Maleficent


Maleficent - Die dunkle Fee (USA/GB, 2014)
- Maleficent -

Blu-ray, Disney
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 97 Minuten

Extras:
- Aurora: Wie sie zur Schönheit wird (4:53 Min.)
- Vom Märchen zum Kinofilm (8:13 Min.)
- Eine epische Schlacht (5:48 Min.)
- Maleficents Stil (1:34 Min.)
- Hinter den Kulissen von Maleficent (4:45 Min.)
- Zusätzliche Szenen (6:41 Min.)

Regie:
Robert Stromberg

Hauptdarsteller:
Angelina Jolie (Maleficent)
Elle Fanning (Aurora)
Sharlto Copley (Stefan)
Sam Riley (Diaval)




Story

Das Königreich der Menschen und das Moorland, in dem Feen und andere Fabelwesen ohne Herrscher einträchtig miteinander leben, stehen sich feindlich gegenüber. Momentan herrscht Waffenstillstand; seit langer Zeit hat es niemand mehr gewagt, die Moore anzugreifen. Eines Tages begegnet die junge Fee Maleficent dem ins Feenland eingedrungenen Menschenjungen Stefan. Das anfängliche gegenseitige Misstrauen schwindet schnell, die beiden werden Freunde. Stefan wirft sogar seinen einzigen Besitz weg - einen eisernen Ring - als er erfährt, dass sich Maleficent verbrennt, wenn sie Eisen berührt. Im Laufe der Jahre wird aus Freundschaft Liebe, aber dann stellt Stefan seine Besuche im Feenland ein. Er lebt als Diener des alten Königs Henry im Schloss und hat ehrgeizige Ambitionen. Den König gelüstet es nach den Reichtümern des Feenreiches, und so führt er eine große Streitmacht ins Feld, um die Moore zu erobern. Doch Maleficent ist zu einer mächtigen Fee und zur Verteidigerin der Moore herangewachsen. Mit Hilfe der stärksten Kreaturen des Feenreiches schlägt sie das Menschenheer in die Flucht und demütigt den König. Da er sein Ende nahen fühlt, verspricht der König demjenigen die Krone, dem es gelingt, Maleficent zu töten. Stefan sucht Maleficent auf, angeblich um sie zu warnen. Maleficent vertraut Stefan und glaubt, er liebe sie immer noch. Er betäubt sie mit einem Gift, bringt es aber nicht über sich, sie zu ermorden. Stattdessen tut er Maleficent etwas womöglich noch schlimmeres an. Er trennt ihre Flügel ab, um sie dem König zum Beweis für den Tod der Fee zu überbringen.

Stefan wird gekrönt, nachdem Henry gestorben ist. Maleficents Flügel werden in Stefans Privatgemächern aufbewahrt. Stefans Verrat ist für Maleficent ebenso schmerzhaft wie der Verlust ihrer Flügel. Ihr Zorn ist so groß, dass ein Schatten auf das einst lebens- und farbenfrohe Moorland fällt. Maleficent errichtet eine unüberwindliche Wand aus Dornengewächsen rund um das Feenreich und erklärt sich selbst zur Herrscherin. Ein Rabe namens Diaval, den Maleficent vor dem Tod bewahrt und in einen Menschen verwandelt hat, wird zu ihrem treuesten Diener und Spion. Er bringt für seine Herrin in Erfahrung, dass Stefan und seine Gattin ein Kind bekommen haben, ein Mädchen namens Aurora. Aus diesem Anlass wird ein großes Fest gefeiert. Die drei Feen Knotgrass, Thistelwit und Flittle erscheinen am Hofe, um das Kind mit guten Wünschen zu segnen. Noch bevor sie damit fertig sind, betritt Maleficent den Saal und spricht einen Fluch aus, der von keiner Macht auf Erden aufgehoben werden kann. An ihrem sechzehnten Geburtstag soll sich Aurora an einer Spindel stechen und in einen ewigen Schlaf fallen. Da sich Stefan aus Angst um seine Tochter vor Maleficent erniedrigt, mildert sie den Fluch vor der Vollendung ab. Durch einen Kuss der wahren Liebe kann Aurora aus dem Schlaf erweckt werden. Maleficent ist nach den bitteren Erfahrungen mit Stefan davon überzeugt, dass die wahre Liebe nicht existiert. Sie kann sich daher ihrer Rache sicher sein.

Stefan lässt alle Spinnräder des Königreichs zerstören. Die Trümmer werden in den Verliesen des Schlosses gelagert. Knotgrass, Thistelwit und Flittle erhalten den Auftrag, Aurora tief im Wald zu verstecken und sie erst nach dem fatalen Tag zurückzubringen. Aurora wächst sorglos auf, ohne von alldem etwas zu ahnen. Sie hält die drei Feen für ihre Tanten. Maleficent lässt Aurora nicht aus den Augen. Sie fühlt sich mehr und mehr zu der Kleinen hingezogen und kümmert sich um das Kind, weil sich die drei "Tanten" denkbar schlecht als Ersatzmütter eignen. Aurora spürt Maleficents Gegenwart. Sie hält die Unbekannte für ihre gute Fee und fühlt sich von ihr beschützt. Nach einer ersten vorsichtigen Begegnung treffen sich das Mädchen und die Fee regelmäßig im Moorland. Aurora wünscht sich, für immer dort leben zu können. Maleficent versucht den Fluch aufzuheben, doch das liegt nicht in ihrer Macht. Stefans von Hass und Verfolgungswahn geplagter Geist verwirrt sich immer mehr. Er nutzt sein Wissen über Maleficents Schwäche, um Schloss und Soldaten mit eisernen Verteidigungsanlagen und Waffen zu versehen. An Tag vor ihrem 16. Geburtstag begegnet Aurora einem jungen Mann namens Philipp, dem Sohn eines benachbarten Königs. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen. Maleficent beobachtet dies. Kurz danach verplappern sich Auroras "Tanten", so dass Aurora die ganze Wahrheit erfährt. Vor Enttäuschung darüber, dass Maleficent ihr in all den Jahren nichts davon gesagt hat, eilt Aurora ins Schloss und gibt sich ihrem Vater zu erkennen. Der lässt sie in einem Gemach einsperren.

Um das Schlimmste zu verhindern, schnappt sich Maleficent den Prinzen und bringt ihn heimlich ins Schloss, wobei sie von Diaval begleitet wird. Der Fluch hat sich inzwischen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen erfüllt. Aurora liegt in einem todesähnlichen Schlaf. Philipp küsst die Schöne, doch der Kuss versagt. Maleficent trauert an Auroras Bett und küsst sie auf die Stirn. Daraufhin erwacht die junge Frau, denn die Liebe der Fee zu ihr ist echt. Aurora vergibt Maleficent. Sie möchte sich nun ihren Wunsch erfüllen und mit Maleficent in die Moore zurückkehren, doch Stefan hat von der Anwesenheit seiner Widersacherin erfahren. Mit ihren eisernen Waffen bringen der König und seine Soldaten die Fee in größte Bedrängnis. Sie wird mit einem eisernen Netz gefangen und selbst Diaval, den Maleficent in einen Drachen verwandelt, wird in die Knie gezwungen. Doch Aurora bleibt nicht untätig. Sie zerstört den Behälter, in dem Maleficents noch immer lebendige Flügel gefangen gehalten werden. Bevor Stefan der Fee den Todesstoß versetzen kann, gewinnt sie die Flügel zurück und flieht. Stefan verfolgt seine Widersacherin. Maleficent könnte ihn töten, verzichtet aber darauf. Blind vor Zorn fällt Stefan Maleficent in den Rücken, kann nichts gegen sie ausrichten und stürzt in den Tod. Maleficent ist nun wieder die glückliche Fee, die sie einst war. Die Dunkelheit über den Mooren hebt sich, das Feenland erstrahlt in alter Pracht. Maleficent erklärt Aurora zur Königin beider Reiche, so dass endlich Frieden einkehrt.


Kringels Meinung

Der Film beginnt damit, dass eine Erzählerin sinngemäß erklärt, sie werde eine wohlbekannte Geschichte neu erzählen, und zwar so, wie man sie noch nie gehört habe. Damit meint sie eine bestimmte Fassung des Märchens "Dornröschen" beziehungsweise die gleichnamige (engl.: "Sleeping Beauty") Disney-Zeichentrickverfilmung dieses Märchens aus dem Jahre 1959. Der Film oder vielmehr die Hauptfiguren Aurora und vor allem Maleficent sind längst ins kollektive Gedächtnis eingegangen und zum festen Bestandteil der populären Kultur geworden, allerdings hierzulande wohl längst nicht so sehr wie in den USA. Tatsächlich ist die dunkle Fee Maleficent eine Figur wie Darth Vader, das heißt, beide sind die Verkörperung des Bösen und haben die Rolle des Schurken zu übernehmen, üben auf den Zuschauer aber eine mindestens ebenso große Faszination aus wie "die Guten". Eher sogar eine noch größere, denn ein makelloser Held ist längst nicht so interessant wie ein Bösewicht. Ich finde die Idee toll, den Antagonisten in den Mittelpunkt zu stellen und die Handlung aus seiner bzw. ihrer Sicht zu erzählen. Wäre es nicht toll, den Krieg der Sterne mal aus Darth Vaders Blickwinkel zu erleben? Und damit meine ich nicht das, was George Lucas in Episode I bis III aus dieser Idee gemacht hat ...

In "Maleficent" ist das Experiment insoweit definitiv gelungen, als ich von Anfang bis Ende immer auf Maleficents Seite war. Die Fee erhält in diesem Film eine Vorgeschichte, die sie in Disneys Fassung nicht hat. Der Zeichentrickfilm "Dornröschen" fängt mit Auroras Geburt und der Verfluchung durch Maleficent an. Er endet damit, dass sich Maleficent in einen Drachen verwandelt und vom Prinzen getötet wird, dessen Kuss natürlich die gewünschte Wirkung hat. Im Zeichentrickfilm ist Maleficent einfach nur böse und man weiß nicht so recht, warum das so ist. Diese Frage wird in "Maleficent" durch die Vorgeschichte eindrucksvoll beantwortet. Der Fluch selbst wird jetzt erst richtig verständlich. Schließlich hat Stefan der jungen Maleficent beim ersten Kuss von der wahren Liebe vorgeschwärmt, nur um sie wenig später zu verlassen und ihr alles zu rauben, was ihr lieb und teuer war. Allerdings wird die bekannte Handlung nicht unerheblich abgewandelt, so dass sich auch Maleficents Charakter verändert. So wird der Fluch im Zeichentrickfilm nicht von Maleficent abgeschwächt, sondern von der dritten guten Fee, die durch Maleficents Ankunft daran gehindert wurde, ihren Wunsch für Aurora auszusprechen. Und natürlich verläuft das Ende völlig anders. Der arme Prinz hat in der Realverfilmung gar nicht die Zeit, sich richtig in Aurora zu verlieben. Wahre Liebe, so lernen wir, kann nur Mutterliebe sein.

Sowohl Maleficent als auch Stefan sind ambivalente Figuren, die sich weiterentwickeln. Während Maleficent zu ihrem ursprünglichen Selbst zurückfindet, driftet Stefan immer mehr in den Wahnsinn ab. Beides wird wirklich glaubwürdig vermittelt. Es ist eine Freude, den Schauspielern zuzusehen - vor allem Angelina Jolie. Schon als machtvolle Verteidigerin des Feenreiches liefert sie eine beeindruckende Vorstellung ab. Wenn sie dann erst einmal ihre dunkle Robe trägt und mit blassem Gesicht / blutrotem Lippenstift am Königshof erscheint, um sich über die Menschen lustig zu machen und sie in Schrecken zu versetzen, dominiert sie jede Szene. Mit ihrem leicht kantigen Gesicht und der schlanken Gestalt ist Jolie die ideale Verkörperung der dunklen Fee, und es ist einfach wundervoll mit anzusehen, wie differenziert sie die widerstreitenden Gefühle Maleficents selbst mit zurückhaltender Mimik ausdrückt. Sehr gut gelungen ist auch das Zusammenspiel mit Elle Fanning, die Auroras Unbeschwertheit und Fröhlichkeit überzeugend rüberbringt. Besonders gut gefallen hat mir eine Szene, in der die kleine Aurora allmählich zum Herzen der dann gar nicht mehr so dunklen Fee durchdringt, und später noch eine, in der die ältere Aurora nach Maleficents verlorenen Flügeln fragt.

"Maleficent" ist auch von Atmosphäre und Optik her größtenteils gelungen. Eindrucksvolle Kampfszenen mit riesigen Baumkreaturen und einem Drachen, dazu die bunte Fabelwesenmenagerie im Feenreich ... das ist bildgewaltige Fantasy, in der sich nach dem farbenfrohen Auftakt immer mehr Düsternis ausbreitet. Nicht nur die Moore werden zu einem bedrohlichen Ort, auch das mit eisernen Fallen gespickte Schloss als Symbol für Stefans Paranoia verliert seinen Glanz. Diavals Verwandlungen können ebenfalls überzeugen - mit einer Ausnahme. Seine Wolfsgestalt funktioniert überhaupt nicht, da sieht man überdeutlich, dass es sich um CGI handelt. Und leider entfalten die drei guten Feen ein nicht unerhebliches Nervpotential. Diese dem Zeichentrickfilm entlehnten Gestalten hätte man vielleicht ganz weglassen sollen, denn sie stören den ernsthaften Grundton des Films mit ihrem überdrehten Schabernack und den albernen Wortgefechten ganz gewaltig. Ein Zugeständnis an das junge Publikum? Wie dem auch sei: Die starken Hauptdarsteller und die prächtigen Schauwerte machen den Film auch für Erwachsene sehenswert.


Blu-ray-Features

Die auf Blu-ray erhältliche Version ist eine knappe Minute länger als die Kinofassung. Die DVD enthält die kürzere Version. Somit kann man nur auf Blu-ray längere und etwas härtere Kampfszenen zu Beginn sowie beim Showdown bewundern. Diese Unterschiede haben denn auch zu einer höheren Alterseinstufung geführt; die DVD ist ab sechs Jahren freigegeben.

Die fünf Featurettes sind viel zu kurz, als dass man sie zusammengenommen als "Making of" bezeichnen könnte. Die eine oder andere interessante Einzelheit kann man ihnen aber durchaus entnehmen. So ließ sich wohl kein Kind finden, das keine Angst vor Angelina Jolie in voller Maleficent-Montur hatte. Die Kinder wollten nicht in Jolies Nähe bleiben, es gab Tränen. Man sieht, wie sehr Jolie es hasst, die Kinder erschrecken zu müssen! Lösung: Jolies Tochter Vivienne wurde eingesetzt. Für die war Mama selbst mit Hörnern und Kontaktlinsen nicht Furcht erregend.

Die fünf zusätzlichen Szenen sind nicht weiter interessant, zudem sind nicht alle Spezialeffekte fertig. Unter anderem gibt es eine längere Szene zu sehen, in der sich Stefan die Krone aufs Haupt setzt und vom König überrascht wird. Der hält ihm einen Vortrag über den Preis der Macht. Außerdem bitten Knotgrass, Thistelwit und Flittle um Asyl bei den Menschen, weil sich Maleficents Dunkelheit in den Mooren breit gemacht hat.


J. Kreis, 15.10.2015




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