Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia


Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia (GB / Tschechien / Slowakei, 2008)
- The Chronicles of Narnia: Prince Caspian -

BluRay, Walt Disney Studios Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 150 Minuten

Extras
- Audiokommentar
- In Narnia: Das Abenteuer geht weiter (34:45 Min.)
- Die Sets von Narnia: Ein Klassiker erwacht zum Leben (23:44 Min.)
- Ein großer Film in einer kleinen Stadt (23:19 Min.)
- Zusätzliche Szenen
- Die Pannen von Narnia (3:06 Min.)
- Prävisualisierung von Narnia (10:09 Min.)
- Sprechende Tiere und laufende Bäume: Die magische Welt von Narnia (4:41 Min.)
- Geheimnisse des Duells (6:46 Min.)
- Peter Dinklage wird zu Trumpkin (4:48 Min.)
- Warwick Davis: Der Mann hinter Nikabrik (11:08 Min.)

Regie:
Andrew Adamson

Hauptdarsteller:
Ben Barnes (Prinz Kaspian X.)
William Moseley (Peter Pevensie)
Georgie Henley (Lucy Pevensie)
Skandar Keynes (Edmund Pevensie)
Anna Popplewell (Susan Pevensie)
Sergio Castellitto (König Miraz)
Peter Dinklage (Trumpkin)
Warwick Davis (Nikabrik)
Pierfrancesco Favino (General Glozelle)
Vincent Grass (Doktor Cornelius)
Damian Alcazar (Lord Sopespian)
Tilda Swinton (Jadis, die Weiße Hexe)




Inhalt:

Zur Vorgeschichte siehe Die Chroniken von Narnia - Der König von Narnia.

1300 Jahre sind vergangen, seit Peter, Susan, Edmund und Lucy, die Könige und Königinnen Narnias, mehr oder weniger unfreiwillig in ihre eigene Welt zurückgekehrt sind. Da auch Aslan das Land verlassen hat, ist es den Menschen aus Telmar gelungen, Narnia zu erobern. Die Telmarer fürchten und hassen die Ureinwohner Narnias und wollen sie vernichten. Nach Jahrhunderten der Besatzung sind alle Fabelwesen wie Zwerge, Faune, Zentauren, wandelnde Bäume, sprechende Tiere und dergleichen scheinbar aus Narnia verschwunden. Prinz Kaspian, rechtmäßiger König der Telmarer, lebt bei seinem Onkel, dem Regenten Miraz. Kaspian ahnt nicht, dass sein Vater von Miraz ermordet wurde, und dass ihm dasselbe Schicksal droht. Miraz will die Macht an sich reißen, sobald er selbst einen Erben hat. Als seine Frau eines Nachts einen Sohn zur Welt bringt, erhält General Glozelle den Befehl, Kaspian zu töten. Der Prinz wird jedoch von Doktor Cornelius, seinem Hauslehrer, in letzter Minute gewarnt. Cornelius ist selbst halb Mensch und halb Zwerg. Er hat sich bemüht, Kaspian zu einem gütigen, toleranten Menschen zu erziehen. Er hat ihn viel über das alte Narnia gelehrt und überlässt ihm jetzt Susans magisches Horn. Man sagt, wer immer es erschallen lasse, dem werde Hilfe zuteil. Kaspian flieht vor seinen Verfolgern in die Wälder, begegnet dort aber zu seiner großen Überraschung den Zwergen Trumpkin und Nikabrik, so dass er von zwei Seiten bedroht wird. In seiner Not stößt Kaspian in das Horn. Während Nikabrik den Prinzen in eine Erdhöhle verschleppt, fällt Trumpkin den Menschen in die Hände. Miraz benutzt den Gefangenen und die Angst seiner Untertanen vor den Narnianen, die man bisher für ausgerottet gehalten hatte, um ein Bedrohungsszenario zu erfinden, das seine Machtposition stärken soll. Indem er behauptet, die Narnianen hätten Kaspian entführt, will er den von Lord Sopespian geäußerten Verdacht, er selbst stecke hinter dem Verschwinden des Prinzen, von sich ablenken. Um ganz sicher zu gehen, dass die Wahrheit nicht ans Licht kommt, ordnet er Trumpkins Beseitigung an.

In der Menschenwelt verläuft die Zeit anders als in Narnia. Deshalb ist für die Pevensie-Geschwister erst ein Jahr vergangen. Sie haben sich noch nicht daran gewöhnt, ein normales Leben zu führen. Vor allem Peter leidet darunter, nicht mehr der erwachsene Hochkönig Narnias zu sein, sondern nur ein halbwüchsiger Junge. Durch den Ruf des Horns werden alle vier unversehens nach Narnia versetzt. Ihre Freude darüber erhält einen deutlichen Dämpfer, als sie erkennen, dass von ihrem Schloss Cair Paravel nur Ruinen geblieben sind, und dass alle Narnianen, die sie von früher kannten, längst tot sein müssen. Die geheime Schatzkammer ist noch unversehrt, so dass sie sich mit ihren alten Waffen ausrüsten können. Sie beobachten, wie zwei Soldaten den Zwerg Trumpkin im Fluss ertränken wollen und retten ihn. Obwohl Trumpkin begreift, wen er vor sich hat, ist er wenig begeistert - er hat die Hoffnung auf Rettung durch die alten Könige oder Aslan längst verloren. Lucy sieht den Löwen zweimal, doch niemand glaubt ihr. Kaspian ist es inzwischen gelungen, das Vertrauen der Narnianen zu gewinnen. Tatsächlich sind die Fabelwesen alles andere als ausgerottet. Viele sprechende Tiere haben sich zwar in wilde Bestien zurückverwandelt und die Bäume haben sich selbst in Schlaf versetzt, aber es gibt noch unzählige im Verborgenen lebende Ureinwohner Narnias. Als sowohl die mächtigen Zentauren als auch der tapfere Mäusegeneral Riepischiep bereit sind, an Kaspians Seite für ihre Freiheit zu kämpfen, schließen sich ihm auch alle anderen Narnianen an. Dazu gehören auch Nachkommen jener Wesen, die einst in den Diensten der Weißen Hexe gestanden haben - unter anderem Nikabrik. Kaspian und seine Gefolgsleute richten sich ein unterirdisches Lager in einem uralten Tempel ein, der um Aslans Steintisch herum aufgebaut wurde. Sie überfallen telmarische Waffentransporte, um sich für den bevorstehenden Kampf auszurüsten.

Als die Pevensies und Trumpkin auf die von Kaspian angeführten Narnianen treffen, ordnen sich diese sofort den wiedergekehrten Königen und Königinnen unter. Peter plant einen nächtlichen Angriff auf das telmarische Königsschloss. Ebenso wie viele Narnianen will er nicht auf Aslans Rückkehr vertrauen, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen. Die Aktion verläuft zunächst gut, doch dann erfährt Kaspian von Cornelius die Wahrheit über den Tod seines Vaters. Er überrascht Miraz im Schlaf, bringt es aber nicht über sich, den Usurpator zu töten. Miraz flieht und alarmiert die Soldaten. Peter überschätzt seine Möglichkeiten und trifft eine Fehlentscheidung. Er bricht den Angriff nicht ab, obwohl das Überraschungsmoment verloren ist. Als er seinen Fehler erkennt und den Rückzug befiehlt, ist es fast zu spät; die Verluste sind enorm. Nur einer kleinen Schar gelingt die Flucht zurück zum Tempel. Dort schlägt Nikabrik Kaspian einen Pakt mit dem Bösen vor. Ein Abbild der Weißen Hexe wird beschworen. Jadis benötigt nur einen Tropfen menschlichen Blutes, um ins Leben zurückkehren zu können. Sie verspricht, Kaspian im Austausch dafür gegen seine Feinde beizustehen. Sowohl Kaspian als auch Peter geraten in Versuchung, dieses Angebot anzunehmen. Edmund ist aus Erfahrung schlauer und zerstört das Abbild der Weißen Hexe. Trumpkin ist gezwungen, Nikabrik zu töten, als dieser Lucy angreift. Den Narnianen bleibt nun nichts anderes mehr übrig, als sich auf eine Belagerung einzustellen und Aslan zu suchen.

