Mandy


Mandy (USA/Belgien, 2018)

Blu-ray, Koch Media
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 121 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Deleted Scenes (13:53 Min.)
- Behind the Scenes (22:01 Min.)
- Teaser und Trailer

Regie:
Panos Cosmatos

Hauptdarsteller:
Nicolas Cage (Red Miller)
Andrea Riseborough (Mandy Bloom)
Linus Roache (Jeremiah Sand)




Inhalt

Anhänger des größenwahnsinnigen Sektenführers Jeremiah Sand überfallen den Holzfäller Red Miller und dessen Freundin, die Künstlerin Mandy Bloom, in deren Haus. Sand hat Mandy zufällig gesehen und will sie besitzen. Mandy wird entführt, unter Drogen gesetzt und Sand vorgeführt. Sie soll ihm zu Willen sein, lacht ihn aber nur aus. Daraufhin wird sie vor Millers Augen bei lebendigem Leibe verbrannt. Sand stößt Miller einen Dolch in den Leib und lässt den mit Stacheldraht gefesselten Mann zum Sterben zurück. Miller überlebt und es gelingt ihm sogar, sich zu befreien. Umgehend bereitet er sich auf einen Rachefeldzug vor. Von seinem Freund Caruthers erfährt Miller, mit wem er es zu tun hat. Sands Kultisten werden von einer Bikergang unterstützt, die unter dem Namen "Black Skulls" traurige Berühmtheit erlangt hat. Die Black Skulls waren einst Drogenkuriere, die von ihrem Auftraggeber eines Tages extrem starkes LSD erhalten haben. Seit dem Konsum dieser Droge sind die Biker kaum noch als menschliche Wesen zu bezeichnen. Sie verüben Akte unaussprechlicher Gewalt - auch gegen sich selbst, denn sie genießen den Schmerz. Caruthers weiß sogar, wo die Black Skulls zuletzt gesehen wurden.

Ausgestattet mit einer selbstgeschmiedeten stählernen Axt und einer Armbrust, die Caruthers für ihn aufbewahrt hat, macht sich Miller auf die Suche nach den Black Skulls. Er schießt einen Biker aus dem Sitz und überfährt ihn, dabei überschlägt sich allerdings das Auto. Miller fällt den Black Skulls in die Hände. Sie verschleppen ihn in ihren Unterschlupf. Erneut kann sich Miller befreien. Er tötet die Biker, wobei er sich mit einer kleinen Dosis des Super-LSD aufputscht. Miller hat Visionen von einem Hangar mit Sendeturm, der tatsächlich existiert. Dort begegnet er einem geheimnisvollen Chemiker, der ihm den Weg zur in einem abgelegenen Steinbruch stehenden Kirche der Children of the New Dawn weist. Alle Kultisten, die Miller bei Mandys Verbrennung gesehen hat, sind anwesend. Er tötet einen nach dem anderen, bis er zuletzt Sand gegenübersteht. Da Sands gegen Miller ausgestoßene Beleidigungen und Drohungen nicht fruchten, verlegt sich der Sektenführer darauf, um sein Leben zu betteln. Miller zerquetscht Sands Kopf mit bloßen Händen, setzt die hölzerne Kirche in Brand und fährt davon.


Kringels Meinung

Ich habe schon einige schräge Filme gesehen, darunter so manchen mit einem enthemmt chargierenden Nicolas Cage, aber "Mandy" ist denn doch nochmal etwas ganz Besonderes. Wie kann ich erklären, warum ich den Film für ein wunderschönes, düster-trauriges Meisterwerk halte, wenn ich in diesem Zusammenhang darauf eingehen müsste, dass er recht viel explizite, um nicht zu sagen ästhetisierte Gewaltdarstellung und tiefschwarzen Humor enthält? Reds Kämpfe gegen die Black Skulls, das Niedermetzeln der Children of the New Dawn - dieser Teil des Films enthält einen genüsslich zelebrierten blutigen Höhepunkt nach dem anderen, so dass zart Besaitete womöglich abschalten werden. "Wie kannst du dir sowas anschauen und auch noch gut finden?" Ich könnte diese Frage wortreich beantworten, aber das würde hier zu weit führen. Lasst es mich mit den Worten des Regisseurs ausdrücken, der in der Behind-the-Scenes-Featurette sinngemäß sagt, er habe mit "Mandy" jenes Gefühl wiedererwecken wollen, das er in seiner Kindheit hatte, wenn er bestimmte Filme nicht sehen durfte. Angesichts des schrillen Coverbilds der Videocassette und der merkwürdigen Inhaltsangabe ist seine Fantasie sozusagen explodiert. Mir ist es ganz genauso ergangen - und ich könnte ergänzen, dass "Mandy" nichts anderes ist als die Visualisierung dieser Fantasie-Explosion. Der Film ist natürlich auch eine Hommage an die Revenge- und Horror-Thriller der Achtzigerjahre. Der ganze visuelle Stil macht das deutlich und nicht umsonst spielt die Handlung im Jahre 1983. "Mandy" hat das Zeug dazu, ein Kultklassiker zu werden wie "Tanz der Teufel", Hellraiser und "Blutgericht in Texas", wenn auch aus anderen Gründen.

