Balduin, der Ferienschreck


Balduin, der Ferienschreck (Frankreich/Italien, 1967)
- Les Grandes Vacances -

DVD, Studiocanal
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 86 Minuten

Extras:
- Kinoaushangsatz
- Fotogalerie
- Trailer

Regie:
Jean Girault

Hauptdarsteller:
Louis de Funes (Balduin Bosquier)
François Leccia (Philippe Bosquier)
Martine Kelly (Shirley MacFarrell)
Ferdy Mayne (MacFarrell)
Maurice Risch (Stephane Michonnet)
Olivier de Funes (Gerard Bosquier)




Story

Balduin Bosquier ist Leiter eines angesehenen Jungeninternats und kann keine schlechten Noten bei seinen eigenen Söhnen dulden. Als Bosquier im Zeugnis seines ältesten Sohnes Philippe eine Fünf in Englisch entdeckt, werden die Ferienpläne kurzerhand geändert. Philippe wollte mit einigen Freunden eine Bootstour auf der Seine machen, aber daraus wird nichts. Stattdessen soll er seine Sprachkenntnisse als Austauschschüler beim schottischen Whiskyproduzenten MacFarrell aufbessern. MacFarrells Tochter Shirley wird nach Frankreich eingeladen. Da Philippe als Navigator für das fest angemietete Boot unverzichtbar ist, hecken seine Freunde einen Plan aus. Mitschüler Stephane Michonnet nimmt Philippes Platz ein und reist an seiner Stelle nach Schottland. Die Sache geht nur solange gut, bis sich Michonnet wegen seines Misstrauens gegen die schottische Küche mit selbstgekochten Gerichten vergiftet. Bosquier, der umgehend benachrichtigt wird, trifft sofort Reisevorbereitungen, um nach seinem Sohn zu sehen. Inzwischen hat Shirley das Missfallen des despotischen Internatsdirektors erregt, denn sie denkt gar nicht daran, die Kulturgüter Frankreichs zu studieren. Stattdessen verdreht sie allen Schülern den Kopf und schleppt Bosquiers jüngeren Sohn Gerard, der eigentlich auf sie aufpassen sollte, von einer Party zur nächsten. Irgendwann hat sie die Nase voll von Bosquiers Schikanen, packt ihren Koffer und flieht - mit Hilfe Philippes, der sie mit auf die Flussfahrt nimmt.

In Schottland angekommen kommt Bosquier dem Täuschungsmanöver auf die Schliche, aber er muss den Schein wahren, um die Familienehre zu retten. Michonnet soll bis zum Ende der Ferien bei den MacFarrells bleiben. Shirley sollte jetzt eigentlich nach Hause zurückkehren, ist aber bereits verschwunden. Sofort folgt Bosquier ihrer Spur. Nach einer abenteuerlichen Verfolgungsjagd sammelt er die jungen Leute ein und bringt sie zum Internat. Zurück in ihrem Elternhaus rächt sich Shirley, indem sie es so aussehen lässt, als ob sie von "Philippe" (Michonnet) verführt worden sei. Erbost zitiert MacFarrell Bosquier nach Schottland. Der reist mit dem echten Philippe an und klärt die Angelegenheit. Shirley und Philippe haben sich während der Bootstour ineinander verliebt und möchten für immer zusammenbleiben. Sie brennen durch und machen sich auf den Weg nach Gretna Green. In diesem Dorf können Minderjährige an einem bestimmten Tag traditionsgemäß ohne Zustimmung der Eltern heiraten. MacFarrell ahnt, was die beiden vorhaben, und eilt ihnen gemeinsam mit Bosquier hinterher. Die Väter kommen jedoch zu spät, für sie endet die Verfolgungsjagd in MacFarrells Whiskybrennerei, die sie derart demolieren, dass die ganze Lagerhalle mit dem wertvollen Alkohol geflutet wird. Nachdem Bosquier und MacFarrell ausreichend Whisky geschluckt haben, schließen sie Brüderschaft. Anschließend wird die Vermählung Shirleys und Philippes von beiden Familien gebührend gefeiert.


Kringels Meinung

Obwohl "Balduin der Ferienschreck" anders als die wirklich herausragenden Werke von und mit Louis de Funes kaum wirklich erinnerungswürdige Szenen und vergleichsweise wenig Wortwitz enthält, ist der Film doch turbulent und temporeich genug für einen vergnüglichen Heimkinoabend. Für meinen Geschmack hätte die Verfolgungsjagd in Frankreich noch viel länger dauern können, denn wenn Balduin allein unterwegs ist und sich in verschiedenen teils absurden Situationen zurechtfinden muss, dann ist das viel witziger als so manches Wortgefecht, denn wegen all der Durcheinanderbrüllerei versteht man oft gar nicht, was eigentlich gesagt wird. Situationskomik ist durchaus vorhanden, etwa wenn die Franzosen in MacFarrells Haus diverse fremdartige "Köstlichkeiten" der britischen Küche vorgesetzt bekommen. Besonders köstlich fand ich das Zusammenspiel des quirligen Louis de Funes mit dem absichtlich etwas hölzern-aristokratisch daherkommenden Ferdy Mayne. Apropos Wortwitz: Die Komik mancher Dialoge kommt nur in der Originalfassung rüber, denn MacFarrells Französisch ist ebenso schlecht wie Bosquiers Englisch!

Louis de Funes brilliert einmal mehr in seiner Paraderolle des cholerischen Patriarchen und verleiht der an sich ziemlich banalen Verwechslungskomödie zusammen mit den häufigen Ortswechseln die nötige Würze. Aus heutiger Sicht sehr befremdlich ist allerdings das hier zum Ausdruck kommende Frauenbild der Sechzigerjahre. Die rebellische Minirockträgerin Shirley, die lieber shoppen und tanzen geht, als sich zum Beispiel den Louvre anzuschauen, ist ja noch in Ordnung. Aber die Art und Weise, wie Philippes Freunde zwei Mädels hinterherhecheln und sie als Jagdbeute betrachten, die es klarzumachen gilt, würde in einem aktuellen Film wahrscheinlich für spontanten Bluthusten nicht nur bei Feministinnen führen...


DVD-Features

Das Bonusmaterial kann man getrost vergessen. Immerhin erwähnenswert: Diese DVD enthält die ungekürzte Version des Films. Szenen, die in früheren Schnittfassungen nicht vorhanden waren, haben französische Sprache und deutsche Untertitel.


J. Kreis, 21.09.2014




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme