Love


Love (USA, 2011)

Blu-ray, Splendid Film
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 84 Minuten

Extras:
- Deleted Scenes (18:48 Min.)
- Fantastic Fest - Red Carpet Interviews (1:13 Min.)
- Angels & Airwaves Music Videos (20:08 Min.)

Regie:
William Eubank

Hauptdarsteller:
Gunner Wright (Lee Miller)
Bradley Horne (Lee Briggs)




Story / Kringels Meinung

Der Film beginnt mit den Erlebnissen des Soldaten Lee Briggs, der im Jahre 1864 während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges eine besondere Mission erhält. Während sich seine vom Feind eingekesselten Kameraden in eine letzte Schlacht stürzen, soll er einer Information nachgehen, der zufolge ein riesiges unbekanntes Objekt gefunden wurde. In dieser Phase sieht "Love" so gar nicht nach Science Fiction aus, sondern nach einem astreinen, sehr realistischen und toll ausgestatteten Historienfilm. Die Soldaten kauern sich in einer Art Bunker zusammen, man sieht die Angst in ihren Gesichertern. Sie werden mit schweren Mörsern beschossen und die wuchtigen Explosionen lassen die Lautsprecher beben! Dann wird Briggs auf seine Mission geschickt, der Rest der Einheit macht einen Ausfall. Während Briggs durch atemberaubend schöne Landschaften reitet, ringen die Soldaten in Zeitlupe im Dreck miteinander. Am Ende liegen die Leichen auf einem Haufen. Briggs sieht offenbar etwas, von dem er tief beeindruckt ist, aber es wird nicht gezeigt, was das ist.

Jetzt erfolgt ein Zeitsprung. Wir befinden uns im Jahre 2039. Der amerikanische Astronaut Lee Miller ist das einzige Besatzungsmitglied der Internationalen Raumstation (ISS). Die Station hat zwanzig Jahre lang leergestanden. Miller soll die Bordsysteme checken. Eines Tages erhält er eine aufgezeichnete Botschaft aus dem Kontrollzentrum, in der ihm mitgeteilt wird, dass er aufgrund nicht näher bezeichneter Schwierigkeiten nicht wie vorgesehen zur Erde zurückgeholt werden kann. Einige Zeit später sind auf der Erdoberfläche Blitze zu sehen, dann gehen die vom All aus sichtbaren Lichter der großen Städte aus. Anscheinend hat also ein Atomkrieg stattgefunden. Miller erhält keinen Funkkontakt mehr mit der Erde. Dieser Teil des Films wirkt sehr "technisch". Miller absolviert in der ISS seine tägliche Routine, bedient die Systeme und so weiter. Das Innere der ISS sieht wirklich überzeugend aus und es ist kaum zu glauben, dass der Film nur ca. 600.000 Dollar gekostet haben soll. In der Wikipedia ist zu lesen, dass der Regisseur das Szenenbild eigenhändig gebaut hat! Man könnte höchstens bemängeln, dass innerhalb der ISS offensichtlich keine Schwerelosigkeit herrscht. In Anbetracht des lächerlich kleinen Budgets ist das aber zu verschmerzen.

In den folgenden sechs Jahren ist Miller völlig isoliert. Nach und nach versagen die notdürftig zusammengeflickten Lebenserhaltungssysteme, die noch bewohnbaren Teile der ISS füllen sich mit Müll. Außerdem bringt Miller überall Zettel an, er bemalt und beschriftet die Wände, so dass das Innere der ISS mehr und mehr einem Kokon ähnelt. Miller beginnt zu halluzinieren. Er spricht mit zwei Astronautinnen, deren Polaroid-Fotos er in der Station gesehen hat. Bei Reparaturarbeiten findet er zufällig das Tagebuch von Captain Briggs. Wie es dorthin gelangt ist, wird nicht erklärt. Eines Tages erträgt Miller die Einsamkeit nicht mehr. Er verlässt die Station im Raumanzug, weil er lieber in der Erdatmosphäre verglühen will als allmählich zugrunde zu gehen. Wahrscheinlich entscheidet er sich im letzten Moment dagegen und kehrt in die ISS zurück - genau kann man das nicht sagen, denn es werden immer wieder kurze Flashbacks eingeblendet, die darauf schließen lassen, dass Miller doch "gesprungen" sein könnte. Für mich hat es sogar so ausgesehen, als sei er schon 2039 auf dem Weg ins All gestorben. Somit hätte er sich den gesamten Aufenthalt dort nur eingebildet. Das würde die fehlende Schwerelosigkeit und die irrealen Geschehnisse erklären, die sich jetzt anschließen. All diese Erlebnisse Millers könnten Visionen/Halluzinationen sein, von denen sein sterbendes Gehirn in Mikrosekunden durchzuckt wird.

