Logan


Logan - The Wolverine (USA, 2017)

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 137 Minuten

Extras:
- Audiokommentar von James Mangold
- Entfallene Szenen mit optionalem Audiokommentar von James Mangold (7:45 Min.)
- Die Entstehung von "Logan - The Wolverine" (76:05 Min.)
- Original Kinotrailer

Regie:
James Mangold

Hauptdarsteller:
Hugh Jackman (James Logan / X-24)
Patrick Stewart (Prof. Charles Xavier)
Dafne Keen (Laura Kinney / X-23)
Boyd Holbrook (Donald Pierce)
Richard E. Grant (Dr. Zander Rice)
Stephen Merchant (Caliban)




Inhalt

Die Ära der Mutanten scheint zu Ende zu sein. Der letzte Mutant wurde vor 25 Jahren geboren. Von den X-Men sind nur noch Prof. Charles Xavier und James Logan, genannt Wolverine, am Leben. Xavier leidet seit einiger Zeit an einer Hirnkrankheit, die zu Demenz und Krampfanfällen führt. Logan hält Xavier in einer verlassenen Fabrik in El Paso, Texas, versteckt und stellt ihn mit Medikamenten ruhig, denn wenn Xavier einen Anfall hat, verliert er die Kontrolle über seine telepathischen Fähigkeiten. Auf diese Weise sind vor einem Jahr zahlreiche Mutanten, darunter einige X-Men, ums Leben gekommen. Logan ist ebenfalls krank. Das Adamantium in seinem Körper vergiftet ihn. Seine Selbstheilungskräfte lassen nach, so dass er altert und Verletzungen viel schlechter wegsteckt als früher. Logan leidet unter ständigen Schmerzen, die er mit Alkohol betäubt. Caliban, einer der letzten noch lebenden Mutanten, hilft Logan bei der Pflege Xaviers. Logan arbeitet als Chauffeur und versucht 70.000 Dollar für eine Motorjacht aufzubringen. Weit draußen auf dem Ozean wären er und Xavier in Sicherheit. Zumindest würde nicht die Gefahr bestehen, dass Xavier bei einem Anfall weitere Menschen tötet. Logan selbst ist teilweise immun gegen Xaviers destruktive Kräfte.

Eines Tages wird Logan von einer verzweifelten Frau namens Gabriela Lopez um Hilfe gebeten. Sie behauptet, Killer hätten es auf sie und ihre elfjährige Tochter Laura abgesehen. Logan soll die beiden zu einem sicheren Ort namens Eden in North Dakota bringen. Die Angst der Frau ist sehr begründet. Donald Pierce, Sicherheitschef der Firma Alkali-Transigen und Anführer der Reavers-Kopfjägertruppe, interessiert sich ganz besonders für Laura. Er fordert Logan auf, ihm das Kind auszuliefern. Logan will mit alldem nichts zu tun haben, doch Gabriela bietet ihm viel Geld. Als Logan sie abholen will, ist sie bereits tot. Laura ist verschwunden. Sie hat sich im Kofferraum von Logans Limousine versteckt. Xavier hat schon auf sie gewartet. Er hat auf telepathischem Wege festgestellt, dass das Mädchen eine Mutantin ist. Pierce erscheint mit Dutzenden Kämpfern bei der Fabrik. Caliban wird festgenommen. Logan versucht weiterhin, sich aus der Sache herauszuhalten. Wie sich herausstellt, ist Laura den schwer bewaffneten und teils mit kybernetischen Gliedmaßen aufgerüsteten Söldnern durchaus gewachsen. Sie hat dieselben Kräfte wie Logan, Adamantiumkrallen inklusive. Sie tötet zahlreiche Schergen, droht dann aber der Übermacht zu unterliegen. Logan greift in den Kampf ein und flieht mit Laura sowie Xavier. Die drei verstecken sich in einem Hotel.

Mit ihrem Handy hat Gabriela Lauras Herkunft dokumentiert. Logan schaut sich die Aufnahmen an. Gabriela war eine bei Transigen tätige Krankenschwester. Laura ist nicht ihre Tochter, sondern eines von vielen in vitro mit Mutanten-DNS gezeugten Kindern; tatsächlich ist sie praktisch Logans Tochter. Transigen hat die jungen Mutanten in Mexiko erschaffen, wo diese Experimente nicht illegal sind. Die Kinder sollten als Waffen missbraucht werden, haben jedoch jegliche Kooperation verweigert und waren nicht zu kontrollieren. Manche haben sogar Selbstmord begangen. Transigen-Chef Dr. Zander Rice hat sich deshalb auf die Erschaffung einer anderen Klonwaffe konzentriert. Die Kinder sollten beseitigt werden. Gabriela und einige Gleichgesinnte haben so viele junge Mutanten aus der Transigen-Forschungseinrichtung befreit wie möglich. Bei der Flucht sind Gabriela und Laura von den anderen getrennt worden. Sie müssen Eden bis zu einem bestimmten Datum erreichen. Dann werden die anderen weiter nach Kanada marschieren, wo sie vor Transigen in Sicherheit wären. Logan kann die Vorstellung, eine Tochter zu haben, nicht akzeptieren. Als sich herausstellt, dass Eden in einem alten X-Men-Comic vorkommt (sogar die Koordinaten, zu denen er Laura bringen soll, stehen darin), hält er das Ganze für ein Hirngespinst.