Der Film hat mich sofort in seinen Bann gezogen, was zum großen Teil an der psychedelischen, surrealen Atmosphäre liegt. Verfremdete Bilder, Falschfarbenaufnahmen, viel Dunkelheit und Rotlicht, seltsame Begebenheiten, merkwürdige Typen, sehr wenig Dialog. Den hypnotischen Soundtrack muss ich besonders hervorheben. Auch wieder typisch für Filme aus den Achtzigern: Der Brutalität wird dadurch ein wenig die Spitze genommen, dass alles immer mehr in Visionen, Halluzinationen und Drogenrausch abgleitet, das heißt, man weiß nicht so recht, was Red wirklich erlebt und was er sich nur einbildet. Das geht so bis zum Schluss; nachdem alle Widersacher tot sind, sieht er Mandy auf dem Beifahrersitz. Spätestens jetzt verwandelt sich Reds Welt in eines der Fantasygemälde aus Mandys OEuvre. Außerdem wird praktisch nichts erklärt. Erzählkommentar, Rückblicke und dergleichen - das alles gibt es hier nicht. Trotz der relativ langen Auftaktphase erhalten Red und Mandy so gut wie keine Hintergrundgeschichte. Über Sand ist lediglich zu erfahren, dass er ein gescheiterter Folkmusiker ist, der sich einbildet, Gott habe zu ihm gesprochen. Welche Ziele er ansonsten verfolgt bzw. was seine Jünger von ihm erwarten, wird nicht klar. Was genau hat es mit dem "Horn von Abraxas" auf sich, mit dem die Children of the New Dawn die Black Skulls herbeirufen? Was sind diese Biker überhaupt für gruselige Kreaturen? Diese Rätselhaftigkeit macht einen Gutteil der Faszination aus. Vergleiche mit Stanley Kubrick und David Lynch sind meiner Meinung nach nicht unangemessen. Ich würde sagen: Wenn jemand den Roman Und die Eselin sah den Engel von Nick Cave verfilmen kann, dann Panos Cosmatos.

Um nicht zu sehr in Lobeshymnen abzudriften, erwähne ich von den durch die Bank exzellenten Schauspielern nur Nicolas Cage. Man sagt dem Schauspieler nach, er übertreibe es manchmal bis zur grotesken Entgleisung. Das mag sein, jedenfalls trifft es auf seine Performance in "Mandy" definitiv zu. Aber wenn er nach Mandys Tod mit viel Mut zur Hässlichkeit, blutverschmiert, nur bekleidet mit T-Shirt und Slip, ins Badezimmer torkelt (herrlich: gelbe, rot geblümte Tapete wie in den Siebzigern), sich eine Flasche Hochprozentigen einverleibt und seine Pein hinausschreit (das ist eine der harmloseren Szenen), dann wird klar: Hier hat der Wahnsinn Methode. Großartig!


Extras

Nicht alle "Deleted Scenes" sind vollständig neu. So liegen der köstliche Cheddar-Goblin-Werbespot sowie das Gespräch zwischen Red und Caruthers lediglich in verlängerter Form vor. Andere sind nicht so wahnsinnig interessant. So unterhalten sich Jeremiah Sand und einer seiner Jünger über Mandys Verbrennung. Sand meint, er habe dabei "Energie" gewonnen, die er für sein "Aufsteigen" benötige. Das lässt vermuten, dass er sowas schon öfter gemacht hat. Eine Szene ist jedoch sehr aufschlussreich, denn sie enthält Informationen über Reds Vergangenheit. Ein Sheriff, der ihn auf dem Kieker zu haben scheint, bezeichnet ihn als versoffenen Loser. Mandy wird auf obszöne Weise als Hure beschimpft. Ich hatte mir schon gedacht, dass Red ein trockener Alkoholiker ist (kleine Hinweise finden sich im Film), durch diese Szene wäre das klar geworden.

Die leider ziemlich kurze Behind-the-Scenes-Featurette beginnt mit einigen sehr schönen Konzeptzeichnungen und -gemälden. Im weiteren Verlauf bekommt man Probeaufnahmen, einzelne Outtakes und Impressionen von den Dreharbeiten zu sehen. Das Filmteam erkundet die Drehorte, Stunts werden vorbereitet, ein echter Tiger kommt zum Einsatz. Neben Filmausschnitten sind auch Interviews enthalten, letztere ausschließlich als Voiceover.


J. Kreis, 26.02.2019




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