Masters of Horror


Homecoming (USA, 2005)

Blu-ray, Splendid Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 57 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Hinter den Kulissen (70:49 Min.)

Regie:
Joe Dante

Hauptdarsteller:
Jon Tenney (David Murch)
Thea Gill (Jane Cleaver)
Robert Picardo (Kurt Rand)




Inhalt

Die Republikaner stehen nicht zu Unrecht auf dem Standpunkt, dass sich ein zur Verteidigung der USA im Ausland geführter Krieg positiv auf die Gunst der Wähler auswirkt. Weniger gut macht es sich, wenn mitten im Wahlkampf jemand wie Janet Hofstadter in einer Fernseh-Talkshow zu Wort kommt, deren Sohn Gordon in diesem Krieg gefallen ist. Sie stellt die berechtigte Frage, wofür ihr Sohn überhaupt gekämpft hat. Schließlich wurden in dem von den USA attackierten Land keine Massenvernichtungswaffen gefunden und es gab dort auch kein Atomprogramm. Live im Studio sind David Murch, der Redenschreiber des amtierenden republikanischen Präsidenten, und die noch weiter rechts stehende Publizistin Jane Cleaver. David überrascht sich selbst, indem er ehrlich antwortet. Wenn er nur einen einzigen Wunsch frei hätte, so bringt David unter Tränen heraus, dann würde er sich wünschen, Mrs. Hofstadters Sohn möge zurückkommen. Dann könne Gordon selbst sagen, wie wichtig der Krieg sei. Davids Chef Kurt Rand ist begeistert, denn der aus tiefstem Herzen kommende Wunsch findet in der Öffentlichkeit so großen Anklang, dass der Präsident ihn übernimmt und den Satz fortan bei jedem Auftritt wiederholt. Jane ist ebenfalls beeindruckt. Sie beginnt ein Verhältnis mit David.

Davids Wunsch geht in Erfüllung. Alle während des aktuellen Auslandseinsatzes gefallenen Soldaten kehren als Zombies zurück. Sie lassen sich nicht aufhalten und torkeln stoisch weiter, egal ob man sie mit Kugeln durchsiebt oder ihnen Gliedmaßen abtrennt ... aber nicht, um über die Lebenden herzufallen und sich an deren Fleisch zu laben, sondern um zu wählen. Die Untoten wollen ihre Stimmen in der laufenden Präsidentschaftswahl abgeben. Dieses Bürgerrecht wird ihnen nicht verweigert, zumal sie endgültig sterben, sobald sie den Stimmzettel in die Urne geworfen haben. Dann stellt sich heraus, dass kein einziger Soldat auf der Seite des amtierenden Präsidenten steht. Allen Untoten ist klar, dass sie in einem von ihm angezettelten sinnlosen Krieg verheizt worden sind. Sie wollen verhindern, dass so etwas in Zukunft noch einmal geschieht. Wahlkampfleiter Rand und seine Teammitglieder haben im Grunde nichts zu befürchten. Die Anzahl der Gefallenen ist relativ gering, ihre Stimmen sind nicht wahlentscheidend. Doch einige Untoten können sprechen und treten vor die Kamera, um dem amerikanischen Volk zu sagen, dass es betrogen worden ist. Anti-Republikanische Stimmung macht sich breit. Daher werden alle Untoten unter dem Vorwand medizinischer Untersuchungen interniert. Man pickt Gordon Hofstadter heraus, damit er eine vorgefertigte Erklärung unterzeichnet, in der es um die Rechtmäßigkeit des Krieges geht. Seine Mutter soll ihm gut zusprechen. Als Gordon erkennt, was vorgeht, tötet er Rand.