Der Mutantenspürer Caliban wird durch Folter gezwungen, die Reavers zu Laura zu führen. Ihr Angriff schlägt fehl, weil Xavier einen Anfall hat, durch den alle außer Logan und Laura gelähmt werden. Jetzt fährt Rice schwerere Geschütze auf. Er bringt X-24 zum Einsatz, einen Klon Logans, der noch nicht unter den Schwächen des Originals leidet, weder Gewissen noch Hemmungen hat und obendrein mit einem speziellen Serum zu Höchstleistungen aufgeputscht wird. X-24 ermordet eine Familie, bei der Logan und seine Begleiter Unterschlupf gefunden haben. Auch Xavier fällt ihm zum Opfer. Logan wird von seinem Klon übel zugerichtet. X-24 wird von einigen üblen Gesellen abgelenkt, die es auf Logans Gastgeber abgesehen haben. Caliban begeht Selbstmord, indem er zwei Handgranaten zündet. Im so entstehenden Chaos gelingt Logan und Laura die Flucht. Laura lässt nicht locker, bis Logan bereit ist, sie zu besagten Koordinaten zu bringen. Am Ziel angekommen ist Logan mehr tot als lebendig. Aber Gabriela hat nicht gelogen - die Mutantenkinder halten sich tatsächlich dort auf. Sie pflegen Logan und überlassen ihm eine Phiole mit aufputschendem Serum. Da Logan erklärt, sein Job sei erledigt und er werde nicht mit nach Kanada gehen, brechen die Kinder allein auf.

Logan stellt fest, dass Rice und die Reavers den Kindern bereits auf den Fersen sind. Er spritzt sich das Serum, woraufhin er alle verloren geglaubten Kräfte zurückgewinnt. Seite an Seite mit Laura bekämpft er die Reavers, doch das Serum verliert rasch an Wirkung. Rice brüstet sich mit seinen Erfolgen. Die Tatsache, dass seit Jahren keine neuen Mutanten mehr geboren wurden, ist auf ein von Rice entwickeltes und in die Nahrungskette eingeschleustes Virus zurückzuführen. Logan erschießt Rice. Gleichzeitig setzen die Kinder ihre Kräfte gegen die verbliebenen Söldner ein und töten alle einschließlich Pierce, der kurz zuvor X-24 in den Kampf geschickt hat. X-24 fügt Logan eine tödliche Wunde zu. Laura tötet X-24 mit einer Adamantiumpatrone, die Logan immer bei sich getragen hat, um irgendwann Selbstmord begehen zu können. Logan stirbt in den Armen seiner Tochter. Nachdem sie ihn beerdigt hat, zieht Laura mit den Kindern weiter.


Kringels Meinung

Ich finde die meisten Filme aus dem Marvel-Universum klasse. Eigenständigkeit, gute Storys, exzellente Schauspieler ... das sind die größten Stärken. "Logan" nimmt hierbei eine Sonderstellung ein. Tatsächlich dürfte dies der ungewöhnlichste Superheldenfilm sein, den ich je gesehen habe! Ich finde zudem, dass die Comicfigur Wolverine niemals besser auf die Leinwand gebracht wurde als hier; egal ob in der ursprünglichen X-Men-Trilogie, dem Reboot (außer in X-Men: Zukunft ist Vergangenheit hat Wolverine ja nur quasi Cameo-Auftritte) oder in den ganz ihm gewidmeten Filmen X-Men Origins: Wolverine und Wolverine: Weg des Kriegers. In all diesen Filmen wurden wegen der angestrebten niedrigen Altersfreigabe Kompromisse gemacht, so dass Wolverine nie so rübergekommen ist, wie ich diese extrem grimmige Figur aus den Comics in Erinnerung habe.

Das ist in "Logan" ganz anders, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Endlich wird deutlich gezeigt, was Wolverine wirklich anrichtet, wenn er in Berserkerwut gerät, und wie gnadenlos er dann vorgeht. So explizit hat er sich bisher nicht durch seine Gegner gemetzelt. Es fließt viel Blut und es fliegen Gliedmaßen sowie Köpfe. Wenn Logan es dann auch noch mit X-24 zu tun bekommt ... Wow! Die dunklen Seiten von Logans Charakter werden nicht unterschlagen, sie bilden sogar den Kern der Story. Obendrein ist Wolverine alles andere als ein saft- und kraftstrotzender Superheld, der am Ende über die Schurken triumphiert. Desillusioniert, zerrüttet von körperlichen Beschwerden, zerfressen von Selbstzweifeln und erstmals wirklich mit der Sterblichkeit konfrontiert wartet er nur noch auf den Tod - seinen eigenen, aber auch den seines Schützlings, auf den ich später zurückkomme. Hugh Jackman gibt sich der Rolle voll und ganz hin. Was Logan durchmacht, tut wirklich weh ... zumal ich seine Leiden, jedenfalls was die Begleiterscheinungen des Alterns angeht, nur zu gut nachvollziehen kann. Ich lehne mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass Jackman in "Logan" eine der besten Leistungen seiner Karriere abliefert.

