalls unklar. Das gilt auch für Carla Jeans Schicksal. Ihr Tod wird nicht gezeigt. Wahrscheinlich wurde sie aber ermordet; Chigurh schaut beim Verlassen des Hauses nach seinen Schuhen - anscheinend hat er was gegen blutbesudelte Sohlen, wie in einer früheren Szene gezeigt wird. Welche Bedeutung Chigurhs Autounfall am Ende des Films hat, ist mir nicht klar geworden, aber die Szene verfehlt ihre Wirkung nicht.

Tolle Bilder, eine fesselnde Atmosphäre, viel schwarzer Humor, eine überraschend explizite Gewaltdarstellung und eine Story, die die Intelligenz des Zuschauers nicht beleidigt... das wäre an sich ja schon positiv genug. Hinzu kommt eine geradezu nervenzerfetzende Spannung. Die Verfolgungsjagden, das Katz-und-Maus-Spiel, das gegenseitige Belauern - besser kann man das nicht machen. Aber damit ist es immer noch nicht genug! Javier Bardem liefert als unaufhaltsamer Killer eine unglaubliche Leistung ab, für die er völlig zu Recht mit dem Oscar belohnt worden ist. Chigurh ist wohl trotz - oder gerade wegen - seines unterkühlten Spiels und der meist völlig stoischen Mimik einer der bedrohlichsten, rätselhaftesten und gespenstischsten Schurken, die man je im Film gesehen hat. Er sticht schon allein durch sein merkwürdiges Erscheinungsbild hervor. Man kann noch nicht einmal sagen, dass er wirklich wahnsinnig ist. Er folgt lediglich absolut konsequent seinem Auftrag und seinem merkwürdigen Ehrenkodex. Es spricht für die Qualität der übrigen Darstellerriege, dass Bardem seine Kollegen nicht völlig an die Wand spielt. Ein Problem habe ich nur mit Sheriff Bell. So solide Tommy Lee Jones den Mann auch spielt: Für den Film ist er eigentlich verzichtbar. Er kommentiert die Ereignisse quasi nur, nimmt aber nicht an ihnen teil. Das mag im zugrunde liegenden Roman anders sein, aber den kenne ich nicht. Im Grunde ist Chigurh die zentrale Figur des Films, d.h. man müsste ihn ins Herz schließen, damit mein anfänglich geäußerter Kritikpunkt wegfällt.

DVD-Features

Die drei Featurettes haben im Prinzip alle denselben Inhalt, obwohl sie nicht redundant sind, und hätten gut zu einem einzigen Making of eingedampft werden können. In der typischen Zusammenstellung von Interviews, Filmausschnitten und (wenig) hinter-den-Szenen-Material wird die Story rekapituliert, die Figuren werden vorgestellt und die Bedeutung der Landschaft, der Gewalt usw. werden erklärt. Mal geht es mehr um die Coen-Brüder und die Zusammenarbeit der Schauspieler mit ihnen, mal steht Sheriff Bell im Vordergrund.


J. Kreis, 19.04.2012




Gastkommentare


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Gastkommentar von kidgforce (22.04.2012):

Selten hat ein Film mehr seine Oscars verdient. Gerade weil er das Hollywood-Happy End verweigert. Er zeigt eine schmerzliche Realität: Dass das Böse über das Gute triumphiert, weil es skrupelloser und gleichgültiger ist. Dass der Zufall regiert und nicht ein Schicksal. Dass das Überleben auch davon abhängt, dass man sich mal raushält aus den gewalttätigen Auseinandersetzungen ums Geld, und dafür als Sheriff auch gern mal seinen Eid, die Unschuldigen zu schützen, bricht.

Das ist alles ganz schön harter Stoff.



Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme