Melancholia


Melancholia (Dänemark/Schweden/F/D, 2014)

DVD Regionalcode 2, Concorde Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 130 Minuten

Extras:
- Über Melancholia (11:28 Min.)
- Über das Universum (4:10 Min.)
- Die visuelle Gestaltung (9:32 Min.)
- Die visuellen Effekte (6:43 Min.)
- Trailer

Regie:
Lars von Trier

Hauptdarsteller:
Kirsten Dunst (Justine)
Charlotte Gainsbourg (Claire)
Alexander Skarsgard (Michael)
Kiefer Sutherland (John)




Story

Eine junge Frau namens Justine hat geheiratet. Alles scheint wunderbar zu sein. Justines Mann Michael liebt sie von ganzem Herzen, ihr reicher Schwager John richtet ein rauschendes Hochzeitsfest in seinem prächtigen Landsitz für sie aus und bei der Feier verkündet Jack, ihr Arbeitgeber, dass sie befördert wurde. In Wahrheit will Justine das alles nicht. Sie ist jedoch nicht fähig, aus der Rolle auszubrechen, in die sie gedrängt wurde. Durch die perfektionistische Art ihrer Schwester Claire fühlt sich Justine eingeengt. Sie hasst Jack sowie ihren Job und sie teilt Michaels Pläne für die gemeinsame Zukunft nicht. Im Grunde empfindet sie nichts für ihren Mann. Die ausgedehnten Feierlichkeiten werden für Justine zur Qual. Zudem wird sie von Jack bedrängt, dem sie einen neuen Werbeslogan liefern soll. Jack setzt seinen Neffen Tim, den er eigens zu diesem Zweck angestellt hat, auf Justine an. Justine versucht sich alldem zu entziehen. Sie verlässt die Feier, um ein Bad zu nehmen, vagabundiert durch den Park und schläft mit Tim. Anschließend sagt sie Jack die Meinung und kündigt. Die Hochzeitsnacht fällt aus. Am frühen Morgen packt Michael seine Koffer und fährt davon. Justine, schon immer melancholisch veranlagt, fällt in eine tiefe Depression.

Einige Zeit später ist Justine nicht mehr in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Claire holt sie zu sich, um sie pflegen zu können. In diesen Tagen steht ein epochales Ereignis unmittelbar bevor: Der Planet Melancholia nähert sich der Erde. Der Gasriese wurde erst vor kurzem entdeckt, denn er war bisher hinter der Sonne verborgen. Man geht davon aus, dass er der Erde sehr nahe kommen, sie aber passieren wird, ohne größere Schäden anzurichten. Im Internet kursiert jedoch eine Theorie, der zufolge sich Melancholias Bahn aufgrund der Anziehungskraft der Erde verändern wird, so dass beide Planeten kollidieren werden. Claire ist deswegen sehr besorgt. Justine dagegen lebt zusehends auf. John versucht seine Frau zu beruhigen. Er ist davon überzeugt, dass die Wissenschaftler Recht haben. Claires Angst wächst, denn durch die Nähe Melancholias kommt es auf der Erde zu Störungen. Das Wetter ändert sich ständig, manche Menschen bekommen Atemnot. Der Strom fällt aus, das Fernmeldenetz bricht zusammen. Die Bewohner des Landsitzes sind auf sich gestellt. John hat vorgesorgt und Vorräte in großer Menge beschafft.

Melancholia bietet einen prächtigen, aber auch bedrohlichen Anblick, während er sich an der Erde vorbeibewegt. Erleichtert stellt Claire fest, dass der Planet allmählich kleiner wird, sich also tatsächlich von der Erde entfernt. Doch schon am nächsten Tag nähert sich Melancholia der Erde wieder. John begreift, dass eine Kollision unausweichlich ist. Er begeht Selbstmord mit Schlaftabletten. Claire findet den Toten im Pferdestall. Sie verheimlicht dies und versucht wenig später mit ihrem kleinen Sohn Leo ins nahe Dorf fahren, kommt aber nicht weit und kehrt zum Landsitz zurück. Um Leo die Angst zu nehmen, baut Justine eine "magische Hütte" aus Ästen für ihn. Dort erwarten die Schwestern und das Kind das Ende der Welt.



