Near Dark


Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis (2-Disc DVD-Box) (USA, 1987)
- Near Dark -

DVD Regionalcode 2, MIB
Altersfreigabe: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 94 Minuten

Extras
- Audiokommentar der Regisseurin
- "Living in Darkness" - Making of "Near Dark" (47:20 Min.)
- Entfallene Szene mit Audiokommentar der Regisseurin (1:24 Min.)
- Storyboards (24:49 Min.)
- Dark Highlights (5.11 Min.)
- Biografien (Text)
- Echte Vampire (Text)
- Geschichte der Vampire (Text)
- Fotogalerien
- DVD-ROM-Part

Regie:
Kathryn Bigelow

Hauptdarsteller:
Adrian Pasdar (Caleb Colton)
Jenny Wright (Mae)
Lance Henriksen (Jesse Hooker)
Bill Paxton (Severen)
Tim Thomerson (Loy Colton)
Jenette Goldstein (Diamondback)
Joshua Miller (Homer)
Marcie Leeds (Sarah Colton)




Inhalt:

Eines Nachts begegnet Caleb Colton einer geheimnisvollen jungen Frau namens Mae, die er sogleich anmacht. Sie gibt sich etwas zurückhaltend, macht aber einen kleinen Ausflug mit Caleb. Dabei vergessen die beiden die Zeit. Als es zu dämmern beginnt, wird Mae panisch. Caleb soll sie schnell nach Hause bringen. Er verlangt einen Kuss als Gegenleistung, den er auch bekommt. Doch dann beißt Mae ihn in den Hals, springt aus dem Wagen und läuft davon. Caleb muss ebenfalls zu Fuß nach Hause gehen, denn das Auto springt nicht mehr an. Während die Sonne aufgeht, fühlt er sich immer schlechter. Seine Haut beginnt zu verschmoren. Kurz vor der heimatlichen Ranch wird Caleb vor den Augen seines Vaters und seiner kleinen Schwester Sarah entführt. Unbekannte, zu denen auch Mae gehört, zerren Caleb in ein rundum abgedunkeltes Wohnmobil und rasen mit ihm davon. Während sich Calebs Vater aufgrund der Tatenlosigkeit der Polizei selbst auf die Suche nach seinem Sohn macht, wobei er Sarah mitnimmt, macht Caleb die Bekanntschaft einer äußerst merkwürdigen "Familie". Maes Freunde sind unsterbliche, unverwundbare und körperlich extrem starke Vampire, was Caleb aber erst nach geraumer Zeit begreift.

Oberhaupt der Vampire ist der mindestens 120 Jahre alte Jesse Hooker. Zu der Gruppe gehören außer Mae der durchgedrehte Severen, Hookers Geliebte Diamondback und der im Körper eines Kindes gefangene Homer. Die Gruppe durchstreift das Land auf der Suche nach immer neuen Jagdgründen. Die Vampire wechseln dabei so oft wie möglich Verstecke und Fahrzeuge, damit keine Spur zu ihnen zurückverfolgt werden kann. Aus demselben Grund wollen sie Caleb töten, verzichten aber darauf, als sie erfahren, dass er durch Maes Biss in ihresgleichen verwandelt worden ist. Caleb versucht zu fliehen, kommt aber nicht weit. Er wird von schrecklichen Schmerzen gequält und kehrt zu Mae zurück. Sie gibt ihm von ihrem Blut zu trinken, woraufhin es ihm sofort besser geht. Caleb muss nun beweisen, dass er wirklich zu den Vampiren gehört. Hooker gewährt ihm eine Woche Zeit. Innerhalb dieser Frist muss Caleb sein erstes Opfer töten. Dazu ist er jedoch nicht in der Lage. Bei der allerletzten Gelegenheit lässt er sein Opfer sogar laufen. Zu Calebs Glück steht die Dämmerung kurz bevor, so dass sich die Vampire nicht die Zeit nehmen können, ihn zu beseitigen. In letzter Minute erreicht die Gruppe ein Motel, doch am nächsten Morgen steht die Polizei vor der Tür; der von Caleb verschonte Mann hat geplaudert. Es kommt zu einer blutigen Schießerei. Caleb wagt sich ins Sonnenlicht hinaus und erleidet schwere Verbrennungen, erreicht aber den Van der Gruppe und bringt diese damit in Sicherheit.

