Maggie


Maggie (USA, 2015)

Blu-ray, Splendid Film
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 98 Minuten

Extras:
- Director's Commentary
- Making Maggie: Behind the Scenes (18:13 Min.)
- Interview mit Henry Hobson (8:15 Min.)
- Interview mit Arnold Schwarzenegger (19:47 Min.)
- Originaltrailer

Regie:
Henry Hobson

Hauptdarsteller:
Arnold Schwarzenegger (Wade Vogel)
Abigail Breslin (Maggie Vogel)
Joely Richardson (Caroline Vogel)




Story

Nach einer verheerenden Virusepidemie, die nur durch drastische Maßnahmen einigermaßen unter Kontrolle gebracht werden konnte, finden die USA allmählich wieder zur Normalität zurück. Weite Teile des Landes sind entvölkert und noch ist die Stromversorgung nicht überall wiederhergestellt. Auch Pflanzen wurden befallen, so dass Farmer wie Wade Vogel gezwungen sind, ihre Kornfelder abzubrennen. Das hauptsächlich durch Bisse übertragene Necroambulist-Virus wurde nicht vollständig erforscht oder gar besiegt. Immer noch treten neue Krankheitsfälle auf und es gibt kein Heilmittel. Da die Krankheit langsam voranschreitet, ist es den Angehörigen in manchen Fällen erlaubt, Infizierte mit nach Hause zu nehmen. Diese verwandeln sich innerhalb einiger Wochen in Kreaturen ohne jegliche menschliche Regung. Sie werden zunehmend aggressiv, während sie bei lebendigem Leib verwesen. Im Endstadium sind sie nicht mehr ansprechbar, werden nur noch von der Gier nach lebendem Fleisch angetrieben und greifen auch Menschen an. Man ist deshalb verpflichtet, sich zu gegebener Zeit bei den Behörden zu melden. Die Infizierten werden dann abgeholt und in "Quarantäne" gebracht - ein Euphemismus für das wahllose Zusammenpferchen von Kranken jeden Stadiums mit anschließender Tötung. Wer sich nicht rechtzeitig meldet oder einen Infizierungsfall gar von Anfang an geheim hält, läuft Gefahr, vom erkrankten Angehörigen attackiert und getötet oder angesteckt zu werden.

Wades Tochter Maggie ist eine der letzten Infizierten. Ein befreundeter Arzt verhindert, dass das Mädchen sofort in Quarantäne gebracht wird. Stattdessen darf Wade Maggie nach der Untersuchung im Krankenhaus mitnehmen. Seine Frau Caroline, Maggies Stiefmutter, bringt ihre jüngeren Kinder bei Verwandten unter, denn niemand weiß, wann genau Maggie nicht mehr sie selbst, sondern ein gefährliches Monstrum sein wird. Zunächst kann Maggie ein vergleichsweise normales Leben führen, dennoch leiden alle unter der Situation. Allmählich verschlechtert sich Maggies körperlicher Zustand so sehr, dass sie das Haus nicht mehr verlassen kann oder will. Wade ist gezwungen, einen infizierten Nachbarn und dessen kleine Tochter - beide im Endstadium - zu töten. Die beiden sind von der Nachbarin versteckt gehalten worden, bis es zu spät war. Wade weiß daher nur zu genau, was ihm und Maggie bevorsteht. Dennoch weigert er sich, seine Tochter den unmenschlichen Zuständen in der Quarantäne auszusetzen, selbst dann noch, als sie einen in eine Falle gegangenen Fuchs zerfleischt und vorübergehend nicht bei Sinnen ist. Somit wird klar, dass sich Maggie fast im Endstadium befindet. Für Caroline ist das Maß voll; sie zieht aus.

Wade ist bereit, seine Tochter notfalls mit Gewalt zu verteidigen, doch er weiß, dass es nur einen Ausweg gibt. Er muss Maggie töten - sie selbst bittet ihn darum, weil sie ihren Zustand nicht mehr erträgt. Sie hat bereits Abschied von allen geliebten Menschen genommen. Doch Wade kann nicht loslassen. Das erkennt auch Maggie. Noch ist sie fähig, selbst über ihr Schicksal zu entscheiden. Sie begeht Selbstmord.


