Looper


Looper (USA, 2012)

Blu-ray, Concorde Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 119 Minuten

Extras:
- Audiokommentar (Rian Johnson, Emily Blunt, Joseph Gordon-Levitt)
- Making-of (15:30 Min.)
- Looper - Der Score (15:59 Min.)
- Entfallene Szenen mit optionalem Audiokommentar (39:40 Min.)
- Kinotrailer

Regie:
Rian Johnson

Hauptdarsteller:
Joseph Gordon-Levitt / Bruce Willis (Joseph Simmons)
Emily Blunt (Sara)
Jeff Daniels (Abe)
Pierce Gagnon (Cid)
Noah Segan (Kid Blue)




Story

Mitte des 21. Jahrhunderts sind Zeitreisen noch nicht möglich, dreißig Jahre später aber sehr wohl. Sie sind allerdings strengstens verboten. Die Zeitreise-Technik wird im Jahre 2074 deshalb nur von mächtigen Verbrechersyndikaten benutzt. Da es in dieser Zeit praktisch unmöglich ist, eine Leiche verschwinden zu lassen, schicken die Gangster ihre Opfer zurück in die Vergangenheit, wo sie von Auftragskillern, den so genannten Loopern, erwartet, ermordet und beseitigt werden. Jedem Opfer wird eine Belohnung für die Looper in Form von Edelmetallbarren auf den Rücken geschnallt. Dasselbe Schicksal droht den Loopern allerdings selbst, denn die Syndikate können keine Mitwisser gebrauchen. Wenn sich ein Looper zur Ruhe setzt und bis zum Jahre 2074 überlebt, wird er geschnappt und in die Zeitmaschine gesteckt. Er materialisiert dann genau wie seine früheren Opfer mit einem Sack über dem Kopf in der Vergangenheit, wo er vertragsgemäß von seinem früheren Selbst erschossen wird - eine besonders exotische Form des "Selbstmords", die bei den Loopern als "den Loop abschließen" bezeichnet wird. Die Organisation der Looper wurde von einem ebenfalls aus dem Jahre 2074 stammenden Mann namens Abe aufgebaut, der ohne Aussicht auf Rückkehr in die Vergangenheit geschickt worden ist. Die Ermordung der unfreiwilligen Zeitreisenden hat oberste Priorität. Sollte ein Looper sein Opfer laufen lassen, wird er selbst zum Freiwild. Unter den Loopern kursieren Gerüchte, denen zufolge im Jahre 2074 ein Unbekannter, der nur als "Der Regenmacher" bekannt ist, die Macht über alle Syndikate übernommen hat. Angeblich hat er neuerdings damit begonnen, sämtliche Loops abzuschließen.

Im Jahre 2044 schließt der junge Looper Joseph Simmons seinen eigenen Loop ab. Er tötet sein zeitgereistes älteres Ich, kassiert die ihm mitgegebenen Goldbarren und wandert nach Shanghai aus, wo er das ganze Vermögen mit Drogenpartys verjubelt und sich einer Verbrecherbande anschließt, um wieder zu Geld zu kommen. Eines Tages verliebt er sich, krempelt sein Leben radikal um und wird clean. Er heiratet und lebt glücklich bis zum Jahre 2074. Dann soll ihm das Schicksal aller ehemaligen Looper widerfahren. Kurz zuvor teilt ihm ein Freund das Geburtsdatum des Regenmachers sowie die Kennziffer des Krankenhauses mit, in dem der Gangsterboss geboren wurde. Bei Joes Gefangennahme wird seine Frau erschossen. In letzter Minute kan Joe die Schergen des Regenmachers ausschalten. Um den Tod seiner Frau rückgängig zu machen, unternimmt er die Zeitreise trotzdem. Da er nicht gefesselt und gut vorbereitet ist, gelingt es ihm, seinem jüngeren Ich zu entkommen. Mit den Informationen seines Freundes macht er drei Kinder ausfindig. Jedes könnte der zukünftige Regenmacher sein. Joe muss die Kinder töten, um die Kette der Ereignisse zu durchbrechen, die zum Tod seiner Frau geführt haben bzw. führen werden. Er versucht sich mit seinem jüngeren Ich zu verbünden, um dieses Ziel zu erreichen; schließlich werden beide Joes von Abes Handlangern gejagt. Der junge Joe lässt sich nicht überzeugen. Er sieht die Dinge etwas anders, zumal er seine zukünftige Frau noch gar nicht kennengelernt hat.

