Monsters


Monsters (GB, 2010)

Blu-ray, Capelight
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 94 Minuten

Extras
- Behind the Scenes of "Monsters" (55:20 Min.)
- Der Schnitt (23:24 Min.)
- Visuelle Effekte (29:03 Min.)
- Interview mit Gareth Edwards (44:15 Min.)
- Interview mit Scoot McNairy und Whitney Able (28:03 Min.)
- Kurzfilm "Factory farmed" (6:40 Min.)
- New York Comic Con (5:01 Min.)
- Monsters online

Regie:
Gareth Edwards

Hauptdarsteller:
Scoot McNairy (Andrew Kaulder)
Whitney Able (Samantha Wynden)




Inhalt:

Eine Weltraumsonde der NASA, die nach außerirdischen Lebensformen im Sonnensystem suchen sollte, kehrt zur Erde zurück und stürzt über Mexiko ab. Offensichtlich war die Mission der Sonde erfolgreich, denn kurz nach dem Absturz werden im betroffenen Gebiet unbekannte Lebewesen gesichtet. Ihr Lebenszyklus beginnt mit schwammartigen Wucherungen an Bäumen, aus denen Lebewesen entstehen, die über die Flüsse ins Meer wandern. Dort entwickeln sie sich weiter und kehren dann an Land zurück. Sie werden bis zu hundert Meter groß und erinnern an Kraken mit zahlreichen Tentakelarmen und Spinnenbeinen. Sechs Jahre nach dem Absturz haben sich die Fremdwesen über den größten Teil Mittelamerikas ausgebreitet. Das Gebiet wurde zur "Infizierten Zone" erklärt. Die USA haben eine gigantische Mauer entlang ihrer Grenze errichtet und führen immer wieder Angriffe auf die Infizierte Zone durch. Auch das mexikanische Militär versucht die Fremdwesen in Schach zu halten. Durch ständige Luftangriffe und den Einsatz von Giftgas sind weite Teile Mexikos unbewohnbar geworden.

Der Fotoreporter Andrew Kaulder befindet sich in San Jose, südlich der Infizierten Zone, um Bilder von den Fremdwesen zu machen. Sein Verleger hat jedoch einen anderen Auftrag für ihn. Kaulder soll dessen Tochter Samantha, genannt "Sam", zurück in die USA bringen. Sam war in der Gegend unterwegs und wurde bei einem Angriff der Fremdwesen verletzt. Die Zeit drängt, denn aufgrund der nahenden Paarungszeit, in der die Fremdwesen aktiver sind als sonst, wird es schon bald keine Fährverbindung mehr geben, und der Seeweg ist die einzige sichere Möglichkeit, in die USA zu gelangen. Ein Fährticket kostet inzwischen 5000 Dollar. Kaulder zahlt zähneknirschend, nur um nach einer durchzechten Nacht festzustellen, dass ein Mädchen, mit dem er sich eingelassen hat, mitsamt seiner Brieftasche verschwunden ist. Darin hatte er seinen und Sams Pass aufbewahrt, und ohne Pässe ist die Ausreise nicht möglich. Somit bleibt den beiden nur die gefährliche Reise durch die Infizierte Zone. Für den Transport dorthin und für eine bewaffnete Eskorte sind weitere 10.000 Dollar fällig - Sam versetzt ihren Verlobungsring, um den Betrag bezahlen zu können.

Während der mehrtägigen Reise kommen sich Andrew und Sam näher. Eines Nachts taucht eines der Fremdwesen auf. Als die Schleuser es beschießen, greift es an und tötet die Eskorte. Andrew und Sam sind nun auf sich allein gestellt. Nach tagelangem Marsch erreichen sie die Mauer und wähnen sich in Sicherheit. Doch auch das Gebiet hinter der Mauer wurde bereits evakuiert; die Fremdwesen sind längst in die USA vorgedrungen. In einer Tankstelle, die noch Strom hat, können Andrew und Sam telefonisch um Hilfe rufen. Eine Militärpatrouille wird benachrichtigt und soll sie abholen. Während der Wartezeit nähern sich zwei Fremdwesen der Tankstelle. Andrew und Sam stellen fest, dass die Wesen keineswegs aggressiv sind. Sie interessieren sich überhaupt nicht für die Menschen, sondern nur füreinander. Sie begrüßen sich sanft und ziehen bald wieder ab, ohne irgendwelche Zerstörungen angerichtet zu haben. Sam möchte inzwischen gar nicht mehr nach Hause zurückkehren, aber der wenig später eintreffende Rettungstrupp nimmt die beiden mit. Der Konvoi begegnet einem Fremdwesen und eröffnet das Feuer, so dass es sich wehrt. Die Soldaten fordern Luftunterstützung an. Ein Kampfjet feuert Raketen auf das Wesen ab.

Der Film:

Der Film beginnt mit diesem Ende: Man sieht, wie sich der Militärkonvoi der Tankstelle nähert und wie es zum Kampf mit dem Fremdwesen kommt. Ob Andrew und Sam das ausbrechende Chaos überleben, ist ungewiss. Solche Enden mag ich eigentlich gar nicht, ansonsten gefällt mir "Monsters" recht gut. Allerdings wusste ich vorher, dass der Film mit einem Minimal-Budget gedreht worden ist, und habe deshalb kein bombastisches Effekt-Spektakel erwartet. Umso angenehmer war ich davon überrascht, dass man dem Film das geringe Budget zu keinem Zeitpunkt ansieht. Im Gegenteil! "Monsters" muss sich vor Hollywood-Großproduktionen nicht verstecken. Da an Originalschauplätzen gedreht wurde und nicht in eigens aufgebauten Sets, gewinnt der Film außerdem eine unglaubliche Authentizität. Man akzeptiert alles, was man sieht, sofort als Realität. Fast könnte "Monsters" als Dokumentarfilm durchgehen. Dass außer den beiden Hauptdarstellern praktisch nur Menschen agieren, die der Regisseur vor Ort angetroffen und kurzerhand verpflichtet hat, trägt nicht unerheblich zur Atmosphäre der Echtheit bei. Man kann kaum glauben, dass z.B. der Fährticketverkäufer kein professioneller Schauspieler ist, sondern ein Cafebesitzer, der in eine Uniform gesteckt wurde! Die Fremdwesen sind nur sehr selten zu sehen, meist sind sie dann auch noch größtenteils im Schatten verborgen oder man sieht sie nur in unscharfen, verwackelten Fernsehbildern. Dennoch oder gerade deswegen wirken sie absolut glaubwürdig. Die seltenen Momente, in denen mehr von ihnen gezeigt wird als ein Tentakel hier oder ein Schwamm an einem Baum dort, sind dann umso beeindruckender.

"Monsters" ist kein Monsterfilm. Die Fremdwesen sind jedenfalls keine Monster. Sie sind offenbar nicht aggressiv, und es sieht so aus, als sei es für die in der Infizierten Zone lebenden Menschen durchaus möglich, sich mit ihnen zu arrangieren. Die Fremdwesen gehören fast schon zum Alltag. Nicht vor ihnen müssen sich die Menschen schützen, sondern vor den ständigen Giftgas-Angriffen des Militärs, und hauptsächlich vor den Folgen der Militäreinsätze, weniger vor den Fremdwesen, haben sie Angst. Die Kreaturen schlagen nur zu, wenn sie angegriffen werden. Aufgrund ihrer schieren Größe richten sie dann - aber nur dann - natürlich gewaltige Schäden an. Am Ende erkennen Andrew und Sam fasziniert, wie schön diese Wesen eigentlich sind. Die Botschaft ist klar: Nicht die Fremdwesen sind die Monster, sondern diejenigen, die nicht fähig sind, sie einfach als neue Mitbewohner der Erde zu akzeptieren und die nicht anders reagieren können als mit Gewalt. Unübersehbar sind auch Anspielungen auf aktuelle realweltliche Probleme: Etwas ähnliches wie die Mauer zwischen der Infizierten Zone und den USA gibt es ja in der Realität auch. Ist das als Kritik an der Einwanderungspolitik der USA gemeint? Der Regisseur bestätigt es in den Interviews des Bonusmaterials nicht, streitet es aber auch nicht ab.