Durch diese mutige Tat verdient sich Caleb den Respekt der Vampire. Er darf bei ihnen bleiben. Erneut suchen die Vampire in einem Motel Unterschlupf. Dort begegnen sie zufällig Calebs Vater und Schwester. Homer will die ungefähr gleichaltrige Sarah in einen Vampir verwandeln. Calebs Vater soll getötet werden, weil er die Gesichter der Vampire gesehen hat. Den drei Coltons gelingt die Flucht, als Sarah eine Tür öffnet, durch die Sonnenlicht ins Zimmer fällt. Calebs Vater heilt seinen Sohn durch eine Bluttransfusion. In der Nacht wird Sarah von Homer entführt. Caleb verfolgt ihn und muss gegen Severen antreten, den er vernichtet, indem er einen Tanklastzug explodieren lässt. Die anderen Vampire jagen ihn mit einem Auto, Sarah haben sie dabei. Homer will das Kind beißen, aber Sarah will das nicht zulassen. Sie flieht mit Sarah aus dem Wagen, obwohl die Sonne bereits aufgegangen ist. Homer springt hinterher. Caleb schützt Mae mit seiner Jacke vor der Sonne, aber Homer verbrennt. Dasselbe Schicksal erleiden wenig später Hooker und Diamondback. Mae erhält eine Bluttransfusion und wird dadurch in einen normalen Menschen zurückverwandelt.

Der Film:

"Moderne" Vampirfilme (also solche, die nicht in der Vergangenheit spielen und in denen die Vampire keine altmodisch gekleideten Herren mit romantisch-baufälligen Wohnsitzen sind) gibt es nicht erst seit Blade. Schon zehn Jahre zuvor hat Kathryn Bigelow mit "Near Dark" einen realistischen Vampirfilm gedreht, in dem auf Magie und Romantik weitgehend verzichtet wird. Die Existenz der Vampire (dieser Begriff kommt übrigens im gesamten Film kein einziges Mal vor) wird nicht erklärt. Man muss das einfach als gegeben hinnehmen. Die Vampire sind hier keine charmanten Verführer, sondern brutale Killer. Niemand kommt auf die Idee, den Blutsaugern mit Kreuzen oder Knoblauch auf den Leib zu rücken. Derartige Klischees bleiben komplett außen vor. Wären da nicht ihre unglaublichen Selbstheilungskräfte, ihre ewige Jugend und ihre extreme Lichtempfindlichkeit, dann könnte man annehmen, sie seien einfach nur eine Horde von Wahnsinnigen mit merkwürdigen Ernährungsgewohnheiten. Spitze Zähne haben sie übrigens nicht; sie setzen stattdessen ein großes Waffenarsenal ein. Das alles kannte man bis dahin nicht. Ungewohnt war seinerzeit auf der einen Seite die Darstellung des vampirischen Alltags, andererseits auch der recht hohe Gewaltgrad. Dann noch die Vermischung der Vampirfilm-Elemente mit denen des Westerns und des Roadmovies - das war neu, und es hat den Sehgewohnheiten des Publikums anscheinend so sehr widersprochen, dass "Near Dark" ziemlich untergegangen ist. Schade eigentlich, denn er hat das "gewisse Etwas".

Wegen des ungewöhnlichen Ansatzes und der düsteren Stimmung des Films ist "Near Dark" auch heute noch durchaus sehenswert, vor allem aber wegen der Show, die Bill Paxton als psychopathischer, aggressiver Vampir Severen abzieht. Man nimmt ihm problemlos ab, dass er sich beim Massaker in der Trucker-Kneipe blendend amüsiert. Er spielt mit seinen Opfern und genießt es, sie zu quälen. Dabei wirkt er ungemein bedrohlich, gleichzeitig aber auch witzig. Lance Henriksen macht als charismatischer, auf Selbstbeherrschung bedachter Anführer ebenfalls eine gute Figur. Der Vampir Homer könnte eine viel tragischere Gestalt sein; sein Problem, als im Grunde alter Mann im Körper eines Kindes festzusitzen, wird zwar angesprochen und spielt beim Showdown nochmal eine Rolle, wird aber nicht weiter vertieft. Diamondback ist nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk. Bleiben noch Adrian Pasdar (Caleb) und Jenny Wright (Mae). Während man Calebs innerliche Zerrissenheit noch ganz gut nachvollziehen kann, wirkt Mae nicht so glaubwürdig. Man versteht schon nicht, warum sie Caleb überhaupt hilft. Bei der plumpen Anmache, die der Knabe zu Beginn des Films vom Stapel lässt, hätte ich den einfach nur leergetrunken und die Leiche entsorgt... Jenny Wright spielt zwar mit einer interessanten Mischung aus Naivität und Verführungskunst, aber bei manchen Szenen habe ich mich gefragt, ob die zur Schau gestellte Hilflosigkeit Teil der Rolle sein sollte, oder ob die Schauspielerin einfach überfordert war.

