The Machine


The Machine (GB, 2013)

Blu-ray, Splendid Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 91 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Caradog W. James

Hauptdarsteller:
Toby Stephens (Dr. Vincent McCarthy)
Caity Lotz (Ava / Maschine)
Denis Lawson (Thomson)




Story

Mary, die kleine Tochter des Spitzenwissenschaftlers Vincent McCarthy, leidet am Rett-Syndrom, einer Krankheit, die zu schweren neurologischen Störungen führt. McCarthy hofft, Marys Hirnfunktionen durch technische Hilfsmittel wiederherstellen zu können, benötigt zu deren Entwicklung jedoch gewaltige Geldmittel. Deshalb lässt er sich für ein Forschungsprojekt des Verteidigungsministeriums vereinnahmen, dessen Ziel in der Erschaffung humanoider Roboter besteht. Die Maschinen sollen als Kämpfer im drohenden Krieg gegen China eingesetzt werden. Im ersten Schritt stellt McCarthys Team täuschend echt aussehende Prothesen aus fast unzerstörbarem Material her, die genauso bewegt werden können wie menschliche Gliedmaßen, den Trägern jedoch übermenschliche Kräfte verleihen. Selbst schwere Hirnschäden können durch Implantate zumindest teilweise ausgeglichen werden. Als menschliche Versuchskaninchen werden verwundete und verstümmelte Soldaten herangezogen. Es gibt allerdings einige Rückschläge. Die Träger der Hirnimplantate verlieren die Fähigkeit zu sprechen und bei besonders schweren Kopfverletzungen stoßen die Implantate an ihre Grenzen. Dies erfährt McCarthy am eigenen Leib, als ein Proband außer Kontrolle gerät und mehrere Menschen tötet. McCarthy überlebt schwer verletzt.

McCarthy konstruiert einen Quantencomputer mit gewaltiger Kapazität und sucht in der folgenden Zeit nach einem Computerprogramm, das menschliches Verhalten nicht nur simulieren kann, sondern echte Intelligenz, ein Bewusstsein und vielleicht sogar Gefühle besitzt. Ein von der vielversprechenden jungen Forscherin Ava programmiertes System besteht als erstes von vielen beinahe die entsprechenden Tests. Ava wird daraufhin von McCarthy rekrutiert. Sie sieht sich heimlich in der streng bewachten Forschungseinrichtung um und findet heraus, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Die Probanden werden wie Gefangene gehalten, ihre Angehörige werden im Glauben gelassen, sie seien im Einsatz gefallen. Ava gewinnt McCarthys Vertrauen. Er gesteht, dass er Geldmittel für sein eigenes Ziel abzweigt. Er hat ein Verfahren entwickelt, mit dem das Gehirn - also praktisch die Identität - eines Menschen komplett gescannt werden kann. Ava möchte ihm helfen und lässt sich selbst scannen. Wenig später wird sie von einem chinesischen Agenten ermordet. In Wahrheit steckt Thomson dahinter, der Leiter des Projekts. Ihm sind Avas politische Ansichten suspekt und ihre Aktivitäten sind ihm nicht verborgen geblieben. McCarthy erfährt von alldem nichts.

Mit Avas KI-Programm und ihrem Gehirnscan stellt McCarthy einen ihr sehr ähnlichen Androiden her. Der Roboter besteht aus denselben Materialien wie die Prothesen. Thomson könnte zufrieden sein, denn mit den entsprechenden Software-Upgrades könnte der Roboter zur perfekten Tötungsmaschine werden. Es stellt sich jedoch heraus, dass die Maschine wahrhaft "menschlich" ist, Mitgefühl empfindet und sich nicht so leicht kontrollieren lässt. Nach Thomsons Meinung stellt sie somit eine Bedrohung für die ganze Menschheit dar. McCarthy versucht die Maschine zu schützen, aber als sich Marys Allgemeinzustand immer mehr verschlechtert, muss er viel Zeit im Krankenhaus verbringen. In seiner Abwesenheit setzt Thomson alles daran, die Maschine zu manipulieren. Mit der Drohung, eine in ihrem Kopf untergebrachte Bombe zu zünden, bringt er sie schließlich dazu, ein Trainingsprogramm zu absolvieren. McCarthy scannt Marys Gehirn. Wenig später stirbt das Mädchen während einer Operation. Thomson löscht alle Backups von Marys Scans bis auf eines. Damit hat er ein Druckmittel gegen McCarthy in der Hand. McCarthy soll die Maschine downgraden, so dass sie immer noch als Kämpferin eingesetzt werden kann, aber kein eigenes Bewusstsein mehr hat. Die Maschine ist bereit, sich für Mary zu opfern. Tatsächlich entfernt McCarthy etwas aus dem künstlichen Gehirn. Zu spät stellen Thomsons Handlanger fest, dass dies nur ein Bestandteil der Bombe war, die somit funktionslos ist. Thomson ordnet nun die Vernichtung des Roboters an.