Melancholia

Die Erde (links) wird von Melancholia verschlungen


Kringels Meinung

"Melancholia" hat kaum Handlung. Der gut zweistündige Film besteht zum größten Teil aus Figurenzeichnung. Trotzdem oder gerade deswegen finde ich ihn faszinierend! Effektgeladene Zerstörungsszenarien mit dem Maximum an zusammenbrechenden Wolkenkratzern, aufklaffenden Erdspalten und Rettungen in letzter Sekunde, wie man sie von Roland Emmerich erwarten würde, werden hier nicht geboten. Der Vorbeiflug Melancholias und die Vernichtung der Erde (siehe Screenshot) sind sehr gut gelungen, aber diese Szenen wurden an den Schluss gedrängt. Um den Weltuntergang an sich geht es gar nicht. Im Mittelpunkt stehen Justine und Claire oder vielmehr die von ihnen repräsentierten Seelenzustände und Geisteshaltungen. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu wissen, dass Regisseur Lars von Trier unter Depressionen leidet. Der zerstörerische, bedrohlich über der Erde hängende Planet heißt nicht umsonst "Melancholia". Dass die Erde von Melancholia verschlungen wird, ist nur eines von vielen mehr oder weniger eindeutigen Sinnbildern in diesem Film. Justine ist Lars von Triers Alter Ego. Die Unausweichlichkeit der Katastrophe jagt ihr keine Angst ein, sondern gibt ihr sogar Sicherheit. Endlich wird die von ihr als abgrundtief schlecht empfundene Welt untergehen und jetzt ist es egal, was andere Menschen von ihr wollen; sie muss keine lächelnde Maske mehr tragen. Der rationale Kontrollfreak Claire dagegen hat Todesangst, denn sie hat etwas zu verlieren. Melancholia ist etwas, das sie nicht beherrschen und (wie Justine) in die von ihr vorgesehenen Bahnen lenken kann. Irgendwie kann ich beide Seiten gut verstehen.

In der ersten Hälfte des Films sehen wir ausschließlich das nicht enden wollende Hochzeitsfest. Es ist ein herrlicher Sommerabend. Warme Farbtöne herrschen vor, es entsteht eine richtig festliche Stimmung. Man ist zu Gast bei wohlhabenden Leuten, die einen äußerst gepflegten Abend miteinander verbringen. Wunderschöne Bilder des Festsaals, des Schlosses und des Parks erfreuen das Auge. Alle Gäste scheinen fröhlich zu sein. Aber jeder, der schon einmal so eine bis ins letzte Detail durchgeplante Veranstaltung miterlebt hat, wird wissen, was für eine Tortur das sein kann. Erste Misstöne schleichen sich ein, als Justines Mutter (herrlich rabiat und misanthropisch: Charlotte Rampling) gegen ihren geschiedenen Mann giftet. Der wiederum flirtet mit Gästen und Bediensteten, seine Oberflächlichkeit macht es Justine unmöglich, Hilfe bei ihm zu finden. Im Hintergrund knirschen Claire, John und der Weddingplanner (köstlich: Udo Kier) mit den Zähnen, weil die Braut immer wieder aus der Rolle fällt. Irgendwann bröckelt die Fassade endgültig. Justine, mit geradezu beängstigender Eindringlichkeit verkörpert von der grandiosen Kirsten Dunst, driftet zusehends ab und man glaubt die schwarzen Spinnweben, von denen sie sich gefesselt fühlt und die in der langen Eröffnungs-Traumsequenz des Films zu sehen sind, fast selbst zu spüren. Vom Planeten Melancholia ist in dieser Phase noch nicht die Rede. Es geschieht also nicht wirklich viel, aber den tollen Schauspielern sei Dank finde ich die erste Hälfte fast noch besser als die zweite.

In der zweiten Hälfte ist Justine ein geistiges und körperliches Wrack. Claire hat endlich die volle Kontrolle über sie, nur um sie gleich wieder zu verlieren. Erst jetzt tritt die von Melancholia ausgehende Bedrohung in den Vordergrund. Als das Ende unmittelbar bevorsteht, wäre Claire gern mit ihrer Schwester zusammen und möchte im Angesicht des Weltenendes ein Glas Wein auf der Terrasse trinken. Justine hält das für Bullshit, aber ausgerechnet sie ist diejenige, der es gelingt, dem kleinen Jungen die Angst zu nehmen. Am Ende ist nicht die vernünftige Claire die stärkere Figur, sondern die zerbrochene und neu zusammengesetzte Justine.


DVD-Features

Die vier Featurettes sind kurz und geboten wird hauptsächlich eine nicht sehr aussagekräftige Mischung aus Interviews, Filmausschnitten und ein bisschen Hinter-den-Szenen-Material. Skizzen, Prävisualisierungen und dergleichen sind ebenfalls zu sehen. Ein paar Details der Interviews sind aber doch recht aufschlussreich. So lassen Regisseur Lars von Trier und Hauptdarstellerin Kirsten Dunst durchblicken, dass sie ähnliches durchgemacht haben wie die Hauptfigur Justine - oder noch durchmachen. Eine Psychologin kommt zu Wort, die erläutert, was Melancholie eigentlich ist. Interessant fand ich auch, dass ein Astrophysiker hinzugezogen wurde (auch er spricht in einer der Featurettes), der ausarbeiten sollte, welche Auswirkungen die Annäherung eines Planeten mit eigenem Gravitations-/Magnetfeld und eigener Atmosphäre auf die Erde hätte.


J. Kreis, 25.04.2016




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