Der längste Tag


Der längste Tag (USA, 1962)
- The longest Day -

Blu-ray (s/w), Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 178 Minuten

Extras:
- 2 Audiokommentare
- Ein denkwürdiger Tag (17:52 Min.)
- Der längste Tag: Ein Salut an die Courage (43:46 Min.)
- Backstory: "Der längste Tag" (25:08 Min.)
- Der D-Day im Rückblick (51:51 Min.)
- Darryl F. Zanuck: Die Erfüllung eines Traums (3:58 Min.)
- Kinotrailer

Regie:
Darryl F. Zanuck, Ken Annakin, Andrew Marton, Bernhard Wicki

Hauptdarsteller:
Henry Grace (General Dwight D. Eisenhower)
Robert Mitchum (Brigadier General Norman Cota)
John Wayne (Lieutenant Colonel Benjamin H. Vandervoort)
Richard Todd (Major John Howard)
Werner Hinz (Generalfeldmarschall Erwin Rommel)
Curd Jürgens (General Günther Blumentritt)
Hans Christian Blech (Major Werner Pluskat)
Heinz Reincke (Oberstleutnant Josef Priller)
Irina Demick (Janine Boitard)




Story

Der Zweite Weltkrieg tobt in Europa. Frankreich wurde von Deutschland besetzt. Unter dem Decknamen "Operation Overlord" planen die Alliierten die Invasion in der Normandie. Am 5. Juni 1944 warten die an der englischen Kanalküste zusammengezogenen Truppen schon seit so langer Zeit auf den Einsatzbefehl, dass die Moral zu leiden beginnt. Wegen schlechter Wetterverhältnisse wurde die Operation immer weiter verschoben und auch jetzt sieht es so aus, als würde ein Sturm alle Vorbereitungen zunichte machen. Die deutschen Befehlshaber wiegen sich daher in Sicherheit. Generalfeldmarschall Erwin Rommel, Kommandeur der deutschen Truppen in der Normandie, fährt nach Hause, um den Geburtstag seiner Frau zu feiern. Man geht ohnehin davon aus, dass die Invasion an der engsten Stelle des Kanals erfolgen wird, also am Pas de Calais. Nur in Planspielen ist die Idee aufgekommen, die Alliierten könnten in der Normandie angreifen. Doch genau das wird in der Nacht zum 6. Juni vorbereitet, nachdem eine kurze Phase guten Wetters für diesen Tag vorhergesagt wurde. Sobald der amerikanische General Dwight D. Eisenhower den entsprechenden Beschluss gefasst hat, setzen unzählige Schiffe und Flugzeuge zur Überquerung des Ärmelkanals an.

Durch codierte Funknachrichten (deren wahre Bedeutung den Deutschen allerdings nicht verborgen bleibt) werden die Franzosen über den Beginn der Operation informiert. Janine Boitard, ihr Freund und zahlreiche weitere französischen Widerstandskämpfer werden hinter den feindlichen Linien aktiv. Sie sabotieren die Nachschublinien der Wehrmacht, indem sie Bahngleise sowie Telegrafenleitungen zerstören, und senden Lichtsignale, um die Absprungzonen für die Fallschirmjäger zu markieren. Trotzdem verfehlen viele Fallschirmjäger das Ziel und müssen erst wieder zusammenfinden. Colonel Benjamin H. Vandervoort führt sie in die Stadt Sainte-Mère-Église, die unbedingt erobert werden muss, weil sich dort eine deutsche Garnison befindet. Eine der ersten erfolgreichen Aktionen ist die Einnahme der Pegasusbrücke durch Soldaten der 6. britischen Luftlandedivision unter dem Kommando von Major John Howard, die mit Gleitflugzeugen punktgenau abgesetzt werden. Howards Männer verhindern, dass diese kriegswichtige Brücke zerstört wird, und halten sie bis zum Eintreffen von Verstärkung.

