Masters of Horror


Chocolate (USA, 2005)

Blu-ray, Splendid Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 58 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Hinter den Kulissen (40:53 Min.)
- Master of Horror: Mick Garris (13:21 Min.)
- Interview mit Lucy Laurier (15:37 Min.)
- Interview mit Henry Thomas (10:56 Min.)

Regie:
Mick Garris

Hauptdarsteller:
Henry Thomas (Jamie)
Lucie Laurier (Catherine)




Inhalt

Seit der wenige Monate zurückliegenden Scheidung fühlt sich der junge Chemiker Jamie innerlich vollkommen leer. Er hält Diät und isst nur noch Grünzeug. Deshalb glaubt er zunächst an eine Wunschvorstellung, als er eines Nachts mit dem köstlichen Geschmack von Schokolade im Mund aufwacht. In der folgenden Zeit hat er immer wieder ähnliche, verstörend realistische Visionen. Allmählich wird ihm klar, dass es sich um echte außerkörperliche Erfahrungen handelt. Die Sinneseindrücke einer anderen Person - einer jungen Frau - werden auf ihn übertragen. Diese Phasen treten unkontrollierbar auf und irgendwann ist es für Jamie so, als befinde er sich minutenlang gänzlich im Körper der Unbekannten. Da er nicht nur all ihre Wahrnehmungen teilt, sondern auch ihre Emotionen mitempfindet, erfährt er zum ersten Mal in seinem Leben, wie sich wahre Liebe anfühlt. Jamie verliebt sich in die schöne Unbekannte, deren Gesicht er natürlich nur sehen kann, wenn sie sich selbst im Spiegel betrachtet. Eines Tages erlebt Jamie mit, wie die Frau ihren Geliebten ermordet, weil dieser sie betrogen und misshandelt hat. Danach brechen die "Übertragungen" vollständig ab.

Jamie ist besessen von dem Gedanken, die Unbekannte zu finden, um mit ihr zusammenzusein und ihr zu helfen. Er kann sich an so viele Impressionen vom Wohnort der Frau erinnern, dass das Puzzle allmählich Formen annimmt. Die Unbekannte muss als Künstlerin in Vancouver leben. Jamie reist nach Kanada und stößt auf weitere Hinweise, denn die Zeitungen berichten von dem Mord. Es ist kein Problem für Jamie, den Tatort ausfindig zu machen. Dort erfährt er endlich den Namen der Frau: Er lautet Catherine. Nach weiteren Recherchen gelingt es ihm tatsächlich, Catherine aufzustöbern und anzusprechen. Sie reagiert zunächst abweisend, ist dann aber doch bereit, sich zum Essen mit Jamie zu treffen. Er versucht Catherine zu erklären, was er für sie empfindet und warum er sie überhaupt kennt. Catherine fasst Vertrauen zu Jamie, als er sie vor Polizisten warnt, die ihre Wohnung beobachten.

Catherine nimmt Jamie mit nach Hause, sobald die Luft rein ist. Immer wieder versucht Jamie seiner Angebeteten klarzumachen, dass er ihr nur helfen will, doch sie fühlt sich von ihm bedroht. Catherine attackiert Jamie mit einem Revolver, schießt ihn an und geht weiter auf ihn los, als sie den Revolver an ihn verliert. In diesem Moment hat Jamie wieder eine seiner Episoden. Catherine versucht das zu ihrem Vorteil auszunutzen und Jamie zu töten. Jamie, der immer noch durch Catherines Augen sieht, gibt einige ungezielte Schüsse ab. Catherine wird tödlich getroffen. Jamie erlebt ihren Tod mit. Den Polizisten, die wenig später eintreffen, fällt es schwer, diese Geschichte zu glauben.


Kringels Meinung

"Chocolate" ist die fünfte Episode der zwei Staffeln zu je 13 Folgen umfassenden Fernsehserie "Masters of Horror". Die titelgebenden Meister sind namhafte Regisseure des Horror-Genres und sie haben ganz unterschiedliche Beiträge zur Serie beigesteuert. Mick Garris, der bei "Chocolate" Regie geführt hat, ist gleichzeitig Produzent der Serie. Jede Episode ist eigenständig und in sich abgeschlossen. Es gibt keine übergreifenden Zusammenhänge, weder inhaltlich noch stilistisch. Beide Staffeln sind in je einer Blu-ray-Box erhältlich. Jede Box enthält vier Discs, die es auch gesondert zu kaufen gibt. Die Staffeloxen haben eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erhalten, was allerdings nicht bedeutet, dass alle Filme entsprechend eingestuft wurden. Die meisten sind (wie "Chocolate") uncut frei ab 16 Jahren. Drei der ab 18 Jahren freigegebenen Episoden liegen leider nur in geschnittener Version vor.

"Chocolate" ist weder besonders blutrünstig, noch zerrt der Film mit Schockmomenten an den Nerven des Zuschauers. Meiner Meinung nach gehört er gar nicht ins Horrorgenre; es ist eher ein Psychothriller mit übernatürlichen Elementen. Das ist an sich nicht zu beanstanden, schließlich gibt es sehr viele Spielarten der Phantastik. Leider wird aus der Thematik kaum etwas herausgeholt. Zu keinem Zeitpunkt entsteht ein Gefühl der Bedrohung, es existiert keine Grusel-Atmosphäre und nicht einmal im Finale, als Catherine und Jamie aufeinander losgehen, will Spannung aufkommen. Wenn ich das Ganze richtig verstanden habe, tut Catherine nur so, als würde sie Jamie verstehen und als hätte sie die Verbindung ebenfalls gespürt, weil sie ihn in eine Falle locken will. Er weiß zuviel und soll deshalb sterben. Woher die Verbindung zwischen Jamie und Catherine kommt, bleibt unklar. Jamie meint, dass Catherines Gefühle auf ihn überströmen, weil er so leer ist und sie so voller Leben. Na ja.

Der Film ist solange nicht uninteressant, wie Jamie als handlungsunfähiger Beobachter alles miterlebt, was Catherine gerade widerfährt - sei es Sex mit ihrem Lover oder Selbstbefriedigung in der Badewanne. Die entsprechenden Szenen sind in der Egoperspektive gefilmt. Natürlich glaubt Jamie zunächst, dass er träumt. Dann argwöhnt er, jemand sei in der Wohnung, bis er endlich die Wahrheit erkennt. Seine Reaktionen auf die für ihn völlig neue Erlebniswelt der unbekannten Frau wurden gut umgesetzt. Ich habe mich zu Beginn des Films gefragt, woher ich den Hauptdarsteller kenne. Die Erkenntnis war überraschend: Henry Thomas hat den kleinen Elliott in E.T. gespielt! Matt Frewer hat übrigens eine köstliche Nebenrolle als Kollege Jamies, der in der Freizeit mit E-Gitarre und künstlichem Iro auf der Bühne steht. Insgesamt ist "Chocolat" ein durchaus solider Thriller, in der Serie "Masters of Horror" gehört er aber zu den schwächeren Episoden.


Extras

Abgesehen vom Audiokommentar des Regisseurs und des DVD-Produzenten Perry Martin besteht das Bonusmaterial zu gleichen Teilen aus nicht untertitelten Interviews und unkommentiertem "Hinter-den-Kulissen"-Material. Interviewt werden der Regisseur sowie die beiden Hauptdarsteller. Mick Garris berichtet, dass der Film auf einer Story basiert, die er vor zwanzig Jahren selbst verfasst hat. Ansonsten gehen die Interviewten fast nur auf die Handlung ein. Insbesondere Lucy Laurier gibt kaum mehr als Allgemeinplätze von sich, was ihr selbst bewusst ist; sie entschuldigt sich dafür. Es kommt mir allerdings so vor, als hätte der Interviewer nicht so recht gewusst, was er überhaupt fragen soll.

Das "Hinter-den-Kulissen"-Material ist offensichtlich entstanden, indem jemand bei den Dreharbeiten verschiedener Szenen mitgefilmt hat. Es handelt sich also nicht um eine Making-of-Dokumentation, trotzdem sind die fünf Einzel-Featurettes nicht uninteressant. So wird deutlich, wie lange es dauert, bevor die Schauspieler überhaupt in Aktion treten. Sie müssen geraume Zeit warten, bis das ganze technische Equipment aufgebaut ist, bis sich der Regisseur mit dem Team abgesprochen hat und so weiter. Dann wird dieselbe Szene (hier: ein kurzer Moment im Endkampf zwischen Jamie und Catherine) -zigmal wiederholt, bis sie endlich im Kasten ist. Man kann deutlich sehen, dass die Schauspielerin anfangs gewisse Schwierigkeiten mit der Actionszene hat, sich dann aber allmählich hineinfuchst.


J. Kreis, 11.10.2018




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