Kringels Meinung

Den langsamen geistig-körperlichen Verfall einer geliebten Person mit ansehen und mit dem unausweichlichen Ende fertig werden zu müssen - das ist eine Situation, die ich nur zu gut kenne, und genau das ist das Thema dieses Films. Schon deshalb hat mich "Maggie" nicht kalt gelassen. Natürlich kann man sich fragen, warum es ausgerechnet ein Zombie-Virus sein musste. Dadurch wird der Film in die Horror-Ecke gerückt, wo er meines Erachtens nicht hingehört. Wenn es hauptsächlich um die Vater-Tochter-Beziehung geht, dann wäre jedes andere Szenario mit einer realen Erkrankung, die dazu führt, dass die Angehörigen über Leben und Tod entscheiden müssen, ebenso geeignet gewesen. Dann hätte Arnold Schwarzenegger die Chance gehabt, in einem "ernsthaften" Film für ein ganz anderes Publikum mitzuspielen - und die Leistung, die er hier zeigt, wäre dem sicherlich angemessen gewesen! Zunächst einmal füllt er die Rolle des knorrigen Farmers schon aufgrund seiner Statur gut aus. Vor allem aber nehme ich ihm die Sorge um sein Kind, die Entschlossenheit, sie zu schützen und die Unfähigkeit, die letzten Konsequenzen zu ziehen, voll und ganz ab. Dass ich ihn in diesem Film eben nicht als denjenigen sehe, der in seiner früheren Karriere hauptsächlich Actionhelden gespielt hat, sagt wohl genug. Ich finde, in einer so menschlichen und verletzlichen Rolle hat man Schwarzenegger noch nie zuvor gesehen. Die Verzweiflung seiner Tochter angesichts des eigenen körperlichen und geistigen Verfalls wird ebenfalls sehr gut vermittelt. Wenn sich Maggie ihrem schlafenden Vater am Ende nähert und offensichtlich den leckeren Fleischgeruch wahrnimmmt, den er verströmt, dann aber doch nicht über ihn herfällt, dann ist das schon ein Gänsehaut-Moment.

Vermutlich wurde der Zombie-Virus gewählt, damit ein Element der Bedrohung hinzugefügt werden konnte. Mit einer potentiell gefährlichen Person unter einem Dach zu leben ist zumindest für Wades Frau zuviel, daher schickt sie zuerst ihre Kinder weg und zieht später aus. Wie würde man sich selbst in einer solchen Situation verhalten? Das Wort "Zombie" wird im Film zwar nie genannt, aber die Infizierten sehen aus und verhalten sich wie eben jene seit einiger Zeit wieder sehr beliebten Untoten. Und es ist klar, dass die Zombie-Apokalypse noch nicht lange zurückliegt. Mehr noch: Sie wurde sogar überwunden. Das ist ungewöhnlich! Mit Erklärungen hält sich der Film nicht lange auf, und das ist auch gut so. Die Apokalypse selbst wird nicht gezeigt, nur ihre Folgen. Brennende Felder, verlassene Ortschaften, Trümmer und Müll überall. Die vermutlich unmenschlich harten Maßnahmen, die zur Eindämmung der Seuche ergriffen werden mussten, werden nur am Rande erwähnt, aber ebenfalls nicht gezeigt. Hier wird einiges an Potential verschenkt, andererseits finde ich es ganz gut, dass auf Horror-Action und Gemetzel fast vollständig verzichtet wurde. Von der FSK-18-Freigabe darf man sich diesbezüglich nicht in die Irre führen lassen! Ich frage mich immer noch, warum der Film so eingestuft wurde. Ich kenne verstörendere Filme und solche mit expliziter Gewaltdarstellung, die ab 16 freigegeben sind. "Maggie" ist ein berührendes, stimmungsvoll inszenierendes Drama mit überzeugenden Hauptdarstellern. Wer die Zombie-Apokalypse sehen will, greift lieber zu The Walking Dead.


Blu-ray-Features

Abgesehen vom Audiokommentar (den ich mir noch nicht zu Gemüte geführt habe) ist das Bonusmaterial leider fast vollkommen uninteressant, wenn man den Film bereits gesehen hat. Wenn man ihn noch nicht kennt, kann man die Featurettes immerhin als Appetitanreger betrachten. Im Grunde sind sie aber nur Werbung, wobei Teile der Interviews bereits in "Making Maggie" vorhanden sind. In diesem Beitrag, der hauptsächlich aus besagten Interviews und Filmausschnitten besteht, wird lediglich die Handlung nacherzählt. In den Interviews geht es vorwiegend darum, wie toll die Zusammenarbeit zwischen Schauspielern und Regisseur war. Arnold Schwarzenegger sagt, vor 25 bis 30 Jahren, während seiner Actionfilm-Karriere, hätte er diese Rolle wahrscheinlich nicht angenommen. Ich muss sagen, dass er sie damals auch nicht so wie jetzt hätte ausfüllen können.


J. Kreis, 09.02.2016




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme