Moon


Moon (GB, 2009)

Blu-ray, Koch Media
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 93 Minuten

Extras
- Audiokommentar mit Regisseur Duncan Jones, Kameramann Gary Shaw, Designer Gavin Rothery und Tony Noble
- Audiokommentar mit Regisseur Duncan Jones und Produzent Stuart Fenegan
- Original Kinotrailer

Regie:
Duncan Jones

Hauptdarsteller:
Sam Rockwell (Sam Bell)
Kevin Spacey (Stimme von GERTY)
Dominique McElligott (Tess Bell)




Inhalt:

Auf der erdabgewandten Seite des Mondes wird Helium-3 abgebaut, eine Substanz, die durch die intensive Sonneneinstrahlung so stark aufgeladen ist, dass bereits geringe Mengen ausreichen, um den Energiebedarf der gesamten Menschheit auf der Erde zu decken. Der Konzern "Lunar Industries" betreibt zu diesem Zweck die Mondbasis SARANG. Astronaut Sam Bell ist der einzige Mensch in SARANG. Er hat sich vertraglich verpflichtet, drei Jahre auf dem Mond zu verbringen. Er hat nicht viel zu tun, denn die Abläufe sind fast gänzlich automatisiert. Riesige Erntemaschinen kriechen über die Mondoberfläche und sammeln Helium-3, die Ausbeute wird mit unbemannten Raumkapseln zur Erde geschossen. Sam muss lediglich die Vorgänge überwachen und ab und zu volle Helium-3-Behälter von den Erntemaschinen zur Basis bringen. Sein einziger "Gefährte" ist GERTY, eine künstliche Intelligenz, die darauf programmiert ist, ihn zu unterstützen und zu beschützen. Es gibt nicht einmal eine Live-Funkverbindung zur Erde, denn der Übertragungssatellit ist nicht mehr voll funktionsfähig. Sam kann lediglich aufgezeichnete Botschaften empfangen und ebensolche Nachrichten zurückschicken. Dies ist die einzige Möglichkeit für ihn, mit seiner Frau Tess und seiner kleinen Tochter zu kommunizieren. Als sich das Ende der Dreijahresfrist nähert, beginnt Sam unter zunehmenden Beschwerden zu leiden. Er hat immer öfter Kopfschmerzen und Hallunzinationen. Letztere führen zwei Wochen vor Schichtende dazu, dass Sam bei einer Fahrt mit einem der Mond-Rover einen Unfall baut: Das Fahrzeug gerät unter die Gleisketten einer Erntemaschine.

Wenig später erwacht Sam in der Krankenstation von SARANG. Er kann sich an nichts erinnern, fühlt sich aber viel besser als zuvor. Es geschehen jedoch Dinge, die sich Sam nicht erklären kann. GERTY scheint sich live mit jemandem auf der Erde zu unterhalten, woraufhin das Rettungsteam "Eliza" zum Mond entsandt wird. Außerdem versucht GERTY zu verhindern, dass Sam die Basis verlässt. Als ihm das durch einen Trick doch noch gelingt, stellt er fest, dass ein Raumanzug und ein Rover fehlen. Letzterer klemmt immer noch unter der Erntemaschine fest, wie Sam feststelt, als er zur Unglücksstelle fährt. In dem Rover sitzt jemand - er selbst. Sam bringt den Verletzten zur Basis. Die beiden Männer begreifen schnell, dass zumindest einer von ihnen ein Klon sein muss. Aber wer ist das Original? Es stellt sich heraus, dass sie beide Klone sind: Sam 1, der schon fast drei Jahre auf der Basis verbracht hat, und Sam 2, der gleich nach dem Unfall des ersten Klons (der im Rover hätte sterben sollen) erweckt wurde. Da Sam 2 genauso unbeherrscht ist, wie Sam 1 es zu Beginn seiner Schicht war, kommt es zum Streit. Schließlich raufen sie sich aber zusammen. Von GERTY erfahren sie, dass ihre Erinnerungen nur Kopien des originalen Sam Bell sind - auch die Botschaften von Tess sind nicht echt und der Relaissatellit ist keineswegs defekt, sondern wird durch Störsender blockiert. Es gibt ein geheimes Lager in der Basis, in dem Dutzende, wenn nicht Hunderte weiterer Klone bereitgehalten werden. Der Grund dafür wird klar, als sich der Gesundheitszustand von Sam 1 dramatisch verschlechtert. Offensichtlich haben die Klone eine Lebensdauer von nur drei Jahren, und wenn sie sich am Schichtende in die vermeintliche Raumkapsel legen, die sie zur Erde zurückbringen soll, werden sie darin verbrannt.