Wieder muss Miller lange Zeit in der ISS verbracht haben (ich kann mir nicht vorstellen, dass dort ausreichend Wasser- und Nahrungsmittelvorräte gelagert sein können), denn er hat Haare wie ein Waldschrat und ist am ganzen Körper tätowiert. Plötzlich empfängt die ISS ein Signal und dockt an einer gigantischen Raumstation an. Miller wechselt dorthin über und findet sich in verschiedenen menschenleeren Umgebungen wieder, zum Beispiel in einer Art Opernsaal, einem Hotelzimmer und einem Planetarium. Miller findet einen Serverraum. Auf einem Tisch liegt ein Buch mit Bildern, die darauf schließen lassen, dass sich die Raumstation ursprünglich auf der Erdoberfläche befunden hat. Diese Station war das von Briggs gesuchte Objekt. Möglicherweise verdankt die Menschheit ihren technischen Fortschritt zumindest teilweise der Erforschung dieser Station oder der Hilfe ihrer (immateriellen? außerirdischen?) Bewohner. Außerdem ist ein Personenverzeichnis vorhanden. Zu jedem Namen gehört ein Code. Miller findet seinen eigenen Namen, gibt den Code ein und wird daraufhin von einer körperlosen Stimme angesprochen, die ihm erklärt, dass er der letzte Mensch ist. Die Station ist angeblich eine Art Archiv für die Gedanken und Erinnerungen der Menschheit. Dazu passt, dass während des Films mehrere "Interviews" eingeblendet werden, die erklären, was für die jeweiligen Leute im Leben wichtig war oder was sie für das Wesen des Menschen halten. Hinzu kommen Szenen aus dem Leben dieser Menschen. Der Sprecher sagt, er freue sich darauf, Miller bald zu begegnen. Der Film endet mit einem Bilderrausch und der direkten Ansprache des Zuschauers durch eine weibliche Stimme.

Tja. Und wie kommentiere ich das jetzt? Keine Action, keine fiesen Außerirdischen, keine Liebesgeschichte - trotzdem fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute, aber auch ziemlich rätselhaft. Aus diesem Grund habe ich Handlungszusammenfassung und Kommentar diesmal miteinander verbunden. Man sollte das Werk vielleicht weniger als Spielfilm und mehr als Parabel über das Bedürfnis des Menschen nach Kontakt, Kommunikation und Liebe verstehen. Am besten macht ihr euch euer eigenes Bild! Wenn ihr 2001, The Fountain und Moon mögt, dann werdet ihr sicherlich auch an "Love" Gefallen finden.


Blu-ray-Features

"Love" wurde von der Alternative-Rock-Band "Angels & Airwaves" produziert, deren Musik den Soundtrack bildet. Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass es beim Bonusmaterial keine Filmdokumentation gibt, sondern zwei Musikvideos der Band ("Anxiety" und "Hallucinations"), sowie je ein Making of zu diesen Videos. Es ist schon lustig zu sehen, mit welch einfachen Mitteln die entstanden sind, aber mir wären ein paar erläuternde Worte des Regisseurs zum Film lieber gewesen. Die ultrakurzen Interviewschnipsel, entstanden wahrscheinlich bei irgendeinem Filmfest, enthalten praktisch überhaupt keine Informationen.

Die vier nicht verwendeten Szenen sind Erweiterungen der oben genannten "Interviews" aus dem Archiv der Raumstation. Man sieht mehr vom Leben der betreffenden Personen und es wird noch klarer, dass es sich wirklich um Aufzeichnungen längst gestorbener Personen handelt, die möglicherweise direkt in Millers Geist hineinprojiziert wurden.


J. Kreis, 30.09.2014




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