Während der alte Joe das erste Kind tötet, versteckt sich der junge Joe bei Sara, der Mutter des als zukünftiger Regenmacher in Frage kommenden Cid. Joe weiß, dass sein Alter Ego früher oder später hier auftauchen wird. Dann will er ihn töten und sich somit bei Abe rehabilitieren. Es dauert nicht lange, bis sich Joe mit Cid anfreundet und sich in Sara verliebt. Doch einer von Abes Männern trifft zuerst bei der Farm ein. Als der Mann Sara und Cid bedroht, wird klar, dass der kleine Junge der Regenmacher sein bzw. werden muss. Er ist nicht nur ein hochbegabter Bastler, sondern gehört auch zu den 10 Prozent der Bevölkerung mit telekinetischer Begabung. Im Gegensatz zu allen anderen Telekineten, die lediglich kleine Gegenstände schweben lassen können (so auch Sara), hat Cid gewaltige Kräfte. Diese geraten außer Kontrolle, wenn er sich bedroht fühlt, und wenn es seiner Mutter nicht gelingt, ihn zu beruhigen. Das geschieht auch jetzt; der Gangster wird buchstäblich zerfetzt. Derweil hatte Abes Gefolgsmann Kid Blue eine ähnliche Idee wie der junge Joe. Er lauert dem alten Joe beim letzten in Frage kommenden Kind auf, setzt ihn außer Gefecht und bringt ihn in Abes Hauptquartier. Joe kann sich befreien und Abe sowie sämtliche Gangster töten. Da ihm alle Erinnerungen seines jüngeren Ich augenblicklich bekannt sind, weiß er nun ebenfalls, wo der Regenmacher zu finden ist. Er fährt zur Farm, um seine Mission endlich zu beenden.

Der junge Joe kann nur hilflos zusehen, wie sich der alte Joe anschickt, Sara zu töten, die sich ihm in den Weg stellt, während Cid (der bereits angeschossen wurde) in ein Maisfeld flieht. Der junge Joe begreift, dass genau das die traumatischen Geschehnisse sind, die dazu führen, dass Cid zu einem gewissenlosen Monster und zur Nemesis der Looper wird. Um das zu verhindern, erschießt sich der junge Joe selbst, was zum sofortigen Verschwinden des alten Joe führt. Somit bleibt Sara am Leben und kann dafür sorgen, dass Cid normal aufwächst, wodurch sie möglicherweise verhindert, dass er zum Regenmacher wird.

Kringels Meinung

Bruce Willis in einem Film mit Zeitreise-Thematik... da werden Erinnerungen an Twelve Monkeys wach! Ähnlichkeiten mit Terminator sind ebenfalls unübersehbar. Die Zeitreisen "funktionieren" in "Looper" allerdings völlig anders als in den genannten Filmen, denn hier ist der Ablauf der Geschehnisse nicht festgelegt. In "Twelve Monkeys" und "Terminator" gilt der Grundsatz "Es geschieht, weil es geschah" - will sagen: Es gibt keine Zeitparadoxa. Weder Vergangenheit noch Zukunft lassen sich in ändern. Alles, was James Cole (die von Bruce Willis in "Twelve Monkeys" gespielte Hauptfigur) bei seinen Reisen in die Vergangenheit unternimmt, hat aus der Sicht seiner (zukünftigen) Zeit bereits stattgefunden - es wurde nur nicht richtig gedeutet. Der Terminator konnte Sarah Connor nicht ermorden, und durch die ganze Aktion wurde John Connors Geburt überhaupt erst ermöglicht.

Dieser Determinismus existiert im "Looper"-Universum nicht. Die Vergangenheit kann sehr wohl verändert werden. Änderungen der Vergangenheit haben unmittelbare Auswirkungen auf die Zukunft und auf Joe selbst, auch wenn er sich in der Vergangenheit befindet. Beispiele: Einer von Joes Looper-Kollegen bringt es nicht fertig, seinen Loop abzuschließen. Er lässt sein älteres Ich laufen. Die jüngere Version wird dann aber geschnappt und solange gefoltert, bis sich das ältere Ich stellt. Bei der Folter werden dem jüngeren Looper zuerst einige Finger, dann die Nase und weitere Körperteile abgetrennt. Und das alles verschwindet im selben Moment bei der älteren Version! Die Erinnerungen des älteren Joe bleiben solange nebulös und indifferent, bis der jüngere Joe etwas tut oder sieht. Erst dann wird für den älteren Joe alles glasklar, dann hat er dieselben Erinnerungen, die der jüngere Joe gerade in seinem Gehirn gespeichert hat. Der jüngere Joe kann mit seinem Alter Ego einen Treffpunkt vereinbaren, indem er sich selbst eine Botschaft in den Arm ritzt. Der ältere Joe hat diesen Text dann in Form von Narben auf dem Arm, die er zuvor nicht hatte und gleichzeitig schon immer gehabt hat. Klingt verwirrend? Ist aber alles in sich schlüssig und muss nicht groß erklärt werden. Tatsächlich weigert sich der alte Joe, mit dem jungen Joe über Zeitparadoxa zu reden. Bis auf eine Ausnahme: Wenn sich der junge Joe erschießt, wer ist dann der Ich-Erzähler, dessen Voice-Over-Kommentar bis zuletzt während des Films zu hören ist und der in der Vergangenheitsform spricht? Und eine Frage habe ich: Warum ist noch niemand auf die Idee gekommen, eine Zeitmaschine in die Vergangenheit zu schicken, oder wenigstens einen Bauplan?

