Der Marsianer


Der Marsianer Rettet Mark Watney (USA, 2015)
- The Martian -

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 142 Minuten

Extras:
- Vom Buch zum Film (9:36 Min.)
- Besetzung & Kostümdesign (14:13 Min.)
- Spaß am Set (7:33 Min.)
- Ares III: Nachbesprechung der Mission (17:18 Min.)
- Ares III: Abschied von der Erde (3:35 Min.)
- Ares III: Nach der Isolation (3:20 Min.)
- Ares III: Astronautentraining (1:03 Min.)
- Ares III: Bringt ihn heim! (1:34 Min.)
- Das Ares-Programm: Unser größtes Abenteuer (3:39 Min.)
- Original Kinotrailer
- Produktionsdesign-Galerien

Regie:
Ridley Scott

Hauptdarsteller:
Matt Damon (Mark Watney)
Jessica Chastain (Melissa Lewis)
Chiwetel Ejiofor (Vincent Kapoor)
Jeff Daniels (Theodore Sanders)
Sean Bean (Mitch Henderson)




Story

Im Rahmen des Ares-Programms erforschen sechs NASA-Astronauten den Mars. Sie haben ein kleines Habitat eingerichtet, in dem sie während des auf 31 Tage ausgelegten Aufenthalts auf dem Nachbarplaneten der Erde leben. Doch schon am 18. Tag muss die Mission überhastet abgebrochen werden, weil ein besonders schwerer Sandsturm die in der Nähe des Habitats stehende Landefähre (Mars-Rückkehr-Modul) gefährdet. Beim Marsch zum MRM wird der Botaniker Mark Watney von einem Trümmerteil getroffen und weggeschleudert. Watney ist unauffindbar und sein Schutzanzug sendet keine Lebenszeichen. Das MRM droht zu kippen. Commander Melissa Lewis muss davon ausgehen, dass Watney tot ist. Sie befiehlt die Rückkehr des MRM zum Mutterschiff Hermes, welches anschließend die lange Rückreise zur Erde antritt. Entgegen der Anweisung von NASA-Chef Theodore Sanders, der ein PR-Debakel befürchtet, lässt Ares-Projektleiter Vincent Kapoor das Landegebiet per Satellit überwachen.

Watney ist noch am Leben. Er ist nur leicht verletzt und kehrt ins Habitat zurück, bevor der beschädigte Schutzanzug den letzten Rest Atemluft verliert. Die Funkanlage der Basis wurde im Sturm zerstört, so dass Watney keinen Kontakt mit der NASA oder der Hermes aufnehmen kann. Seine einzige Chance auf Rettung ist die nächste Marsmission, doch die Crew von Ares IV wird erst in vier Jahren im obendrein 3200 Kilometer entfernten Schiaparelli-Krater landen. Die Energieversorgung ist Watneys geringstes Problem; die Solarzellen wurden im Sturm umgeworfen und verschmutzt, sind aber voll funktionsfähig. Atemluft und Wasser lassen sich leicht aufbereiten. Doch selbst bei strengster Rationierung werden die im Habitat gelagerten Nahrungsvorräte nicht ausreichen. Zu Watneys Glück sind nicht nur Päckchen mit Astronautennahrung vorhanden, sondern auch einige Kartoffeln, die für Thanksgiving vorgesehen waren. Es gelingt Watney, die sterile Marserde in einer der beiden Kuppeln des Habitats mit Bakterien fruchtbar zu machen, die sich in den sorgsam eingeschweißten Exkrementen der Crew befinden, und Kartoffeln anzubauen. Gleichzeitig bereitet er den Marsrover für die Reise zum Schiaparelli-Krater vor und unternimmt mehrere Testfahrten.

Watneys Aktivitäten bleiben nicht unbemerkt. Durch die Satellitenüberwachung wird man auf die gereinigten Solarzellen und die Bewegungen des Rovers aufmerksam. Sobald feststeht, dass Watney lebt, werden Schritte zu seiner Rettung eingeleitet. Die Mediensensation ist perfekt. Watneys Kameraden, die immer noch mit der Hermes unterwegs sind, werden allerdings erst nach einigen Monaten auf Drängen von Crewleiter Mitch Henderson informiert. Zur Kontaktaufnahme mit der Erde reaktiviert Watney die alte Marssonde Pathfinder, die er dann den Anweisungen der NASA-Spezialisten folgend mit dem Rover verbinden kann, so dass Textkommunikation mit der Missionskontrolle möglich wird. Watneys Euphorie erfährt einen jähen Dämpfer, als sein kleiner Kartoffelacker durch einen Unfall irreparabel zerstört wird. Somit gerät der gesamte Zeitplan durcheinander. Eine unbemannte Rakete, die Versorgungsgüter zum Mars hätte bringen sollen, kann nicht ausreichend getestet werden und explodiert beim Start. In dieser hoffnungslosen Situation schaltet sich die chinesische Weltraumbehörde ein. Die Chinesen haben unter strenger Geheimhaltung eine neuartige Trägerrakete konstruiert, die sie jetzt für die Versorgung Watneys zur Verfügung stellen. Dennoch bleibt ein hohes Risiko bestehen. Beim geringsten Fehler wäre Watneys Schicksal besiegelt.

Ein Spezialist vom Jet Propulsion Laboratory entwickelt einen Alternativplan. Würde die Hermes die Erdanziehungskraft für ein Swing-by-Manöver nutzen, so könnte die neue Versorgungrakete beim Vorbeiflug andocken. Die Hermes könnte dann mit sehr viel höherer Geschwindigkeit zum Mars zurückfliegen und zwei Jahre vor Ares IV dort eintreffen. Watney könnte mit dem schon auf dem Mars gelandeten MRM der Ares-IV-Mission starten und von der Hermes aufgenommen werden. Sanders ist dagegen, denn die Flugzeit der Hermes würde sich um Jahre verlängern und sollte etwas schiefgehen, wäre der Tod von fünf weiteren Menschen zu beklagen. Henderson leitet die für das Manöver benötigten Daten heimlich an die Besatzung der Hermes weiter. Keiner der fünf Astronauten zögert auch nur eine Sekunde, die gefahrvolle Reise zur Rettung Watneys auf sich zu nehmen. Sie begehen einen Akt der Meuterei und setzen ihre Karrieren aufs Spiel, indem sie den Kurs eigenmächtig ändern und die NASA vor vollendete Tatsachen stellen. Die Ankopplung der Versorgungssonde gelingt problemlos. Watney bleibt derweil nicht untätig. Nach monatelanger Fahrt zum Schiaparelli-Krater zerlegt er das MRM so weit wie möglich, um Gewicht zu sparen, damit die für das Rendezvousmanöver nötige Flughöhe erreicht werden kann. Als es soweit ist, gibt es neue Probleme. Watney und die Crew der Hermes sind gezwungen, einige äußerst unkonventionelle Manöver durchzuführen. Endlich ist Watney in Sicherheit. Diese Nachricht wird überall auf der Erde mit großem Jubel gefeiert.

Das Raumfahrtprogramm wird durch die Beinahe-Katastrophe nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil: Die USA und China nehmen in den nächsten Jahren die Ares-V-Mission gemeinsam in Angriff. Watney wird Dozent bei der NASA und unterrichtet Astronautenanwärter. Henderson muss die NASA verlassen.


Kringels Meinung

Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir. Normalerweise vermeide ich es tunlichst, die Verfilmung eines Romans zu sehen, den ich erst noch lesen möchte. Ich möchte bei der Lektüre nicht die Bilder des Films im Kopf haben, sondern meine eigene Phantasie spielen lassen. Diesmal habe ich es umgekehrt gemacht - und ich habe es nicht bereut. Im Gegenteil: Es war hilfreich! Zum Beispiel enthält der Roman nur wenige Beschreibungen des Mars. Hätte ich nicht schon den Film gesehen, so hätte ich mir wahrscheinlich nur schwer vorstellen können, wie es sich "anfühlt", der einzige Mensch auf einem lebensfeindlichen Planeten zu sein. Das Gefühl der Einsamkeit und Isolation wird im Film sehr gut vermittelt, unter anderem durch Szenen, in denen das Habitat oder der Rover aus großer Höhe zu sehen sind. In der grandiosen, aber auch eintönigen Marslandschaft bar allen Lebens nehmen sich die Erzeugnisse menschlicher Technik wie Spielzeug aus. Schnell wird deutlich: Es muss nur eine Kleinigkeit schiefgehen, schon ist Watney in höchster Gefahr. Man denke nur an die notdürftig geflickte Luftschleuse. Wenn der Sturm an dem fragilen Konstrukt aus Folie, Klebestreifen und Spanngurten zerrt, kommen auch Watneys Nerven ins Flattern ...