Da feststeht, dass der Prinz zum Verräter und Rebellen geworden ist, kann sich Miraz die Königskrone aufsetzen und auf dem Thron Platz nehmen. Dann führt er seine durch Kriegsmaschinen verstärkte Armee zum Tempel. Lucy und Susan reiten allein los, um den Löwen zu finden. Telmarische Soldaten folgen ihnen. Als Susan zurückbleibt, um die Feinde aufzuhalten, gerät sie in Gefahr, wird aber von Kaspian gerettet und zum Tempel zurückgebracht. Auf einen Vorschlag Kaspians hin nutzt Peter eine telmarische Tradition, um Zeit zu gewinnen. Er fordert Miraz zu einem Zweikampf heraus, durch den der gesamte Krieg entschieden werden soll. Miraz muss akzeptieren, wenn er sein Gesicht und den Respekt seiner Soldaten nicht verlieren will. Peter besiegt ihn, überlässt den Todesstoß aber Kaspian. Dieser verzichtet zwar auf seine Rache und lässt Miraz am Leben, doch Lord Sopespian ersticht den König hinterrücks und lässt es so aussehen, als habe Susan ihn trotz des Waffenstillstands mit einem Pfeil ermordet. Die erzürnten Soldaten greifen an. Die Narnianen kämpfen tapfer, aber die Übermacht der Telmarer ist zu groß. Da erscheinen Aslan, Lucy und eine Armee wiedererweckter Bäume. Diese vernichten die Kriegsmaschinen und schlagen den Feind in die Flucht. Am Fluss wollen sich die Telmarer den Narnianen erneut zum Kampf stellen, doch Aslan beschwört einen Flussgeist, der Lord Sopespian verschlingt. Die Telmarer strecken die Waffen. Kaspian wird König. Er gibt den Narnianen ihr Land zurück. Aslan bietet all jenen Telmarern, die nicht in Narnia bleiben wollen, eine Rückkehr in die Welt ihrer Vorfahren an - tatsächlich sind diese vor langer Zeit aus der Menschenwelt nach Narnia gelangt. General Glozelle und Miraz' Gattin nehmen das Angebot an, ebenso die Pevensie-Kinder. Peter und Susan ahnen, dass der Abschied für sie endgültig ist. Nur Edmund und Lucy werden eines Tages wieder nach Narnia zurückkehren.

Der Film:

Die Verfilmung des gleichnamigen Buches von C.S. Lewis leidet an denselben Schwächen wie die Romanvorlage. Sowohl im Roman als auch im Film sind mir die Bezugnahmen auf die christliche Religion zu dick aufgetragen. Ich zitiere mich mal selbst: Zunächst kann nur Lucy Aslan sehen und sie soll ihm folgen, obwohl sie deswegen von ihren Geschwistern nicht für voll genommen oder sogar verspottet wird. Als sie sich von ihnen davon abbringen lässt, Aslan nötigenfalls auch allein zu folgen, missbilligt der Löwe das. Eindeutiger geht's wohl nicht mehr das hätte nicht unbedingt sein müssen, zumal es für die eigentliche Geschichte nicht relevant ist. Aslan ist ein Symbol für Gott bzw. Jesus Christus, dem man gegen jegliche Kritik blind zu folgen hat und ohne dessen Beistand jegliches Sinnen und Trachten der Menschen sinnlos bzw. zum Scheitern verurteilt ist. Deshalb finden die Pevensie-Kids keinen Weg über eine Schlucht, solange sie diesen selbst suchen. Erst als sie endlich zähneknirschend dorthin gehen, wo Lucy Aslan gesehen zu haben glaubt, tut sich plötzlich doch noch ein Weg auf. Dann versucht Peter die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Er vertraut auf die eigene Stärke und kassiert postwendend eine böse Abreibung. Auch beim Endkampf stehen die Dinge schlecht - bis Aslan endlich eingreift und die Ungläubigen im heiligen Krieg vernichtet. Die Kinder kämpfen fleißig mit und töten Dutzende von gesichtslosen telmarischen Soldaten (was natürlich nicht einen einzigen Blutfleck auf ihren Klingen hinterlässt) - wenn Aslan am Ende weise lächelnd sagt, Peter und Susan hätten nun alles gelernt, was es in Narnia zu lernen gibt, dann klingt das in diesem Zusammenhang geradezu unglaublich zynisch.

Wie ich schon in meinem Kommentar zu "Der König von Narnia" schrieb: Eigentlich kann man diesen Inhalt dem Film nicht zum Vorwurf machen, denn dadurch beweist er lediglich Werkstreue (obwohl es durchaus einige Abweichungen gibt). Der Roman ist schließlich genauso gestrickt, und der Regisseur hatte vermutlich nicht den Auftrag, den Roman zu parodieren oder kritisch zu hinterfragen. Dass die Narnia-Romane und Filme in den USA Gegenstand christlich-fundamentalistischer Propaganda sein sollen, wie man in manchen Filmkritiken lesen kann, ist ein anderes Thema. Egal wie man das wertet: Eine zünftige Fantasy-Geschichte kommt selten ohne die klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse aus - Werke wie Andrzej Sapkowskis Hexer-Romane (siehe Bücher-Archiv) sind da eher die rühmliche Ausnahme, und die wurden nicht für Kinder und Jugendliche geschrieben, sondern für Erwachsene. Aus demselben Grund sollte man die Narnia-Filme auch nicht mit den Herr der Ringe-Verfilmungen vergleichen. Dass der zweite Narnia-Film düsterer ist als der erste, und dass erneut Massenschlachten, Zweikämpfe und dergleichen in einer für Kinderfilme ungewöhnlichen Härte (aber, wie gesagt, ganz ohne Blut) gezeigt werden, ändert daran nichts.