Als Sam 1 die Störzone verlässt, kann er erstmals echten Kontakt zur Erde herstellen. Er ruft bei sich zu Hause an und bekommt seine Tochter auf dem Bildtelefon zu Gesicht - als Erwachsene. Tess ist schon vor längerer Zeit gestorben. Offensichtlich sind schon seit vielen Jahren Generationen von Klonen in SARANG erweckt worden und gestorben. Die beiden Klone sind verzweifelt, als sie die Wahrheit erkennen. Außerdem ist das "Rettungsteam" in Wahrheit entsandt worden, um die Situation gegebenenfalls mit Gewalt zu bereinigen. Sam 2 will einen dritten Klon erwecken und diesen anstelle von Sam 1 als Leiche im verunglückten Rover platzieren. Sam 1 soll sich in einer Helium-3-Kapsel verstecken und auf diesem Weg zur Erde zurückkehren. Sam 2 ist bereit, seine Rolle auf dem Mond weiterzuspielen. Sam 1 weiß jedoch, dass es mit ihm zu Ende geht. Also übernimmt er die Rolle des Toten im Rover. GERTY lässt zu, dass Sam 2 alle Datenspeicher löscht, denn die KI zeichnet permanent alles auf, was in der Basis geschieht. Das "Eliza"-Team findet den toten Sam 1. Sam 2 versteckt sich in der Kapsel und kehrt zur Erde zurück. Zuvor programmiert er die Erntemaschinen so, dass sie die Störsender rammen. Sam 3, der noch nicht erwacht ist und keine Ahnung von den Geschehnissen hat, bleibt auf dem Mond, betreut vom neu gebooteten Roboter GERTY. Als Sam 2 auf der Erde ankommt und die Wahrheit publik macht, stürzt der Aktienkurs von Lunar Industries ab, denn auf der Erde wusste niemand, auf welche Weise der Konzern sich seine billigen Arbeitskräfte beschafft...

Der Film:

Dass ich das noch erleben darf: Endlich gibt's wieder mehr Science Fiction - Filme, die diesen Namen wirklich verdienen. An Superhelden- und sonstigen Comic-Verfilmungen habe ich mich fast schon satt gesehen, Krieg im Weltall muss nicht immer sein, Endzeit-Szenarien wurden schon zur Genüge geboten, -zig Variationen von notdürftig in ein futuristisches Gewand gehüllten Action-Spektakeln hat's schon gegeben, und von den meist unerträglichen All-Age-Fantasy-/Vampirfilmen wollen wir gar nicht erst reden. Stattdessen konnte ich mich im vergangenen Jahr über einige richtig gute, intelligente SF-Filme freuen. Zum Beispiel District 9 und Splice. Cargo und Pandorum zähle ich, wenn auch mit Abstrichen, noch dazu.

Das bisherige Higlight ist aber zweifellos "Moon". Ich hätte nicht gedacht, dass solche Filme überhaupt noch gemacht werden - dass sich das Publikum an andere, schnellere, lautere Kost gewöhnt hat, kann man daran erkennen, dass diesem wunderbaren Stück SF nicht die Beachtung zuteil geworden ist, die angemessen gewesen wäre. Es ist aber auch wirklich eine Zumutung: Ein Film, in dem die meiste Zeit überhaupt nichts passiert, in dem noch nicht mal besonders viel geredet wird und bei dem der Zuschauer somit ein wenig aufpassen muss, um zu begreifen, worum es in der Story geht. Oh Gott! Eine Story! Wie soll man denn dem handelsüblichen Popcornfresser, der sich gern von Bombast und bunten Effekten blenden lässt und der nach 10 Minuten schon wieder vergessen hat, was auf der Leinwand gerade vor sich gegangen ist, begreiflich machen, was eine Story überhaupt ist? Aber ich schweife ab. Tatsächlich ist "Moon" ein sehr ruhiger Film fast ohne Action. Es wird keine Waffe abgefeuert, es gibt kaum Explosionen oder dergleichen, und es gibt zwar einen Toten, aber der stirbt eines mehr oder weniger natürlichen Todes. Trotzdem ist der Film ungemein spannend, ergreifend und traurig, ohne kitischig, schwülstig oder pathetisch zu sein. Der realistische Look der kargen, streng funktionalen Raumstation, der Fahrzeuge und Maschinen usw. mag auf den ersten Blick unspektakulär wirken, aber gerade der Verzicht auf Übertreibungen im Design hat seinen besonderen Reiz. Ältere Semester fühlen sich darüber hinaus sofort an 2001 - Eine Odyssee im Weltraum oder Mondbasis Alpha 1 erinnert...