Währenddessen wird David von verdrängten Erinnerungen an seine Kindheit eingeholt. Als kleiner Junge hat er versehentlich seinen älteren Bruder Philip, einen Vietnamveteranen, mit dessen Waffe erschossen. Damals hat er sich nichts sehnlicher gewünscht, als dass Philip zurückkommen möge. Die Sache wurde totgeschwiegen. Der kleine David sollte glauben, Philip sei in Vietnam gefallen. So erklärt sich seine emotionale Reaktion im Fernsehstudio. Nachdem alle Untoten gewählt und ihre Ruhe gefunden haben, kristallisiert sich eine Niederlage der Republikaner heraus. Kurzerhand fälscht Rands Nachfolgerin die Wahlergebnisse. Als der Sieg des Amtsinhabers öffentlich bekannt gemacht wird, bekommen die Untoten Verstärkung. Millionen Tote aus allen je von den USA geführten Kriegen erheben sich aus den Gräbern, und diesmal sind sie stocksauer. Auf dem Rückweg von einer feuchtfröhlichen Siegesfeier werden David und Jane von wandelnden Toten umzingelt. Jane nimmt die Zombies mit einer Schrotflinte unter Beschuss, bis ihr die Munition ausgeht. David erschießt Jane und richtet die Waffe gegen sich selbst, doch das Magazin ist leer. Die Untoten fordern David auf, sich ihnen anzuschließen. Philip, der ebenfalls zurückgekehrt ist, tötet David, woraufhin dieser sich in einen Zombie verwandelt. Die Regierung flieht ins Ausland. Die Zombies besetzen die Schaltzentralen der Macht. David schwört: Wer es wagt, Soldaten für eine Lüge zu opfern, der wird das wahre Gesicht des Krieges kennenlernen - es ist das Gesicht der Hölle!


Kringels Meinung

"Homecoming" ist die sechste Episode der zwei Staffeln zu je 13 Folgen umfassenden Fernsehserie "Masters of Horror". Die titelgebenden Meister sind namhafte Regisseure des Horror-Genres und sie haben ganz unterschiedliche Beiträge zur Serie beigesteuert. Jede Episode ist eigenständig und in sich abgeschlossen. Es gibt keine übergreifenden Zusammenhänge, weder inhaltlich noch stilistisch. Beide Staffeln sind in je einer Blu-ray-Box erhältlich. Jede Box enthält vier Discs, die es auch gesondert zu kaufen gibt. Die Staffeloxen haben eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten, was allerdings nicht bedeutet, dass alle Filme entsprechend eingestuft wurden. Die meisten sind (wie "Homecoming") frei ab 16 Jahren, außerdem liegen einige der ab 18 Jahren freigegebenen Episoden nur in geschnittener Version vor. Trotzdem habe ich mir die Blu-ray-Box von Staffel 1 zugelegt, denn einen der geschnittenen Filme (Imprint) besitze ich schon in einer Fassung mit voller Laufzeit, und sollten die beiden anderen geschnittenen Episoden genauso gut sein, dann werde ich sie mir auch noch in der Uncut-Version zulegen.

Ich habe unzählige Zombiefilme gesehen, auch so manchen Film dieses Subgenres, in dem es nicht wie ansonsten üblich (z.B. das Remake von "Dawn of the Dead", World War Z und natürlich die Fernsehserie The Walking Dead) um das durch die Zombie-Apokalypse verursachte Ende der Welt geht. Inzwischen gibt es erstaunlich viele Zombie-Komödien, siehe Zombieland oder Shaun of the Dead, wobei letztere auch gleich den Brückenschlag zum Sub-Subgenre der romantischen Komödie mit Zombies schlägt, in dem Warm Bodies besonders hervorzuheben ist. Nicht genug damit! Jetzt werden sogar Klassiker der Weltliteratur zombiefiziert, zum Beispiel Stolz und Vorurteil und Zombies nach einem Roman von Jane Austen aus dem Jahre 1813. Ein politischer Zombiefilm ist mir in all den Jahren aber noch nicht untergekommen! "Homecoming" ist der erste und soweit ich weiß einzige derartige Film. Diese Politsatire ist wirklich extrem bissig. Und das, obwohl die Untoten niemandem etwas zuleide tun, was übrigens als Aufhänger für einen der für die Figur Kurt Rand typischen zynischen Sätze dient. Rand wünscht sich, die wandelnden Toten würden endlich mal herzaft zubeißen, also Angst und Schrecken verbreiten. Dann hätte er wenigstens einen Vorwand, sie in KZs zu stecken. Splatterfans werden nicht auf ihre Kosten kommen, denn abgesehen von einzelnen blutigen Elementen (Zombie-Make-up, Schussverletzungen, ein abgetrennter Arm) sind kaum entsprechende Inhalte vorhanden.