Auch was das ziemlich große Figurenensemble angeht, fand ich es hilfreich, bei der Lektüre die Bilder des Films (also die Gesichter der Schauspieler) präsent zu haben. Ich wäre sonst vielleicht durcheinandergekommen, weil im Roman niemand außer Watney so richtig heraussticht. Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass die Gewichtung im Film etwas anders ist als im Roman, das heißt, es wird mehr Augenmerk auf das Bodenpersonal und die Crew der Hermes gerichtet. Um nicht in ellenlange Lobeshymnen zu verfallen, behaupte ich an dieser Stelle nur, dass alle Rollen perfekt besetzt sind. Trotzdem steht Watney natürlich auch in der Verfilmung klar im Mittelpunkt, und Matt Damon verleiht dieser grundsympathischen Figur genau die richtigen Charakterzüge. Watney verliert nie den Humor, lockert selbst lebensgefährliche Situationen mit einem selbstironischen Spruch auf und drückt sich oft drastischer aus, als es den Leuten von der NASA lieb sein kann, die seine Texte "live" in alle Welt schicken.

Der Film hat in einem weiteren Aspekt die Nase vorn. Hier muss nicht wie im Roman ellenlang erklärt werden, wie dieses und jenes Gerät funktioniert, wie man auf dem Mars Wasser herstellt und so weiter. In der Buchreview habe ich geschrieben: "So liest sich alles, was Watney auf dem Mars anstellt und was bei der NASA vor sich geht, absolut überzeugend, wenn auch teilweise sehr technisch. Aber jedes Mal, wenn Watney Berechnungen anstellt oder wenn sich die NASA-Eierköpfe bei der Diskussion verschiedener Theorien in Details zu verzetteln beginnen, bekommt Weir rechtzeitig die Kurve, komplexe Sachverhalte werden verständlich dargestellt." Diese Klippe wird im Film noch viel einfacher umschifft, indem das alles nicht erklärt, sondern gezeigt wird. Und die Schauwerte können sich mehr als sehen lassen! "Der Marsianer" ist definitiv Science Fiction (er spielt übrigens im Jahr 2035), aber der Schwerpunkt liegt auf "Science". Realismus wird groß geschrieben, an Tricktechnik und Ausstattung gibt es nicht das geringste auszusetzen. So fällt es nicht schwer zu glauben, dass eine bemannte Marsexpedition genauso ablaufen könnte wie in diesem Film.

"Der Marsianer" ist Apollo 13 mit einem guten Schuss Robinson Crusoe auf dem Mars, fein abgeschmeckt mit Humor und garniert mit erstklassigem Eye Candy. Nach langer Durststrecke endlich mal wieder ein richtig guter Film von Ridley Scott!


Extras

Die kurzen Featurettes "Vom Buch zum Film" und "Besetzung & Kostümdesign" kann man schwerlich als richtige Filmdokumentationen bezeichnen. Immerhin kommt auch Andy Weir zu Wort und es wird deutlich, dass Wert auf Werktreue sowie wissenschaftliche Genauigkeit gelegt wurde. Mehrmals wird betont, dass Humor und Leichtigkeit des Romans sowie Sense of Wonder vermittelt werden sollten. Ich würde sagen: Das ist gelungen!

Viel interessanter sind sechs Beiträge, die wie begleitende Dokumentationen zum Ares-Programm gestaltet sind. Alle Schauspieler sind in ihren Rollen. Teilweise agieren sie in Originalkulissen, einzelne Spezialeffekte wurden offensichtlich eigens für diese Kurzfilme neu produziert. Am längsten läuft ein Interview, das sieben Jahre nach Mark Watneys Rettung (also wohl im Jahr 2042) gemacht wurde. Erst jetzt ist ans Licht gekommen, dass Theodore Sanders und Vincent Kapoor Watneys Tod in Kauf genommen hätten, um ein PR-Debakel zu verhindern. Sanders, Kapoor und Mitch Henderson legen ihre Sicht der Dinge dar, wobei sie sich gegenseitig nichts schenken. Sanders und Henderson sind inzwischen nicht mehr bei der NASA. Sie spielen zwar manchmal Golf zusammen, aber besonders gut sind sie nicht aufeinander zu sprechen ... "Nach der Isolation" spielt in der Vorbereitungsphase. Die Hermes-Astronauten mussten zehn Tage in völliger Isolation verbringen. Im Anschluss daran werden sie von einem Psychologen befragt und reagieren ganz ihrem Charakter entsprechend. Zum Beispiel behauptet Watney, er hätte in der Einsamkeit über wichtige Fragen nachgedacht wie "Warum kann Aquaman Wale kontrollieren - das sind doch Säugetiere?" In "Abschied von der Erde" führt Watney den Zuschauer sechs Stunden vor dem Start durch die Hermes und stellt die Crew vor, was natürlich ebenfalls alles andere als bierernst abläuft.


J. Kreis, 22.02.2018




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