In den frühen Morgenstunden des 6. Juni landen alliierten Truppen an verschiedenen Küstenabschnitten. Major Werner Pluskat hat die Ankunft der feindlichen Flotte gemeldet, doch es dauert geraume Zeit, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass die Invasion wirklich begonnen hat. Außerdem schläft der Führer und darf nicht geweckt werden. Deshalb gelingt es General Günther Blumentritt nicht, seinen Vorgesetzten zur Verlegung dringend benötigter Panzer in die Normandie zu bewegen. Auch die Luftwaffe kann nichts ausrichten. Nur Oberstleutnant Josef Priller und ein weiterer Pilot sind mit ihren Stukas nahe genug am Ort des Geschehens. Dennoch erzielen die Alliierten nicht überall Erfolge. Insbesondere am Strand "Omaha Beach" erleiden die US-amerikanischen Truppen schwere Verluste, bis es den von Brigadier General Norman Cota angeführten Männern gelingt, eine Schutzmauer zu sprengen, durch die der Vormarsch blockiert wurde. Nachdem auch noch die deutsche Geschützstellung am Pointe du Hoc eingenommen werden konnte, ist der Weg ins Landesinnere endgültig frei. Damit geht der längste Tag in der Geschichte der Menschheit zu Ende.


Kringels Meinung

Früher habe ich "Der längste Tag" für einen der besten Kriegsfilme und für eine einigermaßen korrekte Darstellung der Landung in der Normandie gehalten. Mit einigen dramaturgiebedingten Abweichungen wird der Kriegsverlauf an den wichtigsten Schauplätzen der Invasion nachgestellt. Massenszenen, authentische Waffen und Uniformen - ich war der Meinung, "Der längste Tag" habe fast schon dokumentarischen Charakter (was möglicherweise daran liegt, dass er schwarzweiß ist) und besser könne man den Krieg nicht visualisieren. Seit Der Soldat James Ryan und Band of Brothers sehe ich das ein bisschen anders. Anfang der Sechzigerjahre wäre eine Gewaltdarstellung wie in den ersten 20 Minuten von "Der Soldat James Ryan" undenkbar gewesen. Deshalb ist "Der längste Tag" schon insoweit nicht realistisch, als nicht annähernd gezeigt werden kann, wie unfassbar schrecklich der Kampf vor allem auf Omaha Beach gewesen ist. Zudem fallen mir inzwischen Schwächen an "Der längste Tag" auf, die ich noch vor ein paar Jahren gar nicht wahrgenommen habe. Vor allem schauspielern einige Schauspieler zu sehr. Das heißt: Mimik, Gestik und Sprechweise wirken dann nicht natürlich, sondern eher so, wie man es von Bühnenstücken her kennt, und manche Schauspieler "sterben" allzu theatralisch. So wie Kinder, die Cowboy und Indianer spielen.

Gleichwohl ist "Der längste Tag" auch heute noch sehenswert. Viele Kampfszenen sind wirklich beeindruckend, zum Beispiel die ersten Minuten des Sturms französischer Soldaten auf ein von den Deutschen besetztes Casino in Ouistreham, wobei der Kameramann in einem Hubschrauber sitzt. Und in wenigstens einer Hinsicht ist der Film meiner Meinung nach sogar besser als die oben verlinkten Produktionen. Man konzentriert sich nicht einseitig auf die Alliierten, sondern bezieht auch die andere Seite mit ein. Die Deutschen werden nicht dämonisiert oder als eindimensionale, gesichtslose Nazischurken eingesetzt. Stattdessen gibt es auch auf deutscher Seite echte Hauptfiguren und sogar Sympathieträger. Dass die Deutschen so objektiv charakterisiert werden, ist für US-amerikanische Kriegsfilme der damaligen Zeit nicht selbstverständlich. Ein besonders interessanter Effekt entsteht, wenn man den Film im englischen Original sieht. In dieser Fassung sprechen nämlich alle Figuren in ihrer Muttersprache: Englisch, Französisch und Deutsch. Seinerzeit muss es schon merkwürdig gewesen sein, bekannte deutsche Schauspieler quasi Seite an Seite mit US-Stars zu sehen. Jüngere Zuschauer, die gar nicht wissen, wer Curd Jürgens und Gert Fröbe sind, werden das womöglich nicht nachvollziehen können.