Leider dauert es sehr lange, bis der Film richtig in Gang kommt. Zwar wird Caleb nach gut zehn Minuten gebissen, aber bis zum Gemetzel in der Truckerkneipe, der ersten "heftigen" Szene des Films, vergeht noch einmal über eine halbe Stunde - da ist die Hälfte des Films praktich schon vorbei. Auch der Schluss kann nicht hundertprozentig überzeugen. Der Vampirismus kann durch einfache Bluttransfusionen geheilt werden? Das kann man kaum glauben. Die Coltons setzen sich nach ihrer Flucht in aller Seelenruhe an den Abendbrottisch, als sei nichts geschehen. Dass sie von den Vampiren verfolgt worden sein könnten bzw. dass diese spätestens nach Sonnenuntergang doch noch versuchen würden, die lästigen Mitwisser zu beseitigen, kommt ihnen anscheinend nicht in den Sinn. Tja, und dann kann man sich über die Kürze so mancher Film-Nacht wundern. Manchmal scheint die Dämmerung endlos zu sein, dann plötzlich geht die Sonne unvermittelt auf - und zwar immer genau dann, wenn es erforderlich ist, damit die "Guten" dadurch gerettet werden können. Aber über diese kleinen Unzulänglichkeiten kann man hinwegsehen. Allein für die Kneipenszene sowie den finalen Kampf zwischen Caleb und Severen lohnt sich der Film schon.

DVD-Features:

Das so genannte Making of stammt aus dem Jahr 2002 und enthält viele Interviews aus diesem Jahr sowie Filmausschnitte, aber kein Hinter-den-Szenen-Material oder dergleichen. Informationen über den Produktionsprozess erhält man also nur durch die Erzählungen der Schauspieler bzw. der Regisseurin und des Kameramanns. Immerhin erfährt man auf diese Weise mehr über die Hintergrundgeschichten der Vampire - jedenfalls die, die sich die Schauspieler selbst ausgedacht haben. So war Jesse Hooker einst Besatzungsmitglied eines Schiffes, das im Kampf zerstört wurde. Er wurde von einer Harpyie in einen Vampir verwandelt. Severen war ein Cowboy oder Outlaw im Wilden Westen. Diamondback wurde in der Zeit der Weltwirtschaftskrise vor dem Zweiten Weltkrieg verwandelt, Homer vermutlich in den Fünfzigerjahren.

"Dark Highlights" ist lediglich eine Zusammenstellung einzelner Szenen des Films ohne Dialog (nur mit Musik). Die entfallene Szene zeigt laut Audiokommentar der Regisseurin, wie Caleb erstmals als Vampir die Nacht wahrnimmt. Die Szene ist schwarzweiß, um zu verdeutlichen, dass sich seine Nachtsicht von der normalen Wahrnehmung unterscheidet. Neben selbstablaufenden, mit Musik unterlegten Storyboards, zwei Bildergalerien und Trailern gehören zu den Extras noch einige ebenfalls selbstablaufende oder manuell umzublätternde Textinformationen über Schauspieler und Regisseurin, sowie über den Vampirismus und bekannte Kriminalfälle von Bluttrinkern (Martin Dummolard, Fritz Haarmann, Peter Kürten, John George Haigh, Richard Trenton Chase).

PC-Besitzer dürfen sich über ein paar Dateien freuen: Einen Bildschirmschoner, einen Desktop-Hintergrund in zwei Auflösungen und eine PDF-Datei mit dem kompletten Drehbuch.


J. Kreis, 01.10.2010


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