Zynismus durchzieht den ganzen Film. So macht sich Jane nicht zuletzt deshalb an David heran, weil sie hofft, über ihn näher ans Zentrum der Macht rücken zu können. Was ihr ja auch gelingt; David wird ausgebootet, weil er leichtsinnigerweise anfängt, menschliche Regungen wie z.B. Gewissensbisse zu zeigen. Der Name des Präsidenten wird im Film nicht genannt. Wenn man sich das Erscheinungsjahr des Films anschaut, muss man nicht lange grübeln, um darauf zu kommen, welches reale Vorbild gemeint sein könnte. In Bezug auf den zutiefst verlogenen Umgang des Präsidenten und seiner Schergen mit den Medien ist "Homecoming" geradezu prophetisch, haben die USA doch zurzeit ein Staatsoberhaupt, das penetrant gegen so genannte Fake News agitiert und sich die Fakten gleichzeitig selbst so zurechtbiegt, wie es ihm gerade in den Kram passt. Die bitterböse Gesellschaftskritik mag ein bisschen mit dem Holzhammer daherkommen, verfehlt aber ihre Wirkung nicht. Nicht nur die Politiker bekommen ihr Fett weg, auch andere, zum Beispiel die Kirche, werden aufs Korn genommen. Ein Fernsehprediger spricht nur solange von einem göttlichen Wunder, das den gefallenen Helden zuteilgeworden sei, solange nicht bekannt ist, dass diese für den Gegenkandidaten abstimmen wollen. Dann gibt's eine 180-Grad-Wende und plötzlich werden die Wiederkehrer als verdammenswerte Höllenkreaturen bezeichnet. Wenn einem bei "Homecoming" das Lachen im Halse steckenbleibt, dann nur, weil man sich so sehr an die Realität erinnert fühlt ...


Extras

Abgesehen vom Audiokommentar des Drehbuchautors Sam Hamm besteht das Bonusmaterial ausschließlich aus einer Zusammenstellung unkommentierten "Hinter-den-Kulissen"-Materials, das heißt, jemand hat die Dreharbeiten verschiedener Szenen gefilmt. Das ist gar nicht so uninteressant, wird auf diese Weise doch deutlich, wie lange es dauert, bevor die Schauspieler überhaupt in Aktion treten. Zuerst sprechen sie die Szene untereinander und mit dem Regisseur durch (witzig: einzelne Zombies lesen nochmal das Drehbuch), das ganze technische Equipment wird aufgebaut und getestet, das Make-up wird aufgefrischt und es wird ein wenig geprobt. Sobald alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, heißt es "Action" und es wird gedreht - und zwar x-mal, bis die Szene endlich im Kasten ist! Die Aufnahmen werden nach Anweisungen des Regisseurs mehrfach variiert. Allein die im Bonusmaterial enthaltenen Dreharbeiten für eine Szene auf einem Friedhof, in der David erstmals einem Zombie begegnet und die vielleicht drei Minuten lang ist, dauern ungefähr eine Dreiviertelstunde! Außerdem ist deutlich zu sehen, was für ein Gewimmel der verschiedensten Hilfskräfte rund um die Schauspieler herum herrscht.


J. Kreis, 03.10.2018




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