McCarthy erfährt, dass die mit Implantaten versorgten Veteranen durchaus miteinander kommunizieren können. Sie helfen ihm und der Maschine gegen die nicht operierten Wachsoldaten, bis Thomson all ihre Implantate deaktiviert. Die Maschine stellt die letzte Mary-Datei sicher. Sie verzichtet darauf, Thomson zu töten, fügt ihm aber eine Kopfverletzung zu, so dass er seine Identität verliert. McCarthy, die Maschine und einige Cyborg-Veteranen fliehen aus der Forschungseinrichtung. Mary "lebt" als virtuelles Wesen weiter. Sie betrachtet die Maschine als ihre Mutter und möchte lieber mit ihr spielen als mit ihrem Vater...


Kringels Meinung

"The Machine" ist ein schöner Beweis dafür, dass man kein großes Budget braucht, um gute Science Fiction zu produzieren. Der Film soll weniger als eine Million britische Pfund gekostet haben und enthält vergleichsweise wenige Spezialeffekte, die aber gut gelungen sind. Vieles spielt sich in einem Bunker ab. Das ist eine austauschbare Umgebung jener Art, wie man sie in kostengünstigen Filmen recht oft zu sehen bekommt. Das stört aber kaum, denn das Augenmerk des Zuschauers wird von Anfang an auf die Figuren gelenkt. Tatsächlich wurde ich schon in den ersten Minuten so richtig gepackt: Einer von McCarthys Probanden sitzt an einem Tisch. Ein beträchtlicher Teil seines Schädels fehlt, das Gewebe ist vernarbt. Das Gesicht des Mannes ist völlig leer, er scheint geistig überhaupt nicht da zu sein. Dann wird das Implantat aktiviert. Prompt kehrt das Leben in den Blick des Mannes zurück, aber er ist verwirrt, weiß nicht, was mit ihm geschehen ist und wie sein Name lautet. Er reagiert mit wachsender Verzweiflung, als man ihm Fragen stellt, die ein Mensch leicht beantworten könnte, für die der Chip in seinem Kopf aber keine Antworten liefern kann. Seine Angst schlägt in Aggression um, weil man ihn wie einen Gegenstand behandelt, dann sticht er eine Forscherin nieder und attackiert auch McCarthy. Kurz bevor er erschossen wird, entschuldigt er sich. Durch diese glänzend gespielte, wirklich spannende und ergreifende Szene war ich bestens auf den Film eingestimmt.

Leider wird die Erzählweise danach etwas holprig. Ava wird lang und breit in die Handlung eingeführt, nur um wenig später schon wieder abrupt daraus entfernt zu werden. Dieser Teil des Films wirkt ein bisschen sinnlos, denn Hauptfigur neben McCarthy ist ja nicht Ava, sondern die Maschine. Vermutlich sollte es dem Zuschauer auf diese Weise leichter gemacht werden, die wie eine Kopie Avas aussehende Maschine als "Lebewesen" zu akzeptieren. Auch stellt sich mir die Frage, warum es in der Forschungseinrichtung zwei verschiedene Wachtrupps gibt, nämlich sowohl reguläre Soldaten als auch solche, die mit Implantaten versorgt wurden. Warum werden die mit Implantaten versorgten Soldaten überhaupt mit Waffen in den Händen auf Patrouille geschickt, wenn doch schon zu Beginn des Films gezeigt wird, dass diesen Leuten nicht zu trauen ist? Eine Probandin ist sogar anscheinend Thomsons Sekretärin und hat weitreichende Vollmachten. Davon mal ganz abgesehen: Angesichts der lückenlosen Totalüberwachung durch Kameras kommt es mir etwas unglaubwürdig vor, dass niemand bemerkt haben soll, wie sich die Implantatträger in ihrer seltsamen Maschinensprache unterhalten. Die Thematik "Menschen als Versuchskaninchen" wird nicht richtig ausgearbeitet und Rebellion der Cyborgs kommt mir ziemlich aufgesetzt vor.

Sobald jedoch die Maschine im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal "enthüllt" wurde - der Robot-Torso wird mit künstlichem Gewebe ausgegossen, das mittels einer Folie in Form gehalten wird, diese Folie wird dann aufgeschnitten und entfernt - beginnt die viel bessere Hälfte des Films. Der Selbstfindungsprozess der Maschine, ihre zunächst kindliche Art, die von Thomson schon bald korrumpiert wird, ihr Vertrauen zu McCarthy, der jedoch zu sehr von seinen eigenen Sorgen in Anspruch genommen ist... das ist sehenswert, Caity Lotz bringt die Fremdartigkeit des Kunstwesens richtig toll zum Ausdruck. Die Kampfkraft der Maschine wird ebenso eindrucksvoll demonstriert wie ihre Eleganz; die Schauspielerin macht in diesen Szenen eine sehr gute Figur. Die Handlung kreist um die Frage, wie man Begriffe wie "Lebewesen" oder "Mensch" definieren soll. Wodurch wird ein Mensch menschlich? Durch seine Intelligenz und/oder seine Gefühle? Beides hat auch die Maschine. Oder simuliert sie das alles nur täuschend echt? Wenn ja: Wie soll man perfekt simulierte Emotionen von echten Gefühlen unterscheiden? Wegen dieser Thematik wird "The Machine" oft mit Blade Runner verglichen, aber dadurch werden meiner Meinung nach Assoziationen geweckt, die der Film dann doch nicht erfüllen kann. Apropos: Teile der Filmmusik sind wahrscheinlich als Hommage an "Blade Runner" bzw. den genialen Soundtrack von Vangelis gedacht.


J. Kreis, 06.11.2014




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