Actionszenen sind rar, aber das schadet nicht. Stattdessen ist man die meiste Zeit mit den Protagonisten unterwegs durch mehr oder weniger verlassene Landschaften. So schön und atmosphärisch diese Szenen sein mögen - es schleichen sich doch nicht unerhebliche Längen ein. Jedenfalls kann man "Monsters" nicht mit District 9 vergleichen, dem der Film ansonsten in einigen Punkten ähnelt. Kann ich euch den Film denn nun empfehlen oder nicht? Ja, aber ihr dürft kein episches Menschen-gegen-Monster-Kampfspektakel erwarten und müsst euch auf eine eher ruhige Reise incl. Liebesgeschichte einlassen, sonst werdet ihr von diesem Film mit Sicherheit enttäuscht sein. Wenn man sich bewusst macht, das es praktisch kein Drehbuch gegeben hat, und dass die beiden Hauptdarsteller fast in jeder einzelnen Szene improvisieren, dann sieht man den Film gleich mit ganz anderen Augen.

Blu-ray-Features:

Die Ausstattung mit Bonusmaterial ist sehr üppig! Zum Audiokommentar und den Online-Features kann ich nichts sagen - ersteren habe ich mir noch nicht zu Gemüte geführt, letztere kann ich nicht nutzen. Übrigens: Der Film ist eigentlich frei ab 12 Jahren. Die Blu-ray ist wahrscheinlich nur wegen des Werbetrailers für den Film "Four Lions", der vor dem Öffnen des Hauptmenüs automatisch startet, mit FSK 16 eingestuft worden.

Nimmt man "Behind the Scenes...", "Visuelle Effekte" und "Der Schnitt" zusammen, dann erhält man eine abendfüllende Filmdokumentation, die keine Wünsche offen lässt. Man ist mit dem Mini-Filmteam unterwegs an den verschiedenen Originalschauplätzen und sieht, wie spontan die Dreharbeiten abgelaufen sind, und wie es der Regisseur trotz des winzigen Budgets mit geschickten Montagen und behutsam dosierten CGI-Effekten geschafft hat, eine glaubwürdige Welt zu erschaffen. Der Regisseur hat sich nicht nur gleichzeitig als Kameramann betätigt, sondern auch fast alle Computergrafiken selbst erstellt. Hut ab! Anhand der entsprechenden Featurette habe ich erst erkannt, wie viel eigentlich digital verändert wurde - während des Films ist mir das z.T. gar nicht aufgefallen. Außerdem erfährt man, dass Scoot McNairy und Whitney Able wirklich ein Paar sind - nach den Dreharbeiten haben sie geheiratet. Witzig: Einen Schneideraum gab's vor Ort natürlich auch nicht, deshalb musste der Cutter sein Hotelzimmer ein wenig umgestalten, um vernünftig arbeiten zu können...

Hinzu kommen zwei Interview-Featurettes, in denen zwar zum großen Teil lediglich die Filmhandlung nacherzählt wird und die Hauptfiguren vorgestellt werden, die aber auch interessante Aussagen des Regisseurs über seine Vorstellungen vom Filmemachen enthalten. Die Hauptdarsteller erzählen, wie schwierig es war, ganz ohne Drehbuch arbeiten und alles improvisieren zu müssen. In der Featurette "New York Comic Con" bekommt man nur einen kurzen Ausschnitt eines Interviews mit dem Regisseur zu sehen, das wahrscheinlich viel länger gewesen ist. Viel neues erfährt man da nicht mehr.

Zu guter Letzt gehört auch noch der Kurzfilm "Factory farmed" mit einer Einleitung des Regisseurs zum Bonusmaterial. Gareth Edwards hat mit diesem Film im Jahre 2008 einen Wettbewerb bei einem SF-Film-Festival gewonnen. Die Machart ist ähnlich wie bei "Monsters". Es geht um Klone, die in einer Fabrik hergestellt werden und dann offenbar eine lebensfeindliche Umgebung erkunden müssen, wobei sie sich quasi selbst begegnen.


J. Kreis, 09.06.2011




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