Immerhin fällt "Prinz Kaspian von Narnia" schon deshalb weniger "infantil" aus als "Der König von Narnia", weil mehr erwachsene Figuren mit von der Partie sind. Außerdem macht sich das leicht gestiegene Alter der jugendlichen Hauptdarsteller angenehm bemerkbar. Vor allem William Moseley versucht etwas mehr Tiefgang hineinzubringen, was ihm auch durchaus gelingt. Man muss sich vergegenwärtigen: Alle Pevensie-Kinder waren in Narnia schonmal erwachsen, sie wurden bei der Rückkehr in die Menschenwelt wieder "verjüngt". Peter war Hochkönig und muss seine entsprechenden Allüren überwinden. Der Schauspieler vermittelt das ganz gut. Immer noch wirkt es aber recht unglaubwürdig, dass ihm alle Narnianen bedingungslos folgen - selbst nach seiner ersten Niederlage. Auch muss man sagen: Sergio Castellitto (Miraz), Pierfrancesco Favino (Glozelle) und Damian Alcazar (Sopespian) spielen die Kids locker an die Wand, ebenso wie Tilda Swinton in ihrem leider nur sehr kurzen Auftritt als Weiße Hexe. Mein Held ist aber Peter Dinklage als Trumpkin. Der leicht misanthorpische Kerl ist mit seinen ironischen Kommentaren das absolute Highlight des Films. Seine unglaublich ausdrucksstarke Mimik wird selbst durch den buschigen Bart und die Maske nicht eingeschränkt

Wie es sich für eine Fortsetzung gehört, bietet "Prinz Kaspian von Narnia" mehr Action und wuchtigere Schlachten, wundervollere Landschaftsaufnahmen, prächtigere Kostüme und bessere computergenerierte Effekte als der erste Teil. Bei Teil 1 konnte man die CGI-Effekte noch recht oft überdeutlich als solche erkennen. Das ist diesmal erheblich besser geworden. Sets, Masken, Ausstattung und Tricktechnik können nur als exzellent bezeichnet werden. In dieser Beziehung verdient der Film uneingeschränktes Lob.

Also: Augen auf und genießen, aber nicht zuviel hineininterpretieren...

BluRay-Features:

Es wäre sinnlos, den Inhalt der einzelnen oben genannten Featurettes zu beschreiben, denn die Titel sprechen für sich, außerdem sind alle ziemlich gleich aufgebaut: Durch schnelle Schnittfolgen viel zu hektisch wirkende Zusammenstellungen von Filmszenen, Interviews und Hinter-den-Szenen-Material, bei dem es mal um die Story geht, mal um den immensen Aufwand, der für den Aufbau der riesigen Sets betrieben wurde, oder um die wunderbare und bis in kleinste Details ausgearbeitete Ausstattung sowie andere Aspekte des Produktionsprozesses, der Story und der Rollen. Man erfährt, dass Teile des Films in der Umgebung des kleinen slowenischen Städtchens Bovec gedreht worden sind. Darinka Kravanja, mit 96 Jahren älteste Einwohnerin des Ortes, erzählt von früheren Zeiten. Dann sieht man, wie die 1600 Einwohner vom 1200-köpfigen Filmteam geradezu überrannt wurden. Die Unterbringung und Verköstigung all dieser Leute muss ein logistischer Alptraum gewesen sein. Der Arbeitsplatz des Cutters wurde z.B. in der Feuerwehrstation eingerichtet... Die Landschaft bei Bovec ist wunderschön; der Fluss Soca spielt im Film eine wichtige Rolle. Für den Bau der telmarischen Brücke wurde der Fluss sogar vorübergehend umgeleitet - natürlich alles in Absprache mit den Umweltschutzbehörden. Kürzere Featurettes beschäftigen sich mit der Entstehung der Trumpkin- und Nikabrik-Masken sowie mit der Arbeit der beiden kleinwüchsigen Schauspieler am Set. Insgesamt erhält man einen recht guten Einblick in die Entstehung des Films, wenn sich auch manches wiederholt oder nach Eigenlob klingt.

Hinzu kommen zehn kurze und eher irrelevante nicht verwendete Szenen. Irrelevant deshalb, weil keine entscheidenden neuen Informationen vermittelt werden und keine tollen neuen Bilder zu sehen sind. Tatsächlich sind die Spezialeffekte teilweise noch nicht fertig, das gilt vor allem für CGI-Elemente.


J. Kreis, 28.11.2010




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