Neben der verzwickten, spannenden Story ist "Looper" vor allem ein fesselndes Charakterdrama, wobei natürlich auch einiges an Action geboten wird. Bruce Willis und Joseph Gordon-Levitt spielen wunderbar zusammen und sie ähneln sich sehr. Das liegt nicht nur an der Kunst der Maskenbildner, die Gordon-Levitt optisch an Willis angeglichen haben, sondern zum großen Teil an Mimik und Körpersprache. Gordon-Levitt scheint Bruce Willis gut beobachtet zu haben, denn die ganze Art, wie er sich bewegt, mit Leuten spricht usw. ähnelt der des großen Vorbilds verblüffend. Beide Versionen der Hauptfigur sind keine strahlenden Helden, sondern gebrochene Figuren mit viel Charaktertiefe. Der junge Joe verrät einen Freund, der es nicht geschafft hat, "den Loop abzuschließen" - die Alternative wäre, dass er Abe die Hälfte seines Vermögens überlassen müsste. Der alte Joe tötet ein Kind und würde weitere Kinder töten, um seine Frau zu retten. Beide Schauspieler bringen den moralischen Konflikt, in dem sie sich dabei befinden, hervorragend rüber. Der junge Joe ist zunächst sehr von sich selbst eingenommen, muss sein bisheriges Leben dann aber mehr und mehr in Frage stellen. Der alte Joe ist desillusioniert und gebrochen, außerdem muss er damit zurechtkommen, nach und nach seine Erinnerungen zu verlieren, wenn sein jüngeres Pendant Entscheidungen trifft, die er in seiner "anderen" Vergangenheit nicht getroffen hatte. Emily Blunt ist sehr überzeugend als taffe alleinerziehende Mutter. Die eigentliche Überraschung aber ist der Pierce Gagnon. Der kleine Junge agiert absolut natürlich. Man schließt ihn sofort ins Herz, aber wenn er sauer wird, dann kann man verstehen, warum sich seine Mutter sicherheitshalber in einem großen Tresor einschließt...

Von der Welt der Jahre 2044 und 2074 bekommt man nicht allzu viel zu sehen, spektakuläre Kamerafahrten durch futuristische Städte oder so kommen nicht vor. Die Handlung spielt sich zumeist in heruntergekommenen Hinterhöfen, in Abes Basis (die er in einem Nachtclub eingerichtet hat) und auf der Farm ab. Aufwändiges Set-Design ist aber auch gar nicht nötig. Man sieht deutlich genug, dass die zukünftige Welt ganz schön abgewirtschaftet ist. Durch ein paar wie beiläufig eingestreute Szenen und einzelne Gewaltspitzen wird die allgegenwärtige extreme Gewaltbereitschaft verdeutlicht.

Blu-ray-Features

Das "Making of" besteht aus zwei Featurettes, von denen sich eine mehr mit dem Film und die andere mehr mit dem Thema "Zeitreisen" beschäftigt. Man sieht unter anderem, wie Joseph Gordon-Levitt in ein jüngeres Ebenbild von Bruce Willis verwandelt wird, und dass so weit wie möglich auf CGI verzichtet wurde. Stattdessen wurde auf traditionelle Tricktechnik zurückgegriffen. Brian Clegg, Physiker und Autor des Buches "How to build a Time Machine", referiert über die verschiedenen Zeitreise-Theorien. Außerdem erfährt man, dass die Looper-Zeitmaschine Objekte nur in die Vergangenheit versetzen kann, und zwar immer um genau 30 Jahre, 3 Monate, 2 Tage, 8 Stunden und 5 Sekunden.

In "Looper - Der Score" erzählt Komponist Nathan Johnson, wie er herumgereist ist, um Geräusche zu sammeln, die dann für den Soundtrack zu einem virtuellen Orchester zusammengestellt wurden. Zudem sind drei Filmszenen zu sehen, bei denen nur die Musik gespielt wird, keine Dialoge oder Soundeffekte.

Hinzu kommen ca. zwei Dutzend nicht verwendete bzw. erweiterte Szenen. Besonders interessant sind die nicht, aber es wird deutlich, dass die Figur Kid Blue ursprünglich eine wichtigere Rolle hätte spielen sollen als im fertigen Film. Außerdem ist mehr von der Beziehung zwischen Joe und seiner Ehefrau dabei, in einer Szene spricht sie sogar mal, was im Film überhaupt nicht geschieht.


J. Kreis, 30.01.2014




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