Ich kann den Willen der Filmemacher, diesmal auf die Altersfreigabe zu pfeifen und ihr eigenes Ding zu machen, egal was die Fans erwarten, gar nicht ausdrücklich genug loben. Wer zünftige, mehr oder weniger "saubere" Superheldenaction mit reichlich Gekloppe (aber wenigen Leichen), spektakulären Spezialeffekten, großmaßstäblichen Zerstörungen, coolen Heldenposen, schicken Capes und vielen humorigen Sprüchen sehen möchte, ist bei "Logan" definitiv im falschen Film! Zu Lachen gibt es hier schonmal nichts. Action wird durchaus geboten, aber sie kommt im Vergleich mit Blockbustern wie Avengers: Age of Ultron sehr reduziert bei gleichzeitig drastisch gesteigerter Brutalität daher. Logan will sich ja eigentlich nicht in die ganze Sache hineinziehen lassen, kämpfen will er schon gar nicht. Er ist die meiste Zeit auf der Flucht. "Logan" ist somit kein bunter Comicspaß, sondern ein sehr, sehr finsteres Roadmovie.

Kommen wir zu Prof. Xavier. Der einst so distinguiert-überlegene Herr ist ein körperliches und geistiges Wrack. Patrick Stewart verkörpert den pflegebedürftigen alten Mann mit viel Mut zur Hässlichkeit geradezu verstörend realistisch. Das hat mich aus Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, besonders getroffen. Dann ist da natürlich noch Dafne Keen. Filme mit Kindern in wichtigen Rollen sind oft problematisch - aber mit diesem Kind in dieser Rolle habe ich nicht das geringste Problem! Zunächst mal finde ich es höchst beeindruckend, wie das Mädchen ihre Figur ganz ohne Dialog zum Leben erweckt. Laura beginnt erst gegen Ende des Films zu sprechen. Und wenn sie im wahrsten Sinn des Wortes die Krallen ausfährt, kann selbst Wolverine nur staunen.

Hat es jemals einen so kompromisslos düsteren und dreckigen Superheldenfilm gegeben? Ich kann mich an keinen erinnern.


Extras

In der Doku "Die Entstehung von ..." wird viel über die Handlung, die Figuren und die Meinung der Schauspieler, des Regisseurs usw. hierzu gesprochen. Im Gegensatz zu den üblichen Featurettes bei anderen Filmen, die ich nur als bessere Werbung bezeichnen kann, haben die Leute hier wirklich etwas zu sagen und es lohnt sich, ihnen zuzuhören. James Mangold spricht mir aus dem Herzen, wenn er betont, wie befreiend es ist, nicht auf eine niedrige Altersfreigabe schielen zu müssen. Hugh Jackman merkt sinngemäß an, dass Wolverine in einem PG-13-Film nichts zu suchen hat. Der Regisseur wollte seine Vision verwirklichen und einen "erwachsenen", möglichst realistischen Film machen. Das ist ihm definitiv gelungen! Außerdem zieht Mangold eine Parallele zwischen Western und Superheldenfilm. Er meint, unsere heutigen Superheldenfilme hätten einen ähnlichen Stellenwert wie früher die Western. Das habe ich so noch gar nicht gesehen, aber es stimmt, und für "Logan" trifft der Vergleich ja sowieso zu. Außerdem ist recht viel Hinter-den-Szenen-Material zu sehen, frühe Testaufnahmen werden gezeigt und man erfährt so einiges über den Produktionsprozess. Zum Beispiel wurde der irgendwie "schlierige" Look jener Szenen, in denen Prof. Xavier seine Anfälle hat, auf ungewöhnliche Weise erzielt. Man hat wie verrückt mit der Kamera herumgewackelt und anschließend ein Computerprogramm über das Material laufen lassen, welches die Wackler entfernen sollte, was ihm aber nicht ganz gelungen ist. Witzig: Die minderjährige Dafne Keen durfte das reale Casino, in dem gedreht wurde, nicht betreten. Man musste einige CGI-Tricks und sonstige Kniffe anwenden, um die entsprechenden Szenen hinzukriegen.

Die sechs nicht verwendeten Szenen sind nicht besonders aufregend, das heißt, sie wurden zu Recht entfernt. Nicht uninteressant ist zumindest eine, in der ein weiteres Mutantenkind seine Kräfte einsetzt. Der Junge kann Menschen quasi fernsteuern. Er übernimmt die Kontrolle über einen Reaver, der daraufhin zwei Kameraden erschießt. Außerdem kriegt Logan ein Knöllchen. Die Polizistin ist aber nett zu ihm.


J. Kreis, 07.06.2018




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