Louis de Funes Collection 2

Louis, der Geizkragen


Louis, der Geizkragen (F, 1980)
- L'Avare -

DVD Regionalcode 2, Kinowelt
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 117 Minuten

Extras
- Fotogalerie
- Kinoaushangsatz
- Trailer
- Werberatschlag

Regie:
Jean Girault

Hauptdarsteller:
Louis de Funes (Harpagon)
Frank David (Cleante)
Claire Dupray (Elise)
Hervé Bellon (Valere)
Anne Caudry (Mariane)
Claude Gensac (Frosine)
Georges Audoubert (Anselme)
Michel Galabru (Maitre Jacques)
Bernard Menez (La Fleche)




Inhalt:

Zu behaupten, der reiche Witwer Harpagon sei ein Geizkragen, wäre noch stark untertrieben. Geld bedeutet dem Alten mehr als alles andere, und er rückt nichts davon heraus. Er nimmt sogar Reißaus, wenn der Klingelbeutel in der Kirche herumgetragen wird. Harpagon ist nicht nur geizig, sondern auch wahnhaft misstrauisch. Da er sich von Dieben umzingelt wähnt, vergräbt er eine Schatulle mit 10.000 Goldtalern im Garten. Unter Harpagons übertriebener Knauserigkeit leiden besonders seine Tochter Elise und sein Sohn Cleante. Beide wollen heiraten, wagen es aber nicht, mit ihrem Vater darüber zu reden. Elise liebt Valere, der sie einst vor dem Ertrinken gerettet hat. Der Neapolitaner stammt zwar aus noblem Hause, hat seine Familie jedoch vor vielen Jahren bei einem Schiffsunglück verloren. Um Elise nahe sein zu können, hat er sich durch Schmeicheleien bei Harpagon bis zur Position des Haushofmeisters hochgearbeitet. Cleante vergöttert die schöne, aber arme Mariane, die ihre kranke Mutter aufopferungsvoll pflegt. Harpagon hat andere Pläne für seine Kinder. Elise soll gewinnbringend mit dem wohlhabenden alten Anselme verheiratet werden. Harpagon selbst will zu Cleantes Entsetzen Mariane ehelichen. Die Kupplerin Frosine soll dies in die Wege leiten. Als Harpagon erfährt, dass Cleante seine Zukünftige liebt, kommt es zum Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn.

Bei der Vorbereitung der Hochzeitsfeierlichkeiten gibt es wegen Harpagons Knickrigkeit wieder einmal Streit. Valere, der ihm wie immer nach dem Mund redet, geht sogar so weit, Maitre Jacques (Koch und Kutscher in einer Person) zu verprügeln. Jacques, der den Emporkömmling sowieso nicht ausstehen kann, will sich rächen. Als Harpagons Geldkassette verschwindet, bietet sich eine günstige Gelegenheit dazu. Wegen des Verlusts seiner geliebten Talerchen verliert Harpagon fast den Verstand. Er setzt alle Hebel in Bewegung und beauftragt einen Polizeikommissar mit den Ermittlungen. Jacques denunziert Valere, der mit dem Diebstahl gar nichts zu tun hat - tatsächlich hat Cleantes Diener La Fleche den Geizigen dabei beobachtet, wie er sich wieder einmal von der sicheren Verwahrung seines Geldes überzeugt hat, so dass er das Versteck der Schatulle herausfinden konnte. La Fleche hat das Geld für seinen Herrn gestohlen, damit dieser mit Mariane fliehen kann. Da Valere die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen missversteht (er glaubt, Harpagon meine seine Tochter, als dieser davon faselt, ihm sei das Liebste entrissen worden), gesteht er seine Liebe zu Elise.

Als Valere die Geschichte seines Lebens erzählt, um zu verdeutlichen, dass er ein Ehrenmann ist, der niemals einen Diebstahl begehen würde, kommt Anselme dazu. Harpagon will, dass sich der für Elise vorgesehene Ehegatte an der Klage beteiligt, doch es kommt anders. Valere behauptet, er sei der Sohn des neapolitanischen Adligen Don Thomas d'Alburci - und Anselme ist niemand anderer als dieser Mann. Er hat sechzehn Jahre lang in der Überzeugung gelebt, seine gesamte Familie sei bei dem Schiffsunglück ums Leben gekommen, den anderen Namen hat er seinerzeit angenommen, um ein neues Leben anzufangen. Jetzt erfährt er, dass sein Sohn noch lebt. Mehr noch: Auch Frau und Tochter sind keineswegs tot. Mariane kennt Valeres Schicksal, denn eine sehr ähnliche Geschichte hat ihre Mutter oft erzählt. Zu guter Letzt erscheinen auch noch Cleante und La Fleche. Unter der Voraussetzung, dass Harpagon auf die Ehe mit Mariane verzichtet, will Cleante ihm die 10.000 Taler zurückgeben. Da Don Thomas nichts gegen die Heiratspläne der jungen Leute einzuwenden hat und auf Mitgiften verzichtet, die Feiern finanziert und Harpagon auch noch ein neues Gewand spendiert, können bald die Hochzeitsglocken läuten. Endlich kann Harpagon nun seinen Schatz wieder in Sicherheit bringen. Diesmal schleppt er die Truhe bis in die Wüste...

Der Film:

"Louis, der Geizkragen" ist die sehr werksgetreue Verfilmung einer Komödie von Moliere aus dem Jahre 1668. Die Besonderheit besteht darin, dass der Film fast wie ein Theaterstück aufgebaut ist. Außenaufnahmen gibt es nur sehr selten, fast die gesamte Handlung findet in drei oder vier Räumen von Harpagons Haus statt. Offensichtlich wurde mit voller Absicht eine vergleichsweise schlichte Ausstattung verwendet - ganz wie im Theater, wo ja auch nicht so viele Requisiten vorhanden sind. So darf man sich nicht wundern, anstelle des Kutschengespanns nur ein (übrigens von Uderzo gezeichnetes) Wandbild zweier Pferde zu sehen. Gegen Ende des Films wird die Handlung sogar buchstäblich auf eine Bühne verlegt. Darüber hinaus sind die Wände ab und zu mit vergrößerten Textseiten aus Molieres Stück tapeziert, auf denen der Dialog zu lesen ist, der gerade gesprochen wird. Der Film ist natürlich sehr dialoglastig, und die Schauspieler sprechen sicher nicht aus Zufall mit betonter Bühnen-Theatralik. Manchmal wenden sie sich direkt ans Publikum bzw. an die Kamera. Durch all diese Stilmittel kann man tatsächlich fast den Eindruck gewinnen, keinen Film zu sehen, sondern Gast in einer Theatervorstellung zu sein.

Dieser Film war in Deutschland viele Jahre lang nur in einer stark gekürzten Version zu sehen, Synchronsprecher für Louis de Funes war Peter Schiff. Erst im Jahre 2008 wurde der gesamte Film mit Michael Pan neu synchronisiert und ungekürzt veröffentlicht. Beide Versionen liegen auf dieser DVD vor. Die "Kurzfassung" hat nicht nur ein kleineres Bildformat, sondern ist mit 72 Minuten eine Dreiviertelstunde (!) kürzer als die Originalfassung. Viele wichtige Szenen fehlen, z.B. alle Dialoge zwischen Valere und Elise sowie Cleante und Elise zu Beginn des Films. In der Kurzfassung folgt nach dem Verbuddeln der Geldschatulle sofort die Flucht vor der Kollekte. Auch die Szene, in der Valere den Koch verprügelt und die zeigt, warum dieser Valere später verleumdet, ist der Schere zum Opfer gefallen. Bei Verstümmelungen diesen Ausmaßes kann man nur den Kopf schütteln. Ich verstehe nicht, warum man sie überhaupt für nötig gehalten hat.

Aber nicht nur das: Die alte Synchronisation wurde dem Stil angepasst, für den die deutschen Versionen der Louis de Funes-Filme seinerzeit bekannt und beliebt waren. Dieser Stil mag für überdrehte Klamotten passend sein, aber nicht für diesen Film. Klar - Louis de Funes präsentiert sein übliches unvergleichliches Repertoire, und so muss man nicht auf wundervolle Grimassen, herrliche Wutanfälle usw. verzichten. Die Dialoge wurden aber teilweise so sehr durch "lustig" gemeinte (meist aber nur plumpe und oft ordinäre) Sprüche verhunzt, dass ihr ursprünglicher Sinn komplett verloren gegangen ist. Und zu "guter" Letzt wurde anstelle der Originalmusik, die aus klassischen Stücken besteht, sowas wie Popmusik verwendet. Aber zum Glück gibt es ja die Neusynchronisation. Die ist immer noch lustig, entspricht aber - genau wie das französische Original - weitgehend dem Text von Molieres Komödie. Und endlich kann man den Film jetzt in voller Länge genießen.

DVD-Features:

Der Film wurde zusammen mit Louis, das Schlitzohr und Die Abenteuer des Rabbi Jacob in der Louis de Funes-Collection 2 veröffentlicht. Die drei Digipacks stecken in einem Pappschuber.

Abgesehen von den erwähnten Synchronfassungen (und natürlich der französischen Originalversion) hat die DVD leider nur wenig zu bieten: Bildergalerien mit Szenenfotos und Kinoaushangsätzen, einen Trailer sowie zwei mehrseitige PDF-Dokumente mit Tipps für die Werbekampagne der damaligen Zeit in Deutschland. Immerhin darf man sich über eine für einen Film diesen Alters recht gute Bild- und Tonqualität freuen.


Screenshots


Louis, der Geizkragen

Valere und Elise in trauter Zweisamkeit.


Louis, der Geizkragen

"Oh Herr, lass diesen Klingelbeutel an mir vorübergehen!"


Louis, der Geizkragen

Harpagon hat den Hauptverdächtigen am Schlafittchen.


Louis, der Geizkragen

Elise und Cleante sind nicht begeistert von den Heiratsplänen ihres Vaters.


Louis, der Geizkragen

"Gicht? Quatsch! Das ist nur die praktische Geldraffhaltung!"


Louis, der Geizkragen

Was wohl mehr kostet: Echte Pferde oder ein Bild von Uderzo?


Louis, der Geizkragen

Mariane und Frosine "bewundern" Harpagon.


Louis, der Geizkragen

"Da legst di nieder! Der Zaster ist weg!"


Louis, der Geizkragen

Anselme: "Kommt an die Vaterbrust, liebe Kinder!"


Louis, der Geizkragen

Endlich wieder vereint: Harpagon und die Liebe seines Lebens.


J. Kreis, 30.11.2010




Gastkommentare


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme