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Der Name der Rose Der Name der Rose (F / I / D, 1986)
DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 126 Minuten

Extras
Audiokommentare des Regisseurs, Dokumentation "Die Abtei des Verbrechens", Multimedia-Fotogalerie mit Jean-Jacques Annaud, Kinotrailer

Regie:
Jean-Jacques Annaud

Hauptdarsteller:
Sean Connery (William von Baskerville)
Christian Slater (Adson von Melk)
Michael Lonsdale (Abt)
F. Murray Abraham (Bernardo Gui)
Feodor Chaliapin jr. (Jorge de Burgos)
Valentina Vargas (Das Mädchen)




Inhalt:

Im November anno Domini 1327 reist der Franziskanermönch William von Baskerville in Begleitung seines jungen Schülers Adson von Melk zu einer Benediktinerabtei in Norditalien. Dort will er an einem Disput teilnehmen, bei dem die Frage besprochen werden soll, ob Jesus Christus seine Kleider besessen hat oder nicht. Diese Frage trägt mehr Brisanz in sich, als man zunächst meinen sollte, denn letztlich würde auch der Reichtum der Kirche in Frage gestellt werden, falls die Franziskaner an ihrer Forderung nach der Anerkennung der Armut Christi festhalten sollten. William und der ihm anvertraute Novize gehören zu den Ersten, die in der Abtei ankommen. Bis zum Eintreffen der päpstlichen Gesandtschaft und der anderen Franziskaner beschäftigt der für seinen Scharfsinn bekannte William sich auf Bitten des Abts mit einem rätselhaften Todesfall, der die Mönche der Abtei in Angst und Schrecken versetzt hat. Ein junger Buchillustrator ist tot am Fuße eines Turms aufgefunden worden - doch das einzige Fenster in diesem Turm läßt sich nicht öffnen und es gibt keinen Zugang zum Dach. Die Mönche fürchten deshalb, der Teufel könnte seine Hand im Spiel haben. William findet schnell eine logische und ganz einfache Erklärung: Der junge Mann hatte sich in selbstmörderischer Absicht aus einem ganz anderen Fenster gestürzt, sein Körper war dann lediglich an die Stelle gerollt, an der er dann später gefunden wurde.

So ganz überzeugt William die Mönche mit dieser Theorie allerdings nicht. Als am nächsten Tag ein weiterer Toter gefunden wird, geht das Gerede von apokalyptischen Mächten von neuem los, denn die Todesfälle folgen der Beschreibung des Weltuntergangs in der Offenbarung des Johannes. William muß zugeben: Der junge Übersetzer griechischer Texte, der kopfüber und mausetot in einem riesigen, mit Schweineblut gefüllten Bottich steckt, hat definitiv nicht Selbstmord begangen... Bei der Untersuchung der Leiche entdeckt William eine seltsame Verfärbung an den Fingern des Toten. Bei seiner Suche nach weiteren Indizien merkt William schnell, daß die Mönche des Klosters noch einige andere Geheimnisse zu verbergen haben. So wird ihm der Zutritt zu der Klosterbibliothek verwehrt, außerdem haben mindestens zwei ehemalige Angehörige einer ketzerischen Vereinigung Unterschlupf im Kloster gefunden. Als er einen davon, eine bucklige Mißgeburt, ins Gebet nimmt, erfährt William die Wahrheit: Der Illustrator hatte sich, um Zugang zu einem geheimen Buch zu erhalten, dem homosexuellen Gehilfen des Bibliothekars hingegeben. Da er mit seiner Sünde nicht mehr leben konnte, hatte er Selbstmord begangen. Den "Schlüssel" zur Bibliothek (einen mit Geheimtinte auf ein Stück Pergament geschriebenen Code) hatte er vorher noch seinem Freund, dem Übersetzer, gegeben. Dieser wiederum war nach der Lektüre des besagten Buchs gestorben und der Bibliothekarsgehilfe hatte seine Leiche "beseitigt", um den Verdacht von sich abzulenken. Die Frage ist nur: Woran ist der Übersetzer eigentlich gestorben und was macht das Buch zu etwas derart Besonderem?

Nachdem Adson eher versehentlich von einer jungen Dorfbewohnerin verführt worden ist, die ihre Liebesdienste normalerweise im Austausch für Nahrungsmittel den alten Mönchen angedeihen läßt, und nachdem die anderen Teilnehmer des Disputs eingetroffen sind, gibt es einen weiteren Todesfall. Berengar von Arundel, der homosexuelle Bibliothekarsgehilfe, ertrinkt in einem Badezuber. William ist nicht überrascht, schwarze Flecken an den Fingern und auch an der Zunge des Ertrunkenen vorzufinden. William und Adson entdecken endlich einen geheimen Zugang zu der gewaltigen, labyrinthischen Bibliothek. Ihre Erkundung endet vor einer verspiegelten Geheimtür, die sich nicht öffnen läßt. Die beiden müssen unverrichteter Dinge wieder abziehen. Die Serie der mysteriösen Todesfälle reißt auch während des theologischen Disputs nicht ab. Der Bruder Botanikus findet das Verbotene Buch und wird deshalb von Bruder Malachias, dem Bibliothekar, erschlagen. Malachias selbst fällt, wie William richtigerweise annimmt, dem Buch zum Opfer. Denn jeder, der es liest, kommt mit einem auf die Seiten geschmierten tödlichen Gift in Kontakt. Der Abt entbindet William von seinem Ermittlungsauftrag, denn der Inquisitor Bernardo Gui trifft im Kloster ein. Mit ihm hat William in der Vergangenheit schon schlimme Erfahrungen gemacht, denn er selbst war früher ebenfalls Inquisitor und ist einmal nur knapp dem Scheiterhaufen entkommen, nachdem er sich für einen Delinquenten eingesetzt hatte. Prompt kommt Gui den beiden ehemaligen Ketzern auf die Schliche und läßt sie verhaften. Auch das Bauernmädchen, in das Adson sich verliebt hat, wird in Ketten gelegt, denn man hält sie für eine Hexe. Bei der Verhandlung über die drei Gefangenen zieht Gui ausgerechnet William hinzu. Erneut ergreift der Franziskaner die Partei der eigentlich schon vorab Verurteilten und bringt sich dadurch selbst in Gefahr. Der gnadenlose Inquisitor ist sowieso überzeugt, mit den drei Unglücklichen die Schuldigen für die Morde gefunden zu haben - sie sollen auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden.

William weiß es besser. Er entziffert den mit Geheimtinte geschriebenen Code und dringt mit Adson in das Zimmer hinter der Spiegeltür vor. Dort wartet schon der blinde Jorge de Burgos auf sie. Er, der frühere Abt, ist derjenige, der hinter allem steckt. Und alles nur wegen eines Buches, genauer gesagt wegen eines Werks von Aristoteles, in dem die Komödie behandelt wird. Jorge hält dieses Buch, von dem es nur diese eine Abschrift gibt, für gefährlich, weil seiner Meinung nach der Glaube ohne die Furcht nicht möglich wäre und weil das Lachen ein Feind der Furcht sei. Durch das Buch werde also der Glaube und die Stellung der Kirche gefährdet. Jorge hat die Seiten des Buchs mit Gift präpariert, damit niemand, der es liest, sein Wissen darüber weitergeben kann. Heimtückisch fordert er William auf, ruhig in dem Buch zu lesen, doch der gewitzte Franziskaner ist schlauer und streift sich Handschuhe über. Als Jorge erkennt, daß er seinen Widersacher nicht auf diese Weise aus dem Weg räumen kann, legt er Feuer und vernichtet so die gesamte Bibliothek und ihren unschätzbar wertvollen Inhalt. Er selbst stopft sich die vergifteten Seiten des bewußten Buchs in den Mund und findet sein Ende in den Flammen. William und Adson entkommen dem Inferno nur mit knapper Not. Das Bauernmädchen hat der Feuersbrunst sein Leben zu verdanken, denn durch die Katastrophe werden Mönche und Inquisitoren abgelenkt, so daß die schon zum Aufstand bereiten Dorfbewohner die Ärmste noch rechtzeitig vom Scheiterhaufen holen können. Bernardo Gui stürzt nach tatkräftiger Mithilfe der Dörfler in seine eigenen Folterinstrumente und wird aufgespießt.

Am nächsten Tag ist die Abtei weitgehend zerstört. William und Adson reiten von Dannen - am Wegesrand wartet zwar das Mädchen auf den Novizen, aber er entscheidet sich dann doch für ein Leben als Mönch...

Der Film:

Völlig zu Recht wird der Film in den Eröffnungstiteln als Palimpsest des gleichnamigen Romans von Umberto Eco bezeichnet. Bei einem Palimpsest handelt es sich nämlich um ein Dokument (i.d.R. ein mittelalterliches Pergament), dessen ursprünglicher Text abgewaschen oder abgeschabt und mit einem anderen Inhalt überschrieben worden ist. Und so findet sich auch der ursprüngliche Inhalt des Buchs nur zu einem kleinen Teil in diesem Film wieder, teilweise - vor allem am Schluß - wurde die Handlung auch stark abgewandelt. Eigentlich wird für den Film nur die Rahmenhandlung verwendet, die im Buch lediglich als Gerüst für ausschweifende philosophische und geschichtliche Exkurse sowie für die detailverliebte Darstellung des Alltagslebens in einem Kloster dient. Der Glaubensstreit mit seinen pointierten Dialogen, der im Film nur quasi nebenbei abgehandelt wird, ist ebenfalls ein zentrales Thema in Ecos Roman. Selbst in der Rahmenhandlung wird teilweise erheblich von der Romanvorlage abgewichen, denn das Ende des Films stimmt überhaupt nicht mehr mit dem Roman überein. Im Buch wird das Mädchen tatsächlich verbrannt und der Inquisitor (der im Roman eine viel kleinere Rolle spielt als im Film) stirbt nicht. Der Film soll wohl die Erwartungshaltung des Kinogängers befriedigen: Die "Guten" müssen Erfolg haben und die "Bösen" müssen bestraft werden. Dieses Klischee wird im Film ausgiebig bedient.

Trotz allem ist "Der Name der Rose" natürlich kein schlechter Film! Man sollte ihn jedoch als eigenständiges Werk ansehen, nicht als werksgetreue Umsetzung des Romans und man sollte sich klarmachen, daß ein Film, in dem endlos über theologische Fragen diskutiert wird, wahrscheinlich auch ziemlich langweilig geworden wäre. Wer hätte einen solchen Film sehen wollen? Ich kenne Leute, die von Ecos Roman sogar nur die Krimi-Passagen gelesen haben, weil der ganze Rest sie einfach nicht interessiert hat! Es ist also völlig in Ordnung, daß die Story des Films sich auf den verwickelten Kriminalfall konzentriert. Diese Geschichte wird spannend erzählt, es gibt viele sehr stimmungsvolle und einige sogar recht gruselige Szenen. Und ein bißchen was von dem Hintergrundthema, das im Roman so ausführlich behandelt wird, hat ja auch den Weg in den Film gefunden. Unterdrückung des Wissens bzw. der Wissenschaften durch die (von Jorge personifizierte) Kirche, die blind gegenüber allem ist, was nicht ihrer Doktrin entspricht (wer zuviel wissen will, muß sterben), das sture Beharren auf Althergebrachtem, der unter dem Deckmantel des Christentums verborgene Aberglaube, der paranoide Wahn, alle Abweichler ausmerzen zu müssen... All das wird zumindest angerissen, auch wenn es vielleicht nicht sofort ins Auge springt. So wird ein interessantes Bild des Mittelalters gezeichnet, wenn auch vielleicht ein nicht ganz korrektes. Aber meine Geschichtskenntnisse reichen nicht aus, um wirklich zu beurteilen, ob die historischen Fakten im Film richtig wiedergegeben werden, ob Ausstattung und Kulissen für das Jahr 1327 passend sind und so weiter. Man muß aber sagen, daß alles sehr glaubwürdig wirkt und daß dadurch eine sehr stimmige Atmosphäre erzeugt wird.

Die düstere, bedrohliche Atmosphäre des ganzen Films wird noch durch die Musik verstärkt, auch Möchschoräle kommen dabei zum Einsatz. Die hervorragenden Schauspieler machen den Film erst recht zu einem unbedingt sehenswerten Erlebnis. Connery und Slater stellen in der Tradition von Holmes und Watson ein tolles Gespann dar, die diversen Mönche decken das gesamte Spektrum von "leicht verschroben" über "ziemlich bizarr" bis zu "total durchgedreht" ab, Valentina Vargas spielt ihre Rolle wie ein verschrecktes Tier, das gar nicht begreift, was mit ihm geschieht, Ron Perlman ist einfach die perfekte Besetzung für den Krüppel Salvatore und F. Murray Abrahams Rolle ist zwar etwas zu eindimensional, aber er spielt den Inquisitor richtig schön diabolisch.

Zwar verliert der Film etwas von seinem Reiz, wenn man die Auflösung der Geschichte schon kennt und das etwas zu "schöne" Ende entwertet diese Geschichte zu Teil, aber ich sehe den Film immer wieder gern.

Die DVD:

An die TV-Ausstrahlung von "Die Abtei des Verbrechens" kann ich mich noch gut erinnern. Dieser etwas mehr als 40 Minuten lange Beitrag des ZDF aus dem Jahre 1985 wurde seinerzeit vor dem Filmstart ausgestrahlt und ist kein reißerisches "Making of" zu Werbezwecken, wie man es heute kennt, sondern wurde im Stil einer ernsthaften Dokumentation aufgezogen. Das Ganze wirkt dann zwar etwas arg behäbig, ist aber mal was anderes als der wenig aussagekräftige, hektisch geschnittene Müll, der heutzutage so unter dem Namen "Dokumentation" verkauft wird! Es wird einiges von den Sets und den Dreharbeiten gezeigt (köstlich: Sean Connery, Feodor Chaliapin jr. und Volker Prechtel üben Mönchsgesang - klingt ziemlich schräg!), Hauptdarsteller und Regisseur werden interviewt. Im wesentlichen geht es aber um die Frage, wie nah der Film denn nun am Roman ist, und dazu kommt auch Umberto Eco selbst zu Wort. Schon lustig, sich heute die etwas konservativen Ansichten über eine Verfilmung auf "Unterhaltungskino-Niveau" anzuhören... Sehr interessant sind die Aufnahmen des deutschen Klosters Eberbach im Rheingau, wo viele der Innenszenen gedreht wurden, und der beeindruckenden Kloster-Kulissen, die vor den Toren Roms aufgebaut worden sind. Ein Sprecher erzählt während der Dokumentation die Story von Film und Buch nach.

"Multimedia-Fotogalerie mit Jean-Jacques Annaud" heißt das zweite interessante Extra dieser DVD. Was bitte soll man sich denn darunter vorstellen? Nun, ganz einfach: Annaud zeigt ca. 15 Minuten lang Fotos von den Dreharbeiten und erzählt dazu interessante Details und Anekdoten vom Alltag auf dem Set. Komischer Titel also, dennoch ein schöner Beitrag, der übrigens aus dem Jahr 2004 stammt und auch untertitelt ist (Annaud spricht englisch).

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