Dass man von der ersten bis zur letzten Minuten gefesselt ist, liegt aber vor allem an der Spielfreude und Wandlungsfähigkeit des Hauptdarstellers. Kann man das als One-Man-Show bezeichnen? Schließlich tritt er in einer Doppelrolle auf. Er allein trägt den ganzen Film mühelos. Es dauert eine ganze Weile, bis es zur entscheidenden Wendung kommt, aber das heißt nicht, dass die Anfangsphase des Films langweilig wäre. Keineswegs! Sams Arbeitsalltag, sein Umgang mit der Einsamkeit usw. wissen bereits zu gefallen. Dann hat Sam Nr. 2 seinen Auftritt, und von diesem Augenblick an kann Sam Rockwell richtig auftrumpfen. Man kann fast nicht glauben, es mit ein und demselben Schauspieler zu tun zu haben - die Unterschiede zwischen dem frisch erweckten, draufgängerischen neuen Klon und seinem viel abgeklärteren, leider allmählich aus dem Leim gehenden Vorgänger könnten kaum größer sein. Übrigens wird vor einzelnen drastischen Szenen nicht zurückgeschreckt: Sam Nr. 1 kotzt sich fast die Seele aus dem Leib, wobei ein Zahn auf der Strecke bleibt und aus der Kloschüssel gefischt werden muss... Rockwell arbeitet die Gegensätze und Gemeinsamkeiten der beiden Klone wunderbar heraus. Man kann sich mit ihnen identifizieren und Anteil an ihrer Verzweiflung nehmen, wenn ihnen buchstäblich vor Augen geführt wird, dass ihr vermeintliches Leben nur eine Illusion ist. Dass sie wie seelenlose Werkzeuge benutzt wurden, die man nach Gebrauch wegwirft. Und dass es kein Zuhause gibt, zu dem sie zurückkehren könnten. Der immer wieder aufblitzende trockene Humor nimmt der düsteren, melancholischen Atmosphäre etwas die Spitze.

Natürlich sind nicht nur optische, sondern auch inhaltliche Parallelen zu SF-Klassikern unübersehbar, aber ich würde das eher als Hommage denn als Plagiat bezeichnen. GERTY erinnert sicher nicht zufällig an HAL 9000 aus "2001". Obwohl GERTY nur einer Programmierung folgt, weiß man lange nicht, ob er es "ehrlich" meint. Er entwickelt dann fast menschliche Züge - visualisiert durch Smileys auf einem kleinen Frontdisplay. Diese Vermenschlichung geht mir allerdings ein klein wenig zu weit. Die Idee künstlicher Menschen mit künstlichen Erinnerungen, die sich fragen, wer sie eigentlich sind und was sie aus ihrer Existenz machen sollen, ist ebenfalls nicht neu - siehe Blade Runner. "Moon" hat aber durchaus eigene Antworten auf solch tiefschürfende Fragen zu bieten. Der wunderbar stimmungsvolle Soundtrack verdient besondere Erwähnung. Jetzt höre ich aber lieber auf mit den Lobeshymnen, sonst erwartet ihr vielleicht zuviel. "Moon" ist ein herrlich "altmodischer" SF-Film - wenn es sowas überhaupt geben kann. Anschauen! Es lohnt sich!

Blu-ray-Features:

Da ich mir die Audiokommentare noch nicht zu Gemüte geführt habe, kann ich zum Bonusmaterial nichts sagen, denn es ist sonst nur noch ein Trailer vorhanden.


J. Kreis, 09.02.2011




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