Apropos: In "Der längste Tag" wird so ziemlich alles aufgeboten, was damals im Filmbusiness Rang und Namen hatte, zumindest bei den Herren. Die Damen sind äußerst schwach vertreten, tatsächlich gibt es nur eine einzige weibliche Hauptrolle. Auf der Besetzungsliste stehen Namen wie John Wayne, Robert Mitchum, Richard Burton, Henry Fonda, Rod Steiger und das damalige Jugendidol Paul Anka. Über 40 internationale Stars spielen mit - und das ist vielleicht die größte Schwäche des Films, denn es handelt sich größtenteils um Cameoauftritte. Ständig werden neue Figuren eingeführt und verschwinden wieder, kaum jemand eignet sich als Identifikationsfigur, die den ganzen Film tragen könnte. Allenfalls Wayne und Mitchum kommen diesbezüglich in Betracht, aber auch sie haben relativ wenig Screentime und bleiben letzten Endes zu blass. In kleinen Nebenrollen sind übrigens Sean Connery (den die Welt damals noch nicht als James Bond kennen gelernt hatte) und Vicco von Bülow (Loriot) zu sehen!


Blu-ray-Features

In "Ein denkwürdiger Tag" erinnert sich Ken Annakin, einer der Co-Regisseure bei "Der längste Tag", an die Dreharbeiten und die Zusammenarbeit mit Darryl F. Zanuck. Dazu werden Filmausschnitte, Setfotos und ein wenig Hinter-den-Szenen-Material gezeigt.

Die Doku "Der längste Tag: Ein Salut an die Courage" (2001) beschäftigt sich mehr mit den historischen Hintergründen sowie mit dem Buch von Cornelius Ryan, auf dem der Film basiert. Hierbei sind auch Bilder und Filme von der realen Landung in der Normandie zu sehen, zudem berichten Zeitzeugen (Kriegsveteranen und Angehörige), wie es damals wirklich war und worin der Film von den Fakten abweicht. Man erfährt, dass der Film ursprünglich anders hätte enden sollen, und zwar nicht mit Soldaten, die zu fröhlich-heroischer Musik von den Landungsstellen landeinwärts marschieren, sondern mit einem traumatisierten jungen Mann, der am Strand zwischen den Leichen seiner Kameraden sitzt. Vielleicht wäre das die entscheidende Szene für etwas gewesen, das Zanuck nach eigenen Angaben eigentlich mit "Der längste Tag" erreichen wollte: Er wollte einen Antikriegsfilm drehen. Er räumt ein, dass ihm das nicht gelungen ist. Da kann ich ihm nur beipflichten!

"Backstory: Der längste Tag" (2000) enthält im Grunde nochmal dasselbe. Hier wird etwas genauer auf die Person Darryl F. Zanuck und auf das Filmbusiness der Sechzigerjahre eingegangen. Es sind Ausschnitte aus anderen Filmen Zanucks enthalten, unter anderem vom Mammutepos "Cleopatra", durch dessen explodierendes Budget "Der längste Tag" in Gefahr geraten ist. Zanuck wollte den Film aber unbedingt vollenden und hat ihn selbst mitfinanziert. In letzter Konsequenz haben diese Probleme wohl dazu geführt, dass Zanuck die Leitung des Filmstudios 20th Century Fox übernommen hat. Durch den finanziellen Erfolg von "The longest Day" wurde das in Schwierigkeiten geratene Studio wieder auf Kurs gebracht.

"Der D-Day im Rückblick" (1968) wurde anlässlich des 25. Jahrestages der Landung in der Normandie produziert. Darryl F. Zanuck besucht die Originalschauplätze Sainte-Mère-Église, Ouistreham, Pointe du Hoc, Omaha Beach und andere. Er gibt Erläuterungen zum Kriegsverlauf, zusätzlich werden lange Filmausschnitte gezeigt.

In "Darryl F. Zanuck: Die Erfüllung eines Traums" (2006) betont Zanucks Sohn Richard etwas, das auch in den anderen Dokus immer wieder gesagt wird: Für Zanuck war es eine Herzensangelegenheit, die Schrecken des Krieges und die Opferbereitschaft der Soldaten mit "The longest Day" zu würdigen.


J. Kreis, 17.03.2016




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